Gerechtigkeitswald verkaufen ohne zu privatisieren?

Dass die alte Idee der Allmende in modernen Rechtsstreitigkeiten Orientierung bietet, zeigen derzeit die Heuthener Bürger im thüringischen Eichsfeld in einem Konflikt um ihren Gemeindewald. Zur Diskussion steht der Verkauf ihres Gerechtigkeitswaldes. Wie die TLZ berichtet, hatte es darum jahrelange Auseinandersetzungen gegeben. Hauptstreitpunkt war die Frage, ob die Wald-( Kauf-)interessengemeinschaft auch den Boden von der Gemeinde erwerben sollte. Dagegen gab es viel Widerstand und wohl heftige emotionale Debatten.

Nun steht dieser Verkauf kurz bevor. Zwei Drittel der Heuthener haben der Transaktion zugestimmt und nach der Erstellung eines Bodenwertgutachtens scheint der Weg frei.

Der Allmendeidee entspräche freilich eher das Modell … Den Rest des Beitrags lesen »

Wirtschaft und Allmende: Ein schwieriger Dialog

von Silke Helfrich und Julio Lambing

Am 24.03.2010 fand auf Einladung der Heinrich Böll Stiftung in Kooperation mit dem European Business Council for Sustainable Energy (e5) der nunmehr 7. Interdisziplinäre Allmendesalon statt. Der Salon wurde neu konzipiert, weg vom Konzeptionellen hin zum Konkreten und die bisherige Teilnehmerstruktur wurde aufgebrochen. Ob der Begriff der Gemeingüter (hier synonym zu: Allmende/ Commons) als Zentralbegriff der Umgestaltung der Gesellschaft trägt, war dieses Mal kaum Gegenstand. Vielmehr wurde gefragt, wie so produziert werden kann, dass die Allmende nicht schwindet, sondern sich mehrt. „Die Wirtschaft profitiert von den Gemeingütern? Wie können Gemeingüter von der Wirtschaft profitieren?“, so der etwas provokante Titel. Wie also kommen wir, jenseits der Notwendigkeit, Ressourcen, die allen zustehen (common pool ressources) anders zu verwalten, zu einer gesamtgesellschaftlichen Vision?

Es folgt ein ausführlicher Bericht, der die Diskussionstränge, konkreten Vorschläge und die Kontroversen nachzeichnet. Hier als pdf.

Der Salon

Insgesamt 30 Gäste nahmen teil. Ein Drittel der Beteiligten hatte die bisherige Salonreihe „Zeit für Allmende“ erheblich geprägt, der überwiegende Teil erlebte den Salon erstmalig. Ein Viertel der Teilnehmer kam aus der Wirtschaft. Eine Verständigung über den Begriff der Gemeingüter hatte demnach in dieser Runde nicht stattgefunden, was der Debatte ihre spezifische, von Gräben der Paralleldiskurse durchfurchte Dynamik verlieh. „Welche Daseinsberechtigung haben Unternehmer in einer Welt der Gemeingüter?“ (Gallehr) fragte die eine Seite, während die andere Seite noch viel grundsätzlicher problematisierte: Was ist, wenn Wirtschaft weder „die einzige noch die natürliche Produktionsform“ ist? (Meretz) Verstanden die einen unter Gemeingütern die „common pool resources“, also vorwiegend objektiv vorhandene natürliche und kulturelle Ressourcen, an denen alle ein Teilhaberecht haben, hatten andere einen eher dynamisch-sozialen Commonsbegriff, aus dem sich konkrete Erwartungen speisten. Beschäftigten sich die einen mit den Mechanismen und Instrumenten, Marktwirtschaft gemeingütersensitiv zu gestalten, fragten sich die anderen „Wie kommen wir zu veränderten Paradigmen des (Re-) Produzierens, jenseits von Wettbewerb, Privateigentum, Wachstumszwang und Verwertungsdruck auf dem Markt?“

Die Erwartungen

Konsens gab es zweifellos in der Grundannahme, dass Den Rest des Beitrags lesen »

Commonsinstitutionen denken: Weltwaldhypothekenbank

Albrecht von Sydow, Jurist und Ökonom mit Forstwirtschaftserfahrung, arbeitet seit 2006 als CEO einer us-amerikanischen Holzpelletierfirma. Er ist zudem Mitgründer des Biomass Thermal Energy Councils (BTEC), einem Industrieverband, der in Washington für die thermische Nutzung von Biomasse eintritt. Von Sydow hat ein offenes Ohr für die Allmende, weswegen es bei BTEC nur um Biomasse gehen kann, die nicht auf Kosten der Nahrungsmittelproduktion im Süden gewonnen wird. Wegen dieses Ohrs für die Allmende hat er auch am letzten Allmendesalon der Heinrich-Böll-Stiftung teilgenommen. Der Salon wird in Kürze hier dokumentiert.

Klar ist, dass eine grünere Marktwirtschaft nicht dasselbe ist wie ein gemeingüterbasiertes Leben und Haushalten. Doch klar ist ebenso, dass Den Rest des Beitrags lesen »

Sherwood Forest ist überall

….nur dieser Artikel von Bernard Pötter in der jüngsten Ausgabe von Le monde diplomatique leider nicht. Jedenfalls ist er nicht vollständig im Netz.

