Wem gehört der Schnee? Zum Unterschied zwischen Öffentlichen Gütern und Gemeingütern

„Fundsachen der Allmendewiese“: Manchmal macht das Blog seinem ursprünglichen Untertitel alle Ehre. Heute gefunden: „Die Entwicklung des Schnees von ‘res communis’ zum Staatsgut“ von Professor Fernández de Buján. Der spanische Rechtshistoriker hielt diesen Vortrag zum 1.  Skirechtsforum italienischen Bormio (Dez. 05). Es ist ein Ausflug ins römische Recht, um dort Ansatzpunkte für ein einheitliches Skirecht zu suchen. Wem also gehört der Schnee? Und wie dachten die alten Römer über Gemeingüter im Unterschied zu öffentlichen Gütern?

Güter waren ursprünglich zweigeteilt, … Den Rest des Beitrags lesen »

Commons sind Zeitgeist

Lesenswerter Artikel in der Jungle World von Alex Berger über Elinor Ostrom, den Nobelpreis,

„Der Wirtschaftsnobelpreis stellt, …, eine Art politische Manifestation des Zeitgeistes dar. … Daher kann die Ehrung Ostroms als symbolische Kehrtwendung zumindest eines Teils der globalen Elite in Sachen Verwaltung endlicher Ressourcen verstanden werden.“

Ich bin immer für derlei Interpretationen! Das hebt die Motivation!

… über einige historische Details und die Kriminalisierung der „commoners“ im Kontext der Einhegung der Allmende:

„Auch von den Zwölf Artikeln der Aufständischen des Deutschen Bauernkriegs beschäftigten sich immerhin vier mit der Forderung nach Aufrechterhaltung bzw. Ausdehnung der Allmenden.“

„Allein für das Jahr 1850 verzeichnete die preußische Kriminalstatistik 265 000 Fälle von Holzdiebstahl. Aber … Den Rest des Beitrags lesen »

„Wissen als Privateigentum ist absurd“ – Junge Ideen in der BpB

Aber auch eine Renaissance der Gemeingüter, der Allmende ist möglich. Nötig wäre sie allemal. In den Bereichen der digitalisierten und weltweit vernetzten Kulturen und Wissenszirkulation zeichnen sich neue, faszinierende Möglichkeiten ab, Ressourcen intelligent und effizient zu teilen und zu verteilen. Das muss nicht ohne Gewinn und private Eigentumsanteile bleiben. Aber auch hier ist noch vieles offen: …

eröffnet Thorsten Schilling das aktuelle Jugendmagazin Fluter, herausgegeben von der Bundeszentrale für Politische Bildung (BpB) zum Schwerpunkt Eigentum. Gelungenes Heft mit eigentümlichen Zahlen.

Gleich zum Anfang gibt es ein Interview mit Prof. Ulrich Steinvorth, Ko-autor unseres Manifests;; Steinvorth meint: Wissen als Privateigentum ist absurd.

Bei den Fragen geht allerdings ein bisschen was durcheinander – die Allmende wird mit dem Gemeineigentum und sogar dem Gemeinwohl in einen Topf geworfen, was in der eigenwilligen Frage gipfelt:

„Dann hat also sowohl privates Eigentum als auch Gemeinwohl einen Nachteil?“

Wie bitte? Also das mit dem Gemeinwohl sollten die Autoren korrigieren, ansonsten versteht man trotz Begriffsverwirrung die Richtung.

Fluter: Wie lange gibt es denn Privateigentum schon? So lange wie es Menschen gibt?

Steinvorth: Nein, das kann man in der Philosophie sehr schön ablesen. Der Begriff des privaten Eigentums entsteht erst in der Antike, besonders deutlich wird das bei Cicero. Cicero ist sich sehr klar darüber, dass es Privateigentum geben soll, weil das der Gesellschaft insgesamt nutzt. Aber bestimmte Ressourcen wie Grund und Boden können kein Privateigentum sein. Und die Vorstellung, dass es ein natürliches Recht auf Eigentum gibt, wird sogar explizit bei Cicero verworfen. Bei ihm heißt es: Eigentum ist immer Eigentum einer Gesellschaft.“

„Umwelt-Auftragsmörder“ oder Kein Strand für alle

Zur Rolle des Staates in der Gemeingüterdebatte wird noch viel zu diskutieren sein. Hier anders als anderswo. Oft wird der Staat als trustee der Gemeingüter herbeigewünscht. Das scheint nicht unlogisch: Wen anders – wenn nicht demokratische Institutionen – sollte man mit der Verwaltung von Dingen beauftragen, die nicht auf lokaler Ebene in den Griff zu kriegen  sind? Küstenstreifen zum Beispiel. Hier ist Staat als trustee mitten in  Europa noch einigermaßen vorstellbar, wenngleich es nicht immer vernünftig oder effizient erscheint, an den Staat zu delegieren … . Aber anderswo ist es anders.  In ihrer Oktoberausgabe hat die ILA einen Artikel veröffentlicht, der schlagartig klar macht, warum mir das Wort Rechts-Staat beim Gedanken an Mexiko immer genau in der Mitte im Hals stecken bleibt. Den Rest des Beitrags lesen »

Jack Wolfskin und die Tatzenposse: 1:0 für uns

Jack Wolfskin lenkt ein. Vernunft siegt über Markenrecht. Das Agieren der (Internet-)communities über den Konzern! Jetzt knirscheln vermutlich nicht nur Jack Wolfskins Anwälte.

Hier die aktuelle Meldung bei Heise.

