Über Land und Anbau selbst bestimmen

“Den Verein Allmende gibt es seit zwanzig Jahren. Die damaligen Besitzer des Lindenhofs übertrugen die Hofstelle sowie 1,5 Hektar Land dem Verein, der 15 Mitglieder zählte. Drei Jahre später starteten diese eine Initiative, mit der das Mitbestimmungsrecht über Land und Anbau weiter gefasst werden sollte: Der Hof gehört allen: Landkauf.eilumst - lindenhof

Für 1.250 Euro kann jeder dem Verein zu Land verhelfen. Im Gegenzug sind die Unterstützer lebenslang am Ertrag beteiligt. Jedes Jahr gibt der Verein Ertragsscheine an die Landkäufer heraus – Wert: … Den Rest des Beitrags lesen »

Das Kartoffelkombinat – den Kapitalismus verlernen

Der Untertitel dieses Blogs hieß ja früher: Fundsachen auf der Allmendewiese. Hier ist eine. Und ich bin sehr froh, sie auf der DIY-Tagung gefunden zu haben. Das Kombinat von unten!

Unser Ziel ist, Solidarische Landwirtschaft als Genossenschaft für den Mainstream in München zu organisieren, sagt Daniel Überall vom Kartoffelkombinat. Wer das sei, der Mainstream? Die „Ahnungsvollen“! Der Begriff gefällt mir.

„Wir gehen davon aus, dass sich jeder gut verhalten will, er muss nur auch die Möglichkeit bekommen das zu tun.“

Die Kartoffelkombinatler wollen deshalb eine gemeinwohlorientierte Struktur für die regionale, saisonale Lebensmittelversorgung bauen und gründeten eine sogenannte Solidarische Landwirtschaft oder englisch „Community Supported Agriculture“(CSA). Es geht ihnen nicht um Ernährungssicherheit, sondern um Ernährungssouveränität.

In Sachen Handlungsmotivation kommen aus Sicht der Projektgünder drei Dinge zusammen: die schiere Notwendigkeit der Veränderung (z.B. aus ökologischen Gründen), der allgemeine Leidensdruck und die persönliche Leidenschaft. Das Ziel sei,

„unsere gemeinsame Versorgungsstruktur selbst in die Hand zu nehmen und damit auch den Kapitalismus kollektiv zu verlernen“.

Pointiert formuliert.

Als Rechtsform hat das Kartoffelkombinat die Genossenschaft gewählt. Damit ist auch eine Eintrittshürde verbunden – und somit ein sehr deutliche Identifikation mit den Zielen des Projekts (die immer wieder neu hergestellt werden muss). Die Mitgliedschaft pro Haushalt kostet 150 Euro und pro Monat fließen weitere 62 Euro pro Haushalt an das Kombinat. Einmal Genossenschaftler erhalten die Mitglieder wöchentlich eine Kiste mit dem, was die Saison so liefert: Gurken, Kartoffeln, Petersilie oder was auch immer. Trotzdem. So etwas wie ein Produkt bzw. eine Ware gibt es im Kombinat streng genommen nicht. Den Rest des Beitrags lesen »

Jakob der Letzte

Literarische Einblicke in die Geschichte der Allmende

Nein, es geht nicht um meinen Mitblogger. :-) Es geht um diesen Roman von Peter Rosegger.

Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht,  für den Urlaub immer nach Literatur von Autor_innen der entsprechenden Gegend zu suchen. Dieses Jahr waren wir in der Steiermark, und wer in die Steiermark fährt, kommt an Peter Rosegger nicht vorbei. Rosegger gilt als wichtigster Vertreter des poetischen Realismus, der – sehr realistisch eben – die Vorgänge in seiner Heimat (obere Steiermark) prosaisch dokumentiert und reflektiert.

Nun entdeckte ich ‘Jakob er Letzte’ unter den bereits digitalisierten Büchern auf Gutenberg.de. Prima, ich wollte ohnehin darüber bloggen.

Ich hatte mir eine Ausgabe in Frakturschrift besorgt, weil ich fand, die Fraktur passt gut zum Thema und zur Sprache.  Alle Nase lang musste ich Brigitte fragen: Was heißt “verganten”? Und was “Pfaiden” (das muss irgendein Kleidungsstück sein). Und redet man wirklich von “kreuzverwindierten” Bauern?  Mal wusste sie Rat, mal nicht :-)

Ich will hier einfach ein paar eindrucksvolle Ausschnitte dokumentieren. Zunächst zum Stichwort Bauernabtrennung, der Oberförster der Region um Altenmoos (das ist das Dorf, in dem die Geschichte spielt) tut sich in diesem Kontext besonders hervor. An einer Stelle sagt er:

“So muß man es schütteln, dieses Altenmoos. Was reif ist, fällt, was heut’ nicht fällt, fällt morgen. Fest anpacken.” – Er ging gegen den Reuthof.

Und auf dem Reuthof (das kommt von “reuten” = ‘Steine lesen’ um das Land urbar zu machen) lebt besagter Jakob mit seiner Familie. Er wehrt sich bis zu seinem tragischen Ende gegen das, worein die Anderen nach und nach “einwilligen”: wegzuziehen und das Land zu verkaufen.

Hier eine Szene: Den Rest des Beitrags lesen »

Hände weg vom Acker,Mann!

