Mexiko: Nein zu Saatgutbanken

Gastbeitrag: Ute Sprenger

In Mexiko soll eine Genbank für einheimisches Saatgut eingerichtet werden. Seit März 2008 liegt ein entsprechender Gesetzesvorschlag vor, der derzeit mit großer Eile im Parlament eingebracht wird. Im Mai sprach ich in Bonn anlässlich der UN-Vertragsstaatenkonferenz zur biologischen Vielfalt mit Aldo Gonzalez von der Union der Organisationen der Sierra von Oaxaca (UNOSJO) darüber. Dort herrscht die Sorge, dass transnationalen Agrobiotech-Konzernen der Zugang zu dem Reichtum erleichtert werden soll, der von Bauern und indigenen Gemeinschaften entwickelt wurde.

Das Gespräch steht als Video-Clip auf der Website des Evangelischen Entwicklungsdienstes.

Wer wissen will, worum es in dem Video geht, hier ein Kommentar vom Commonsblog: …

S. Helfrich: Habe mir das Interview angehört. Drei Aspekte finde ich aus der Perspektive der Commons wichtig:

1. Aldo erklärt ganz anschaulich, warum der Mais „nicht nur ein materielles sondern auch ein spirituelles Nahrungsmittel ist“. Natürliche und kulturelle Commons sind -das wird hier deutlich- untrennbar miteinander verbunden. Keine Biodiversität ohne kulturelle Vielfalt und umgekehrt. Aber auch ganz abstrakt: keine vitalen Gemeingüter ohne vitale communities.

2. Aldo benennt als zentrales Problem die Eigentumsfrage und damit die Frage: Wer entscheidet über den Zugang zum Saatgut? Die Gesetzesinitiative sieht vor, dass der Eigentümer eines Grundstücks Zugang gewähren kann (und z.B. entscheidet, ob der „sein“ Saatgut an die Genbank gibt). Aber das Saatgut, so Aldo, ist Kollektiveigentum. Überall wird es geteilt, weitergegeben.

Eine Person kann nicht sagen, ich bin ‚Herr über das Saatgut‘, aber das Gesetz sieht es so vor. Auch einzelne Comunidades können sich nicht als Besitzer deklarieren, sie würden die Rechte der anderen Gemeinden verletzen.

Kollektiveigentum verpflichtet immer dazu, die Zustimmung der Miteigentümer einzuholen. Das ist im Falle des Kollektiveigentums Saatgut genau genommen gar nicht möglich, weil die Gruppe der Eigentümer nicht klar definiert ist. Also ist Verkauf oder Zugangsverweigerung in jedem Fall eine Rechtsverletzung Dritter. So sehen es viele indígenas. So sehe ich das auch.

Und schließlich

3: Es kann nicht oft genug gesagt werden: Die einzige Form, Saatgut zu bewahren ist, es auszusähen. Nur so – nicht in Genbanken- kann sich Saatgut mittelfristig an veränderte Bedingungen (Stichwort Klimawandel) anpassen und in seiner Vielfalt erhalten bleiben.

Das sind keine Detailfragen, die uns, die wir mit der Maiskultur so wenig vertraut sind nichts angehen, vielmehr belegen sie im Kleinen, dass Antworten auf die Krisen unserer Zeit (Wasserknappheit, Klimawandel, Ernährungskrise, Schwund der Biodiversität), von den Rändern, nicht von den Zentren kommen werden.

Viel Spass beim Zuhören und dank an Ute für den Beitrag und den Link.

foto on flickr by pericoterrades

2 Gedanken zu „Mexiko: Nein zu Saatgutbanken

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  2. Das klingt jetzt so, als seien Saatgutbanken immer schlecht. Das Gegenteil ist doch aber der Fall. Natürlich sollte man das Saatgut auch in Saatgutbanken bewahren (Die Saatgutbanken sähen ja auch teilweise aus). Idealerweise halt in dezentralen, selbstorganisierten. Es käme darauf an den traditionellen Saatguttausch auf globaler Ebene neu zu organisieren.

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