„Der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin lenkt im Streit mit Kleinhändlern um angebliche Markenrechtsverstöße ein. Das Unternehmen will seine umstrittenen Abmahnungen zurücknehmen. ‘Die zum Teil heftige Kritik unserer Kunden … nehmen wir ernst und zum Anlass, unser Vorgehen kritisch zu hinterfragen’, erklärte Geschäftsführer Manfred Hell am Freitag. Heftige Reaktionen im Internet hätten zum Einlenken geführt. … Anwaltliche Hilfe soll in Zukunft erst ein letzter Schritt sein.“ (Herv. von mir)

Großartig.

Die Posse um die Tatze hatte eine Welle der Entrüstung ausgelöst, die sich per Blogs und Twitter sowie in den klassischen Medien rasend schnell verbreitete. Auch hier auf dem Commonsblog.

Jack Wolfskin macht sich lächerlich

Es sieht so aus, dass Jack Wolfskin, obwohl erst 1981 gegründet, die Rechte an Katzenpfoten hat. Wer hätte das gedacht?! Das muss ich gleich den Alten Ägyptern, Walt Disney und dem Pinken Panther erzählen“, so ein Betroffener der jüngsten Abmahnwelle von Jack Wolfskin.

Dem wäre nichts hinzufügen, würde sich Wolfskin nicht ausgerechnet bei Walt Disney in der Nähe Gleichgesinnter befinden.

Das Denken solcher Firmenstrategen kommt mir vor wie aus einer anderen Galaxie. Und gleichzeitig scheint es mir genau unsere Chance – das „alte Denken“ macht sich mit diesem Gebahren einfach lächerlich.

Hier die ganze story mit ständigen updates, bei Netzpolitik eine kurze Zusammenfassung und hier erfahren wir warum…

die taz bestimmte Merchandising-Produkte aus Outdoor-Bereich nicht mit der taz-Tazze bedrucken oder besticken darf – auch dann nicht, wenn neben der Tatze der Schriftzug „die tageszeitung“ eine eindeutige Zuordnung erlaubt„,

Spiegel online hat recherchiert und macht klar, warum wohl so manche Hobbybastlerin demnächst auf Pferdefußmotive umsteigt, denn: Den Rest des Beitrags lesen »

Veröffentlicht in Eigentum, Wissen. Schlagworte: , , . 16 Kommentare »

World Culture Forum: In Dresden nix Neues

In Dresden hat vom 08. bis 10. Oktober das 2. World Culture Forum stattgefunden. Herausgekommen ist dieses_Manifest. Es wurde in Rekordzeit verabschiedet. Wenn ich bedenke, wie lange wir für „unser Gemeingüter Manifest gebraucht haben…

Seis drum, warum steht das hier? Die Auseinandersetzung um Gemeingüter betrifft in mehrfacher Hinsicht die kulturelle Sphäre. Sie muss in der Gesellschaft diskutiert und entschieden werden. Dort, wo wir im Zusammenleben um die Frage ringen, was geht und was nicht. Sie muss in die Alltagskultur zurück fließen und diese prägen.

Die andere Variante wäre, alles zu verregeln, für jedes Problem Institutionen zu haben und Institutionen, die die Institutionen kontrollieren und Institutionen, die … Den Rest des Beitrags lesen »

Die Perspektiven der Globalisierungsverlierer

Die Verfassungsrichterin Gertrude Lübbe-Wolff hat für die Stuttgarter Zeitung einen lesenswerten Artikel verfasst. „Wie funktioniert die Integration menschlicher Gesellschaften?„, fragt sie. „Was hält eine Gesellschaft zusammen?“ Sie spricht von „einer Erosion der Werte„. Ich denke, wir sollten uns mit ihren Thesen auseinandersetzen.

The Commons as a new narrative for the 21 century

IMG_0761

I had the opportunity to do the introductory talk of the World Commons Forum held on 29 and 30 of September in Salzburg. I am pleased to share my ideas as well as the presentation. It includes a table to compare the present paradigm with the commons paradigm. Den Rest des Beitrags lesen »

Thüga-Strom in Bürgerhand

Der Thüga Verkauf (im Prinzip eher ein Rückkauf) durch E.ON macht Schlagzeilen. Die ehemalige Thüringer Gas AG

„besteht überwiegend aus Minderheitsbeteiligungen an regional tätigen Versorgern, die sich mehrheitlich in kommunaler Hand befinden …. Thüga selbst gehört zum E.ON-Konzern, der 100 Prozent der Unternehmensanteile besitzt. Im Jahr 2008 erwirtschaftete das Unternehmen  … einen Umsatz von 381 Mio. Euro, + 295 Mio. Euro aus den gehaltenen Beteiligungen. Die gesamten mit Thüga assoziierten Unternehmen erwirtschafteten im selben Zeitraum einen Umsatz von 16,4 Mrd. Euro, beschäftigten 19.200 Mitarbeiter und versorgten rund 3,5 Mio. Gaskunden sowie rund 2,9 Mio. Stromkunden…. (vía)

Ausgehend von einer Freiburger Initiative wird nun die Thüga nicht nur von den Kommunen, sondern von möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern erworben. Angesichts des Verkaufspreises von 2,9 Milliarden Euro scheint das eine verwegene Idee. Doch die Genossenschaftler von Energie in Bürgerhand (EiB) sind optimistisch. Es ist nämlich ganz einfach (jede gute Idee zur Reproduktion der Commons muß einfach sein):

Mit schon 500 Euro bist Du Miteigentümer von 90 Stadtwerken mit 7,5 Millionen Kunden. Du kannst mitbestimmen, ob… Den Rest des Beitrags lesen »