Citizen Public Partnership

Ein Kürzel macht in der entwicklungspolitischen Debatte seit Jahrzehnten Karriere: PPP, Public Private Partnership. Das Geld für Investitionen wie Wasser- und Energieversorgung ist oft knapp. Der Staat kann’s nicht allein richten. Ergo -so der Schnellschluß- führt kein Weg an der Kooperation mit privaten Investoren vorbei. So wird Öffentlich versus Privat zu Öffentlich plus Privat. Zu PPP.

Der Zusatz „partnerschaftlich“ ist dabei wichtig. Er wird gebraucht, um an Interessenskonflikten gezielt vorbei zu lenken. Doch der eigentliche Knackpunkt ist, daß die betroffenen Menschen, die citizen, ihre Bedürfnisse, Rechte und Verantwortung, weder in der einen noch in der anderen Variante vorkommen. Wie wäre es stattdessen mit Public Citizen Partnership? Selbstverantwortung, Subsidiarität und Solidarität in Kooperation mit den Kommunen oder anderen staatlichen Instanzen. So ähnlich beschreiben die Veranstalter einer bundesweiten Genossenschaftstagung ihre Idee. Gemeint kann aus meiner Sicht nicht der allgegenwärtige Prozess sein, daß sich die öffentliche Hand aus allem rauszieht und die Lösung kollektiver Probleme komplett dem Selbstorganisationstalent der Menschen überlässt.

Gemeint sein muß ein auf Autonomie, Verantwortung, Nachhaltigkeit und Solidarität setzendes Public-Citizen-Partnership Verständnis. Was das in der Praxis heißt, kann man sich im Bioenergiedorf Jühnde vor Augen führen: Jühnde ist Deutschlands erstes Bioenergiedorf! Die kleine niedersächsische Gemeinde ist energetisch (fast) autark und das auch noch auf der Basis nachwachsender Rohstoffe. Wärme und Strom für 70% der Haushalte, für die Gemeinde und Landwirte kommen aus einer Biogasanlage und einem Biomasseheizwerk. Photovoltaik ist in Planung. Klingt fast ein bisschen zu zauberhaft-nachhaltig in allen Dimensionen: sozial, ökologisch, ökonomisch und politisch, denn das Dorf löst die Energiefrage von unten: von der Dorfgemeinschaft durchgesetzt, getragen und genossenschaftlich organisiert!

Da kann der Staat nicht Nein sagen und steht den GenossenschaftlerInnen bei. Public-Citizen-Partnership eben. Citizen-Public-Partnership wäre eigentlich noch treffender, denn Ressourcenmanagement muß in erster Linie in Beziehung zur entsprechenden Gemeinschaft gedacht werden. Dass dabei private Akteure, sofern sie mit den Anliegen der BürgerInnen überein stimmen, nicht außen vor bleiben, beweisen die Bioenergiedörfler auch. Felicidades Jühnde!

Foto: Jühnde, aus Wikimedia Commons. Links im Bild in weiss die genossenschaftliche Biogasanlage.

Ein Gedanke zu „Citizen Public Partnership

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s