Landschafts-Allmende

Der Blog heißt Fundsachen von der Allmendewiese. Heute habe ich was gefunden: Die moderne Allmende: Wem gehört in Zukunft die Landschaft? Ein Vortrag, den Prof. Christiane Sörensen auf einer Tagung der Brandenburgischen Landeszentrale für Politische Bildung gehalten hat.

Der Artikel lässt sich im Netz eigentlich nur mit Lupe lesen. Daher hier ein paar Zitate:

Sörensen schreibt -am Beispiel der Heidelandschaft Brandenburg vor und nach dem 30 jährigen Krieg– über historische Formen der Landbewirtschaftung als Krisenmanagement.

„Was quasi als eine Form des Krisenmanagements der Flächenbewirtschaftung hervorging, war die Vergrößerung der Allmende, die von den Bauern im Dorf gemeinschaftlich genutzt werden konnte. Das Gemeingut an Boden, Wald und Gewässern zur kollektiven Bewältigung der Armut bedeutete auch die gemeinsame Verantwortung für diese Flächen.“ (Herv. durch mich)
Ich erinnere mich an einen Satz von Christine von Weizsäcker vor 2 Wochen auf einer Tagung der Kantstiftung: „Allmende ist verlässlich. Sie sichert die Überlebenschancen. Also müssen wir das Überleben der Allmende sichern.“ Aber weiter im Sörensentext:
„Als jüngeres Beispiel kann das Bodenreformland als eine Übergangsform für den nutzbringenden zeitweisen Besitz an Grund und Boden nach 1945 betrachtet werden. In diesem Zusammenhang gilt es, die besondere Nutzungspflicht, welche an diese Eigentumsform von landwirtschaftlichen Flächen geknüpft war, herauszustellen. Unmittelbar nach dem Krieg fand die Übergabe von Grund und Boden an landlose Bauern, Umsiedler, Kleinsiedler sowie an Handwerker und Arbeiter als bewirtschaftungspflichtiges Arbeitseigentum statt. Verließ ein Bauer sein Land, verfiel sein eigentumsrechtlicher Anspruch und das Land ging in die kollektive Verantwortung (Bodenfonds) zurück.

Genau so macht das heute das Movimiento Sem Terra, die brasilianische Landlosenbewegung. Es werden nach erfolgreichen Landbesetzungen keine individuellen Besitztitel mit Veräusserungsrecht vergeben. Verläßt jemand die Bewegung, fällt das von ihm bis dahin bearbeitete Land zurück an alle.

Sörensen zeichnet einige Beispiele nachhaltiger Landschaftsveränderung in England und Brandenburg nach. In einem weiten Bogen von der Agrar- zur Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft.

Das Problem beschreibt sie so:

„Kultur ist … zunächst ein positiv belegter Begriff, jedoch gelingt es selten, bei den Entwicklungskonzepten für die Neuausrichtung von Gebieten (nach historischen Umbrüchen – S.H.) mit Landschaft als Kulturgut erfolgreich zu argumentieren.
Landschaftsprägende Kulturleistungen von bleibendem Wert bedürfen Visionären mit dem „Vermögen, Schönheit und Nutzen zu vereinen und mit kosmopolitischem Denken über die Region hinaus zu wirken. So entstehen Wirtschaftsweisen mit einem langen Zeithorizont…“

Auch hier nochmal ein Satz von Weizsäcker, der sich mit dem zitierten Gedanken verbindet: „Für Allmende kann keine enge Nutzenoptimierung gelten. Sie stehen in einem größeren Raum-Zeit-Zusammenhang.“ So ist es; von Allmenden reden bedeutet immer von Nutzungsvielfalt reden, von buchhalterisch nicht berechenbarem Nutzen. Das muß nicht nur Stadtplanern, sondern auch Haushältern klar sein. Wie brachliegende Flächen für vielfältige Nutzungen erschlossen werden können beschreibt Sörensen am Beispiel verlassener Industriegrundstücke, Militärgelände oder Truppenübungsplätze.

„Innerstädtische Brachen werden auf diese Weise wie im Mittelalter zur Allmende, zum gemeinsamen Nährboden für das Entwickeln von Überlebensstrategien.
Dies alles setzt jedoch voraus, dass die Eigentumsverhältnisse diesen Prozess erlauben. Somit … fordere ich die moderne Allmende als Warteschleife für eine sinnvolle Landnutzung heraus… Die Umsetzung übergeordneter, landschaftsräumlicher Konzepte, könnte der Suche nach Gemeinschaft, Orientierung und notwendigem Zusammenhang in hohem Maße entsprechen.“

Ein Gedanke zu „Landschafts-Allmende

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