Commons sind Zeitgeist

Lesenswerter Artikel in der Jungle World von Alex Berger über Elinor Ostrom, den Nobelpreis,

„Der Wirtschaftsnobelpreis stellt, …, eine Art politische Manifestation des Zeitgeistes dar. … Daher kann die Ehrung Ostroms als symbolische Kehrtwendung zumindest eines Teils der globalen Elite in Sachen Verwaltung endlicher Ressourcen verstanden werden.“

Ich bin immer für derlei Interpretationen! Das hebt die Motivation!

… über einige historische Details und die Kriminalisierung der „commoners“ im Kontext der Einhegung der Allmende:

„Auch von den Zwölf Artikeln der Aufständischen des Deutschen Bauernkriegs beschäftigten sich immerhin vier mit der Forderung nach Aufrechterhaltung bzw. Ausdehnung der Allmenden.“

„Allein für das Jahr 1850 verzeichnete die preußische Kriminalstatistik 265 000 Fälle von Holzdiebstahl. Aber … Den Rest des Beitrags lesen »

„Umwelt-Auftragsmörder“ oder Kein Strand für alle

Zur Rolle des Staates in der Gemeingüterdebatte wird noch viel zu diskutieren sein. Hier anders als anderswo. Oft wird der Staat als trustee der Gemeingüter herbeigewünscht. Das scheint nicht unlogisch: Wen anders – wenn nicht demokratische Institutionen – sollte man mit der Verwaltung von Dingen beauftragen, die nicht auf lokaler Ebene in den Griff zu kriegen  sind? Küstenstreifen zum Beispiel. Hier ist Staat als trustee mitten in  Europa noch einigermaßen vorstellbar, wenngleich es nicht immer vernünftig oder effizient erscheint, an den Staat zu delegieren … . Aber anderswo ist es anders.  In ihrer Oktoberausgabe hat die ILA einen Artikel veröffentlicht, der schlagartig klar macht, warum mir das Wort Rechts-Staat beim Gedanken an Mexiko immer genau in der Mitte im Hals stecken bleibt. Den Rest des Beitrags lesen »

Commons im Forbes Biz Mag

Commons sind allgegenwärtig. Deswegen wird es Zeit, dass sie auch in Zeitungen aller Couleur allgegenwärtig sind. Das sieht derzeit nicht schlecht aus: Dieses Mal titelt Elisabeth Eaves vom US-Business Magazin Forbes (sic!): Common Sense. Treffender Untertitel angesichts der  politischen Großwetterlage: „As heads of state meet, the most urgent priority is to preserve what we have.“ Eaves Ausgangspunkt sind drei Beispiele: Das Schwinden der Fischbestände, das Problem internationaler Piraterie und der zunehmenden Stromverbrauch durch IT! Was hat das alles miteiannder zu tun? Und dann umreißt sie die Idee der global commons.

Ihr Fazit: Den Rest des Beitrags lesen »

Thüga-Strom in Bürgerhand

Der Thüga Verkauf (im Prinzip eher ein Rückkauf) durch E.ON macht Schlagzeilen. Die ehemalige Thüringer Gas AG

„besteht überwiegend aus Minderheitsbeteiligungen an regional tätigen Versorgern, die sich mehrheitlich in kommunaler Hand befinden …. Thüga selbst gehört zum E.ON-Konzern, der 100 Prozent der Unternehmensanteile besitzt. Im Jahr 2008 erwirtschaftete das Unternehmen  … einen Umsatz von 381 Mio. Euro, + 295 Mio. Euro aus den gehaltenen Beteiligungen. Die gesamten mit Thüga assoziierten Unternehmen erwirtschafteten im selben Zeitraum einen Umsatz von 16,4 Mrd. Euro, beschäftigten 19.200 Mitarbeiter und versorgten rund 3,5 Mio. Gaskunden sowie rund 2,9 Mio. Stromkunden…. (vía)

Ausgehend von einer Freiburger Initiative wird nun die Thüga nicht nur von den Kommunen, sondern von möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern erworben. Angesichts des Verkaufspreises von 2,9 Milliarden Euro scheint das eine verwegene Idee. Doch die Genossenschaftler von Energie in Bürgerhand (EiB) sind optimistisch. Es ist nämlich ganz einfach (jede gute Idee zur Reproduktion der Commons muß einfach sein):

Mit schon 500 Euro bist Du Miteigentümer von 90 Stadtwerken mit 7,5 Millionen Kunden. Du kannst mitbestimmen, ob… Den Rest des Beitrags lesen »

Belohnung statt Strafe lohnt sich

Gestern berichtet die Süddeutsche, dass bewiesen ist, was wir schon ahnen:

„Wer durch asoziales Verhalten auffällt, den bestraft die Gesellschaft. Doch möglicherweise geht sie dabei genau den falschen Weg.

