Monsanto: von Drehtüren und Werkzeugen die keine sind

Michael Grolm, der Thüringer Imker der für seine Überzeugungen ins Gefängnis geht, sagt Sätze die jeder versteht. Etwa:

Der ehemalige Monsanto-Chef spricht davon, dass die Gentechnik ein Werkzeug sei. Nicht gut und nicht schlecht. Eben ein Werkzeug. Aber ein Werkzeug ist so etwas wie ein Hammer oder eine Schere. Die kann ich benutzen, um etwas zu tun. Doch diese Technologie benutzt uns! Sie macht etwas mit uns, nicht wir mit ihr.

Gestern Abend habe ich für INKOTA an einer Diskussionsveranstaltung zum überMacht-Film-Festival teilgenommen. Ich komme spät. Öffne die Tür. Der Saal des KuBus ist voll. Man muss wissen: Den Rest des Beitrags lesen »

„Umwelt-Auftragsmörder“ oder Kein Strand für alle

Zur Rolle des Staates in der Gemeingüterdebatte wird noch viel zu diskutieren sein. Hier anders als anderswo. Oft wird der Staat als trustee der Gemeingüter herbeigewünscht. Das scheint nicht unlogisch: Wen anders – wenn nicht demokratische Institutionen – sollte man mit der Verwaltung von Dingen beauftragen, die nicht auf lokaler Ebene in den Griff zu kriegen  sind? Küstenstreifen zum Beispiel. Hier ist Staat als trustee mitten in  Europa noch einigermaßen vorstellbar, wenngleich es nicht immer vernünftig oder effizient erscheint, an den Staat zu delegieren … . Aber anderswo ist es anders.  In ihrer Oktoberausgabe hat die ILA einen Artikel veröffentlicht, der schlagartig klar macht, warum mir das Wort Rechts-Staat beim Gedanken an Mexiko immer genau in der Mitte im Hals stecken bleibt. Den Rest des Beitrags lesen »

Bürgermedizin: Revolution oder „Verrat am Fleisch“?

Im Commonwealth Club of California hatte Tim O’Reilly am 28. Juli prominente Gäste: Jimmy Wales, John Wilbanks und Stephen Friend diskutierten über die Chancen der „Bürgerwissenschaft„. Nein, das ist nicht so langweilig wie die Mimik der Herren :-)

Voraussetzung dafür, dass die Menschen die Medizin(ische Forschung) revolutionieren, ist – Ex-Merck Vizepräsident Stephen Friend sagt es klar-: die massive Übergabe bzw. Sammlung unserer biologisch-genetischen und Patientendaten. Freiwillig und mit Begeisterung, weil wir „wissen wollen was ist“.

Etwa so, wie sich hier Hunde- und Katzenbesitzer über jedes Detail der Krankengeschichte ihrer Vierbeiner austauschen … Den Rest des Beitrags lesen »

1, 2, 3, viele Manifeste

Manifeste haben immer mal wieder Konjunktur. Wer sich in den Dschungel alter und neuer „handgreiflich gemachter politischer Erklärungen“ wagt, geht mit Sicherheit inspiriert daraus hervor.  Besonders provokant ist, was einzelne Vordenker zu Papier bringen – also Manifeste, denen man ansieht, dass sie nicht um Zustimmung ringen. Es folgen ein paar manifeste Lesetipps, die sich rund um das Thema Gemeingüter bewegen.

Wissen, Information, Software und Kultur:

Da ist zunächst das GNU-Manifest von Richard Stallman. Hier die inoffizielle deutsche Übersetzung. Den Rest des Beitrags lesen »

Darwinfinken und die Krise der Vielfalt

Vielfalt bedeutet Lebensqualität. Vielfalt der Kultur, der Sprachen und Dialekte, der Nahrungsmittel. Vielfalt der Berufe, der Ideen und der Geschmäcker. Vielfalt der Farben, der Gerüche und Aromen, der handwerklichen Fertigkeiten. Vielfalt der Arten in den Biotopen der Welt, vom heimischen Gemüsebeet bis hin zum tropischen Regenwald. Schon meine Großmutter mahnte, ich solle mich abwechslungsreich ernähren – ein Vorsatz, der zu Zeiten der Industrialisierung der Lebensmittelproduktion und des Gentechnisierung von Saatgut und Zuchttieren zunehmend schwieriger wird. Mit der Vielfalt berauben wir uns eines unserer wichtigsten Gemeingüter. Viele empfinden diesen Verlust als Bedrohung, aber wenige sehen wirkungsvolle Strategien diesen Trend einzudämmen oder gar umzukehren. Neue Anstösse hierzu könnten  aus der Betrachtung biologischer Prozess kommen, auch wenn wir uns (schon aus historischen Gründen) vor einer Biologisierung gesellschaftlicher Prozesse hüten sollten.

