“Wir sind die Urheber”: Der Missbrauch des bestimmten Artikels

Es ist wie beim Sport. Hart und schweißtreibend. Und doch fragt sich, was schweißtreibender ist: ein Buch zu machen oder dessen Lizenz zu erklären?

Unser neuer Commons-Band erschien unter einer Creative-Commons Lizenz (CC-BY-SA). Er darf also vervielfältigt, bearbeitet und zu gleichen Bedingungen (unter einer freien Lizenz) weiterverbreitet werden. Darum geht es!  Um die Freiheit der Gedanken. Um die Freiheit der 90 Autorinnen und Autoren, ihre Arbeit unter eine Lizenz ihrer Wahl zu stellen, statt “alle Rechte vorzubehalten”.*  Und nicht darum, dass der Download “kostenlos” oder “kostenfrei” ist, wie man immer wieder lesen kann. Aus dem gleichen Grund fordern Piraten oder Linke auch einen fahrscheinlosen Nahverkehr und keinen kostenlosen Nahverkehr. Es kostet halt immer was.

In der aus dem Ruder laufenden Urheberrechtsdebatte werden diese Unterschiede gern übersehen. Man braucht das Schlagwort von der Kostenlosmentalität offenbar so sehr wie ein feindliches Gegenüber. Das sind entweder die, die alles für lau aus dem Netz saugen. Oder die großen Internetkonzerne. Die feine Differenz, dass die einen eine soziale Praxis haben und die anderen ein Geschäftsmodell, wird dabei gern verwischt. Konzeptionelle Unterschiede zu verwischen ist wichtig, damit alles bleibt wie es ist, obwohl sich alles verändert hat. Oder ist es schlicht Unwissenheit?

Ob Kehlmann, Roche, Adorf und all die anderen “Wir sind die Urheber”-Unterzeichner (welch ein Missbrauch des bestimmten Artikels!) jemals von Freien Lizenzen hörten? Oder von jenen Urhebern, denen die “historische Errungenschaft” des Urheberrechts eben keine “materielle Basis für individuelles geistiges Schaffen” garantiert? Der Kleingeist der großen Geister frustriert. Ich bin auch Urheberin.

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Copyright: Die Welt am Scheideweg

Ein sehr präzises Statement von Christian Engström, dem EP-Abgeordneten der Schwedischen Piraten in der Financial Times. In Sachen kultureller Wandel hat die Zeitung offenbar die Nase vor. Kann mir jemand erklären, wie das zu erklären ist?

“Was wir für unser gemeinsames kulturelles Erbe halten ist überhaupt nicht unser…. Technologien eröffnen uns neue Möglichkeiten und das Copyright schießt sie wieder ab.” …”Wenn man will, dass Leute aufhören das zu tun (zu teilen), dann muss man das Recht auf private Kommunikation beseitigen. Einen anderen Weg gibt es nicht. … Die Welt steht an einem Scheideweg.” Den Rest des Beitrags lesen »

Hochschulen brauchen Altmodisches: Freiheit

“Reformen” sollen Hochschulen leistungsfähiger machen, doch “Das Versprechen, dass eine nach unternehmerischen Prinzipien umgestaltete Hochschule automatisch mehr Innovationen hervorbringt, dürfte kaum zu halten sein”, sagt der renommierte Soziologe Prof. Dr. Klaus Dörre von der Universität Jena. Mehr auf Jenapolis – einem neuen hyperlokalen Kommunikationsplatz, über den ich demnächst noch berichte.

Klaus Dörre stellt in Kürze die Studie “Wirtschaftsfaktor Wissenschaftsförderung” vor. Zwei Jahre lang haben er und sein Team untersucht, welche Prozesse innerhalb der Hochschulen innovative High-Tech-Ausgründungen begünstigen. Das Ergebnis ist alles andere als überraschend:

Nicht finanzielle Anreize und mehr Kontrolle für die Professoren spielen die Hauptrolle, sondern etwas scheinbar Altmodisches wie Handlungsfreiheit für kreative Köpfe, … Den Rest des Beitrags lesen »

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