Die Vielfalt des Handwerks als Commons: Bootsbauer am Rio Douro in Porto

Seit Hunderten von Jahren transportierten die Produzenten von Portwein ihre Fässer von den Anbaugebieten zu den Kellereien in Porto mit Booten den Rio Duro hinunter. Rabelos, heissen diese 5 Meter breiten und cirka 20 m langen Boote, die aus verschiedenen Holzarten wie Eiche, Eukalyptus und Pinie in Handarbeit gefertigt werden. Seit 1887 eine Bahnlinie am Rio Douro entlang eröffnet wurde haben die Rabelos ihre ursprüngliche Funktion verloren. Im Jahre 1961 soll es noch sechs Stück davon gegeben haben. Heute liegt eine kleine Flotte restaurierter Exemplare vor den Quais von Vila Nova de Gaia, als Touristenattraktion für die Besucher der Portweinkellereien, die sich heute angeblich fast alle in englischem Besitz befinden. Motorisierte Exemplare, die mit ihren alten Vorfahren wenig gemeinsam haben, fahren Besucher vom Hafen aus den Fluss hoch und runter, um die vielen sehenswerten Brücken von Porto zu bewundern.

Den Rest des Beitrags lesen »

Die Vielfalt der Commons ist das Fundament ihres Erfolgs

Enzian in den Pyrenäen

Ein wichtiges Grundprinzip in der Entstehung der Arten wird seltsamerweise oft übersehen, da es sich zurückhaltend hinter der Wucht des Darwin’schen Konkurrenzgemetzels verbirgt: Die Vielfalt!

Biologische Vielfalt selbst zeigt sich in vielfältigen Schattierungen. Sie tritt in Farben und Körperformen, in Tarnmethoden und Ernährungsweisen und in unfassbar vielen anderen Weisen in Erscheinung. Bisher wurden allein rund eine Million Insektenarten wissenschaftlich beschrieben, die sich allesamt fast wie die Commons verhalten. Sie verbinden Gemeinsamkeiten (z.B. sechs Beine), aber wie genau sie die spezifischen Probleme ihrer jeweiligen Art lösen, das bestimmen und entwickeln sie seit Millionen von Jahren ganz alleine.

Den Rest des Beitrags lesen »

Commons? Einfach genial!

Tut mir leid, dass ich die Übersetzungs- und Benennungdebatte nochmal aus der Kommentarkiste in den Mainstream hiefen muss. Aber ich halte die Frage nach einer „griffigen“ deutschen Bezeichnung für die Commons für ein Pseudoproblem. Die Commons, wie Silke ganz richtig angemerkt hat, ja sind doch nicht im Wahlkampf. Aber selbst wenn sie es wären? Was soll dieser Eindeutschungshype? Hamburger, Ketchup, Pizza, Cruise Missile (wer bitte sagt denn heutzutage noch Marschflugkörper?), Cookies, Internet, Microsoft, Jeans, Sushi, Wale Watching, Tsunami, Hit, Bestseller. An dieser Stelle traue ich mich, die dämliche Liste der weltbekannten Denglizismen zu beenden, denn wem leuchtet nicht ein, dass man einen Bestseller verkaufen kann, ohne ihn in einen Hervorragendverkäufer zwangszumutieren? Ein semantisches Problem ist es jedenfalls nicht.

Was ist Google? Jeder Teenager kann diese Frage heute beantworten. Aber was heisst Google? Oh, das ist aber schwierig. Glotzen heisst nämlich goggle und nicht google, auch wenn mancher in Google schnell mal was nachgoggelt. Vielleicht hilft uns der Google-Translator hier weiter? Jawoll! Google heisst Google. So einfach ist das. Es heisst absolut überhaupt nichts. Genauso wenig wie Mercedes, Ford oder Trabbi. Und selbst wenn diese Begriffe mal etwas geheissen hätten, so wüsste heute doch kein Mensch mehr was und warum.

Den Rest des Beitrags lesen »

Commons als „pluralistischer Angebotskapitalismus“?

EINE REPLIK AUF: „DIE COMMONARDEN.* TEILEN UND GEWINNEN. KANN MAN DIE RETTUNG DER WELT WIRKLICH ALS PRIVATSACHE BETRACHTEN?“ VON TILL BRIEBLEB, SÜDDEUTSCHE, FEUILLETON Nr. 191, S.13

Lieber Herr Briegleb,

Sie und ich haben Einiges gemeinsam. Wir befassen uns mit Politik, waren letzte Woche auf dem Kampnagel-Festival in Hamburg und finden den Begriff der ‘Gemeingüter’ unglücklich. In diesem Punkt haben Sie mich ganz auf Ihrer Seite. Ich hatte schon einmal angeregt, einen Preis für die eleganteste Übertragung des engl. >commons< auszuschreiben. Wollen Sie mitmachen?

