Alternativer Nobelpreis für Louise und Percy Schmeiser

„There is no such thing as coexistence!“ sagt Percy Schmeiser. Er sagt es oft und stets mit Nachdruck. Seit ich Percy zum ersten Mal auf einer Veranstaltung der Heinrich Böll Stiftung in El Salvador reden hörte, hat sich dieser Satz eingeprägt. „There is no such thing as coexistence!“ Schmeiser meint: Gensaat neben konventioneller Saat geht nicht. Punkt.

Seine gut strukturierten Beiträge überzeugen, die Geschichte der Schmeisers berührt. Und; der Gewinner des alternativen Nobelpreises von 2007 hat eine Mission. Er führt seine ZuhörerInnen in stringenter Logik zu der Erkenntnis, dass es erstens keinerlei Kontrolle darüber gibt, was mit freigesetztem genmanipuliertem Saatgut passiert und dass es zweitens schreiendes Unrecht ist, Bauern für die Kontaminierung ihrer Felder haftbar zu machen. Und nicht die Verursacher.

Im August 1998 verklagte einer der Verursacher, der us-amerikanische Konzern Monsanto, die Schmeisers, genmanipuliertes und patentiertes Raps-Saatgut widerrechtlich angebaut zu haben. Tatsächlich waren die Felder der Schmeisers mit round-up resistentem Raps verunreinigt. Der Wind oder andere natürliche Faktoren hatten bewiesen, „that there is no such thing as coexistence!“ Zwei Gerichte verurteilten Louise und Percy zu 100.000 EURO Schadensersatz. Die Anwaltskosten liefen auf das Vierfache auf. Die Schmeisers zogen bis vor das Kanadische Bundesgericht. Dieses sprach zwar 2004 die Kläger von den Schadensersatzforderungen frei, aber zum eigentlichen Skandal (der Haftung der Bauern) befanden die Gelehrten, dass Monsanto grundsätzlich im Recht sei. Patentansprüche – und damit das Recht, Lizensgebühren zu kassieren- gälten auch für kontaminierte Äcker.

2005 haben Louise und Percy Schmeiser Gegenklage gegen Monsanto einreicht, wegen Umweltverschmutzung und Vernichtung der eigenen gentechnikfreien Saatgutzüchtung, denn, you know … there is no such thing as coexistence! (NEU: Der Prozess ist beendet. Lesen sie hier das überraschende Finale)

Die beiden wissen, dass die Bauern in El Salvador oder Ruanda keine Möglichkeit haben es mit Goliath aufzunehmen. Sie kämpfen auch für sie… und für deren selbstbestimmten Zugang und Umgang mit ihrem und unserem Saatgut. Sie kämpfen gegen das, was wir „Privatisierung der Gemeinschaftsgüter“ nennen. Gegen juristische, technologische oder schlicht mit der Macht des Stärkeren durchgesetzte Tricks, der Gemeinschaft die Verfügungsgewalt über ihre Ressourcen (Saatgut/Biodiversität) zu entziehen.

Die Jury des Right Livelihood Award hat in der Würdigung der Schmeisers deutlich auf diesen Aspekt hingewiesen. Die Preisträger erhalten den Award nicht nur „für ihren Mut bei der Verteidigung der Artenvielfalt und der Rechte der Bauern“, sondern auch „dafür, dass sie die derzeitige ökologisch und moralisch perverse Auslegung des Patentrechts in Frage stellen“.

Congratulations Louise! Congratulations Percy! Es ist ein Privileg in Kontakt zu sein und diesen Kampf zu unterstützen.

PS: Dem Bundesrat, der weitere Erleichterung für den Anbau von Gen-Pflanzen fordert wird dringend ein Termin mit den Schmeisers empfohlen. Viel Zeit zur Einflußnahme auf das neue Gentechnikgesetz bleibt nicht. Noch in diesem Herbst soll es verabschiedet werden. Mehr Information und Möglichkeiten aktiv zu werden finden Sie hier und hier.

5 Gedanken zu „Alternativer Nobelpreis für Louise und Percy Schmeiser

  1. Hallo Familie Schmeiser,

    wir gratulieren herzlich zu diesem Preis. Es ist wichtig, nicht aufzugeben und gegen solche Firmen sein Wort zu erheben. Wir, ich und meine Frau haben uns dem Schutz der Natur verpflichtet und werden auch in Zukunft unser möglichstes dafür tun.

    Schon erstaunlich, das in der Kantine von Monsanto keine Gentechnich veränderten Produkte angeboten werden.

    Herzliche Grüße
    Daniel & Gabriele Starzonek
    http://www.dgs-vertrieb.de

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  4. Herzlichen Glückwunsch zur verdienten Auszeichnung!
    Haben Sie sich schon mal mit „Effektiven Mikroorganismen“ wie sie der japanische Professor Teruo Higa zussammengesstellt hat vertraut gemacht? Es ist ein überaus lohnendes Kapitel, über das Sie im Internet vieles finden, auch ein Forum unter
    http://www.forum.em-effektive-mikroorganismen.de/start.php

    Weiterhin viel Mut und Kraft wünscht L.Böhmer

  5. Pingback: Monsanto entschädigt Schmeisers « CommonsBlog

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