Commons sind Zeitgeist

Lesenswerter Artikel in der Jungle World von Alex Berger über Elinor Ostrom, den Nobelpreis,

„Der Wirtschaftsnobelpreis stellt, …, eine Art politische Manifestation des Zeitgeistes dar. … Daher kann die Ehrung Ostroms als symbolische Kehrtwendung zumindest eines Teils der globalen Elite in Sachen Verwaltung endlicher Ressourcen verstanden werden.“

Ich bin immer für derlei Interpretationen! Das hebt die Motivation!

… über einige historische Details und die Kriminalisierung der „commoners“ im Kontext der Einhegung der Allmende:

„Auch von den Zwölf Artikeln der Aufständischen des Deutschen Bauernkriegs beschäftigten sich immerhin vier mit der Forderung nach Aufrechterhaltung bzw. Ausdehnung der Allmenden.“

„Allein für das Jahr 1850 verzeichnete die preußische Kriminalstatistik 265 000 Fälle von Holzdiebstahl. Aber … Den Rest des Beitrags lesen »

Julio Lambing: Der Mythos der Allmende

In der aktuellen Ausgabe der Kurskontakte gibt es ein ausführliches Interview von Lara Mallien mit Julio Lambing vom European Business Council for Sustainable Energy, e5, über das Manifest „Gemeingüter stärken. Jetzt!“, den Mythos der Allmende, das politische der Gemeingüterdiskussion, die Bezüge zum kulturkreativen Spektrum und die Frage, wie wir aus „zerrissenen, anonymen Verhältnissen“ wieder eine Kultur der Gemeingüter hinkriegen.

Ein paar Auszüge:

„Ich bin … angesprochen worden, ob ich nicht bei der Runde mitmachen wolle, und mir erschien das Projekt als politisch sehr weitsichtig. Als Geschäftsführer von e5 vertrete ich jene Teile der europäischen Wirtschaft, die sich für eine starke Klimapolitik… einsetzen. … Das war der Bezug zum Salon. Eine sichere Energieversorgung ist in entwickelten Ökonomien ebenfalls ein öffentliches Gut. Eine dritte Schnittstelle lag … wohl darin, dass e5 seit einiger Zeit darauf drängt, „Wissensallmen­den“ für den Klimaschutz zu nutzen: Es gibt diese innovativen Ansätze der Open-Source-Bewegung, die … auch schon bei der Entwicklung von Hardware eingesetzt werden. Wir fragen uns: … Den Rest des Beitrags lesen »

Das Merkel-Steinmeier-Duell gehört uns

Und zwar exklusiv, fanden ARD, ZDF, SAT 1 und RLT. Die öffentlich – rechtlichen fanden das ein bisschen weniger, die Privaten dafür umso mehr.

Ich habe das Duell genau deswegen nicht verfolgen können, denn ich besitze – wie weitere 3 % deutscher Haushalte – keinen Fernseher. Die Süddeutsche vermeldet heute einen Minus-Zuschauerrekord:

„Merkel und Steinmeier debattierten auf vier Kanälen, trotzdem blieb die Quote mäßig. Statt den erwarteten 20 Millionen haben nur 14,2 Millionen Menschen beim TV-Duell eingeschaltet.“

Und warum interessiert niemanden das Potential der Zuhörer?

Die Debatte um die Senderechte im Vorfeld hatte ich verpasst. Als ich dann gestern Abend den Deutschlandfunk einschaltete, kommentierte  Programmdirektor Günter Müchler, dass man eines der wichtigsten Beiträge zur politischen Meinungsbildung in diesem Jahr behandelt habe wie Privateigentum. Den Rest des Beitrags lesen »

Belohnung statt Strafe lohnt sich

Gestern berichtet die Süddeutsche, dass bewiesen ist, was wir schon ahnen:

„Wer durch asoziales Verhalten auffällt, den bestraft die Gesellschaft. Doch möglicherweise geht sie dabei genau den falschen Weg.

