Die wundersame Vermehrung des Commons-Buchs

Agape_feast_04 PDWir reden manchmal salopp davon, dass sich Ideen, Wissen und Werke besser verbreiten, wenn wir das Teilen so einfach machen wie möglich. Wir wollen, dass sich die Idee der Commons verbreitet; nicht weil sie so gut ist, sondern weil  nur durch eine breite Diskussion, Aneignung und kritische Würdigung ihre Ungereimtheiten, Herausforderungen, Grenzen und ihr Entfaltungspotentail abgeklopft werden können: auf dem Weg zu einer “Wissensordnung der Commons”, wie meine Kollegin Brigitte Kratzwald unter Rückgriff auf Foucault jüngst formulierte.

Deshalb und weil zudem alle 90 Autorinnen und Autoren ihre Ideen mit uns geteilt haben, sollte das Teilen der in diesem Buch versammelten Beiträge einfach werden: Mit einer Creative-Commons Lizenz (CC-BY-SA, hier geht’s zur Englischen Fassung) Das ist – auch für Autorinnen und Herausgeber – ein spannendes Experiment. Für den Verlag ohnehin. Es ist Neuland.

Was allein in den knapp 10 Monaten nach Veröffentlichung entstand, übertrifft meine Erwartungen. Zunächst ein paar Dinge, für die die Lizenz nicht entscheidend ist, aber doch die Hürden senkt. Da gibt es die Gedankenwelt von Lennstar, in der nach und nach alle Beiträge (73) zusammengefasst und aus piratiger Sicht kommentiert werden (sollen). Das wäre auch ohne freie Lizenz möglich. Dann gibt es Interesse an (partiellen) Übersetzungen ins Italienische, Russische, Spanische, Portugiesische, Französische und Polnische. Hier brauchen wir uns um Rechtsfragen nicht kümmern, “permission was already granted“, was die Beantwortung dieser Anfragen erheblich entspannt. Dabei finden wir Übersetzungen gar nicht so gut, weil der Band auf den jeweiligen Kontext zugeschnitten werden sollte. Also haben wir einen Leitfaden für Adaptationen verfasst, den wir mit den Übersetzungsinteressierten teilen. Nun harren wir gespannt der Dinge die da kommen.

Und kürzlich hat tatsächlich ein Leser eine Website erstellt – Die Welt der Commons – und mit dem Buch eröffnet. Bald werden dort alle Beiträge im html Format abrufbar und mit vielen anderen Commons-Zusammenhängen verknüpfbar sein. Eine Menge Arbeit. Einfach so. Beigetragen und uns zurückgeschenkt.

Wie dieses freiere Form der Vervielfältigung mit den Verkaufszahlen zusammenhängt? Wir wissen es nicht. Es gibt in diesem Punkt keinen monokausalen Zusammenhang, denn hier sind sehr komplexe Prozesse am Werk. Fakt aber ist: Das Buch verkauft sich offenbar prima, jedenfalls hat der Verlag meiner Anfrage zugestimmt, auch den zweiten Band zu publizieren. Die freie Verfügbarkeit im Netz – vom ersten Tag an als Gesamt-pdf auf der Seite des Verlags (!) – hat  daran nichts geändert. Ich habe also berechtigte Hoffnung, demnächst die unvermeidlichen Schnitzer einer jeden Publikation in der Zweitauflage korrigieren zu können.

Der Punkt ist: Wir haben alle an einem Strang gezogen: Autor_innen, Herausgeber (darunter eine Stiftung, die mit öffentlichen Mitteln arbeitet) ein Verlag, der sich am Markt behaupten muss  und natürlich – in erster Linie – die Leserinnen und Leser, Neugierigen und commoners. So kann man Umbrüche bewältigen, Neues Ausprobieren, den Erfahrungshorizont erweitern und die Grenzen des Machbaren verschieben. An der Grenze von Commons und Markt. Danke dafür!

Foto: Agape Feast, Early Christian Catacomb of San Callisto, Paleochristian art, Public Domain, via.
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9 Antworten zu „Die wundersame Vermehrung des Commons-Buchs“

  1. LennStar Sagt:

    Hui, ich bin oben dabei! Demnächst gibts auch wieder ein paar mehr Zusammenfassungen, ab Mitte März hab ich wieder mehr Zeit, auch fürs Blog.

    • LennStar Sagt:

      Momentan trolle ich übrigens gerade die Direktkandidatenaufstellung der Piraten in Halle/Saale mit der Frage “Was verstehst du unter Commons”? Die Leute grüßen mich (ich sitz zu Hause am stream) schon bei der Frage :D Eine wirklich gute Antwort habe ich trotzdem noch nicht gehört. Aber sie werden besser…

  2. Brigitte Kratzwald Sagt:

    und du hast tatsächlich noch Zeit gefunden, meine Überlegungen zu lesen ;) ! Obwohl, “Wissensordung der Commons” hätte ich es nicht genannt, eher dass die Commonsbewegung ein Puzzleteil in einer neu entstehenden Wissensordnung ist.

  3. Silke Helfrich Sagt:

    @ Brigitte: Ok, ich lese sie nochmal. Fand das sehr plausibel!
    @ Lennstar: wunderbare Ideen, eine kurze Zusammenfassung in der Gedankenwelt fänd ich durchaus lesenswert :-)

  4. frizztext Sagt:

    nette Idee, indeed…

  5. Rüdiger Sagt:

    Ich freu mich ebenfalls doppelt: Erstens das, dass Buch in vielfältiger Form erfassbar ist, zweitens, dass ein weiterer Band erscheinen wird.

    Auf die Frage wie sich die vielfältige publizierung der Werke auf die Verkaufszahlen auswirk, habe ich auch noch keine Artwort. Ich wünsche mir aber das das jeweils eine das andere befruchtet.

    Grüße R.

  6. Commons-Buch komplett online — keimform.de Sagt:

    [...] Das Commons-Buch, das im Transcript-Verlag erschienen ist, war von Anbeginn auf der Seite des Verlags auch als PDF herunterzuladen (unter dem Punkt »open access«) — kostenlos unter den Bedingungen der CC-Copyleft-Lizenz. Diese Einladung hat ein Leser angenommen und alle Beiträge in Webseiten umgewandelt und unter »Die Welt der Commons« zur Verfügung gestellt. Super! Alle Beiträge können jetzt nicht nur einzeln verlinkt, sondern dort auch kommentiert werden. »Beigetragen und uns zurückgeschenkt«, wie Silke Helfrich schrieb. [...]

  7. Commons-eBook | Thomas Kalka Sagt:

    [...] teste gerade eBook-Reader. Um auch was zum Lesen zu haben, habe ich die HTML-Version des Commons-Buchs  in ein eBook umgewandelt: [...]

  8. Wundersame Vermehrung des Commons-Buchs II | CommonsBlog Sagt:

    [...] das Commons-Buch im Netz immer mehr wird, hatte ich hier schon berichtet. Dem ist inzwischen Einiges [...]


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