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Saatgut ist Software

San Cristóbal de las Casas, 13. Juli 2009: Ich steige in den Pick-up ein, der mich zum Schnellbus nach Tuxtla Guttiérez bringt. „Wie so ein Tag vergeht“, sage ich. Mein Aufenthalt in San Cristóbal währte gerade einmal 20 Stunden. Meine Gastgeberin, die Chiapanekin Ana Valadez,  wallendes, tiefschwarzes Haar und kämpferische Ausstrahlung, antwortet:

„Tja, an nur einem einzigen Tag, kann man eine ganze Diskussion auf den Kopf stellen.“ Den Rest des Beitrags lesen »

Commons zwischen Kuhglocken und Alphörnern

Eigentlich sehe ich selten in die Ferne, aber gestern musste ich mir (ob dieser Fernsicht) die Augen reiben. Mitten in der Nacht im Fernsehsender Phoenix ein Bericht über Artenvielfalt, Dialekt- und Sprachenvielfalt und vieles mehr: Messners Alpen! Muss man gesehen haben. Das macht richtig Lust auf mehr. Nach Sepp Holzers Ausführungen zur Permakultur auf dem Krameterhof bin ich jedenfalls trotz der späten Sendezeit sofort raus und habe versucht im Mondschein ein Gemüsebeet anzulegen.

Es gibt noch zwei Sendetermine, wenn ich das richtig verstehe: Do, 23.07.09, 01.45 Uhr und Mi, 29.07.09, 01.30 Uhr.

Lizenz zum Pilzesammeln

Stellen Sie sich vor, man würde den Menschen das Pilzesammeln verbieten und stattdessen zum Sammeln einen Forstverwalter einstellen! Staatskasse muss gefüllt werden.

Schnapsidee? Gibt’s aber trotzdem. So notiert hier die österreichische Landschaftsplanerin Elisabeth Salome Gruber in ihrem kurzen und sehr informativen Text zum „Sammeln von Wildpflanzen im Spannungsfeld zwischen Gemeingut und Allgemeingut“* Den Rest des Beitrags lesen »

Bürgerbiologie und Freie Gentechnik

Manchmal ist mir diese Open (Source) Euphorie suspekt. Zum Beispiel wenn sie weitgehend losgelöst von der Frage durchs Netz geistert, was wir für welchen Zweck entwickeln und tun. Hier ein aktueller Beitrag von Gary Richmond im Free Software Magazine zum Potential von Open Source Biologie. Richmond schreibt mit beeindruckender Begeisterung.

Ich verstehe zwar nichts von Molekularbiologie, aber ich verstehe, dass Molekularbiologie keine Softwareproduktion ist und die DNA keine Kombination von Nullen und Einsen. Deshalb holt Richmond sich am Ende auch selbst ein – schließlich ist der Schritt vom „Bioerror“ zum „Bioterror“ nicht weit und Computerviren sind mit realen Viren nicht vergleichbar.

Es ist eine Binsenweisheit: … Den Rest des Beitrags lesen »

Krieg gegen die Fische

Die Überfischung der Weltmeere muss oft als klassisches Beispiel für die so genannte „Tragik der Allmende“ herhalten. Doch die Überfischung hat viele Ursachen, vor allem ist sie: ein international koordiniertes und von Einzelstaaten inszeniertes Drama. Dabei will die UNO das Drama seit Jahrzehnten stoppen. Als sich die Überfischung in den 70er Jahren nach Süden ausweitete, hat sie ein wichtiges Vertragswerk ins Leben gerufen: Das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (United Nations Conventionon the Law of the Sea,  UNCLOS)

Seit Inkrafttreten von UNCLOS, also seit 1982, gibt es feste Fanquoten (TAC – Total Allowable Catches) für jede Nation. Die Staaten teilen die erkämpften Quoten unter ihren Fischern auf. Je höher die Quote, umso ansehnlicher die „Leistung“ der Politiker. Den Rest des Beitrags lesen »