“Krautfunding” für eine Postkollapsfähige Allmendetechnik

Postkollapsfähige Allmendetechnik. Klingt das nicht irgendwie katastrophisch-charmant? Zumindest aber besser als Commons Based Peer Production?

Bei der Oya wird nicht nur geschrieben, sondern auch gemacht. Es gibt dort einen Allmendeacker, ganz ohne Zaun drumrum und sehr ertragreich. Und es gibt ein erstes Projekt für eine post-kollapsfähige Allmende-Technik, das die umtriebigen Oyas und Oyos mit Studierenden um Ralf Otterpohl (TU Hamburg) angeschoben haben. Es geht darum, den “Prototyp eines revolutionären gärtnerischen Geräts zu entwickeln”, so Oya-O-Ton: Den Bodenfuttertopf. Das ist durchaus im Wortsinne zu verstehen!

Das diesem “Topf” zugrunde liegende Prinzip hat der Permakultur-Pionier Herwig Pommeresche entwickelt. Er hatte in Norwegen kargen Boden in hochfruchtbare Erde verwandelt indem er das, was normalerweise (langsam und energieintensiv) kompostiert zunächst kleinhäckselte und dann als Jauche ansetzte, so dass sich darin Milliarden lebendiger Bakterien bilden – das Lieblingsessen der Pflanzen. Ein idealer Dünger, finden die Oyas und empfehlen das Gebräu

“gerade für städtische Gemeinschaftsgärten, die oft Schwierigkeiten haben, ausreichend ökologischen Kompost zu bekommen.”

Wie aber kann man postfossil häckseln, also möglichst ohne Strom? Pommeresche hatte einen Küchenmixer benutzt. Den Rest des Beitrags lesen »

Creating Commons: „Offene Werkstätten sind wie Schneeflocken“

„Immer anders.“ Das sagt Tom Hansing von der Stiftungsgemeinschaft AnStiftung & Ertomis am letzten Tag der DIY-Tagung. Hansing ist ein Kümmerer. Er kümmert sich um den Verbund offener Werkstätten. Offene Werkstätten wiederum sind Freiräume zum Selbermachen. Menschen brauchen solche Räume,

„Räume, die undefiniert sind. Sie brauchen Raum und Unterstützung, um dort was zu entwickeln. Aber es ist total schwierig für freie Räume – also für Leere – Geld oder Unterstützung zu beantragen.“

Das berichtete Frauke Hehl von der Berliner Workstation Ideenwerkstatt, die mit ihrem Beitrag den letzten Tagungstag eröffnet hat. Wenn sie spricht klingt das immer ein wenig, als gäbe es überall Commons, zumindest an allen Ecken und Enden Berlins. Selbst „Jobcenter“ könne man kreativ und subversiv selbermachen, findet sie – während die Präsentation das BA-Logo hackt. Es macht Mut, Frauke Hehl zuzuhören!

Doch zurück zu den offenen Werkstätten. Da geht es nicht um Kaffeesatzleserei, sondern um Handfestes. Tolles aus Kaffeesatz zum Beispiel. Ungewöhnliche Fahrradständer oder so eine Art Restebank im Fahrradschlauchlook. Alles anfängergeeignet (wer weitere Ideen verfolgen will, abonniert am besten das Ding des Monats).

Egal ob Steinwerkstatt, Siebdruckwerkstatt oder Selbsthilfewerkstatt – offene Werkstätten sind Orte für gemeinsames handwerken, reparieren, upcyclen oder fabben, Orte, an denen geteilt wird, was fürs Selbermachen nötig ist: Den Rest des Beitrags lesen »

