Wir bewegen uns merkwürdig durch die Zeit. Der offizielle UN-Gipfel zur Nachhaltigen Entwicklung war schon vorbei, bevor er überhaupt anfing. Er begann am 20. Juni und war am 19. Juni bereits gelaufen. Und auf dem People’s Summit redeten wir über „Beyond Rio+20“, kaum dass Rio+20 auch nur wahrgenommen werden konnte. Die großen Umweltorganisationen sind angesichts der vorzeitig abgenickten Abschlusserklärung des UN-Gipfels frustriert bis schockiert, was ich angesichts der Energie und Ressourcen, die sie in diese Prozesse stecken – und vor allem wegen der brennenden Hoffnung auf Veränderung – sehr gut verstehen kann. Aber nüchtern betrachtet frage ich mich: Warum sollten wir frustriert sein?
Vor 20 Jahren haben alle die historischen Beschlüsse des Erdgipfels in Rio gefeiert. Passiert ist nichts. Jedenfalls nicht das Richtige. Heute bedauern alle den ‘Konsens auf dem kleinstem gemeinsamen Nenner’. Und passieren wird nichts. Jedenfalls nicht das Richtige. Nicht in diesem System. Wo genau ist der Unterschied? Wer genau hinschaut und die wachstumsabhängige Produktionslogik einerseits sowie die wirtschaftsabhängige politische Logik andererseits als Realität erkennt, der wird sich über das Ende von Rio+20 nicht wundern.
Vor dem rappelvollen „Versammlung der Völker“ – an der gefühlte 10.000 Leute teilnahmen – die meisten davon in grün (Via Campesina) und rot (MST) – sitze ich in einer Runde, die der ehemalige bolivianische UN-Botschafter Pablo Solón kurzfristig einberufen hat. Einer der für mich interessantesten Redebeiträge… Den Rest des Beitrags lesen »