The Tragedy of the Market: Die Einhegung des Selbstverständlichen

Eingang zur Bahnhofstoilette in Fulda (2012)

Die Tragödie des Marktes (The tragedy of the market)! Welch großartiger Begriff … . Ich habe diese skurile Fotografie vom “Zugang” zu einer ÖFFENTLICHEN Toilette zur Illustration gewählt, da dieses Bild für mich peinlich zum Ausdruck bringt, was unser derzeitiges Wirtschaftssystem charakterisiert.

Der Zugang zum Urinal befriedigt ein fundamentales menschliches Bedürfnis, das für jeden Menschen auf diesem Planeten ungefähr das gleiche Volumen und höchste Priorität besitzt. Einen Menschen vom Zutritt auszuschließen, ganz gleich ob aufgrund seines Alters, Geschlechts, seiner Hautfarbe oder Religion, erscheint uns eigentlich zutiefst unmoralisch. Wenn dieser Ausschluß aber aufgrund mangelnder Zahlungsfähigkeit (oder Willigkeit) geschieht, dann findet dies oft eine erstaunliche Akzeptanz.

Eine Selbstverständlichkeit wird hier verbarrikadiert wie die Goldvorräte von Fort Knox und dadurch zum ökonomischen Handelsgut qualifiziert. Man sieht im wahrsten Sinnes des Wortes eine “Enclosure”, eine Einhegung, bei der Bedürftige von der Nutzung einer Ressource (nämlich einer legalen Ungestörtheit unter hygienisch angebrachten Umständen) ausgeschlossen werden, um aus dem so geschaffenen Produkt “Zutritt” ein Geschäftsmodell generieren zu können.

Die Begründung für diese Einhegung lautet immer und überall monoton so: Nur durch Privatisierung und kommerzielle Nutzung kann eine kostenneutrale Aufrechterhaltung der Qualität dieser Einrichtung (die saubere Toilette) gewährleistet werden.

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Wenn Wissenschaft Wissen erodiert

oder: Von Commons und der Wissenschaft, Bienen und der Wikipedia

Das 2. Weltforum für Wissenschaft und Demokratie fand Anfang Februar 2011 in Dakar statt. 90 Organisationen und Universitäten waren beteiligt. Die Idee des Forum ist, einen Raum zu schaffen, der einen Dialog zwischen Wissenschaft und sozialen Bewegungen möglich macht. Deshalb findet das Forum auch im unmittelbaren Vorfeld zum Weltsozialforum statt. Die Abschlußerkärung wird sicher bald folgen, aber ein paar Gedanken zum Verhältnis von Commons und Wissenschaft, so wie sie auf dem Forum diskutiert wurden bzw. wie ich sie sehe, möchte ich gern hier festhalten. Dass es so viele Anregungen zum Thema gab, ist Hervé le Crosnier und den Kollegen von VECAM zu verdanken. Sie haben dafür gesorgt, dass die Commons einen Ehrenplatz im Programm einnahmen.

Wo liegt das Problem?

  • Wissenschaft ist zunehmend so organisiert, dass sie für den Wissenschaftsmarkt statt für die Wissensallmende produziert. Den Rest des Beitrags lesen »

Subsistenzansatz und Allmende

von Bernd Egger

In der aktuellen Commons-Debatte, wie ich sie bisher wahrgenommen habe, fehlt mir  bislang ein Hinweis auf den Subsistenzansatz, gerade weil darin der Begriff der Allmende  zentral ist.

Der Subsistenzansatz, den ich meine, wurde seit Ende der 70-er Jahre und weitgehend in den 80-er Jahren in der Bundesrepublik von feministischen Wissenschaftlerinnen entwickelt und herausgearbeitet und wurde/wird bisweilen auch „Bielefelder Ansatz“ genannt. Nahezu gleichwertig ist der Begriff Subsistenzperspektive.

