Ohne Worte.
Einmal im Leben hatte ich das Vergnügen, den 1923 geborenen Horst Eberhard Richter persönlich zu treffen. Das muss 1994 gewesen sein, im Theater Ticino in Wädenswil am Züricher See, wohin er zu einer Gesprächsrunde mit interessierten Bürgen eingeladen war. Richter saß in dem kleinen Theater in einem kleinen Ort auf der kleinen Theaterbühne und ich war sicher nicht der einzige Zuhörer in den Rängen, der beeindruckt war von seinem scharfen Verstand und seiner Fähigkeit zu kommunizieren. Ich weiss nicht mehr worum es in der Veranstaltung ging, erinnere mich aber an die rege Diskussion. Er war schon damals sehr bekannt, aber es machte ihm sichtlich Spaß, an dieser recht kleinen Gesprächsrunde zu partizipieren. Eines seiner Bücher begleitete mich seitdem durch die Welt:
Der Gotteskomplex. Gerade gestern, ohne von seinem Tod zu ahnen, habe ich wieder in diesem Buch geblättert und nach Zitaten gesucht, die zu den Commons passen. Ich brauchte nicht lange zu suchen.
Derzeit stelle ich eine kleine Zitatesammlung zu den Commons zusammen. Es wäre schlicht grandios, wenn Ihr mir dabei helft. Ich wünsche mir von jedem Leser des Commonsblogs sein/ihr Lieblingszitat über die Commons ( Gemeingüter/ Allmende) Bedient Euch auch aus anderen Sprachen und Kulturen.
Als Bienchen winkt die Veröffentlichung einzelner Zitate in diesem Buch (und wenn die Sammlung weiter gewachsen ist, stelle ich sie auch hier auf das Blog).
Helft Ihr bitte? (An meine Adresse, in die Kommentare oder info@commonsblog.de) Tausend Dank vorab.
PS: Stichtag, damit es noch Eingang ins Buch findet, ist der 21. Dezember. Aber Sammeln können wir bis in alle Ewigkeit.
Dieser Tage besuchte ich das Dorf Klings in der Rhön, wo ich fror, weil es kalt war (sagte der kleine Bär).
Gerade blicke ich in mein Bücherregal und traue meinen Augen kaum. Da steht in der obersten Reihe links ein längst vergessenes Büchlein von überraschender Aktualität, nämlich Die Kunst, seine Schulden zu bezahlen von Honoré de Balzac. Ich schmökere ein bisschen hier und da und entdecke gleich eine Passage, die mir gut gefällt: Konfuse Schulden, so schreibt Balzac, das sind diejenigen, deren Rechtsgründe ein wenig verwickelt sind, so daß derselbe Mensch zur gleichen Zeit Gläubiger und Schuldner desselben Individuums, so daß weder der eine noch der andere Klarheit genug über die Natur seiner Schulden hat. Und wenn nun einer der beiden die Grundlagen oder die Begründung der Schuld ein wenig in Unordnung bringt, so vollzieht er eben auf diese Weise schon die „Amortisation“ (Balzac, 1827).
Irgendwie erscheint mir dies, wie eine prägnante Analyse der derzeitigen Lage und erinnert mich an einen Witz:
Ein aufmerksamer Leser des Commonsblog hat sie schneller gefunden als ich: die offizielle Ankündigung
. Jetzt vollständig mit Cover, Text und Untertitel. Ich freu’ mich wie ein Töpfer.
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jetzt vormerken
Silke Helfrich, Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.)
Commons
Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat
April 2012, ca. 400 S., kart., ca. 24,80 € , ISBN 978-3-8376-2036-8
Commons. So wird das Buch heißen, dessen viertes Kapitel ich gerade abgeliefert habe. Es hat auch einen Untertitel, aber den verrate ich noch nicht. (Schließlich kennen ihn bislang nur unsere knapp 100 Koautor_innen aus ca 30 Ländern.)
Nur eins noch. Ein Kapitel. Dann werd ich wieder normal – nach der Durchsicht, Diskussion, Übersetzung, Edition, erneuten Durchsicht… Den Rest des Beitrags lesen »
Im Juni 2012 wird im Kulturhof im Thüringischen Bechstedt die 1. deutschsprachige Sommerschule für Commons stattfinden, auf die ich mich jetzt schon freue. Das vorläufige Programm, das sich Brigitte Kratzwald, Silke Helfrich und Burkhard Korbmüller vorgenommen haben, kann sich wirklich sehen lassen. Es soll ein breites Spektrum von Themen behandelt werden, das sich von den Grundlagen und Gelingensbedingungen von Commons bis hin zu praktischen politischen Umsetzungs-Strategien erstreckt. Ziel der Sommerschule ist, Den Rest des Beitrags lesen »
Von einer illustren Runde internationaler Juristen und Commonsfans (Ja doch, in dieser Kombination. Das ist zwar eine rare Spezies, aber sie sind gerade dabei, eine junge Generation auszubilden!) hier in Turin lerne ich gerade, dass wir es mit den Commons so halten müssen wie mit dem Eigentum. Alle wichtigen Konzepte sind dick und rund und schwammig. Damit viel reinpasst, oder viel aufgesaugt werden kann. Denn schließlich geht es nie um Dinge die so sind, nie um Statisches, um eindeutig und einmalig zu Definierendes. Sondern immer um Prozesse. Um soziale Prozesse. Commons sind nicht. Sie werden gemacht. Erkämpft, gestaltet, gepflegt und verteidigt, neu aus dem Boden gestampft und was auch immer.
Wir drehten – wie immer – eine lange Runde um die Definition der Commons (You know, there is no definition of the commons without commoning!) und vielleicht ist tatsächlich das Einzige, was alle Commons gemeinsam haben, dass sie niemandem allein gehören, dass sie niemandes exklusives Eigentum sind.
Damit befasst sich nächste Woche auch ein Kongress der Rosa-Luxemburg-Stiftung, mit vielen spanneden Kolleginnen und Kollegen (die ich leider alle verpasse
).
Hier folgt die Kongressankündigung. Für alle, die noch nicht angemeldet sind!
Commons haben das Zeug zu einer neuen großen Erzählung. Haben sie? Was ist das Neue an den Commons, was unterscheidet sie von Kommune und Kommunismus, von Gemeineigentum und Öffentlichem – und was verbindet sie? Was bedeutet die Aussage, Commons bewegten sich «jenseits von Markt und Staat»? Was können die Commons, die Commoner – und was nicht? Welche Rolle spielen Commons bei der Occupy- Bewegung? Dreht sich die alte Eigentumswelt? Und was heißt das für die Linke(n)?
Programm: Den Rest des Beitrags lesen »