Eine der großen Fragen der Commonsdebatte ist: Wie bewegen wir Menschen zu kooperativem Handeln? Wie bewegen wir uns dazu, Dinge zu tun, die uns selbst nützen aber anderen nicht schaden? Wie ermöglichen wir, dass Müll vermieden, Kohlendioxidemissionen gesenkt, Ideen ausgetauscht, Vielfalt geschützt wird? Wie setzen wir die richtigen Anreize, gerade, wenn es um Handlungen geht, deren komplexe Konsequenzen, wir als Einzelne gar nicht überblicken? … und vor allem dann, wenn wir zu den anderen keine persönliche Beziehung haben, wenn wir sie nicht kennen, ihnen nicht vertrauen?

Am besten durch clevere Belohnungsstrategien. Darauf jedenfalls lassen  Experimente schließen, die ein Forscherteam um David Rand und Anna Dreber im Fachmagazin Science (Bd. 325, 2009, S.1272 ff) soeben veröffentlichte. Hier der abstract. Die gesamte Science Ausgabe widmet sich den Ursprüngen der Kooperation.

„Die Forscher nutzten ein Standardexperiment aus der Spieltheorie, das sogenannte Public Goods Game. Bei diesem Spiel kann jeder aus einer Gruppe von Mitspielern entscheiden, wie viel Geld er in einen gemeinsamen Topf wirft. Die so gesammelte Summe wird am Ende gleichmäßig verteilt…. Den Rest des Beitrags lesen »

Gemeingüterdebatte in der monde diplomatique

Der gesamte Artikel der monde diplomatique zu Gemeingütern („Sherwood Forest ist überall“) inkl. einer intensiven Auseinandersetzung mit unserem Buch ist jetzt komplett online. Ich habe mich hier schon dazu geäußert. Aus dem Artikel:

„Ein besseres Vorbild als den weltweit bekannten und beliebten Robin Hood könnten also die heutigen Vorkämpfer für die „Commons“, die Gemeingüter, nicht haben. Denn am Beginn des 21. Jahrhunderts erreicht die Auseinandersetzung darüber, welche Güter öffentlich und welche privat sind, wer von ihnen profitiert und wer ausgesperrt bleibt, einen neuen Höhepunkt.“

Viel Spaß beim Lesen!

Gemeingüter: ein gemeinsames Picknick

und: Was hat der Staat beim Picknick zu suchen?

Das Beste an den Buchrezensionen und Zeitungsberichten über Gemeingüter sind die Über- schriften: Ubuntu heißt Gemeinsinn, titelte die ZEIT. Sherwood Forest ist überall, die Le Monde Diplomatique in ihrer jüngsten Ausgabe. Bernhard Pötter hat sich auf anderthalb bleischweren Zeitungsseiten mit dem Thema und dem Buch auseinandergesetzt. Großartig! Der beste Satz:

„Für Hardin ist die Allmende ein Schlaraffenland, das leergefressen wird. Für seine Kritiker -das sind wir:-)- eher ein gemeinsames Picknick, zu dem jeder was beiträgt und wo sich jeder in Maßen bedient.

Das Bild gefällt mir! Mir gefällt auch, … Den Rest des Beitrags lesen »

Gemeingüter: Zentrale Kategorie des Kapitalismus

Hier gibt es einen lesenswerten Artikel von Michael Hardt (mit Toni Negri Empire„, „Multitude„) über die Rolle, die Gemeingüter fortan in der politischen Diskussion spielen werden.

Commons (Gemeingüter) haben verschiedene Gewänder, meint Hardt, aber die gleiche Logik. Die gilt es freizulegen.

Die theoretische Diskussion müsse mit der Zentralität der Commons beginnen. Dieser Gedanke sei im ökologischen Denken besser verankert als in anderen Sphären – etwa der kulturellen oder der sozialen (ob er da recht hat?). Der Grund ist einfach:  Den Rest des Beitrags lesen »

Saatgut ist Software

San Cristóbal de las Casas, 13. Juli 2009: Ich steige in den Pick-up ein, der mich zum Schnellbus nach Tuxtla Guttiérez bringt. „Wie so ein Tag vergeht“, sage ich. Mein Aufenthalt in San Cristóbal währte gerade einmal 20 Stunden. Meine Gastgeberin, die Chiapanekin Ana Valadez,  wallendes, tiefschwarzes Haar und kämpferische Ausstrahlung, antwortet:

„Tja, an nur einem einzigen Tag, kann man eine ganze Diskussion auf den Kopf stellen.“ Den Rest des Beitrags lesen »

Streiten für Gemeingüter: Jetzt!

