Das Buch/ El Libro

Silke Helfrich, Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.) Wem gehört die Welt Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter!“ Hier beim Verlag bestellbar und bei der Heinrich-Böll-Stiftung.

»Gemeingüter sind Räume, in denen wir frei sind.« (Yochai Benkler)

Auf den ersten Blick haben Wasser und Wissen, Erbgut und Atmosphäre nichts gemeinsam. Was sie aber eint, ist, dass sie zum Nötigsten für ein menschliches Leben gehören. Doch sie gehen der Gesellschaft immer mehr verloren, weil sie privatisiert und der allgemeinen Verfügung entzogen, missbraucht oder unbezahlbar werden. Die Welt gehört nicht mehr allen, sie wird eingezäunt und kommerzialisiert – zu unserem Schaden. Davon zeugen die weltweiten Konflikte über die Trinkwasserversorgung, den Zugang zu neuen Technologien oder den Umgang mit Regenwäldern. Wir stehen an einem Scheidepunkt, an dem ein neuer Blick auf unsere gemeinsamen Besitztümer erforderlich ist.
Dieses Buch will diesen neuen Blick ermöglichen. Es zeigt die Vielfalt unserer Gemeingüter – und welch’ ungeheures Potenzial in ihnen steckt. Es macht uns vertraut mit Dingen wie Creative Commons, Slow Food und der Wissensallmende. Und es skizziert durch praktische Beispiele den Weg, wie Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Demokratie durch Gemeingüter auf Dauer erhalten oder erreicht werden können.

Mit Beiträgen von Elinor Ostrom (Wirtschaftsnobelpreis 2009), Richard Stallman, David Bollier, Sunita Narain, Ulrich Steinvorth, Peter Barnes, Pat Mooney und vielen anderen.

288 Seiten, oekom München, 2009 ISBN-13: 978-3-86581-133-2, 24,90

Die Netzausgabe dieses Werkes wird analog den Bedingungen der Creative Commons Public License zur Verfügung gestellt:

Hier der Link zum Download (aber natürlich geht nichts über den Geruch  gedruckter Seiten :-) !

Das Buch im Netz: in Scharf links, die ‘neue’ linke online Zeitung, hier ein Hinweis auf dem tazblog und hier auf Keimform.de. Das ist der Eintrag von Creative Commons, von Nachhaltigkeit in Österreich. Franz Alt hat’s gepostet, Was wir tun?, der WUS Service, auch Im Phantomland gibt’s Infos zum Inhalt… u.v.m

Der Perlentaucher hebt besonders den Beitrag von Richard Stallman hervor, im Kontext der aktuellen Diskussion um Open Access. Weitere Blogeinträge: auf Welfair, Sternenwerk und hier auf onthecommons.org in englischer Sprache.

Rezensionen:

Aktuell: der SR2 hat im September ‘09 eine Rezension von Dagmar Scholle gesendet. hier der bemerkenswert griffige Text.

Ausführliche Besprechung in der ZEIT, von Christiane Grefe. Mit dem treffenden Titel: „Ubuntu heißt Gemeinsinn“. (Ubuntu ist übrigens auch die Distribution, die ich nutze.).

Ein lange Rezension mit kurzen Angaben zu jedem Beitrag findet sich hier auf Socialnet. Verfasser ist Jos Schnurer. Besonders gefiel mir Folgendes:

„… von Silke Helfrich und Jörg Haas werden Gemeingüter als eine „große Erzählung“ formuliert. Erzählungen sind ja, in philosophischen und gesellschaftlichen Diskursen, utopische Ideengeschichten, die sich nicht auf Phantasmen, sondern auf Phantasien gründen, oder, wie dies der Schweizer Utopist Hans A. Pestalozzi bezeichnet: „Positive Subversionen“. Damit sind Erzählungen, wie die zur Wiederentdeckung der Gemeingüter, auch optimistische Welt- und Zukunftssichten. Der Friedensnobelpreisträger von 1985, Barnard Lown, hat dies so formuliert: „Nur die, welche das Unsichtbare sehen, können das Unmögliche tun“.

Im österreichischen Wirtschaftsblatt schreibt Alexandra Rotter.

Bernhard Pötter befasst sich in der monde diplomatique mit dem Thema und zitiert ausführlich aus dem Buch. Hier der entsprechende Blogeintrag.

In der ILA (März 2009) findet sich die erste Rezenzion von Werner Rätz.

