Oder: Den Wald trotz aller Bäume sehen
Seit zwei Jahrzehnten bin ich „entwicklungspolitisch“ unterwegs. Ich habe Mitte der Neunziger das entwicklungspolitische Landesnetzwerk Thüringen initiiert (heute EWNT), war in vielen einschlägigen bundespolitischen Zusammenhängen unterwegs (das ging rasant, die entwicklungspolitische Community aus dem Osten war überschaubar). Ich habe meine Arbeit in Mittelamerika, Mexiko und Kuba immer als „entwicklungspolitisch“ relevant empfunden (sofern man darunter die Frage versteht, wie Lebensbedingungen – auch strukturell – verbessert werden können). Zuletzt habe ich Ko-Kreis von INKOTA gesessen, dem aus ostdeutschen Initiativen entstandenen entwicklungspolitischen Netzwerk. Und ich habe allerlei Bäume angeguckt. Baum für Baum: die Landfrage, die Wasserprivatisierung, Wissensmanagement, Biodiversität, Fischereiproblematik, Klimaschutz, Energieversorgung, Verstädterung, Desertifikation, Geschlechtergerechtigkeit, Gewalt, Korruption. Die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Wie gesagt: Baum für Baum. Auf der Metaebene spielte der Entwicklungsbegriff immer eine wichtige Rolle. Bis zu seinem (inzwischen besiegelten) Abgesang. Dieser fuhr zweigleisig – in entgegengesetzte Richtungen.
Die Einen (die Privatisierer, Welthandelsliberalisierer und BIP-Wachstumsliebhaber) verabschieden sich von der „Finanzierung von Entwicklung“ und sagen jetzt (endlich?) klar, was sie immer schon finanziert haben: Investment. Sie meinen: Auf Investment folge Entwicklung und vergessen in der Regel zu fragen: Für wen?
Die anderen, auch das eine alte Debatte, suchen Begriffe, die die Komplexität sozialer Dynamiken besser abbilden können als der lineare Entwicklungsbegriff. Da können wir viel von Ivan Illich lernen und von Elinor Ostrom natürlich. Post-Development ist jedenfalls überall. Und damit die Suche nach Den Rest des Beitrags lesen »

Das macht aus dem Economist noch keinen Ecommonist – ist aber höchst bemerkenswert. Niemand kommt am Trend der Zeit vorbei! (