Die Cowboys der Meere

… heißen Planktos (USA), Ocean Nourishment Corporation (Australien) oder Climos. (USA). Sollten wir uns merken. So wie Monsanto & Co, jetzt eben Planktos & company. Die Nichtregierungsorganisation ETC mit Sitz in Kanada und Mexiko macht Pionierarbeit und setzt -gemeinsam mit Anderen- ein Thema auf die Tagesordnung, welches von Wissenschaftlern seit Jahren diskutiert wird, aber die Presse noch nicht erobert hat.

Geoengineering, so die englische Bezeichnung. Anregungen für eine geeignete deutsche Übersetzung werden gern entgegen genommen. Nennen wir es vorerst Geomanipulation. Denn die Cowboys der Meere legen im Wortsinn Hand an das geologische System Erde. Sie benutzen eine globale Gemeinressource, die Ozeane, als Laboratorium eines Glücksspiels der besonderen Art. Es gilt herauszufinden, wie das System reagiert, wenn man die Meere mit Eisen und Harnstoff düngt.

Zur Rechtfertigung haben sie schwerstes Geschütz aufgefahren: der Klimawandel droht. Da helfe nur noch, rasch, effizient und kostengünstig dafür zu sorgen, dass soviel CO2 wie möglich gebunden wird und auf den Meeresboden sinkt. Also soll die Produktion von Phytoplankton per Eisendüngung angekurbelt werden. Man hofft, dass einmal diese Methode über den internationalen Emissionshandel als „CO2-Reduktionsmethode“ finanzielle Erträge bringt. Zum Glück ist sie jedoch bisher nicht im Rahmen des Kyoto-Protokolls anerkannt, und auch nicht im EU-Emissionshandel.

Die Frage was passiert, wenn’s nicht funktioniert, stellen sich Geomanipulateure offenbar nicht. Das Problem ist aber, dass sie sich genau diesen Luxus nicht leisten können. Im Gegensatz zu Softwareingenieuren, die dann einfach „de-buggen“, dh. einen Fehler zurück progammieren.

Nun hat sich das mit dem Schutz der Meere befasste internationale Gremium, das Londoner Abkommen des Themas angenommen, der kritischen Wissenschaft den Rücken gestärkt und sich für klare internationale rechtliche Regelungen in Sachen geoengineering ausgesprochen. Da jede noch so irritierende Nachricht von Kritikern immer irgendwie positiv verpackt werden muß (damit jene, die sich zu Recht ängstigen, in der Öffentlichkeit nicht als Angstmacher dastehen), war dies für ETC ein willkommener Anlaß, Positives zu formulieren und der Politik den Rücken zu stärken. Die Pressemitteilung finden sie hier.

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) nennt die Geomanipulation übrigens: „biologisch-technische Speicherung von CO2 in Meeresökosystemen“ (das klingt nicht so düster). Der WBGU und hat schon vor 4 Jahren ein eindeutig negatives Urteil gefällt. Die Folgen für die Umwelt, insbesondere die marinen Ökosysteme, bezeichnet das Expertengremium als „gravierend.“

Argumentiert wird mit allerlei technisch-fachlichen Befunden: Mit der Tatsache etwa, dass zwar die Biomasse des Phytoplanktons innerhalb weniger Wochen durch Eisenzugabe erhöht werden kann, es aber keinen gesicherten Hinweis auf einen verstärkten Kohlenstofftransport in tiefere Wasserschichten gibt. Und wenn diese „Entführung“ des gebundenen CO2 Richtung Meeresboden nicht klappt, wäre ja das ganze Unternehmen für die Katz.

Oder: Die Zusammensetzung der Algengemeinschaften würde sich erheblich verändern, die Produktion von Dimethylsulfid, welches die Wolkenbildung fördert, würde sich erhöhen, „die Artenvielfalt in den Phytoplanktongesellschaften nimmt ab; die Artenzusammensetzung ändert sich, toxin-produzierende Cyanobakterien nehmen zu, in tieferen Ozeanschichten können Eutrophierung und verstärkter Sauerstoffverbrauch einsetzen“ und – das fand ich besonders pikant-: „anoxische Abbauprozesse in diesen Zonen könnten dann Treibhausgase wie Methan oder Lachgas freisetzen und so den Treibhauseffekt verstärken“.

Der WBGU schließt sich damit der Meinung der Union of Concerned Scientists an und lehnt großskalige Experimente zur Eisendüngung ab. Doch wer kontrolliert die Cowboys da draußen, welches Recht wird vom wem auf unseren Weltmeeren durchgesetzt? Die Aussagen des Wissenschaftlichen Rates des Londoner Abkommens sind begrüßenswert. Aber zu wenig. ETC und andere fordern ein Moratorium der Experimente, bis die Debatte in den Tageszeitungen und Parlamenten angekommen ist.

Wer keine fachlich-technisch Argumentation braucht, dem genügt vielleicht der einfache Gedanke, dass sich individuelles Glückspiel mit unserem Recht auf den Erhalt und Schutz globaler Gemeinressourcen, mit dem Respekt vor den geologischen Prozessen komplexer Systeme auf der Erde, in den Ozeanen und im Weltall nicht verträgt.

Foto: von karlequin auf flickr

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