Ich werde ja immer gefragt: Wie kommen wir von hier nach da?
Also von da wo wir grad sind zu den Commons?
Jetzt weiß ich’s:
Nach Colchester fahren und dort in die 68 einsteigen
.
[1000 Dank an MB]
Ich werde ja immer gefragt: Wie kommen wir von hier nach da?
Also von da wo wir grad sind zu den Commons?
Jetzt weiß ich’s:
Nach Colchester fahren und dort in die 68 einsteigen
.
[1000 Dank an MB]
Das Weihnachtsfernsehen brachte mich auf die Idee, das Prinzip der Commons anhand einer Badewanne zu erläutern. Vermutlich ein urheberrechtlicher Streit mit Susanne von Bülow (die Loriot-Tochter findet das alles nämlich gar nicht lustig) machte einen ganzheitlichen Ansatz zwar zunichte, aber mit diesem Filmschnipsel des genialen Humoristen wollte ich dann doch einen festlichen Blick hinter die Kulissen der Commonings werfen. Fröhliche Weihnachten!
PS: … dachte ich. Aber weit gefehlt! Bei eingehender Betrachtung (oder eben auch nicht) bekommt man nämlich das Gefühl, dass das derzeitige Urheberrecht nicht nur von Loriots Tochter durchgesetzt wird, sondern offenbar von ihm selbst erfunden wurde. Nur direkt bei youtube kann man’s sehen.
Die Schweden mögen mir diesen Beitrag verzeihen, ich habe nichts gegen ihr Land. Auch Gothenburg (oder Göteborg) ist bestimmt eine wunderschöne Stadt. Ich meine das nicht persönlich. Dieser Beitrag hätte sonstwo entstehen können. Ich schleppte mich nur eben hungrig und mit Fieber aufgrund eines grippalen Infekts durch die nächtlichen Straßen und entwickelte dabei eine Horrorvision:
Ich lebe in einer puren Marktwirtschaft, in der es keine Commons mehr gibt und jedes Handeln und Tun nurmehr auf finanziellen Motivationen beruht. Alles ist privatisiert und kommerzialisiert. Die liberalistische Idealwelt sozusagen.
Wir schlendern durch die schnuckelige Altstadt der kroatischen Küstenstadt Split. Historisches Pflaster. Seehr historisches Pflaster.
Punkt zwölf schaut Kaiser Gaius Aurelius Valerius Diokletianus vorbei, tut so, als würde er sich für’s Volk interessieren und zieht mit einem SALVE wieder von dannen. Wir reden über die Geschichte Jugoslawiens, unser Leben und die Commons.
Die Commons-Perspektive hat für mich einen Nachteil: Ist der Denkhebel einmal umgelegt, dann taucht die Frage nach dem Umgang mit den Ressourcen überall auf.
Seitdem ich begonnen habe darüber nachzudenken, verwickle ich mich immer öfter in Diskussionen mit meinen Kindern oder Freunden über Flaschenwasser (ja darf man jetzt keinen Sprudel mehr trinken?), Biogemüse (müssen wir das jetzt auch noch selbst anbauen?), Urheberrecht (was ist falsch daran, dass ein Schriftsteller von einem Haus in der Toscana träumt?), Autoverkehr (willst Du Ochsengespanne revitalisieren?) und so weiter … .
Kurzum: Ich mache mich überall unbeliebt. Ein Spaßverderber!
Nur ungern glaube ich an globale Verschwörungstheorien. Und wenn überhaupt nur dann, wenn ich meine eigenen Gegenargumente selbst nicht mehr glaube. Gerade komme ich aus Indien zurück, wo ein frischer Mangosaft in einem erstklassigen Hotel (man verwendet dort Leitungswasser, um den Brei in einen Saft zu verwandeln) innerhalb von 15 Minuten meiner Darmflora das Lebenslicht ausbließ. Ich weiß also um die Gefahren Bescheid. Heute, ein paar Tage älter und einige Pfunde leichter sitze ich im Zug von München nach Wiesbaden. Es regnet draußen und die Temperaturen spotten dem Hochsommer Hohn. Plötzlich hektisches Treiben. Zugbegleiter verteilen Trinkwasser in pfandfreien Faltverpackungen. Die Klimaanlage sei ausgefallen, so die Begründung, und die Bahn entschuldige sich dafür ganz herzlich. Klimaanlage? Eine Heizung wäre heute nicht schlecht.
Aber was soll’s … man nimmt, was man kriegen kann. Ich lese gerade eine Abhandlung von Umberto Eco über die permanenten Verdauungsbeschwerden der Deutschen aufgrund von Schweinswürsten und exzessivem Bierkonsum. Da kommt mir ein Gläschen Wasser gerade recht. Natürliches Mineralwasser, steht da geschrieben. Was wäre eigentlich ein unnatürliches Mineralwasser? Natriumarm. Ohne Kohlensäure. Für Babynahrung geeignet. Jährlich DLG prämiert. Aus 101 m Quelltiefe … Urgestein … Fresenius-kontrolliert … war das nicht das Institut, das schon die umstrittenen Nutella-Etiketten unterzeichnet hat? ESSEN SIE 600 GRAMM NUTELLA PRO TAG, um Ihren Tagesbedarf an Eisen zu decken?

Silke und der wundervolle Wandteppich der polnischen Künstlerin Goshka Macuga.
Für ihren improvisierten Vortrag “Kunst als Commons” auf der dOCUMENTA(13) in Kassel bekam Silke von dem auch ansonsten recht schweigsamen Publikum in einem der Ausstellungsräume keinerlei Applaus. Die Zuhörer schienen zwar aufmerksam zuzuhören, wirkten betroffen und nachdenklich, blieben aber auch nach der Präsentation regungslos. Auch eine zufällig anwesende Riesenschlange schien die Referentin zwar mit den Augen verschlingen zu wollen, tat aber ansonsten keinen Mucks.
Ein bemerkenswerter Tag. Da ich im Zug ohne Internet sitze, lese ich die Süddeutsche Zeitung von morgen. Das ist möglich, wenn man abends ab München fährt. Am CERN habe man das Higgs-Boson nachgewiesen, lese ich erstaunt.
Geistiges Eigentum? Diese Wortkombination hat das Zeug, in den Olymp der 100 blödsinnigsten Begriffe aller Zeiten aufgenommen zu werden. Nicht aus politischen Gründen, wie man zunächst vermuten wird, sondern aus rein semantischen. Geistiges Eigentum, das wäre was für den unvergleichlichen Ze do Rock. Übersetzt hieße das proprius spiritus, so ähnlich also wie der mir gehörige Grillkohleanzünder. Oder ist gemeint, dass ich dem [Birnen]geist gehöre, der mir innewohnt? Geistiger Großgrundbesitz. Aber Moment! Dass mir der Geist gehört, den ich besitze, ist doch ein alter Trugschluss. So bin ich zwar im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, die aber dennoch einen anderen Eigentümer besitzen können. Denn, so die Wikipedia, ein Gegenstand kann sich vorübergehend oder auf Dauer im Besitz einer anderen Person als der des Eigentümers befinden. Ich bin also unter Umständen im Besitz meines Geistes, der aber Eigentum eines anderen ist – beispielsweise das meines Arbeitgebers, eines Produzenten oder Verlegers. Dieser Andere wiederum hat dann die fast beliebige Verfügungsgewalt über meinen Geist, wobei die Gedanken bekanntlich frei sind.