Jakob der Letzte

Literarische Einblicke in die Geschichte der Allmende

Nein, es geht nicht um meinen Mitblogger. :-) Es geht um diesen Roman von Peter Rosegger.

Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht,  für den Urlaub immer nach Literatur von Autor_innen der entsprechenden Gegend zu suchen. Dieses Jahr waren wir in der Steiermark, und wer in die Steiermark fährt, kommt an Peter Rosegger nicht vorbei. Rosegger gilt als wichtigster Vertreter des poetischen Realismus, der – sehr realistisch eben – die Vorgänge in seiner Heimat (obere Steiermark) prosaisch dokumentiert und reflektiert.

Nun entdeckte ich ‘Jakob er Letzte’ unter den bereits digitalisierten Büchern auf Gutenberg.de. Prima, ich wollte ohnehin darüber bloggen.

Ich hatte mir eine Ausgabe in Frakturschrift besorgt, weil ich fand, die Fraktur passt gut zum Thema und zur Sprache.  Alle Nase lang musste ich Brigitte fragen: Was heißt “verganten”? Und was “Pfaiden” (das muss irgendein Kleidungsstück sein). Und redet man wirklich von “kreuzverwindierten” Bauern?  Mal wusste sie Rat, mal nicht :-)

Ich will hier einfach ein paar eindrucksvolle Ausschnitte dokumentieren. Zunächst zum Stichwort Bauernabtrennung, der Oberförster der Region um Altenmoos (das ist das Dorf, in dem die Geschichte spielt) tut sich in diesem Kontext besonders hervor. An einer Stelle sagt er:

“So muß man es schütteln, dieses Altenmoos. Was reif ist, fällt, was heut’ nicht fällt, fällt morgen. Fest anpacken.” – Er ging gegen den Reuthof.

Und auf dem Reuthof (das kommt von “reuten” = ‘Steine lesen’ um das Land urbar zu machen) lebt besagter Jakob mit seiner Familie. Er wehrt sich bis zu seinem tragischen Ende gegen das, worein die Anderen nach und nach “einwilligen”: wegzuziehen und das Land zu verkaufen.

Hier eine Szene: Den Rest des Beitrags lesen »

Was sind Gemeingüter? Ein Dreiseiter für alle

Die Sparkassen unterhalten seit 1975 einen SchulService, um einen »Beitrag zur ökonomischen Grundbildung in den Schulen« zu leisten. Der selbstformulierte Anspruch ist, »stets aktuell« zu sein!

Monatlich erscheinen daher Foliensätze samt Begleitmaterial für Lehrer_innen. Im Dezember 2011 lautete das
Thema »Was sind Gemeingüter?« In dem übersichtlich gestalteten Zweiseiter steckt viel Arbeit drin. Herausgekommen ist eine ansprechend geschriebene Kurzreise von der Güterklassifikation der klassischen Ökonomie, über Elinor Ostrom bis zur Wissensallmende und dem Urheberrecht. Alle Achtung!

Ganz aktuell ist das Material allerdings nicht. Insbesondere dem Begleitmaterial (PDF) ist anzumerken, dass die Commons vor allem durch die verstaubte Brille des homo oeconomicus betrachtet werden.

Dabei wird gerade dieses Menschenbild momentan quer durch die Wissenschaftsdisziplinen einer fundierten Kritik unterzogen. Der reine homo oeconomicus wird zum Abtreten aufgefordert.
Deshalb haben wir uns kurzerhand entschlossen, die wunderbare Vorlage aufzugreifen und das Begleitmaterial für Lehrerinnen und Lehrer auf aktuellen Stand zu bringen.

Et voilà, lieber Sparkassen-SchulService, liebe Lehrer_innen und alle, die es interessiert: Hier gibt es das Material als pdf zum runterladen und im freien Format ODT zum Weiterbearbeiten.

Es ist unter den Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz »Namensnennung und Weitergabe unter gleichen Bedingungen« zur Benutzung und Bearbeitung freigegeben — wie es sich für die Wissensallmende gehört.

Apropos: freigeben. Das Material des Sparkassen-Schulservice steht als kostenloser Download bereit. Das ist schonmal gut, aber nicht gut genug. Großartig wäre es, wenn zukünftig alle vom Sparkassen-Schulservice produzierten
Materialien unter einer freien Lizenz und mit zugänglichen Quellen verbreitet würden, anstatt wie bisher die Weitergabe und Veränderung auszuschließen. Das wäre ein echter Beitrag zur Wissensallmende und
würde dem selbstformulierten Bildungsauftrag entsprechen.