Eine der großen Fragen der Commonsdebatte ist: Wie bewegen wir Menschen zu kooperativem Handeln? Wie bewegen wir uns dazu, Dinge zu tun, die uns selbst nützen aber anderen nicht schaden? Wie ermöglichen wir, dass Müll vermieden, Kohlendioxidemissionen gesenkt, Ideen ausgetauscht, Vielfalt geschützt wird? Wie setzen wir die richtigen Anreize, gerade, wenn es um Handlungen geht, deren komplexe Konsequenzen, wir als Einzelne gar nicht überblicken? … und vor allem dann, wenn wir zu den anderen keine persönliche Beziehung haben, wenn wir sie nicht kennen, ihnen nicht vertrauen?

Am besten durch clevere Belohnungsstrategien. Darauf jedenfalls lassen  Experimente schließen, die ein Forscherteam um David Rand und Anna Dreber im Fachmagazin Science (Bd. 325, 2009, S.1272 ff) soeben veröffentlichte. Hier der abstract. Die gesamte Science Ausgabe widmet sich den Ursprüngen der Kooperation.

„Die Forscher nutzten ein Standardexperiment aus der Spieltheorie, das sogenannte Public Goods Game. Bei diesem Spiel kann jeder aus einer Gruppe von Mitspielern entscheiden, wie viel Geld er in einen gemeinsamen Topf wirft. Die so gesammelte Summe wird am Ende gleichmäßig verteilt…. Den Rest des Beitrags lesen »

Darwinfinken und die Krise der Vielfalt

Vielfalt bedeutet Lebensqualität. Vielfalt der Kultur, der Sprachen und Dialekte, der Nahrungsmittel. Vielfalt der Berufe, der Ideen und der Geschmäcker. Vielfalt der Farben, der Gerüche und Aromen, der handwerklichen Fertigkeiten. Vielfalt der Arten in den Biotopen der Welt, vom heimischen Gemüsebeet bis hin zum tropischen Regenwald. Schon meine Großmutter mahnte, ich solle mich abwechslungsreich ernähren – ein Vorsatz, der zu Zeiten der Industrialisierung der Lebensmittelproduktion und des Gentechnisierung von Saatgut und Zuchttieren zunehmend schwieriger wird. Mit der Vielfalt berauben wir uns eines unserer wichtigsten Gemeingüter. Viele empfinden diesen Verlust als Bedrohung, aber wenige sehen wirkungsvolle Strategien diesen Trend einzudämmen oder gar umzukehren. Neue Anstösse hierzu könnten  aus der Betrachtung biologischer Prozess kommen, auch wenn wir uns (schon aus historischen Gründen) vor einer Biologisierung gesellschaftlicher Prozesse hüten sollten.

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Gemeingüterdebatte in der monde diplomatique

Der gesamte Artikel der monde diplomatique zu Gemeingütern („Sherwood Forest ist überall“) inkl. einer intensiven Auseinandersetzung mit unserem Buch ist jetzt komplett online. Ich habe mich hier schon dazu geäußert. Aus dem Artikel:

„Ein besseres Vorbild als den weltweit bekannten und beliebten Robin Hood könnten also die heutigen Vorkämpfer für die „Commons“, die Gemeingüter, nicht haben. Denn am Beginn des 21. Jahrhunderts erreicht die Auseinandersetzung darüber, welche Güter öffentlich und welche privat sind, wer von ihnen profitiert und wer ausgesperrt bleibt, einen neuen Höhepunkt.“

Viel Spaß beim Lesen!

Synthetische Biologie: die vollautomatische Produktion des Lebens

Heute ein weiterer Beitrag zum Ersten Internationalen Strategietreffen „The Future of the Commons“ in Crottdorf. (Teil 7, min 31ff) Dieses Mal zur Debatte über Synthetische Biologie und Geo-engineering (Wie bitte?)

Der Input ist von Pat Mooney, dessen Beitrag zur Nanotech ich bereits dokumentiert habe. Auch heute nur in englischer Sprache. Kurze Reflektion dazu auf deutsch kommt morgen. Los geht’s. Im Wortsinn aufregende Lektüre wünsch ich!

