Commons als Infrastruktur

Infrastruktur ist vom lateinischen infra (unten, unterhalb) abgeleitet. Infrastruktur ist der Unterbau, langlebige Grundeinrichtungen, die für das Funktionieren einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft unerlässlich sind. Meist ist die Rede von öffentlicher Infrastruktur: Verwaltung, Verkehr, Handel, Produktion.

Römerbrücke in Trier (Foto: Jörg Haas)Doch es gibt noch etwas drunter. Gewissermassen die Struktur, auf der diese Infrastruktur aufbaut. Verkehr braucht Luft, Wasser oder Boden; Handel braucht urbanen oder ländlichen öffentlichen Raum. Verwaltung braucht Kulturtechniken. Verkehrsleitsysteme und Medien nutzen das elektromagnetische Spektrum und so fort (siehe Kasten rechts: Commons sind überall…).

Hilfreich finde ich diese Schichtungsidee immer dann, wenn ich versuche zu verstehen, was genau Gemeinschaftsgut ist. Wasser (in allen Aggregatzuständen) oder auch die Wasserversorgung? Elektrizität und Energieträger (fossile wie erneuerbare) oder auch die Strom- und Energieversorgung? Das elektromagnetische Spektrum oder auch die Radiowellen? Das was drüber oder das was drunter ist?

Gemeinschaftsgüter sind das Grundlegendste, sozusagen die „Infrastruktur der Infrastruktur“. Erbe der Biosphäre oder vorangegangener Generationen. Ich sehe Wasser als common, nicht die Öffentliche Wasserversorgung (die ist öffentliches Gut). Energieträger sind commons, nicht die Stromversorgung, das ist öffentliche oder private Dienstleistung. Das elektromagnetische Spektrum ist common, nicht die Radiowellen, die von einem privaten oder öffentlichen Sender erzeugt werden. Die (Quell-)codes und Algorithmen, auf denen das Internet und Software beruht sind commons, nicht das Internet an sich. Damit Internet lebt braucht es öffentliche oder private Investitionen für den Kauf von Computern, die Einrichtung von Schnittstellen, Sendern usw.

Öffentliche Güter müssen immer hergestellt werden. Meist vom Staat oder von supranationalen Institutionen. Je nachdem ob diese ihrer Rolle gerecht werden, erfreuen sich die BürgerInnen mehr oder weniger effizienter öffentlicher Güter. Sie profitieren vom Licht des Leuchtturms, von der Wasserversorgung oder von internationaler Finanzmarktstabilität. Oder auch nicht. Ein Gemeinschaftsgut hingegen ist schon vorher da. Kurz. Commons sind das, worauf alles aufbaut. Ohne Commons keine Öffentlichen Güter, wenngleich fast jedes common, öffentlich und privat oder als Clubgut gemanagt werden kann. Doch dazu später mehr.

Foto: Römerbrücke in Trier. (cc) Jörg Haas

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s