Creating Commons: „Offene Werkstätten sind wie Schneeflocken“

„Immer anders.“ Das sagt Tom Hansing von der Stiftungsgemeinschaft AnStiftung & Ertomis am letzten Tag der DIY-Tagung. Hansing ist ein Kümmerer. Er kümmert sich um den Verbund offener Werkstätten. Offene Werkstätten wiederum sind Freiräume zum Selbermachen. Menschen brauchen solche Räume,

„Räume, die undefiniert sind. Sie brauchen Raum und Unterstützung, um dort was zu entwickeln. Aber es ist total schwierig für freie Räume – also für Leere – Geld oder Unterstützung zu beantragen.“

Das berichtete Frauke Hehl von der Berliner Workstation Ideenwerkstatt, die mit ihrem Beitrag den letzten Tagungstag eröffnet hat. Wenn sie spricht klingt das immer ein wenig, als gäbe es überall Commons, zumindest an allen Ecken und Enden Berlins. Selbst „Jobcenter“ könne man kreativ und subversiv selbermachen, findet sie – während die Präsentation das BA-Logo hackt. Es macht Mut, Frauke Hehl zuzuhören!

Doch zurück zu den offenen Werkstätten. Da geht es nicht um Kaffeesatzleserei, sondern um Handfestes. Tolles aus Kaffeesatz zum Beispiel. Ungewöhnliche Fahrradständer oder so eine Art Restebank im Fahrradschlauchlook. Alles anfängergeeignet (wer weitere Ideen verfolgen will, abonniert am besten das Ding des Monats).

Egal ob Steinwerkstatt, Siebdruckwerkstatt oder Selbsthilfewerkstatt – offene Werkstätten sind Orte für gemeinsames handwerken, reparieren, upcyclen oder fabben, Orte, an denen geteilt wird, was fürs Selbermachen nötig ist: Den Rest des Beitrags lesen »

Leila macht Leihen leichter

Kaufen war gestern, heute ist Leila.“ Mit diesem Motto eröffnen Nikolai Wolfert und Silke Kolwitz ihren Tagungsvortrag über den Leihladen im Berliner Prenzlberg. Auch von einem bekannten Werbeslogan haben sie sich inspirieren lassen. Eins – zwei – drei – leih.

Als Hintergrund zitiert Nikolai Franz Alt, der daran erinnerte dass

„die Sonne keine Rechnungen schickt, sondern Energie schenkt.“ Ergo*: „Uns wurde die Welt geschenkt und wir sollten sie weiterschenken.“

Zudem haben die Leilas den Konsum als „Klimakiller Nummer Eins“ identifiziert. Darüber kann man sich bekanntlich streiten. Schließlich ist die Konsumgesellschaft nicht vom Himmel gefallen, sondern nur die Gestalt bzw. der Ausdruck des eigentlichen Problems.

Aber egal, die Praxis von Leila überzeugt und verdient insbesondere in unseren Städten viele Kopiererinnen und Kopierer. (Liebe Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker: Bitte stellen Sie Räume für Leihläden zur Verfügung, sobald dieser Wunsch an Sie herangetragen wird. Danke!)

In Leila soll erfahrbar werden, dass alle gewinnen, wenn wir teilen. Leihen statt kaufen spart Geld, entlastet von Staubfängern, führt zu intensiverer Ressourcennutzung und verbindet, erklärt Nikolai. Teilen bedeutet … Den Rest des Beitrags lesen »

Das Kartoffelkombinat – den Kapitalismus verlernen

Der Untertitel dieses Blogs hieß ja früher: Fundsachen auf der Allmendewiese. Hier ist eine. Und ich bin sehr froh, sie auf der DIY-Tagung gefunden zu haben. Das Kombinat von unten!

Unser Ziel ist, Solidarische Landwirtschaft als Genossenschaft für den Mainstream in München zu organisieren, sagt Daniel Überall vom Kartoffelkombinat. Wer das sei, der Mainstream? Die „Ahnungsvollen“! Der Begriff gefällt mir.

„Wir gehen davon aus, dass sich jeder gut verhalten will, er muss nur auch die Möglichkeit bekommen das zu tun.“

Die Kartoffelkombinatler wollen deshalb eine gemeinwohlorientierte Struktur für die regionale, saisonale Lebensmittelversorgung bauen und gründeten eine sogenannte Solidarische Landwirtschaft oder englisch „Community Supported Agriculture“(CSA). Es geht ihnen nicht um Ernährungssicherheit, sondern um Ernährungssouveränität.