Die drei herausragenden Frauen, Wissenschaftlerinnen und Autorinnen sind Maria Mies, Veronika Bennholdt-Thomsen und Claudia von Werlhof. Der von ihnen entwickelte Ansatz bzw. ihre Subsistenztheorie verfolgt einen konsequent kapitalismuskritischen, patriarchatskritischen und materialistischen Ansatz.

“Die Bielefelderinnen” haben den Begriff der Allmende, … Den Rest des Beitrags lesen »

Commons und ein neuer Multilateralismus

Neue Überzeugungen für eine neue multilaterale Praxis

“Die Wiederbelebung der unter Druck geratenen Gemeingüter wird als Quelle partizipativer Governance und nicht-geldvermittelter Wertschöpfung entscheidend sein, damit öffentliche und private Akteure wieder Wege aus der gegenwärtigen globalen Wirtschafts-, Energie- und Umweltkrise finden.”

In diesem KOSMOS-Artikel beschreibt James Quilligan (s)eine Vision. Quilligan ist internationaler Commonsaktivist, ehemaliger Berater Olof Palmes, Julius Nyereres, Willi Brandts und anderer; derzeit mit Kolleginnen und Kollegen damit beschäftigt, den Commons in UN-Kreisen Gehör zu verschaffen.

Unter Commons (Gemeingütern) versteht Quilligan “nicht privateigentumsfähige Ressourcensysteme, die voll zugänglich bleiben müssen und oft in lokalen Traditionen verwaltet werden”. Aus dem Paradigma der Commons, so die zentrale These, müsse sich ein neuer Multilateralismus entwickeln. Denn, so formuliert David Bollier die Blickrichtung:

“Wenn sich die Idee der Commons nicht auf auf allen Ebenen verwurzelt, ist zu fragen, welche Konsequenzen das für unser Verständnis vom Staat, multilateralen Institutionen und Politikentwürfen hat?”

In der Tat trägt die Commonsdebatte eine Redefinition des Staates und des Multilateralismus im Schlepptau. Den Rest des Beitrags lesen »

Enclosure ist mehr als Privatisierung

Die neue ILA ist da! Kauf bzw. Abo für alle Lateinamerikainteressierten wärmstens zu empfehlen. Der Schwerpunkt dieser Nummer: Gemeingüter. Mit zahlreichen Beiträgen zur Debatte aus Lateinamerika. Am erhellensten zum Verständnis der Commons finde ich das Interview mit Gustavo Esteva.

Ich bin mit einem einführenden Beitrag, einer kurzen Reflektion über städtische Räume als Commons und mit einem Artikel über die die Einhegung der Gemeingüter (enclosure) beteiligt.

“Diebstahl an unserem Kollektivbesitz” ist das Ganze überschrieben. Hier ein paar Auszüge:

“Enclosure bezeichnet in der Sozialgeschichte vor allem die Auflösung der Allmenderechte (commons) in Mittelengland…. Vorher gemeinschaftlich genutztes Land wurde eingezäunt. Dafür brauchte es zwei Dinge: Macht und eine schlichte Technologie – Hammer, Pfähle und Draht…. Den Rest des Beitrags lesen »

Die Einzäunung unserer Vorstellungskraft

John Hepburn schrieb 2005 über Die Rückeroberung von Allmenden – von alten und von neuen. Übersichtlich, kurz, empfehlenswert! (Nur die Übersetzung lässt zu wünschen übrig.)

Hepburn beschreibt die Aneignung der Allmende als Diebstahl. Und die Auseinandersetzungen um diesen Diebstahl als historisches und  topaktuelles Thema. Egal ob Agrarwirtschaft, Industriekapitalismus, Bio- Informations- oder Nanotechzeitalter. Es sind dieselben Prozesse.

Zur Essenz der Auseinandersetzung um die Allmende zitiert der Autor  aus “Whose Common Future”:

die Frage (ist) nicht, wie die Umwelt verwaltet werden soll – … – sondern: wer sie verwalten wird, und in wessen Interessen.” Den Rest des Beitrags lesen »

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