Entsprechend angetan war ich von Ihrer Initiative, die Commons und die Commonarden** im Feuilleton zu besprechen. Was ich dann jedoch las, hat wenig mit den Commons zu tun, aber es erlaubt mir zu verstehen, wie man ins Feuilleton kommt: nicht nachfragen, Stichworte musterlos zusammenstricken und – dies vor allem – als Pointe ein zitierfähiger Gedanke. Ganz am Schluß!  Ihr letzter Gedanke, Herr Briegleb, ist ein Paukenschlag.

Commons seien „schöne politische Hobbies“ und die Betreiber der Commonsdebatte würden sich

„in den Glauben verirren, sie täten etwas anderes als der pluralistische Angebotskapitalismus auch“.

Bumm! Respekt. Gleich ab damit auf Spiegel Online und in den Perlentaucher, damit die geneigte Leserschaft weiß, womit sie es zu tun hat.*** Mit „der Privatsache“ von  Projekthuberln, mit einer  „dezentralen Partisanenbewegung„, die an die „Ausstiegsversprechen der Hippiebewegung erinnern„. Bauchladentheater für eine bessere Welt, die sie aber nicht (hin-)kriegen werden, weil die

„Idee der Commons keine klar erkennbare Strategie hat“, sondern eine „große Ansammlung von Ausnahmen ist„.

Es ist schon richtig, Ideen haben keine Strategien. Schließlich … Den Rest des Beitrags lesen »

Das Kaleidoskop der Commons

Seitdem ich vor ein paar Jahren das erste Mal mit der Idee der Commons konfrontiert wurde, fielen mir immer wieder zwei Dinge auf: 1.) Commons sind unglaublich vielfältig und verbergen oft ihre exakten Konturen (sofern sie denn welche haben) vor dem Auge des Betrachters, wie ein Chämäleon im Sand. Es ist und bleibt ziemlich schwierig, ihr Grundprinzip zu verstehen, gerade weil sie eben so vielfältig sind. 2.) Wenn man diese Konturen dann einmal entdeckt hat (oder zumindest für sich entdeckt zu haben glaubt), dann verfolgen einen die Commons auf Schritt und Tritt. Manchmal glaube ich, das Klügste wäre, das Kaleidoskop der Commons einfach zu beschreiben, statt darüber zu reden.

Ich erinnere mich gut daran, dass es mir unendlich schwer fiel, den Unterschied zwischen Ressourcen und Commons zu begreifen. Nächtelang haben wir über das Thema gestritten und uns (auch gegenseitig) die Haare gerauft. Ich weiss nicht, ob meine heutige Perspektive darauf soziologisch einwandfrei und ideengeschichtlich korrekt ist, aber das ist mir auch egal. Schliesslich weiss ich selbst am besten, wie ich damit umgehe – und zwar so:

Den Rest des Beitrags lesen »

Island: Die Verfassung der Allmende?

Gastbeitrag von Matthias Fersterer

Es tut sich was in Island. Die kleine Inselrepublik im Nordatlantik, gibt sich eine neue Verfassung, die wirklich den Willen des Volkes ausdrücken soll. Die derzeitige Verfassung basiert in großen Teilen auf dem Grundgesetz der einstigen Kolonialmacht Dänemark.
Eingefordert wurde die neue Verfassung von den Protestierenden der »Topf-und-Pfannen-Revolution«, die die damalige Regierung in Folge der Finanzkrise 2009 lautstark klappernd und scheppernd aus dem Amt komplimentierte. Die Proteste kanalisierten die Empörung der Bürgerinnen und Bürger über die Auswirkungen der Finanzkrise, und sollten in diesem Frühjahr die Demokratiebewegung in Spanien (»¡Democracia Real Ya!«) inspirieren. Kaum ein Land wurde schwerer von der Finanzkrise getroffen als Island. Vielleicht sind die Lösungsansätze dort auch deshalb kreativer und radikaler als anderswo. Den Rest des Beitrags lesen »

Quarkkuchen: Eine ausgesprochen rivale Ressource

Es gibt rivale und nicht-rivale Ressourcen, das ist klar. Heute war ich mit meiner Tochter in einem Café der Münchner Innenstadt einen Quarkkuchen mit zwei Pfirsichscheiben essen. Sie schlug vor, dass wir uns einen teilen, denn ein Quarkkuchen in der Münchner Innenstadt hat nun wahrlich nichts mit Gemeingütern zu tun, sondern eher mir Investmentbanking. Wie dem auch sei, plötzlich wird mir klar, dass „Was mehr wird wenn wir teilen“ auch für ausgesprochen rivale Ressourcen gelten kann. Die junge Dame teilt jedem seine eigene Scheibe Pfirsich zu und ich bin beeindruckt von der Erkenntnis, dass ein gemeinsam verspeister halber Quarkkuchen doppelt soviel Spass macht, wie ein ganzer für sich alleine. Mathematisch augedrückt: 2*0,5 = 2. Das heisst aber noch lange nicht, dass ich in Zukunft jeden von meinem Kuchen abbeissen lasse.

