Joni Mitchell: they’ve paved paradise

„Big yellow taxi“ heißt der song, in dem Joni Mitchel Anfang der 70er über das Verschwinden der städtischen Gemeingüter singt. Und keiner merkt’s. Bzw. wir merken es erst, wenn sie weg sind:


So they have paved paradise
And put up a parking lot
With a pink hotel
A boutique
And a swimming night spot.
Don´t it always seem to go
That you don´t know what you got til it´s gone
They paved paradise
Put up a parking lot.
Den Rest des Beitrags lesen »

1, 2, 3, viele Manifeste

Manifeste haben immer mal wieder Konjunktur. Wer sich in den Dschungel alter und neuer „handgreiflich gemachter politischer Erklärungen“ wagt, geht mit Sicherheit inspiriert daraus hervor.  Besonders provokant ist, was einzelne Vordenker zu Papier bringen – also Manifeste, denen man ansieht, dass sie nicht um Zustimmung ringen. Es folgen ein paar manifeste Lesetipps, die sich rund um das Thema Gemeingüter bewegen.

Wissen, Information, Software und Kultur:

Da ist zunächst das GNU-Manifest von Richard Stallman. Hier die inoffizielle deutsche Übersetzung. Den Rest des Beitrags lesen »

Sitzbänke in Stadtzentren: Commons gegen Kommerz?

IMG_0310Gerade komme ich von einem erschöpfenden Rundgang durch das Stadtzentrum von Florenz. Erschöpfend nicht etwa deshalb, weil ich hier zwischen Tausenden von Touristen arbeiten darf, sondern weil ich auf meinem Rundgang keine einzige Sitzbank fand, auf der ich mich mal hätte ausruhen können. Auf der Piazza bei den Uffizien scheint es keine einzige Sitzgelegenheit zu geben, die nicht in Form eines Cafés oder Restaurants in irgend einer Form kommerzialisiert ist. Einzige Ausnahme sind Sitzbank-ähnliche Strukturen, die man beim besten Willen nicht entfernen könnte, ohne das Stadtbild empfindlich zu stören – so zum Beispiel die Stufen zum Eingang des Doms. Egal, ob man müde ist und ein bißchen ausruhen möchte oder ob man einem der Strassenkünstler bei der Arbeit zusehen will – man ist erbarmungslos zum Stehen verdammt. Ob die Polizei käme, wenn man sich einfach auf den Boden setzt? Ich weiss es nicht, denn das Pflaster war mir für einen solchen Versuch zu dreckig.

Den Rest des Beitrags lesen »

À la recherche du pain perdu*

IMG_0281Während sich die Welt der Commons meist um Grundelemente des Lebens wie Trinkwasser, Atemluft, Saatgut und intellektuelles Eigentum zu drehen scheint, stolpere ich von einer Kleinigkeit zur anderen und komme mir vor, als klage ich auf höchstem Niveau. Aber muss man wirklich jeden Mist essen, nur um nicht zu klagen, weil man sich auf hohem Niveau befindet? Ausgerechnet im mexikanischen Monterrey, mit dessen Bohnengerichten ich mich am liebsten totschiessen lassen würde, um mir das Essen zu ersparen, ging mir wieder mal ein liebgehabter Nationalstolz flöten.

Den Rest des Beitrags lesen »

„Wer im Lärm lebt, ist arm…

und wer arm ist, lebt im Lärm.“ „Der Körper ist das Schlachtfeld gesellschaftlicher Auseinandersetzung.“

Wir sind zum Hören verurteilt. Wir müssen an vielen Orten Dinge hören, die uns nicht gefallen, um die wir nicht gebeten haben oder die einfach nur zu laut sind. Es müsste ein Recht auf kostenlosen Zugang zu Oropax geben; man merkt ich gehöre zu jenen, die sich ein Open Air Konzert am liebsten vom gegenüberliegenden Café aus anhören – immer noch deftig genug. „Was wäre eigentlich, wenn wir täglich ungebetenerweise so viel in den Mund gestopft bekämen wie in die Ohren?“ Den Rest des Beitrags lesen »

Urbanes Gärtnern ist hipp

Nachbarschaftsgärten, Interkulturelle Gärten,  Guerilla Gardens: Überall boomt die Lust am Eigenanbau. Welche neuen Formen des städtischen Gärtnerns in den letzten Jahren entstanden sind und was sie über mögliche Zukünfte der Stadt aussagen, damit beschäftigt sich die Tagung „Urbane Landwirtschaft und Gärten. Zur Zukunft der Stadt“ vom 23. bis 25. Oktober 2009 der Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis in der Evangelischen Akademie Tutzing.

Urbane Landwirtschaft: Das heißt, ein Stück soziales Gemeingut in die Städte zurückholen. Denn da geht es nicht, nicht einmal vorwiegend, ums Gärtnern, sondern um Stadtökologie, Belebung der Nachbarschaft, um Ernährungssouveränität oder Gesundheit… Kurz: es geht um bessere Lebensbedingungen, um die man sich auf einfache Weise mit anderen kümmert.

Es geht aber auch darum, die Frage nach den Nutzungsrechten am Boden neu zu stellen. Gärtner ist eben brisanter als es klingt.

