Intellektuelles Eigentum gibt es nicht

Ich zitiere immer Lawrence Lessig, der den Autor der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung Thomas Jefferson zitiert. Jefferson wiederum zitiert – nicht explizit, glaub ich- den römischen Philosophen und Dichter Cicero. Und Cicero zitiert Ennius. De officiis heißt das Werk, in dem Cicero sich auf eine Aussage des römischen Poeten bezieht; darüber wie immaterielle Dinge geteilt werden sollten.

Ob Ennius nun der erste Mensch war, dem das eingefallen ist, wird sich für immer unserer Kenntnis entziehen. Seine Werke sind nur fragmentarisch erhalten. Ich wage es zu bezweifeln. Das Beispiel belegt die absurden Züge der Idee vom „intellektuellen Eigentum“.

Finde es deshalb ganz erstaunlich, wie viele und welche (!) Künstler sich in Sachen „Intellektuelles Eigentum“ erst gestern wieder vor den Karren des Bundes der Musikindustrie spannen liesen. (Brief an Angela Merkel, die von Leuten wie Ochsenknecht und Lindenberg gebeten wird, sich höchstpersönlich um den Schutz des „geistigen Eigentums“ zu kümmern/ Die begründungsfreien Aussagen auf den Kurzvideos der BDM Website sind bemerkenswert.)

Doch zurück zu Ennius: Der vielzitierte Gedanke gehört heute zum Standardrepertoire der Wissensallmendedebatte.

Hier in Variationen; Deutsche Fassung (nach Jefferson/wikiquote)

Es gibt kein geistiges Eigentum. Sobald eine Idee ausgesprochen ist, ist sie frei, denn: Wer eine Idee von mir empfängt, mehrt dadurch sein Wissen, ohne meines zu mindern, ebenso wie derjenige, der seine Kerze an meiner entzündet, dadurch Licht empfängt, ohne mich der Dunkelheit auszusetzen.

Englisch (Thomas Jefferson, Letter to Isaac McPherson, August 13, 1813. ):

If nature has made any one thing less susceptible than all others of exclusive property, it is the action of the thinking power called an idea, which an individual may exclusively possess as long as he keeps it to himself; but the moment it is divulged, it forces itself into the possession of every one, and the receiver cannot dispossess himself of it. Its peculiar character, too, is that no one possesses the less, because every other possesses the whole of it. He who receives an idea from me, receives instruction himself without lessening mine; as he who lights his taper at mine, receives light without darkening me.

oder:

When a man in a friendly fashion shows the way to someone who is lost, it is as if he lit that man’s lamp with his own: his light shines no less brightly for having lit the other man’s lamp. (weiß gerade nicht mehr, woher das ist)

Latein:

Homo, qui erranti comiter monstrat viam,
Quasi lumen de suo lumine accendat, facit.
Nihilo minus ipsi lucet, cum illi accenderit.

Das ist schlicht eine wunderbare Art, ein Wesensmerkmal der Wissensallmende auszudrücken.

2 Gedanken zu „Intellektuelles Eigentum gibt es nicht

  1. Pingback: Merkel löst Hardwareproblem der Peer-Ökonomie — keimform.de

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