Viel Spaß mit dem Gemeingüter-SchulService :-)

Gerechtigkeitswald verkaufen ohne zu privatisieren?

Dass die alte Idee der Allmende in modernen Rechtsstreitigkeiten Orientierung bietet, zeigen derzeit die Heuthener Bürger im thüringischen Eichsfeld in einem Konflikt um ihren Gemeindewald. Zur Diskussion steht der Verkauf ihres Gerechtigkeitswaldes. Wie die TLZ berichtet, hatte es darum jahrelange Auseinandersetzungen gegeben. Hauptstreitpunkt war die Frage, ob die Wald-( Kauf-)interessengemeinschaft auch den Boden von der Gemeinde erwerben sollte. Dagegen gab es viel Widerstand und wohl heftige emotionale Debatten.

Nun steht dieser Verkauf kurz bevor. Zwei Drittel der Heuthener haben der Transaktion zugestimmt und nach der Erstellung eines Bodenwertgutachtens scheint der Weg frei.

Der Allmendeidee entspräche freilich eher das Modell … Den Rest des Beitrags lesen »

Gemeinsam sind wir stark! oder: Börsennachrichten absetzen. Jetzt!

Kooperieren macht stark: Neu scheint mir die Erkenntnis nicht, auch wenn das von Martin Vieweg in Bild der Wissenschaft so dargestellt wird. Aber es kann nicht schaden, wenn sich Wissenschaftler immer und immer wieder mit Fragen auseinandersetzen, die uns mehr darüber lehren, wie Kooperation funktioniert. Und wenn sie belegen, dass Kooperation sich lohnt. Für alle.

Hier einige Auszüge  aus dem Beitrag von Vieweg zu aktuellen Forschungsergebnissen eines deutsch-schweizerischen Teams (Eidgenössische Technische Hochschule + Frankfurter Labor für Experimentelle Wirtschaftsforschung) am Beispiel einer groß angelegten Feldstudie zur Waldbewirtschaftung in Äthiopien:

“Viele Gemeinschaften auf der Welt sind tatsächlich in der Lage, ihre gemeinsamen Güter erfolgreich zu bewirtschaften. Warum das in diesen Fällen gelingt, wollten die Forscher mit ihrer Studie untersuchen. Den Rest des Beitrags lesen »

Gabholz: eine soziale Allmende

Dieser Artikel von Ralf Göhrig im Südkurier zur ‘Holzverlosung mit Tradition’ im Baden-Württembergischen Jeststetten hat mich mit einer alten Rechtstradition vertraut gemacht, der Gabholzvergabe. Belegt ist diese mindestens seit dem 15. Jahrhundert.

“In Jestetten gibt es gegenwärtig noch 30 Bürgerinnen und Bürger mit einem Nutzungsanspruch” an diesem Holz. Die Tradition geht auf die Allmende zurück, die bis ins 19. Jahrhundert vorherrschte. … Im 19. Jahrhundert begannen die Gemeinden, den Bürgern Feldflächen und Brennholz, den so genannten Bürgernutzen zuzuteilen. Der gemeinsame Wald war zum Gemeindewald geworden, die Bürger behielten jedoch ihre Nutzungsrechte. Das Recht an Brenn- und Nutzholz war in einer Zeit von großer Holzarmut ein echtes Privileg. Der Verkauf von solchem Gabholz war bei empfindlicher Strafe verboten.” (Herv. S.H.)

Der Verhandlungsraum für alle mit dem Gabholz in Zusammenhang stehenden Belange war – und ist – die Nutzbürgerversammlung. Sie wurde in Jetstetten schon im Jahr 1968 aufgehoben.

“Die Vergabe von Gabholz sollte allerdings erhalten bleiben. Neuberechtigungen sollte es jedoch nicht mehr geben.”

Ähnliches findet sich im Badischen, etwa in Hauingen.