Den Rest des Beitrags lesen »

Die Commonarden in der Süddeutschen Zeitung

Ich hole frische Semmeln zum Frühstück, und eine Süddeutsche Zeitung. Ein Alptraum, denn die Semmel bleibt mit im Halse stecken: Scheichs, Oligarchen und Heuschrecken greifen nach UNSEREM Fußball. Dramatische Schwankungen an den Börsen. Jahrestief! Gieriger Moloch! Luftangriffe auf den Gaza-Streifen und der Papst warnt vor Gottesfinsternis. Vielleicht ist es besser, ich verlasse die Titelseite … EHEC, Plünderungen, Minenfelder. Paris streitet über Hubschrauber für ausländische Geschäftsleute. Kugelhagel in Mogadischu und Katastrophe auf Rockfestival. Herrgott, was ist den das für ein Tag? Ich klappe die Zeitung zu, um mich der Semmel und meiner Tochter zuzuwenden, als das Feuilleton zu Boden fällt.

Die Commonarden – Teilen und gewinnen: Kann man die Rettung der Welt wirklich als Privatsache betrachten? Unter diesem vielversprechenden Titel berichtet Till Briegleb über seine Gedanken zu den Commons anlässlich des Internationalen Sommerfestivals in Hamburg (Hier geht’s unter bestimmten Voraussetzungen zum Artikel).

Den Rest des Beitrags lesen »

Deutsche Digitale Bibliothek

Das ambitionierte Ziel lautet: Das kulturelle Erbe der Nation wird weitgehend kostenfrei für alle Bürgerinnen und Bürger zugänglich gemacht, so heißt es auf der Projektwebseite der Deutschen Digitalen Bibliothek. Im Frühjahr 2012 wird dann jedermann auf das neue Angebot zugreifen können. Wenn man dies liest hat man ja fast das Gefühl, als würde langsam jeder die richtigen Fragen stellen. Ich bin sehr gespannt wie sich dieses Projekt schlussendlich offenbart.

Commons: Die richtigen Fragen stellen

Vor mir liegt ein Veranstaltungsmarathon, der mich durch drei Länder führt. Ich freue mich insbesondere auf die künstlerische Auseinandersetzung mit den Commons auf dem Hamburger-Kampnagel Festival. Zudem gibt mir die Tour Gelegenheit, ein paar neue Präsentationen zu basteln. Dabei will ich weniger erklären, was es mit den Commons auf sich hat, sondern vor allem versuchen, die richtigen Fragen zu stellen. Anregungen der (in den letzten Monaten nicht gerade verwöhnten) Leser_innenschaft des Commonsblogs sind hochwillkommen!

Im Fragenstellen versuchen sich derzeit auch die Konservativen. Sie überlegen, ob die Linken vielleicht doch recht haben. Die Krise hat den Konservatismus längst erfasst, das ist zwar nichts Neues, aber neu ist, wer es formuliert. Ich hingegen frage mich, ob das schon die richtige Frage ist (für die Konservativen vielleicht, aber…) führt es heraus aus dem ‘Die-Katze-beisst-sich-in-den-Schwanz-Denken? Vielleicht sollte ich nochmal Anthony Giddens lesen – schließlich lernt man in der Commonsdebatte in Jenseits-Kategorien zu fragen also auch  „Jenseits von Rechts und Links„.

Was also sind jene Fragen, auf die wir jedes Design, jeden Entscheidungsprozess, jedes Gesetz, jede Verabredung, jede Aktion und jedes Projekt abklopfen müssen?

Hier ein erster Versuch:

- Wie können wir all jenes, was niemandem allein gehört so teilen, dass es erhalten bleibt und sich mehrt, dass es weder über- noch unternutzt wird?

- Wie können wir Menschen helfen zu kooperieren, statt an ihrem Kooperationswillen zu zweifeln?

- Wie können wir alle gesellschaftlichen Strukturen (in Wirtschaft, Politik und Infrastruktur) so umbauen, dass Teilen, Ressourcenerhalt und Kooperation aus ihnen hervor gehen?

Platz für bessere / weitere Vorschläge ist in den Kommentaren!

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 35 other followers