Der fact.s Newsletter des österreichischen Umweltdachverbands schreibt:

Das 288 Seiten starke im oekom verlag erschienene Buch „Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter“ ist ein einzigartiger Sammelband, der einen wissenschaftlich fundierten Überblick über die Komplexität der politisch brisanten Diskussion um die Gemeingüter gibt. Das Werk zeigt zudem, dass ein verantwortungsbewusster Umgang mit unserem natürlichen und kulturellen Erbe wesentlich zur Förderung von Nachhaltigkeit, Demokratie und universeller Gerechtigkeit beitragen kann.“

Weitere Besprechungen:

von Hannes Schlosser auf OneWorld.at

Der Gans die Wiese klau’n (bei Amazon)

Genes, Bytes y Emisiones: Bienes Comunes y Ciudadanía, San Salvador/México D.F. Agosto 2008

Gene, Bytes und Emisionen. Gemeinschaftsgüter und Bürgerschaft

So die (Arbeits-) Titel der beiden Sammelbände, die ich derzeit zusammen stelle. Die konzeptionellen Beiträge erscheinen gleichermaßen auf Spanisch und Deutsch. Weitere Artikel, insbesondere Fallbeispiele, beziehen sich jedoch auf die unterschiedlichen politisch-kulturellen Realitäten in Lateinamerika und Europa.

Das spanische Buch ist bereits in der Reihe Ediciones Böll im Regionalbüro der Heinrich Böll Stiftung Mexiko, Zentralamerika, Karibik erschienen und komplett online.

Der deutschsprachige Band wird Anfang 2009 erscheinen.

Zu den AutorInnen gehören:
Yochai Benkler, David Bollier, Ulrich Brand, Ulrich Duchrow, Pat Mooney, Sunita Narrain, Margit Osterloh, Elinor Ostrom, Richard Stallman, Ulrich Steinvorth, u.v.m

Weitere AutorInnen aus Lateinamerika: Henri Acselrad, Esteban Castro, Federico Heinz, Leticia Merino, Silvia Ribeiro, Silvia Rodríguez, Ariel Vercelli

Aus dem Konzept:

Konflikte weltweit entbrennen im Kern um Erhalt, Zugang und Nutzung der Commons, (dt. Allmende oder Gemeingüter); denn: Gemeingüter erodieren. Zugleich konzentriert sich die Verfügungsgewalt über sie. Neue Technologien ermöglichen die Erschließung immer neuer Bereiche oder Bestandteile des Lebens für die wirtschaftliche Verwertung. Die Tiefsee, die Rohstoffe der Arktis oder das Weltall, die Einzelbausteine unserer Existenz. Parallel zum Verlust biologischer Vielfalt und zur Preisgabe kultureller Traditionen gehen Sprachen, Archive des Wissens über Lebensräume und Nutzen von Pflanzen- und Tierarten in dramatischer Weise verloren.

Die Rede von den Gemeingütern vermag diese unterschiedlichen Problemlagen zu bündeln. Sie benennt Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der sogenannten Terminator-Technologie und unfreier Software. Sie schlägt eine Brücke zwischen den Debatten zur Bewahrung kollektiver Wissensbestände, den Kämpfen um die Privatisierung des Wassers und die Ausgestaltung des Emissionshandels. Sie fragt nach der Qualität der Beziehung zwischen Gemeinschaften und ihrem kollektiven sozialen, kulturellen und natürlichen Erbe. Aus dieser Debatte erwächst eine produktive Verknüpfung der zentralen Paradigmen von Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Demokratie unter den Bedingungen der Transformation zur Wissensgesellschaft.

Die Commonsdebatte gehört ins Herz der Diskussion um die Funktionsfähigkeit der Demokratie. Sie liefert viele Beispiele dafür, wie in heterogenen „communities“/“comunidades“ neue organisatorische Räume, vielfältige Bindungen und das Verschmelzen von Lernen und Tun sowohl Kreativität und Produktivität als auch verantwortlichen Umgang mit den Gemeinressourcen freisetzen.

Die Commonsdebatte leistet einen Beitrag zur Rückholung der Moral in die Politik. Sie stellt konsequent die Frage danach, welches Gemeinwesen wir wollen, untrennbar verknüpft ist. Jenseits liberaler Gerechtigkeitsvorstellungen und jenseits des Menschenbildes vom „indiviuellen Nutzenmaximierers“ treten dabei in der Praxis der „Commoners“ universelle Gerechtigkeitskonzeptionen zu Tage, in denen sich sowohl individuelles als auch kollektives gutes Leben verbindet. Theoretisch spiegelt sich dies in den Beiträgen über den Begriff der (Staats-)Bürgerschaft. Sie gehen der Frage nach, welche BürgerInnen und Institutionen wir brauchen, um natürliche, kulturelle, soziale und digitale Gemeinressourcen dahin zu rücken, wo sie hingehören: Ins Zentrum unseres gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Handelns.

Die geplante Sammelband wird dem politischen Potential des Commonsbegriffs nachspüren und an Hand verschiedener „good and bad practices“ einen neuen Blick auf die gegenwärtig stattfindenden Auseinandersetzungen um die Ökologisierung der Gesellschaft und die Digitalisierung der Gesellschaft werfen.