Ausweitung der Privatisierungszone

Noch vor 70 Jahren hätten wir uns kaum vorstellen können, dass einmal eine kleine und fast unbekannte Kommission wie die „Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels“[1] über die Eigentumsverhältnisse am Nordpol (und damit über eine Unmenge fossiler Bodenschätze) bestimmt. Dabei ist die Diskussion über die Frage, wem die Hohe See und wem die Arktis gehört jahrhundertealt. Unzählige Anträge der fünf Anrainerstaaten des Nordpolarmeers (Dänemark, Norwegen, Kanada, Russland und die USA) harren der dringenden Bearbeitung durch die Kommission. Die Staaten geben sich nicht mit den 200 Seemeilen zufrieden, über die sie nach dem UN-Seerechtsübereinkommen als „Ausschließliche Wirtschaftszone“ verfügen können. Sie beanspruchen das ausschließliche Nutzungsrecht (und damit zumindest auch die Schutzpflicht) über mindestens 350 Seemeilen und darüber hinaus. Deswegen lassen sie nun von ihren Geologenteams beweisen, dass ihre jeweiligen Festlandsockel weit ins Polarmeer hineinreichen: „erweiterter Festlandssockel“ heißt das Zauberwort.
“Auf diese Weise können [sie] mit Hilfe des internationalen Rechts das Polarmeer wahrscheinlich nahezu restlos untereinander aufteilen. Sie können es sich sozusagen mit Hilfe geologischer Daten einverleiben. Denn der Meeresboden am Nordpol ist gebirgig und erlaubt die Interpretation, dass die Kontinentalsockel der angrenzenden Staaten sehr lange Ausläufer haben“, schreibt Gunnar Herrmann.[2]
Russland hat am 2. August 2007 schon einmal vorsorglich, symbolisch und höchst medienwirksam eine Flagge auf dem Meeresgrund unter dem Nordpol gehisst. In mehr als 4000 Metern Tiefe.[3]
 
Noch vor 50 Jahren war der Begriff des „Geistigen Eigentums“ nur Experten geläufig. Heute empfängt mich die Garderobenfrau im Museum mit dem Satz: Den Rest des Beitrags lesen »

Das Patentrecht gehört genauso auf den Prüfstand wie das Urheberrecht

Netzpolitik war schneller als ich und hat die gestrige DLF-Kultur Sendung Breitband zu “Geistigem Eigentum in Zeiten der 3-D Druckerschon gepostet.

“In der Industrie werden 3D-Drucker schon seit längerem eingesetzt. Auch für Zuhause gibt es schon einige Open-Source-Geräte, die immaterielle, digitale Designs per Knopfdruck in die Kohlenstoffwelt überführen. Der große Durchbruch der Technologie auf dem Massenmarkt blieb bisher aus. In diesem Jahr soll sich das ändern. Weltweit entstehen kleine Unternehmen, die ihre 3D-Drucker-Modelle im Crowdfunding-Prinzip an die bastelwillige Masse bringen wollen. Eine Verbreitung der Technologie könnte die Industrie und Produktion, sogar die Wirtschaft wie wir sie kennen, komplett verändern. Die Urheberrechtsdebatten der vergangenen Jahre wirken bei dieser Aussicht fast wie eine unterhaltsame Kurzgeschichte.”

Ich wurde dazu auch interviewt. Der Blogtitel ist ein Zitat daraus..
Hier gibt’s das Interview als mp3... würde sich lohnen, die spannenden Fragen mal ausführlicher zu bearbeiten. Die werden uns nämlich in Zukunft öfter gestellt.

Bill Gates: Die Ärmsten der Armen haben keine Lobby außer mir

Ausgerechnet auf einem Flug nach Zentralamerika lacht mich Bill Gates von der Titelseite der Frankfurter Rundschau an wie ein Nobelpreis-würdiger norwegischer Poet. Ich bin gespannt, was die renommierte deutsche Tageszeitung über ihn schreibt. Nach dem Interview mit dem Gründer der Firma Winzigweich®  (abgebildet auf zwei großformatigen Farbbildern – als wüsste nicht längst jeder wie er aussieht) lese ich ein kümmerliches Artikelchen mit dem Titel ‘Ideologischer Treibsand über das Weltsozialforum in Porto Alegre’. Resultat? Ich zerknülle die Zeitung und werfe sie frustriert unter den Sitz. Frustriert über den deutschen Journalismus, der hier rüberkommt wie ein pubertierendes Kind. Stolz darauf, sich ein paar Minuten lang vom einstmals reichsten Mann der Welt mit Barmherzigersamariterselbstbeweihräucherung zurieseln zu lassen. Der Gipfel in diesem Interview ist die Arroganz, mit der sich Gates damit brüstet, die Polio in Indien ausgerottet zu haben. Kein Wort fällt in dem Interview oder dem Artikel darüber, dass die Entwicklung des ersten Impfstoffs gegen Polio von Jonas Salk entwickelt wurde. Auf die Frage, wer das Patent zu diesem Impfstoff innehabe hat Salk geantwortet: “There is no patent. Could you patent the sun?