AllmendesalonEs ist ein Manifest entstanden. Die Autorinnen und Autoren wollen einen  Begriff stark machen und „den Gemeingütern eine Stimme geben“. Ob dies gelingt, wird die öffentliche Reaktion auf dieses Papier zeigen: Gemeingueter stärken. Jetzt!

Ein Vierseiter, der den Einsatz für Umwelt und Freie Software, für lebendige Stadteile und kulturelle Vielfalt zusammen denkt, als neue gesellschaftliche Bewegung.

Es geht um die großen Gerechtigkeitsfragen unserer Zeit. Niemand darf den Gemeingütern mehr entnehmen, als er an sie zurück gibt. Das gilt für Marktteilnehmer wie für den Staat. Wer die Gemeingüter füllt, anstatt nur aus ihnen zu schöpfen, verdient Prestige und gesellschaftliche Anerkennung. Das Handeln der Wirtschaft, des Staates und des einzelnen Menschen den Gemeingütern zu verpflichten, muss zur Grundlage wirtschaftlichen, politischen und persönlichen Erfolgs werden.“

Das Dokument ist Ergebnis eines in dieser Form in Deutschland einzigartigen, interdisziplinären Dialogs zu Gemeingütern. Es entstand im  Politischen Salon „Zeit für Allmende“ 2008/2009. Die großen Themen:

  • Wie die Krise das Netz unserer Gemeingüter sichtbar macht
  • Was Gemeingüter ausmacht und warum sie wesentlich sind
  • Es gibt etwas Neues. Eine gesellschaftliche Bewegung
  • Weder Niemandsland noch schrankenloses Eigentum
  • Für eine Gesellschaft, in der Gemeingüter gedeihen

Streiten Sie mit uns oder werden Sie zum Mitstreiter, für eine Gesellschaft, in der…

„Sich der Gemeingüter besinnen heißt: unsere Lebensbedingungen bewusst zu machen und auf allen Ebenen zu erforschen, wieviel Produktivität und Reichtum wir aus den Gemeingütern schöpfen. Es erfordert ein grundständiges Nachdenken über die Verfasstheit der Gesellschaft. Es heißt, in Freiheit und selbstbestimmt unseren gemeinschaftlichen Reichtum nutzen, teilen und mehren.“

Verlinken, Kommentieren und Kritisieren, Weiterverbreiten und Weiterentwickeln des Textes ist ausdrücklich erwünscht. Dringlicher aber ist eine Praxis, in der Gemeingüter nicht schwinden, sondern in aller Vielfalt immer wieder neu entstehen. Make commons work for people.

foto: Copyright, Heinrich-Böll-Stiftung

Der große Tisch: ein „eminent politischer Gegenstand“

„Bindung ist die innere Konsequenz der Freiheit.“ oder: Von den Gemeinschaften, die wir wollen:

Als in Berlin unser Gemeingüterbuch vorgestellt wurde, habe ich den Begriff der Bindung in den Mittelpunkt gestellt. Das hat – wie üblich – eine heftige Reaktion ausgelöst. Reinhard Bütikofer quittierte den Gedanken mit dem Satz: „Wenn Bindung der Zentralbegriff ist, dann ist das kein grünes Projekt.“ Warum, hab ich nicht wirklich verstanden. Eine diffuse Diskussion über „früher“ und schwäbische Dörfer brachte ein ebenso diffuses Unbehagen zum Ausdruck … über Gemeinschaften, die man nicht will. Nicht geschenkt und nicht mit schwäbischer Idylle drumrum.

Dabei ist viel wichtiger zu fragen, welche Art von „mittleren Strukturen“, welche Gemeinschaften wir wollen. Welche Idee von community wird einem zukunftsweisenden Gemeingüterbegriff gerecht?

Gerald Held hat in der Welt online zu diesem Thema Lesenswertes geschrieben. Was ist das „lebensweltliche Rückrat einer funktionierenden Gemeinschaft“, fragt Held. Der große Tisch zum Beispiel. Der sei ein kleines Gemeingut, „eine Maschine der Lebenswelt …

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