Run auf die letzten Ressourcen

oelpreisDer Ölpreis steigt auf Rekordhöhen. Für 87,40 Dollar wird das Barrel in New York gehandelt.

Heute meldet die Süddeutsche Zeitung: Briten sichern sich riesiges Gebiet in der Antarktis. Für die Ölförderung. Dabei handelt es sich um eine Million Quadratkilometer Meeresgrund vor der Antarktis, auf das sie Ansprüche bei der UN anmelden.

Das ist sie wieder, die alte Konquistadorenmentalität. Das Spiel geht so: Erst mal Ansprüche an den Gemeinressourcen abstecken. Nach dem Prinzip wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Sie bei einer höheren Autorität (früher war das der Papst, heute die UN) legal absichern. Per Konzession die Gemeinressourcen den Privatunternehmen überlassen. Und dann rausholen was rauszuholen geht. Koste es was es wolle.

Wikipedia CommonsPraktischerweise gibt es am Meeresgrund keine indigenen Völker, die man beseitigen muss. Das war ja sonst immer etwas unschön. Und die paar Pinguine sind als Filmstars zwar ganz drollig, aber wehren können sie sich nicht. Auch praktisch.

Jetzt braucht man nur noch eine Armada, um bei Streitigkeiten notfalls die Oberhand zu behalten. Aber dafür ist ja die Royal Navy da. Seit über 500 Jahren!

(rechts: Sir Francis Drake / Wikimedia Commons).

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Nun aber nochmal im Ernst. Was passiert hier?

Das letzte Stück Boden, an dem noch keine privaten Verfügungsrechte abgesteckt wurden, der Meeresboden und die darunter verborgenen Schätze, gehören als gemeinsames Erbe der Menschheit erst einmal uns allen. Der Meeresboden ist als solches eine globale Gemeinressource: eine Ressource wie die Atmosphäre auf die kein Mensch einen größeren Anspruch erheben kann als andere. Als Gemeinschaftsgut wäre er zu erhalten, zu schützen und unvermindert den Nachkommen zu übereignen.

Weil die Antarktis eine besonders ökologisch sensible, ja fragile Umgebung ist, kämpfte Greenpeace seit 1983 für einen Weltpark Antarktis. Damit sollte sie aus dem destruktiven Wettrennen um mineralische und fossile Ressourcen herausgehalten werden. Sollte als gemeinsames Erbe der Menschheit in ihrer Schönheit und Wildheit unseren Nachkommen weitergegeben werden.

Der britische Anspruch auf den Meeresboden vor der Antarktis verstößt gegen diese Idee des schützenswerten Gemeinschaftsguts, das nicht einfach wie Privateigentum verbraucht und ausgebeutet werden kann/ darf. Nun handelt es sich hier um eine staatliche Einfriedung („enclosure“) einer Gemeinressource. Und man könnte meinen, ein Staat vertrete die Interessen der Bürger am Erhalt der Ressourcen. Doch gerade die Geschichte der Fischerei, der Ausbeutung der Tiefseeressourcen zeigt, wie dieser staatlichen Einfriedung schlicht die private Übereignung folgt und unser aller Ressourcen schrittweise zur Plünderung freigegeben werden. Das geht so weiter, solange wir nicht wirkliche Treuhänder finden, die das vermeintliche „Niemandsland“ vor derlei mißbräuchlichen Einfriedungen schützen und unser gemeinsames Erbe gegen die Nachfahren von Sir Francis Drake verteidigen.

Pinguinfoto: by BrynJ on flickr

3 Gedanken zu „Run auf die letzten Ressourcen

  1. Pingback: Die Schätze unter und über uns « CommonsBlog

  2. Pingback: Ein Millionenversprechen für die Menschheit « CommonsBlog

  3. Mit absoluter Dringlichkeit muß denjenigen, die sich jetzt schon ihre Hände reiben, ob der lukrativen Aussichten in der Arktis, wenn dort weiterhin das Eis wegen steigender Co2-
    Emissionen ungebremmst schmelzen wird, das Handwerk gelegt werden.

    Sollen diejenigen sich doch auf den Mars schießen und dort
    ihre gierigen Ambitionen ausleben.

    Diese unsere einzige Erde gehört denjenigen, die sie bewahren und als einzigartige Schönheit zu erhalten bemüht sind !

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