In Sachen Handlungsmotivation kommen aus Sicht der Projektgünder drei Dinge zusammen: die schiere Notwendigkeit der Veränderung (z.B. aus ökologischen Gründen), der allgemeine Leidensdruck und die persönliche Leidenschaft. Das Ziel sei,

„unsere gemeinsame Versorgungsstruktur selbst in die Hand zu nehmen und damit auch den Kapitalismus kollektiv zu verlernen“.

Pointiert formuliert.

Als Rechtsform hat das Kartoffelkombinat die Genossenschaft gewählt. Damit ist auch eine Eintrittshürde verbunden – und somit ein sehr deutliche Identifikation mit den Zielen des Projekts (die immer wieder neu hergestellt werden muss). Die Mitgliedschaft pro Haushalt kostet 150 Euro und pro Monat fließen weitere 62 Euro pro Haushalt an das Kombinat. Einmal Genossenschaftler erhalten die Mitglieder wöchentlich eine Kiste mit dem, was die Saison so liefert: Gurken, Kartoffeln, Petersilie oder was auch immer. Trotzdem. So etwas wie ein Produkt bzw. eine Ware gibt es im Kombinat streng genommen nicht. Den Rest des Beitrags lesen »

Zwischen mir und der Tomate gibt es keinen virtuellen Raum

[Von der DIY Tagung in Tutzing].

NN steht im Programm. Zwei Gründerinnen von O’pflanzt is in München stellen zunächst die Prinzipien ihres Gartens und erklären somit, warum sie sich mit dem NN ganz wohlfühlen (obwohl sie Vanessa und Caro heißen).

Die Prinzipien von O’pflanzt is sind unter anderen:

Basisdemokratie, Konsensprinzip, ständige Anpassung der Regeln und: so austauschbar sein wie möglich.

Am Anfang war ein Film und eine Gedankenskizze (Foto), erzählt Vanessa:

„Ich hatte einen Film gesehen habe über Projekte in Berlin und Leipzig und dachte WOW, … Den Rest des Beitrags lesen »

Es gibt kein Selbermachen ohne Gemeinsames Tun

Ein Experiment: Commonsbloggt live aus der DIY-Tagung an der Evangelischen Akademie Tutzig, wo ich gestern Abend die Ehre hatte, mit Nico Paech ein Streitgespräch zu führen.
Los geht es mit Marco Clausen, Gründer des allseits bekannten und beliebten Prinzessinnengartens inmitten von Berlin.

Clausen spricht über das Potential des Informellen. Also einfach zu tun „ohne viel Fachkenntnisse und ohne Kapital“ Er spricht darüber, mit „leidenschaftlichem Dilettantismus die Lücke zu nutzen“. Im Prinzessinnengarten (6000 qm im Eigentum der Stadt Berlin und im Besitz der PrinzessinnengärtnerInnen, weitere finanzielle Unterstützung von der Stadt gibt es nicht) wird mit dem gearbeitet, „was vor Ort ist, mit den Ideen, mit der Fläche die zur Verfügung steht, mit Improvisationsgeist. Es geht ums Spielen und Experimentieren.

„Wir verstehen diese Gärten auch als Orte, um städtisches Leben zu erzeugen: Hier wächst nicht nur Gemüse, sondern auch soziale Beziehungen.“ Es ist ein Ort des … Den Rest des Beitrags lesen »

Stuttgart wählt Fritz Kuhn zum Oberbürgermeister

Wahlabend im Stuttgarter Rathaus

Stuttgart hat gewählt und auch ich habe mein Kreuz auf den Wahlzettel gemalt. Ich hätte wohl auch Jens Loewe wählen können, aber ich fürchte mein Bleistift folgte einer pragmatischen Linie. Und ehrlich gesagt, irgendwie mag ich Fritz Kuhn. Aber das ist ja auch mein gutes Recht. Und was hat das mit Commons zu tun? Na, wir werden sehen. Commons haben ja erst einmal nichts mit Parteipolitik und Staat zu tun, aber von Elinor Ostrom wissen wir, dass ein Minimum an staatlicher Akzeptanz …eine Funktionierens-Voraussetzung der Commons ist. Ich gehe davon aus, die Commons-Idee ist auch bei Fritz Kuhn längst angekommen. Und wo, wenn nicht im urbanen Millieu einer süddeutschen Großkleinstadt, könnte man besser einen Inkubator zum Experimentieren mit Commons bauen, als in Stuttgart? Die neuerdings auch politisch innovativen Metropole von unserem Schwabenländle ist ein ideales Experimentierfeld, wie ich finde. Ich bin gespannt und optimistisch.

