Jamendo – Das Ende der Mittelsmänner

Kennen Sie die Musikplattform JAMENDO? Auf Jamendo ermöglichen Künstlerinnen und Künstler uns allen, ihre Musik herunterzuladen und zu verteilen. Wie das funktioniert, steht hier. Völlig kostenlos, legal und uneingeschränkt -, so ist fettgedruckt auf der Plattform zu lesen

AKTUELLES VON JAMENDO: Mitte 2007 sind 10.000(!) Alben online.

(Zum Reinhören gibts ein paar Kostproben:)

So ganz kostenlos ist es ja nicht. Tatsächlich wird der Begriff in der Selbstdarstellung nach meinem Geschmack etwas zu häufig strapaziert. Denn zugleich werden die NutzerInnen völlig zu Recht zum Spenden und Mitarbeiten (z.B. durch Veröffentlichung auf blogs) aufgerufen. Schließlich sollen die Künstler und Kreativen auch „etwas davon haben“: In der Öffentlichkeit bekannt werden, Spendeneinnahmen erzielen, … um „die Mittelsmänner auszuschalten“. Das ist nämlich ein entscheidender Punkt. Vom gegenwärtigen System der Musikindustrie profitieren nur wenige Rechteverwerter und wenige erfolgreiche KünstlerInnen, die durch den undemokratischen Auswahlprozess dieser Rechteverwerter in den Genuß des massiven Kontaktes mit dem Publikum kommen. Die vielen anderen bleiben auf der Strecke.

Nur ein Bruchteil der KünstlerInnen verdient im gegenwärtigen System genug zum Leben. Von 32.000 neuen Aufnahmen in den USA, schaffen es nur 250 mehr als 10.000 Kopien zu verkaufen. Die Künstler erhalten Knebelverträge mit den Produktionsfirmen, die ihnen alle nur erdenklichen Kosten aufbürden. Diese Produktionsfirmen setzen sich für genau die „Urheberrechte“ ein, die sie den KünstlerInnen auf Lebenszeit „abgekauft“haben. Wie hat Cortney Love in ihrer sehr lesenswerten und vielzitierten Brandrede 2000 so treffend zusammengefaßt: „This is piracy!“ Dass die Rechteverwerter nun das Ende der MusikINDUSTRIE beschwören ist nur folgerichtig. Es wäre ihr Ende. Das Ende der Mittelsmänner. Nicht das der KünstlerInnen, wie Jamendo beweist.

Die Forderung ist also die Gleiche wie beim internationalen Kaffeehandel. „Mittelsmänner ausschalten“ (O-Ton Jamendo). Weg frei für eine direkte(re) Beziehung zwischen ProduzentInnen und KonsumentInnen. Nun haben die KünstlerInnen des digitalen Zeitalters dafür inzwischen bessere Voraussetzungen als die Kaffeebauern El Salvadors. Und die sollten sie nutzen.
Wie die Ökonomie von Open Source, Freiwilligkeit (in Arbeit und Bezahlung), die Ökonomie des Teilens und Spendens nun tatsächlich funktioniert… diese Theorie wurde, wie David Bollier auf seinem commonsblog kommentiert, noch nicht geschrieben. Aber, „as it has been said about Wikipedia, „It works in practice, just not in theory.“ Die Praxis ist der Theorie eben voraus. Es ist spannend, dafür den Blick zu öffnen.

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