„The next is Synthetic Biology… or Nanobiotechnology, which really works on the same scale. In Synthetic Biology the idea of moving one gene from a species to another is rather absurd, because, over the last decade we’ve learned a lot about DNA and proteins and RNA. Our sense of how things work has changed dramatically. Den Rest des Beitrags lesen »

Nanotech: die Privatisierung der chemischen Elemente

Mehr Infos vom Internationalen Commoners Treffen, heute auf Englisch. Das Transkript war eine Herausforderung, denn aus Pat Mooney (ETC Group), über den ich hier schon berichtete, sprudeln die Sätze nur so. Und das mit kanadischem Akzent. Ich werde beim zuhören oder lesen immer abwechselnd hilflos oder zornig. SEHR lesenswert sind seine Beiträge aber immer! Wer wissen will, was Nanotechnologie für Gemeingüter bedeutet, wie korporative Kontrolle in 10 Jahren aussieht („at the end of the day, they have changed the world“) , wie das Leben auf der atomaren Ebene manipuliert oder neu gebaut wird, warum wir dem Zahnartzt genau auf die Finger schauen sollen, wie leicht es ist, Tee mit Tequila zu verwechseln, warum wir statt eines im Grund 5-6 Periodensysteme haben und wie man erfolgreich die chemischen Elemente patentiert, der nehme sich Zeit für diesen Text! (leicht gekürzt, alle Hervorhebungen und links von mir)

Hier nochmal alle Audios des Treffens, die Stefan Meretz von Keimform wunderbarerweise für uns aufgenommen, geschnitten und hochgeladen hat! Es ist Teil 7.

New technologies and new enclosures of the commons

I’ll give my perspective on the cause of that fight – from biotechnology to nanotechnology. Den Rest des Beitrags lesen »

Streiten für Gemeingüter: Jetzt!

AllmendesalonEs ist ein Manifest entstanden. Die Autorinnen und Autoren wollen einen  Begriff stark machen und „den Gemeingütern eine Stimme geben“. Ob dies gelingt, wird die öffentliche Reaktion auf dieses Papier zeigen: Gemeingueter stärken. Jetzt!

Ein Vierseiter, der den Einsatz für Umwelt und Freie Software, für lebendige Stadteile und kulturelle Vielfalt zusammen denkt, als neue gesellschaftliche Bewegung.

Es geht um die großen Gerechtigkeitsfragen unserer Zeit. Niemand darf den Gemeingütern mehr entnehmen, als er an sie zurück gibt. Das gilt für Marktteilnehmer wie für den Staat. Wer die Gemeingüter füllt, anstatt nur aus ihnen zu schöpfen, verdient Prestige und gesellschaftliche Anerkennung. Das Handeln der Wirtschaft, des Staates und des einzelnen Menschen den Gemeingütern zu verpflichten, muss zur Grundlage wirtschaftlichen, politischen und persönlichen Erfolgs werden.“

Das Dokument ist Ergebnis eines in dieser Form in Deutschland einzigartigen, interdisziplinären Dialogs zu Gemeingütern. Es entstand im  Politischen Salon „Zeit für Allmende“ 2008/2009. Die großen Themen:

  • Wie die Krise das Netz unserer Gemeingüter sichtbar macht
  • Was Gemeingüter ausmacht und warum sie wesentlich sind
  • Es gibt etwas Neues. Eine gesellschaftliche Bewegung
  • Weder Niemandsland noch schrankenloses Eigentum
  • Für eine Gesellschaft, in der Gemeingüter gedeihen

Streiten Sie mit uns oder werden Sie zum Mitstreiter, für eine Gesellschaft, in der…

„Sich der Gemeingüter besinnen heißt: unsere Lebensbedingungen bewusst zu machen und auf allen Ebenen zu erforschen, wieviel Produktivität und Reichtum wir aus den Gemeingütern schöpfen. Es erfordert ein grundständiges Nachdenken über die Verfasstheit der Gesellschaft. Es heißt, in Freiheit und selbstbestimmt unseren gemeinschaftlichen Reichtum nutzen, teilen und mehren.“

Verlinken, Kommentieren und Kritisieren, Weiterverbreiten und Weiterentwickeln des Textes ist ausdrücklich erwünscht. Dringlicher aber ist eine Praxis, in der Gemeingüter nicht schwinden, sondern in aller Vielfalt immer wieder neu entstehen. Make commons work for people.

foto: Copyright, Heinrich-Böll-Stiftung