“Das Bürgerrecht und den Bürgernutzen konnten nur männliche Haushaltsvorstände erwerben. Der Bürgernutzen (Gabholz) ging, wenn der Haushaltsvorstand starb, nur auf Verlangen auf die Witwe über. Den höchsten Bürgernutzen verzeichnete Hauingen im Jahre 1947 mit 245 Berechtigten, die damals ihre sechs Ster Holz … erhielten und dafür nur den Holzmacherlohn zu bezahlen hatten.

Noch im Jahre 1960 konnte man sich für 100 Mark in das Bürgerrecht und für 294,50 Mark in den Bürgernutzen auf Lebenszeit einkaufen. …. Seit dieser Zeit nimmt die Zahl der Hauinger Nutzbürger kontinuierlich ab. Im Jahre 1977 gab es 61 Nutzbürger, 2002 waren es noch 15. In diesem Jahr konnten noch sieben Nutzbürger über das Gabholz freuen…”.

In der Stadt Mahlberg bekommen

“traditionell weniger gut situierte Bürger kostenlos eine Ration Bürgergabholz.” “Fürs Spalten, das Befreien von Ästen und das Herausholen aus dem Wald, kurz die Aufarbeitung, muss aber ein Obolus entrichtet werden.”

Der soziale Brauch wird bereits seit mehreren Jahrhunderten gepflegt. Das Holz muss  zum Heizen oder Kochen verwendet werden, Weiterverkauf ist nicht erlaubt.

“Elf Mahlberger und ein Orschweierer haben dieses Jahr ihr Holz abgeholt. … Deshalb entschied der Gemeinderat auch 2010 wieder Gabholz auszugeben.”

Auch in der Schweiz werden noch Gabholzverordnungen erlassen. Hier ein Beispiel aus der Gemeinde Rothenfluh, seit dem 01.01.2004 in Kraft.

“§2      Bezugsberechtigung
1. Bezugsberechtigt sind Bürgerinnen und Bürger von Rothenfluh, welche am
1. Januar des Bezugsjahres ihren gesetzlichen Wohnsitz im Kanton Basel-
Landschaft haben und mündig sind.
2. Die Bezugsmenge pro Haushalt ist auf eine Gabe beschränkt.

§3. 5.
Für Bezügerinnen und Bezüger, welche ihr Gabholzlos bis 30 Tage nach der
Verlosung nicht abholen, verfällt der Anspruch für das laufende Jahr.

§4       Gabholzpreis
1. Das Gabholz wird zu einem vergünstigten Verkaufspreis abgegeben. Der Gabholz-
preis soll mindestens die forstlichen Rüstkosten decken.
3. Bei erstmaligem Bezug wird zusätzlich zum Gabholzpreis eine Grundgebühr
erhoben. …
4. Mit der Bezahlung des Gabholzes geht das Holz in das Eigentum des Bezügers /
der Bezügerin über.
5. Die Gabholzvergünstigung kann nicht auf andere Holzsortimente übertragen und
nicht bar ausbezahlt werden. Sie ist auch nicht auf andere Personen übertragbar.”

Es ist ein altes Allmendmuster: Gebrauch zum Leben statt Verkauf auf dem Markt. Augenfällig wird hier auch, wie wichtige die (soziale) Allmende gerade in Krisenzeiten ist.

Mehr: Langsames Ende einer Tradition

Foto: on flickr, Lizenz: CC, by, sa

Commonsinstitutionen denken: Weltwaldhypothekenbank

Albrecht von Sydow, Jurist und Ökonom mit Forstwirtschaftserfahrung, arbeitet seit 2006 als CEO einer us-amerikanischen Holzpelletierfirma. Er ist zudem Mitgründer des Biomass Thermal Energy Councils (BTEC), einem Industrieverband, der in Washington für die thermische Nutzung von Biomasse eintritt. Von Sydow hat ein offenes Ohr für die Allmende, weswegen es bei BTEC nur um Biomasse gehen kann, die nicht auf Kosten der Nahrungsmittelproduktion im Süden gewonnen wird. Wegen dieses Ohrs für die Allmende hat er auch am letzten Allmendesalon der Heinrich-Böll-Stiftung teilgenommen. Der Salon wird in Kürze hier dokumentiert.