Lebendige Urban Commons-Bewegung und Golf-Grabbing in Kroatien

Überall gibt es Commons-(Sommer-)Schulen. In London, in Barcelona und, tamtamtam: in Bechstedt. Noch dazu gab es dieses Jahr eine Sommerschule auf der Insel Vis in Kroatien. Sie nannte sich Grüne Akademie und wurde von mehreren grünen-nahen Stiftungen getragen. Teilnehmer_innen aus 16 vorwiegend osteuropäischen Ländern waren dabei und ich hatte die Ehre, die ganze Woche begleiten zu dürfen. Dort habe ich erfahren, wie lebendig die Commons-Debatte in manchen Bereichen ist.

Besonders gilt das für Städtische Commons. Das Thema wird angesichts solcher Verhältnisse immer wichtiger und die Länder Ex-Jugoslawiens sind aus historischen Gründen ein spannendes Laboratorium.  Natürlich ist die Frage nach städtischen Commons eng mit Landnutzungsaspekten verbunden. Und deshalb beginne ich mit Krk, einer der 1000 kroatischen Inseln.

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Er sitzt da, rund und wuchtig. So ein bisschen wie Obelix im roten T-Shirt. Man merkt sofort: Den Rest des Beitrags lesen »

Wie der Marktplatz zum Commons wird

Draußen schüttet es. Und das Sonntagsradio tönt mal wieder, dass es den Märkten schlecht geht. Sehr schlecht. Ich bedauere sie trotzdem nicht. Die Sendung hieß “Wirtschaft und Soziales”. Über Soziales hat man nichts erfahren, und über Wirtschaft wird in den Medien geredet, als kämen Menschen darin gar nicht vor. Das macht traurig, manchmal wütend. Also schalte ich das Radio ab und blogge lieber darüber, wie mehr Markt zum Commons werden kann.

Ganz einfach, gestern hab ich’s verstanden ;-) : mit 9 LKW-Ladungen voller Sand.

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Kommune Selbermachen!

Die Entdeckung der Gemeingüter als neue kommunale Gestaltungschance.

Darüber diskutiere ich mit Cornelia Behm und Benjamin Raschke (beide Bd.90/Grüne) am 13.10. um 18.30 im Eine-Welt-Laden Cottbus (was mich freut, der Weltladenszene bin ich ja sozusagen biographisch verbunden).

Aus der Einladung:

Viele Bürgerinnen und Bürger sind unzufrieden damit, wie unsere Städte und Gemeinden ihre Verantwortung für soziale, technische und kulturelle Einrichtungen wahrnehmen. Statt aktiver Gestaltung verbreitet sich der Eindruck eines unaufhaltsamen Sparprozesses, dem immer mehr kommunale Angebote zum Opfer fallen. Das Ergebnis sind jedoch Den Rest des Beitrags lesen »

Die Vielfalt des Handwerks als Commons: Bootsbauer am Rio Douro in Porto

Seit Hunderten von Jahren transportierten die Produzenten von Portwein ihre Fässer von den Anbaugebieten zu den Kellereien in Porto mit Booten den Rio Duro hinunter. Rabelos, heissen diese 5 Meter breiten und cirka 20 m langen Boote, die aus verschiedenen Holzarten wie Eiche, Eukalyptus und Pinie in Handarbeit gefertigt werden. Seit 1887 eine Bahnlinie am Rio Douro entlang eröffnet wurde haben die Rabelos ihre ursprüngliche Funktion verloren. Im Jahre 1961 soll es noch sechs Stück davon gegeben haben. Heute liegt eine kleine Flotte restaurierter Exemplare vor den Quais von Vila Nova de Gaia, als Touristenattraktion für die Besucher der Portweinkellereien, die sich heute angeblich fast alle in englischem Besitz befinden. Motorisierte Exemplare, die mit ihren alten Vorfahren wenig gemeinsam haben, fahren Besucher vom Hafen aus den Fluss hoch und runter, um die vielen sehenswerten Brücken von Porto zu bewundern.

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