No (Wo)Man’s Global Gommons

Die Theoretiker der Gemeineigentumsdebatte haben ein paar Verwirrungen angerichtet. Eine der grundlegendsten findet sich im Ende der 60er Jahre entstandenen Aufsatz von Garrett HardinDie Tragödie der Gemeinschaftsgüter“.

Schafweide in EcuadorSeit Hardin hat das Beispiel der gemeinsam ge- und übernutzten Weide Berühmtheit erlangt. Er illustriert die „Tragödie“ im Kern so: Eine Weide wird – als wäre das Naturgesetz – durch die rationalen Herdenbesitzer überweidet, weil diese den Nutzen immer mehr ihrer Schafe auf die Weide zu treiben privatisieren und den Schaden (die überweidete Weide) sozialisieren.

Also besser Zaun drum. Weide der Gemeinschaft entziehen. Wenn schon Privatisierung, dann richtig! Das tut der Weide (der Umwelt) und damit der Gesellschaft gut. Das Ergebnis kennen wir. Die Privatisierung ist zur Ideologie geworden: Der beklagte Mechanismus – Privatisierung der Gewinne und Sozialisierung der (Umwelt, sozialen, kulturellen) Kosten – ist dennoch nicht aus der Welt verschwunden. Im Gegenteil.

Die Kritik an Hardin lässt sich schnell zusammenfassen: einerseits ist menschliches Handeln nicht nur von der ökonomischen Ratio geleitet, andererseits war Gemeineigentum, historisch immer selbst gesetzten Regeln (des Zugangs, Umgangs und benefit sharing) unterworfen. Anders ausgedrückt: common land ist kein no man’s land. Soweit läßt sich die Verwirrung auflösen. Jedenfalls wenn wir von eher traditionellen Gemeinschaftsgütern, natürlichen Ressourcen, reden, die in der Regel lokal verankert sind. Die Menschen haben eine Beziehung dazu, sie empfinden sich als Miteigentümer. Sie kümmern sich drum.

Anders ist es bei ungeregelten Eigentumsverhältnissen, bei Dingen, die no (wo)man’s land, no man’s property sind. Sie werden nach wie vor quasi zum Plündern freigegeben. Der Himmel gehört allen: also emittiert die halbe Welt was sie kann und das Wirtschaftswachstum hergibt. Die Ozeane gehören allen – auf zum Überfischen. Das Volkseigentum des Realsozialismus gehörte allen – wunderbare Gelegenheit zur Selbstbedienung. Dabei muß es nicht einmal so sein, dass die Eigentumsverhältnisse nicht definiert sind, wie das realsozialistische Beispiel zeigt. Es hat nur niemand empfunden, dass man mit der Gesellschaft auch sich selbst bestiehlt. „Denn Raub begeht am allgemeinen Gut, wer selbst sich hilft in eigner Sache.“, läßt Schiller seinen Tell sagen.

Ist das bei den Global Commons, also den Gemeinschaftsgütern, die irgendwie der ganzen Welt, die allen BürgerInnen gleichzeitig gehören, nicht ganz genauso? Ist nicht das zentrale Problem der Global Commons (anders als der Local Commons), dass sie behandelt werden wie Niemandsland? Weil sozusagen die individuelle Beziehung zu diesem Globalen nicht hergestellt ist. Ganze Heerschaaren von BildungsreferentInnen versuchen seit Jahren den Leuten zu erklären, dass das Klima, Amazonien, der berühmte umfallende Sack Reis in China auch etwas mit ihnen zu tun hat.

Doch ist das Problem nicht pädagogisch zu lösen. In der Tat fehlen uns noch heute die politischen Institutionen, die unseren gemeinschaftlichen Besitz an den Global Commons politisch umsetzen, ihre demokratische Kontrolle sicherstellen, ihre Übernutzung in Schranken weisen, und uns allen unseren gerechten Anteil an ihrem Nutzen zukommen lassen. Damit können wir auch keine Beziehung zu den Global Commons aufbauen.

Wenn es nicht gelingt, diese Beziehung herzustellen, und wenn wir es nicht schaffen, durch internationale Institutionen dieses globale kollektive Eigentum an Atmosphäre, Ozeanen und was auch immer zu regeln, dann wird Hardin ein klein wenig recht behalten. Anders gesagt, dass Global Commons wie Niemandsland behandelt werden werden, gehört geändert.

Ein Gedanke zu „No (Wo)Man’s Global Gommons

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