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Commons: A framework and kaleidoscope of social practices for another possible world

GT Commons on the Thematic Social Forum 2012

(The following text has been produced by one of the 17 working groups of the Thematic Social Forum which took place between January 24 and January 29 in Porto Alegre/ Brazil. Commoners from Brazil, Germany, France, India, Argentina and Bolivia took place in redacting this as an “open document”, thus: it will be further developed. The version we publish here serves as in input for  a more general and comprehensive document to be prepared for Rio+20 by the Thematic Social Forum. More on this process here. Translations into Spanish, French and Portuguese have been done already. The German version is waiting for volunteers :-) )


Challenges of the current context: the dangerous conspiracy between state and market

State and market, at least in its hegemonic shape, are closely linked and it is hard to differentiate their actions. Even those of us who believe that it is possible for a democratic state to guarantee the general well-being, we see ourselves confronted with states that have no shame in catering to the banking sector –the chief culprit for the recent economic crises– while cutting social expenditures. Both state and market share the same ideological commitment to progress and competition. Both are committed to a model of development and economic growth that destroys the planet and the richness of the commons. Both dismantle our culture and livelihoods in order to convert us into consumers of goods. This inevitably leads to such outrages as the Brazilian mining company VALE’s construction of the Belo Monte dam in the middle of the Amazon rainforest, which will have a devastating impact on the biodiversity and the indigenous people of the region.

This threat to what is common to us are achieved through diverse mechanisms:

  • Legal: through agreements on free trade and investment protections and intellectual property, and international bodies like the WTO and the WIPO;
  • Economic: through private appropriation of territories (landgrabbing);
  • Technological: through genetically modified organisms (GMOs), restrictive systems of access to culture (DRM),geoengineering, etc.

All these phenomena are part of a grand, still untold story of our time: the process of enclosure of the commons, which goes beyond the privatization because it involves expulsion, disenfranchisement and social fragmentation. Enclosures are expanding and intensifying, and, “when the last tree is cut, when the last river has been poisoned” they will go on with the enclosure of the fundamentals of life at a scale of nanotechnology.

Meanwhile, the same states and markets have prepared the trap of the “green capitalism,” which they will try to enforce through the Rio+20 conference. This will signal the next round of enclosure, Den Rest des Beitrags lesen »

Coca Cola und der “Superzucker”

Foto: chicco :) auf Flickr.com

Unter dem Titel “Superzucker” lese ich heute einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der mir die Haare sträubt statt mich zu freuen: Die EU-Kommission hat nun endlich den natürlichen Süßstoff aus den Blättern der Stevia-Pflanze für Lebensmittel zugelassen, über den ich kürzlich schon einmal etwas gebloggt hatte. In der Mitte des Artikel überrascht mich die Autorin Christina Berndt mit der tollen Nachricht, dass “allein der Coca-Cola-Konzern 24 Patente rund um Stevia angemeldet hat”. Na da muss doch etwas Gutes an der Pflanze sein!

Eine der möglichen Fragen ist nun, wozu der Coca-Cola-Konzern diese Patente nutzen wird. Kommen jetzt Dutzende von neuen Stevia-gesüßten Limonaden auf den Markt, die nur Coca-Cola produzieren darf? Den Rest des Beitrags lesen »

Online-Petition to President Rousseff (Brazil) for Inclusive Public Cultural Policies

The international open letter to President Dilma Rousseff initially signed by international organizations, academics and activists in support of the work of the Brazilian society and government for the cultural commons is now online. Please support this initiative with your signature! The open letter was highly welcomed at the World Social Forum in Dakar by Brazilian Organizations who know that international pressure can make a big difference.

The International Open Letter follows an Open Letter by the Brazilian civil society in December expressing concern that Rousseff’s appointment of Ana de Hollanda as new Minister of Culture might lead to a reversal of the progressive policies of under the Ministers Gilberto Gil and Juca Ferreira.

The letter points out a range of achievements by the previous Ministry of Culture (MinC), including the support for free software, the Development Agenda at WIPO, an open inclusive dialogue in society about culture policies, the adoption of free licenses such as those of Creative Commons and the copyright bill. For some background on the issues see here.

The letter, an initiative of Commons Strategies Group with the help of some friends, was presented to a considerable number of international media and communication networks at the World Social Forum and will be released to international media by Monday, February 21.

The more people join us before the international media release, the better!

Mehr in deutscher Sprache hier und hier.