Grußwort des Mexikanischen Nobelpreisträgers Mario Molina zur Spanischen Ausgabe:

Ante la globalización, la revolución informática y el dominio físico que el hombre ha logrado ejercer sobre los recursos naturales del planeta, la discusión sobre el mejor manejo de los bienes comunes se ha vuelto de vital importancia. Un caso que ilustra claramente los nuevos retos a los que nos enfrentamos a nivel internacional es la Atmósfera, un espacio al cual hemos arrojado de manera inequitativa grandes cantidades de contaminantes y de gases que antes parecían inofensivos. Para su adecuada gestión, la Organización de las Naciones Unidas ha establecido varios regímenes ambientales internacionales con el fin de detener el cambio climático de origen antropogénico. No obstante, los acuerdos logrados sobre estos y otros temas de importancia existencial para nuestra condición humana son insuficientes. Requerimos de muchos espacios creativos y democráticos en todos los niveles, así como de innovaciones inteligentes de largo plazo, para proteger este y otros bienes planetarios como el mar, la diversidad genética, la riqueza cultural y hasta la misma información, cuya libre circulación nos toca defender.

Felicito a la Fundación Heinrich Böll por la edición de este libro, en el que se discuten -desde una perspectiva ciudadana- los diferentes conflictos, mecanismos y propuestas de solución con los cuales se enfrentan diariamente organizaciones gubernamentales, sociales o privadas para lograr un manejo responsable de nuestros recursos comunes. Su lectura será de gran utilidad, en especial para los tomadores de decisión y para todos aquellos que tienen la responsabilidad de cuidar recursos naturales y culturales. Recursos, que están en proceso de degradación o se encuentran „encerrados“ por decisiones que obedecen a criterios ajenos a la promoción del bien común. Lo que en cambio necesitamos es la re-valorización de los bienes comunes en todos los ámbitos sociales. Esta es una de las tareas principales del porvenir.

Mario Molina
Premio Nobel de Química, México

Aus der Ankündigung des Spanischen Sammelbandes.

„La reciente crisis financiera lo hace evidente: Millones de millones de dólares se gastan para rescatar y proteger la propiedad privada, pero poco o nada se invierte para garantizar la vitalidad de los bienes comunes. Vitalidad de los bienes comunes es: protección de los recursos, equidad en el acceso y uso y control radicalmente democrático. Ni el mercado ni el Estado serán los actores principales del siglo 21, sino una ciudadanía sensibilizada por la riqueza inconmensurable que los „commons“ brindan a todas y todos. Una ciudadanía que se hace cargo de ellos.“

Links im Netz:

Die ONG Bienes Comunes aus Buenos Aires/ Argentinien beginnt, dem Buch im Netz zum Laufen zu verhelfen…

17 Antworten zu „Das Buch/ El Libro“

  1. ox4 Submission — keimform.de Sagt:

    [...] not only in my ox4 talk (hopefully), but also in a text which will appear in the German-language commons book edited by Silke [...]

  2. Gemeingüter-Buch erschienen – Buchvorstellung am Montag — keimform.de Sagt:

    [...] von Silke Helfrich editierte Buch »Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter« ist jetzt erschienen. Die Buchvorstellung findet am Montag (23. März) um 19.30 Uhr in der [...]

  3. “Wissensallmende Report 2009 - Wem gehört die Welt” | Asynchron Sagt:

    [...] Gemeingüter-Buch erschienen – Buchvorstellung am Montag Das von Silke Helfrich editierte Buch »Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter« ist jetzt erschienen. Die Buchvorstellung fand am Montag, 23. März um 19.30 Uhr in der [...]

  4. waswirtunde Sagt:

    Mein Fazit:
    Nur wer verstanden hat, dass Gemeingut (nehmen wir als Beispiel den Planeten Erde) wie-das-Wort-sagt allen „gehört“ und seinen Nutzen nur in der Allgemeinheit entfaltet, kann auch für deren Begrenztheit und teilweise Endlichkeit (Ressourcen betreffend) ein Empfinden entwickeln und Verantwortung übernehmen.
    Gedankenspiele:
    Wer enteignet hier wen oder was ist eine sich aufdrängende, spannende Fragestellung, besonders folgend, wie das beantwortet werden sollte, müsste, muss.

    Das Buch ist sehr zu empfehlen!

  5. Politopolis » Silke Helfrich: „Für wen arbeitet Dein Computer?“ « Sagt:

    [...] minütiges Interview im Radio Dreyeckland – also richtig Zeit zum Reden – über das Buch, die Idee der Gemeingüter,  politische Forderungen, die sich daraus ergeben, den Unterschied [...]

  6. Nobelpreis für die Commons — keimform.de Sagt:

    [...] Wer einen kurzen Artikel von Elinor Ostrom auf deutsch lesen möchte, guckt in das Buch »Wem gehört die Welt« (S. 218-228). [...]

  7. Wunderbar: Wirtschaftsnobelpreis gegen den „Tragik der Allmende“ / „Homo-Ökonomikus“ Unsinn! « mehr (Öko-)Sozialismus wagen :-) Sagt:

    [...] Hier auch  die Wiedergabe eines Ostrom Aufsatzes in Deutsch im Commens Buch „Wem gehört die Welt. Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter„ [...]


Eine Antwort schreiben