Programm und Infos

Mehr zum Thema auf dem Commonsblog:

La Provence: Einkommensparadies?

Nein. Ich habe nicht den Eindruck, die 2000-Seelen-Gemeinde Buis-les-Baronnies, in die es mich nach Jahren zufällig wieder einmal verschlagen hat, sei ein expliziter Rückzugsort für Einkommensmillionäre. Im Gegenteil. Ich habe eher den Eindruck, als komme der Ort gerade eben so über die Runden. Was mich eher anspringt, ist dieses flüchtige Gefühl, Buis-les-Baronnies sei zwar kein Einkommensparadies, aber vielleicht Ein Commonsparadies … So ein ganz kleines zumindest?

Den Rest des Beitrags lesen »

Auch eine Krise des Wassers

Der Einhegung von Commons begegnet man gelegentlich in höchst unangenehmer Weise – der Einhegung der modernen Stadtentwässerung zum Beispiel, die zurecht als eines der wichtigsten Gemeingüter überhaupt betrachtet werden kann.

Den Rest des Beitrags lesen »

Streiten für Gemeingüter: Jetzt!

AllmendesalonEs ist ein Manifest entstanden. Die Autorinnen und Autoren wollen einen  Begriff stark machen und „den Gemeingütern eine Stimme geben“. Ob dies gelingt, wird die öffentliche Reaktion auf dieses Papier zeigen: Gemeingueter stärken. Jetzt!

Ein Vierseiter, der den Einsatz für Umwelt und Freie Software, für lebendige Stadteile und kulturelle Vielfalt zusammen denkt, als neue gesellschaftliche Bewegung.

Es geht um die großen Gerechtigkeitsfragen unserer Zeit. Niemand darf den Gemeingütern mehr entnehmen, als er an sie zurück gibt. Das gilt für Marktteilnehmer wie für den Staat. Wer die Gemeingüter füllt, anstatt nur aus ihnen zu schöpfen, verdient Prestige und gesellschaftliche Anerkennung. Das Handeln der Wirtschaft, des Staates und des einzelnen Menschen den Gemeingütern zu verpflichten, muss zur Grundlage wirtschaftlichen, politischen und persönlichen Erfolgs werden.“

Das Dokument ist Ergebnis eines in dieser Form in Deutschland einzigartigen, interdisziplinären Dialogs zu Gemeingütern. Es entstand im  Politischen Salon „Zeit für Allmende“ 2008/2009. Die großen Themen:

  • Wie die Krise das Netz unserer Gemeingüter sichtbar macht
  • Was Gemeingüter ausmacht und warum sie wesentlich sind
  • Es gibt etwas Neues. Eine gesellschaftliche Bewegung
  • Weder Niemandsland noch schrankenloses Eigentum
  • Für eine Gesellschaft, in der Gemeingüter gedeihen

Streiten Sie mit uns oder werden Sie zum Mitstreiter, für eine Gesellschaft, in der…

„Sich der Gemeingüter besinnen heißt: unsere Lebensbedingungen bewusst zu machen und auf allen Ebenen zu erforschen, wieviel Produktivität und Reichtum wir aus den Gemeingütern schöpfen. Es erfordert ein grundständiges Nachdenken über die Verfasstheit der Gesellschaft. Es heißt, in Freiheit und selbstbestimmt unseren gemeinschaftlichen Reichtum nutzen, teilen und mehren.“

Verlinken, Kommentieren und Kritisieren, Weiterverbreiten und Weiterentwickeln des Textes ist ausdrücklich erwünscht. Dringlicher aber ist eine Praxis, in der Gemeingüter nicht schwinden, sondern in aller Vielfalt immer wieder neu entstehen. Make commons work for people.

foto: Copyright, Heinrich-Böll-Stiftung

Der große Tisch: ein „eminent politischer Gegenstand“

„Bindung ist die innere Konsequenz der Freiheit.“ oder: Von den Gemeinschaften, die wir wollen:

Als in Berlin unser Gemeingüterbuch vorgestellt wurde, habe ich den Begriff der Bindung in den Mittelpunkt gestellt. Das hat – wie üblich – eine heftige Reaktion ausgelöst. Reinhard Bütikofer quittierte den Gedanken mit dem Satz: „Wenn Bindung der Zentralbegriff ist, dann ist das kein grünes Projekt.“ Warum, hab ich nicht wirklich verstanden. Eine diffuse Diskussion über „früher“ und schwäbische Dörfer brachte ein ebenso diffuses Unbehagen zum Ausdruck … über Gemeinschaften, die man nicht will. Nicht geschenkt und nicht mit schwäbischer Idylle drumrum.

Dabei ist viel wichtiger zu fragen, welche Art von „mittleren Strukturen“, welche Gemeinschaften wir wollen. Welche Idee von community wird einem zukunftsweisenden Gemeingüterbegriff gerecht?

Gerald Held hat in der Welt online zu diesem Thema Lesenswertes geschrieben. Was ist das „lebensweltliche Rückrat einer funktionierenden Gemeinschaft“, fragt Held. Der große Tisch zum Beispiel. Der sei ein kleines Gemeingut, „eine Maschine der Lebenswelt …

Den Rest des Beitrags lesen »