Stau: Tragik einer Gemeinressource

Stau in BeijingIch war soeben für ein paar Tage in Beirut. Wenn ich mich dort von A nach B bewegen wollte, stand das Taxi permanent im Stau.

„Sie stehen nicht im Stau: Sie SIND der Stau“ stand vor vielen Jahren als Graffiti an einer Wand in Trier. Das ist genau der Punkt. Es ist unser gemeinsamer Straßenraum, den wir erbärmlich schlecht verwalten, wenn wir jedem Auto erlauben, sich dort breit zu machen. Und dabei den Raum für Fußgänger und Radfahrer, für Busse zu verstopfen.

Denn jedes Auto, sei es als Fahrzeug oder (die meiste Zeit) als Stehzeug, nimmt pro Kopf von unserem gemeinsamen Straßenraum weit mehr in Anspruch als andere Verkehrsmittel. Autos privatisieren eine Gemeinressource, unseren Straßenraum. Das hat auch einen sozialen Aspekt: der reichere Teil der Gesellschaft besitzt meist größere Autos, die mehr Platz in Anspruch nehmen als die Kleinwagen, Mopeds oder Fahrräder der Armen.

Parkraumbewirtschaftung und Road-Pricing sind ein Weg, die Übernutzung der Gemeinressource Straßenraum durch die Autofahrer zu begrenzen. In London hat die „Congestion Charge“ für die Einfahrt in die Innenstadt den täglichen Stau deutlich reduziert und die Lebensqualität in der Innenstadt verbessert. Doch das ist nur ein Teil der Gleichung. Der andere muss heißen: Die Nutzung der Einnahmen aus Parkraumbewirtschaftung und Road Pricing zur Investition in kollektive Transportmittel, die zu einem erschwinglichen Preis urbane Mobilität auch für diejenigen ermöglichen, die sich kein Auto leisten können. Mobilität für alle, als öffentliches Gut.

Verkehrsplanung ist Commonsmanagement. Gerechter Zugang, gerechte Verteilung des Nutzens, demokratische Entscheidungsfindung und Erhalt der Ressource gelten auch hier als Prinzipien.

Foto: Stau in Beijing, von Jörg Haas

2 Gedanken zu „Stau: Tragik einer Gemeinressource

  1. Tja, das habe ich auch schon seit 15 Jahren erzählt. Ich glaube nicht mehr daran, dass es was nützt. Am Freitag hieß die headline der Bildzeitung „Autofahren nur noch für Reiche?“, und genauso wird es werden.

  2. Pingback: Sie stehen nicht im Stau, Sie sind der Stau « Stumbling on melons

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