Klar ist, dass eine grünere Marktwirtschaft nicht dasselbe ist wie ein gemeingüterbasiertes Leben und Haushalten. Doch klar ist ebenso, dass Den Rest des Beitrags lesen »

Gemeingüter. Wohlstand durch Teilen

Der neue Gemeingüterreport ist fertig. Bald! Er wird am Montag, den 22. Februar 2010 um 19.30 Uhr in der Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8 (Berlin-Mitte) der Öffentlichkeit vorgestellt.  Ein paar Stichworte:

  • Wem gehört der Himmel, wem die Stille, wem das Land?
  • Wem die Ideen, wem das Wissen? Und was passiert gerade in Sachen Urheberrecht?
  • Wie sieht eine Produktionsweise aus, in der Kreativität und Kooperation gedeihen?

Es geht um Reklame und Waldkaffee, um das Copyleft und Fischereipolitik, um Aidsmedikamente und um die Frage, wie wir wieder die Kontrolle über die Energieproduktion gewinnen können.

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FAZ: Was ist die Alternative zur Allmende?

Superfrage. Ich fand sie in der FAZ! Es ist Jahr der Biodiversität. Die FAZ widmet sich dem Thema der Gemeingüter in einem langen Beitrag von Jörg Albrecht. Albrecht beginnt mit einer Rechnung des inzwischen verstorbenen Biokybernetikers Frederic Vester. Dieser stellte fest, dass ein Blaukehlchen schon vor Jahrzehnten 301,38 Deutsche Mark “wert” war. Mit 10 Pfennig schlagen in Vesters Rechnung die Leistungen des Blaukehlchens als
Ohrenschmaus und Augenweide” zu Buche. Diese Eröffnung steht in interessantem Kontrast zum Schluss des Beitrags.

Albrechts zentrale Fragen sind: “Was ist Biodiversität?” (beantwortet er detailliert und mit durchaus einprägsamen Vergleichen) “Was haben wir davon? Und was kostet uns das?” Warum er das Ringen von Umweltschützern gegen große Infrastrukturprojekte, wegen eben dieser Fragen, als “Sperenzchen” und “Umweltmarotte” abtut, ist mir schleierhaft, aber es ist ein sehr gutes Zeichen, dass die FAZ jetzt “wo die Ressourcen knapp werden ” (genauer: “knapp gemacht wurden”) dem Thema so umfassende Aufmerksamkeit widmet.  So gut, wie das Fazit des Autors. Den Rest des Beitrags lesen »

Sherwood Forest ist überall

….nur dieser Artikel von Bernard Pötter in der jüngsten Ausgabe von Le monde diplomatique leider nicht. Jedenfalls ist er nicht vollständig im Netz.

Es ist der Stoff, aus dem Heldengeschichten gemacht sind: die Verteidigung der Gemeingüter gegen den Zugriff eines Einzelnen. Anfang des 13. Jahrhunderts begann der König von England, den Wald für seine Jagden und für die Versorgung seiner Günstlinge zu seinem exklusiven Eigentum zu machen. Bis dahin hatten alle Menschen das Recht, im Wald zu jagen, Holz zu sammeln und in den Gewässern zu fischen, auch wenn das Land dem König gehörte. Dieser kalten Aussperrung widersetzte sich nicht nur der Adel mit der Magna Charta, dem wichtigsten Verfassungsdokument Englands, mit der 1215 der englische Herrscher in seine Schranken gewiesen wurde – sondern auch ein Mann, dessen Taten legendär wurden: Rob Hod, besser bekannt als Robin Hood. Mehr in der aktuellen Printausgabe der Monde Diplomatique,

Mehr gib’ts aber auch hier und vor allem hier. Und morgen muss ich zum Kiosk…

Thomas Mann: Wald als Gemeingut

Gerade hielt ich an der auf Forstwirtschaft spezialisierten Fachhochschule Eberswalde einen Vortrag über Wald als Gemeingut. Den Einstieg lieferte mir ein Ausschnitt aus der ” Königlichen Hochzeit” von Thomas Mann (1909):

“Das Volk sah ein, dass sein Wald auf die Witterungsbeschaffenheit und gesundheitlichen Verhältnisse des Landes vom entscheidensten, günstigen Einfluß war; es wusste wohl, dass ohne den prächtigen Wald in der Umgebung der Residenz der Quellengarten dort draußen sich nie mit zahlenden Fremden füllen würde; und kurz; dies nicht sehr betriebsame und fortgeschrittene Volk hätte begreifen müssen, … Den Rest des Beitrags lesen »

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