TATA: There Are Thousand Alternatives. Und diskutiert werden sie unter anderem auf den verschiedenen Sozialforen. Das kommende Weltsozialforum (WSF) findet vom 26. bis 30. März 2013 in Tunesien statt, dh morgen geht’s los. Ich bin bereits vor Ort, weil Sozialforen dazu da sind, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Durch ein Mapping-Projekt, Bestandteil des mal wieder gigantisch unübersichtlichen WSF-Programms, wollen wir mit vielen internationalen Organisationen versuchen, die Themen sozialer Bewegungen sowie ihre Debatten über alternative Paradigmen zu erfassen und zueinander in Beziehung zu setzen. Das Projekt ist aus diesem Prozess hervorgegangen und ich bin dabei, um „Commonsperspektive“ einzubringen. Nicht einfach, denn nach wie vor stehen die „Gemein-Güter“ im Mittelpunkt, die Verteidigung, der Schutz, die Defensive derselben. Das verwundert angesichts der Härte der Auseinandersetzungen um Land, Wasser, Bergbau, Biodiversität und vieles mehr überhaupt nicht. Aber es geht darum, Commons als alternatives Governance-Paradigma, als Weltsicht, soziale Praxis und vielfach produktive Prozesse in den Blick zu rücken. Deswegen also bin ich hier.

Mit Chico Withaker im Januar 2012, Porto Alegre
Das Forum findet zum vierten Mal in Afrika statt und wird damit andere Schwerpunkte als jene, die europäische Zeitungen beschäftigen. Darüber hat unser Gastautor Benjamin Bunk mit einem der Vordenker des Sozialforums gesprochen, Chico Whitaker, u.a. geehrt mit dem Alternativen Nobelpreises. Chico ist jung geblieben, streitlustig und zugewandt. (Siehe Foto, das ist im vergangenen Jahr in Porto Alegre entstanden.)
Oft wird das WSF noch als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum betrachtet, doch es war schon immer mehr. Gerade der diesjährige Veranstaltungsort zeigt das. Seit den Revolutionen in Libyen, Tunesien oder Ägypten sind diese Länder unterschiedliche Wege gegangen. Indem das Forum der Einladung in die Maghreb/Mashrek-Region folgt und die Aufmerksamkeit der Sozialen Bewegungen, NGOs und Medien in diese Region lenkt,
„trennt es sich von den eher eingefahrenen Gleisen in Brasilien, wo soziale Bewegungen eher gut organisiert sind, wo die Veranstalter teilweise erhebliche Unterstützung bei Lokalregierungen (PT) gefunden haben“, schreibt Benjamin Bunk.
Er meint zudem, der Schritt nach Tunis sei “eine Fremdheitserfahrung für das Forum und manch linkes oder vermeintlich aufgeklärtes Selbstverständnis.” „Dabei geht es weniger um die Spannung zwischen revolutionärem Handeln von Bewegungen und dem deliberativen Forum. Vielmehr geht es darum, dass das Weltsozialforum und dessen Diskurse bisher noch nicht global sind. Es wird eine Begegnung der globalen Systemkritiker mit den Forderungen des Arabischen Frühlings. Säkulare Ideen und Feminismus treffen auf den politischen Islam. Das ist gut!“
Es wird also anders in Tunis, und spannend; ich muss allerdings damit rechnen, nicht allzu viel davon zu erleben, denn wer im WSF in eigene Prozesse eingespannt ist, verpasst im Wortsinn alles andere. Aber ich glaube, dass wir mit der Commons-Diskussion ein Stück dazu beitragen können, diese alternativen Diskurse zu globalisieren ohne sie zu entlokalisieren. Zu dumm nur, dass ich kein Arabisch spreche…
Jetzt aber gehört das Wort Chico Whitaker und Benjamin Bunk:
Weltsozialforum 2013 in Tunis: Auf dem Weg zu einer anderen Welt
Ein Gespräch mit Chico Whitaker über das Weltsozialforum, Demokratisierungsprozesse in Afrika und Hoffnung in Krisenzeiten
von Benjamin Bunk
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