Es ist der Stoff, aus dem Heldengeschichten gemacht sind: die Verteidigung der Gemeingüter gegen den Zugriff eines Einzelnen. Anfang des 13. Jahrhunderts begann der König von England, den Wald für seine Jagden und für die Versorgung seiner Günstlinge zu seinem exklusiven Eigentum zu machen. Bis dahin hatten alle Menschen das Recht, im Wald zu jagen, Holz zu sammeln und in den Gewässern zu fischen, auch wenn das Land dem König gehörte. Dieser kalten Aussperrung widersetzte sich nicht nur der Adel mit der Magna Charta, dem wichtigsten Verfassungsdokument Englands, mit der 1215 der englische Herrscher in seine Schranken gewiesen wurde – sondern auch ein Mann, dessen Taten legendär wurden: Rob Hod, besser bekannt als Robin Hood. Mehr in der aktuellen Printausgabe der Monde Diplomatique,

Mehr gib’ts aber auch hier und vor allem hier. Und morgen muss ich zum Kiosk…

Thomas Mann: Wald als Gemeingut

Gerade hielt ich an der auf Forstwirtschaft spezialisierten Fachhochschule Eberswalde einen Vortrag über Wald als Gemeingut. Den Einstieg lieferte mir ein Ausschnitt aus der ” Königlichen Hochzeit” von Thomas Mann (1909):

“Das Volk sah ein, dass sein Wald auf die Witterungsbeschaffenheit und gesundheitlichen Verhältnisse des Landes vom entscheidensten, günstigen Einfluß war; es wusste wohl, dass ohne den prächtigen Wald in der Umgebung der Residenz der Quellengarten dort draußen sich nie mit zahlenden Fremden füllen würde; und kurz; dies nicht sehr betriebsame und fortgeschrittene Volk hätte begreifen müssen, … Den Rest des Beitrags lesen »

Commons: Herausforderung der Macht

Helmut Höge, Genossenschaftsexperte und taz-Blogger, hat unseren Contrasteschwerpunkt zur Peer Economy kritisiert.(vgl. Punkt 6)

Höge setzt Commons mit Gemeineigentum gleich. Vermutlich, weil er unter Commons nur die historische Allmende versteht. Auch Commons auf die Eigentumsfrage zu reduzieren -wie Höge das tut- ist verkürzt. Das wird auch dadurch nicht besser, dass er mit diesem Kurzschluss nicht der Einzige ist. Wenn Gemeineigentum die Lösung sein soll, warum haben dann so viele Gemeineigentumslösungen den Commons nichts genützt?

Was haben wir Kooperativen unterstützt! Beispielsweise in Nicaragua, Mitte der 90er Jahre. Aber Gemeineigentum allein ist eben noch kein Garant für einen wachsenden Commonssektor (der nicht dasselbe ist wie die historische Allmende). Zur historischen Allmende allerdings hat Höge immer Interessantes zu sagen. … Den Rest des Beitrags lesen »

Wie Geister Gemeingüter schützen

Kennen Sie den? Das ist ein Curupira, ein kleiner brasilianischer Waldgeist. Ich fliege ja morgen in die Amazonasregion. In Belém, der Hauptstadt des Bundesstaates Pará, findet das Weltsozialforum statt. Mit ein paar Ko-autoren werde ich dort mein Buch vorstellen. Gute Gelegenheit um nachzusehen, ob der Curupira im Amazonas wirklich einer der wichtigsten Hüter der Gemeingüter ist.

Die Sache ist nämlich die: Geister sind effizienter als Regeln. Überall gibt es alle möglichen Vorschriften für die Bewirtschaftung von Gemeinressourcen. Sie sind formell (in Gesetzestexten fixiert) oder informell (mündlich weitergegeben). Den Rest des Beitrags lesen »

Robin Hood – der erste commoner

robin-hoodZurück aus Graz, eindrucksvolles Commonsfestival erlebt. Doch heute Nacht werde ich dazu nichts mehr schreiben, sondern nur die versprochene Robin Hood Geschichte nachtragen (für alle, die keine Lust haben, die ganze Eröffnungsrede zu lesen :-) :

Robin Hood war der erste streitbare commoner, der Einzug in die Literaturgeschichte gehalten hat. Behaupte ich jetzt mal. Der reale Robin Hood erscheint im frühen 13. Jahrhundert (1225) in den Verwaltungsakten (Pipe Rolls) von York. Die Geschichte der „enclosure of the commons” ist also eine Geschichte des letzten Jahrtausends, nicht der letzten Jahrhunderte.

Hood, der einst „Gesetzlose”, avancierte in den Balladen der Jahrhunderte zum sozialrevolutionären Helden. Der us-amerikanische Historiker Peter Linebaugh glaubt, dass die Ersterwähnung des realen „Rob. Hod Fug.” (Robin Hod, flüchtig) nicht zufällig ausgerechnet dann stattfand, als … Den Rest des Beitrags lesen »

Wem gehören die Wälder?

by leonlee28 on flickrBali sieht rot, genauer gesagt RED. RED (Reduced Emissions from Deforestation) oder REDD (& Degradation) sind wichtige neue Abkürzungen, die man bei den Klimaverhandlungen kennen muss. Der indonesische Waldminister eröffnete in Vertretung des Präsidenten heute sogar einen „Forest Day” in einem des Luxushotels von Nusa Dua (gebaut mit sehr viel Holz, sicherlich nicht nachhaltig geerntet). Den Rest des Beitrags lesen »

Veröffentlicht in Biodiversität, Eigentum, Wald. Schlagwörter: , , . 1 Kommentar »
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