Ich habe das letzte Wochenende mit folgender Frage verbracht: “Was is(s)t eine satte Welt?” und soeben einen Essay zur Finanzialisierung der Agrarmärkte (und aller anderen wesentlichen Dinge des Lebens) editiert. Hochsensibilisiert habe ich daher diese Aktion unterschrieben, der im Wortlaut wenig hinzuzufügen ist:

Offener Brief von Foodwatch an den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann: Den Rest des Beitrags lesen »

Gemeingüter. Wohlstand durch Teilen

Der neue Gemeingüterreport ist fertig. Bald! Er wird am Montag, den 22. Februar 2010 um 19.30 Uhr in der Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8 (Berlin-Mitte) der Öffentlichkeit vorgestellt.  Ein paar Stichworte:

  • Wem gehört der Himmel, wem die Stille, wem das Land?
  • Wem die Ideen, wem das Wissen? Und was passiert gerade in Sachen Urheberrecht?
  • Wie sieht eine Produktionsweise aus, in der Kreativität und Kooperation gedeihen?

Es geht um Reklame und Waldkaffee, um das Copyleft und Fischereipolitik, um Aidsmedikamente und um die Frage, wie wir wieder die Kontrolle über die Energieproduktion gewinnen können.

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Monsanto: von Drehtüren und Werkzeugen

Michael Grolm, der Thüringer Imker der für seine Überzeugungen ins Gefängnis geht, sagt Sätze die jeder versteht. Etwa:

Der ehemalige Monsanto-Chef spricht davon, dass die Gentechnik ein Werkzeug sei. Nicht gut und nicht schlecht. Eben ein Werkzeug. Aber ein Werkzeug ist so etwas wie ein Hammer oder eine Schere. Die kann ich benutzen, um etwas zu tun. Doch diese Technologie benutzt uns! Sie macht etwas mit uns, nicht wir mit ihr.

Gestern Abend habe ich für INKOTA an einer Diskussionsveranstaltung zum überMacht-Film-Festival teilgenommen. Ich komme spät. Öffne die Tür. Der Saal des KuBus ist voll. Man muss wissen: Den Rest des Beitrags lesen »

Sherwood Forest ist überall

….nur dieser Artikel von Bernard Pötter in der jüngsten Ausgabe von Le monde diplomatique leider nicht. Jedenfalls ist er nicht vollständig im Netz.

Es ist der Stoff, aus dem Heldengeschichten gemacht sind: die Verteidigung der Gemeingüter gegen den Zugriff eines Einzelnen. Anfang des 13. Jahrhunderts begann der König von England, den Wald für seine Jagden und für die Versorgung seiner Günstlinge zu seinem exklusiven Eigentum zu machen. Bis dahin hatten alle Menschen das Recht, im Wald zu jagen, Holz zu sammeln und in den Gewässern zu fischen, auch wenn das Land dem König gehörte. Dieser kalten Aussperrung widersetzte sich nicht nur der Adel mit der Magna Charta, dem wichtigsten Verfassungsdokument Englands, mit der 1215 der englische Herrscher in seine Schranken gewiesen wurde – sondern auch ein Mann, dessen Taten legendär wurden: Rob Hod, besser bekannt als Robin Hood. Mehr in der aktuellen Printausgabe der Monde Diplomatique,

Mehr gib’ts aber auch hier und vor allem hier. Und morgen muss ich zum Kiosk…

Onlinepetition gegen Gewässerprivatisierung: JETZT!

Ich bin gerade in El Salvador. Hier kann man gut studieren, was passiert, wenn man sich weigert, etwas als Gemeingut wahrzunehmen. Beispiel: der Zugang zu Gewässern im Däumling Lateinamerikas. Wer zum Strand fährt, sieht statt des Meeres Mauern. Alles zugepflastert. Privateigentum. Kein Platz für die Allgemeinheit. Der Zugang zum Meer oder zum wundervollen Lago de Coatepeque kostet Geld (indem man sich in ein Hotel einmietet oder in einem Restaurant speist) oder wird auf die weniger attraktiven Orte verdrängt. (Mehr hier.) Ähnlich sieht es am Ilopango aus.
Auch in Deutschland steht die Privatisierung der Gewässer auf der Tagesordnung. Dagegen gibt es Widerstand, doch einer Internetpetition gegen das Voranschreiten derselben droht noch diese Woche das Scheitern.

“Vier Tage vor Ablauf der Unterschriftenfrist für den Aufruf an den Bundestag hätten sich erst gut 5.400 Unterstützer eingetragen,… Den Rest des Beitrags lesen »

Das Undenkbare denken: Global Agricultural Commons

Wir spielen Russisches Roulette mit der Erde. Die Klimaforscher – hier Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des PIK – bedienen drastische Bilder. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig. Schellnubers Präsentation!

Er sagt: Wir stehen vor der MAD Herausforderung (Akronyme können wunderbar mehrdeutig sein). MAD heißt: Mitigation (Klimawandel verhindern) + Adaption (an Klimawandel anpassen) + Development (Entwicklung). Der zentrale Vorschlag: Wir brauchen eine Große Transformation der Land- und Wassernutzung! Ein Global Agricultural Commons. Den Rest des Beitrags lesen »

Neuerscheinung: Wem gehört die Welt?

Das Buch erscheint am 06. März. Sagt der Verlag! Ich freue mich und bringe hier die Ankündigung.

»Gemeingüter sind Räume, in denen wir frei sind.« Yochai Benkler, Harvard University

Wem gehört die Welt?

Auf den ersten Blick haben Wasser und Wissen, Erbgut und Atmosphäre nichts gemeinsam. Was sie aber eint, ist, dass sie zum Nötigsten für ein menschliches Leben gehören. Doch sie gehen der Gesellschaft immer mehr verloren, weil sie privatisiert und der allgemeinen Verfügung entzogen, missbraucht oder unbezahlbar werden. Die Welt gehört nicht mehr allen, sie wird eingezäunt und kommerzialisiert – zu unserem Schaden. Davon zeugen… Den Rest des Beitrags lesen »

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