Das Google Art Project/ Update

Ein bißchen neidisch bin ich schon: Vor ungefähr zwei Jahren stand ich im Rijksmuseum von Amsterdam vor Rembrandts Nachtwache und dachte, man müsste sämtliche Kunstwerke der Welt im Internet frei zugänglich machen. Schluss mit der blödsinnigen Idee, auch nur ein Besucher käme nicht ins Museum um das Orginal zu sehen, nur weil er sich vorher schon auf seinem Computerbildschirm mit dem Bild bekannt gemacht hat. Was wäre das für ein gewinn für die Menschheit, wenn jeder in Ruhe und in jedem Detail überprüfen könnte, ob Mona Lisa wirklich ein schwuler Mann gewesen sein könnte! Wie Rembrandt seine berühmte Hand gemalt hat, oder Picasso seinen Stier. Nun hat der Internetriese GOOGLE “meine Vision” in digitale Realität überführt – heute ausgerechnet mit der Nachtwache von Rembrandt im Feature. Egal! Ich sollte glücklich sein, bin es aber nicht. Warum? Eifersüchtig? Vielleicht ein bißchen, aber das ist nicht der Punkt. Es wäre ein globales Gemeinschaftsprojekt! Ein Global Commons!! Freier Zugang zu den Kunstschätzen der Welt, die uns frühere Generationen von Meistern und Genies vererbt und überantwortet haben. Den Rest des Beitrags lesen »

Gesundheitspolitik aus Commonsperspektive

Im Mabuse-Verlag ist soeben der Sammelband “Nachhaltige Gesundheitsförderung Gesundheit gemeinsam gestalten” erschienen. Er wurde herausgegeben von Prof. Eberhard Göpel und der GesundheitsAkademie.

Die Beiträge dieses Buches skizzieren Leitkonzepte, auf denen aufgebaut werden kann, wenn nachhaltige Gesundheitsförderung zum Programm öffentlicher Gesundheitspolitik gemacht und in den Städten und Gemeinden umgesetzt wird. Das Buch ist als orientierende Einführung konzipiert und beschreibt Ansatzpunkte für eine sozial integrierende Kommunalentwicklung und eine solidarische Daseinsvorsorge der Bürgerinnen und Bürger auf Grundlage der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Den Artikel “Gemeingüter – Szenarien einer heilsamen Welt” habe ich beigesteuert.

Die Themen:

  • Vitale Gemeingüter: Grundlage nachhaltiger und selbstbestimmter Gesundheitsförderung
  • Logik der Gemeingüter statt Logik der Verwertung
  • Gemeingüter brauchen Kümmerer
  • Gemeingüter brauchen stärkende Strukturen
  • Gemeingüter sind heilsame Settings
  • Was allen zusteht: Zugang, Nutzung und Kontrolle gesundheitswichtiger Ressourcen
  • Das Prinzip: Teilen statt herrschen [Das Problem: „vernachlässigte Krankheiten“]
  • Das Prinzip: Was öffentlich finanziert ist, muss öffentlich zugänglich bleiben [Alternative Lizenzen für medizinische Forschungsergebnisse]
  • Das Prinzip: Ressourcen zusammenbringen und gemeinsam nutzen [Telepathologie rettet Leben]
  • Das Prinzip: Horizontal statt Vertikal oder Kooperation statt Konkurrenz
  • Das Prinzip Selbstbestimmung: wer betroffen ist, soll mitentscheiden
  • Das Prinzip: Commoning – Gemeinsames Tun

Ich zitiere hier mal die Schlußpassage:

Die entscheidende Frage in jedweder Situation, in jedwedem Projekt und jedweder gesetzlichen Maßnahme ist demnach: Wie gelingt Gemeinsames Tun? Wie entstehen Beteiligung und Selbstorganisation der Menschen für die Gestaltung gesundheitsfördernder Lebens- und Arbeitsbedingungen? Wie sehen Strukturen aus, die Sozialbeziehungen stärken, Zeitreichtum ermöglichen, Vielfalt wachsen lassen, Kooperation honorieren und die Fülle der Gemeinressourcen immer wieder reproduzieren, so dass alle aus ihnen schöpfen können?

Wie das Konzept der Salutogenese zu einer Inspirationsquelle der Gesundheitswissenschaften wurde, indem es die Perspektive auf den Menschen in seiner Lebenswelt verschiebt – weg von den Defiziten, hin zu den Potentialen für Selbststärkung und Selbstheilung -, wirft auch das Konzept der Gemeingüter ein neues Licht auf alte Fragen. Es macht sichtbar, wie und unter welchen Bedingungen Menschen so kooperieren, dass sie ihr Potential entfalten, Lebensqualität und Autonomie gewinnen indem sie anderen gleiches zugestehen. Eine heile Kultur ist eine Kultur der Verbundenheit. Und Verbundenheit ist ‘die Natur allen Seins’ (Vandana Shiva).”

Hier der gesamte Text (dessen Nutzungsrechte ich mir vorbehalten habe, obwohl man das dem gedruckten Buch leider nicht entnehmen kann). Zum Buchkauf geht’s da lang.

Vitale Gemeingüter: Grundlage nachhaltiger und selbstbestimmter Gesundheitsförderung

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