Ob Schuhverkäufer demnächst Barfüßige verhaften?

Entdeckungen im Öffentlichen Raum

Der Vortrag für den 18. Wiener Architekturkongress hat mich wie immer bis Sekunden vor dem Auftritt beschäftigt. Ich bin zunächst mit dem Publikum durch europäische Städte gereist, um zu erklären was es mit der Enclosure of the Commons auf sich hat. Ein beliebtes Bild für die Enclosure ist ja nach wie vor der Zaun ums Ackerland. Dabei hat es in den letzten Jahrzehnten eine merkwürdige Verschiebung gegeben. Der Zaun ist gewandert. Von klaren Grenzen ins Territorium und vom Land in die Stadt! Ein brasilianischer Kollege hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass Zäune etwa auf den großen Monokulturen in ganz Lateinamerika völlig überflüssig geworden sind. Gensoja dominiert das Land so wie das Agrarbusiness dessen Produktion. Soweit das Auge reicht. Und das Agrarbusiness braucht sich nicht mehr gegen sich selbst abzugrenzen. Höchstens die Commoners selbst errichten noch einen Zaun, um ihr Stückchen Gemeindeland zu schützen. Oft vergebens. Man könnte auch sagen: Die Verhältnisse selbst sind der Zaun.

Der Zaun ist zudem in die Stadt gewandert. Und somit in meinen Vortrag auf dem Architektenkongress. Mein „Lieblingsbeispiel“ dafür ist Florenz, die „Anticommonsstadt“ par excellence. Dort gibt es … Den Rest des Beitrags lesen »

Commons jenseits des Wachstums

Am vergangenen Wochenende hatte ich Gelegenheit, auf dem Attac-Kongress “Jenseits des Wachstums” an einem Podium zum Thema “Markt, Plan, Solidarische Ökonomie” teilzunehmen. Alle Referent_innen hatten zunächst Zeit für einen kurzen Input; also hatte ich mich angesichts des ausschweifenden Titels auf das Verhältnis zwischen Commons-Praxis und Wachstumsdebatte konzentriert und einige der folgenden Gedanken vorgestellt. Gute Resonanz im völlig überfüllten Hörsaal! Der ganze Kongress glänzte mit einem wahren Besucheransturm.

Das Ganze konnte ich aus Zeitmangel nicht mit dem Publikum teilen. Das gibt’s jetzt hier zum Nachlesen und kommentieren. Auf Anregungen freue ich mich!

Commons jenseits von Wachstum

Zusammenfassung:

  • Commons reduzieren geldinduziertes Wachstum, weil sie uns unabhängiger vom Geld machen. Je mehr wir als Gemeingut produzieren, umso weniger müssen wir oder der Staat zahlen.
  • Commons reduzieren bevölkerungsinduziertes Wachstum, weil sie – mit vielfältigen Suffizienzstrategien verbunden – Wohlstand durch Teilen schaffen.
  • Commons entziehen sich dem Wachstumszwang, weil all das, was als Gemeingut hergestellt wird, nicht künstlich verknappt werden muss. Es muss nicht künstlich verknappt werden, weil es nicht als Ware hergestellt wird, sondern um Sozialbeziehungen zu pflegen, Bedürfnisse zu befriedigen und Probleme zu lösen.

Soweit der Ausblick in die Zukunft, aber soweit sind wir ja noch nicht. Bis dahin wird noch viel gedacht und erprobt, diskutiert und erstritten werden müssen. Einige Gedanken will ich daher im Folgenden knapp begründen. Den Rest des Beitrags lesen »

Privatisieren, privatisieren, privatisieren …

… so fasst Der Spiegel Online die Nachricht der EU an das bankrotte Griechenland zusammen. Ein prima Idee: Die Akropolis verkaufen, die Strände, die Fischereirechte, den Duft der Wälder und die griechische Musik. Die Inseln verkaufen, an Bill und Melissa Gates zum Beispiel, der das ganze einzäunen und dann endlich mal in Ruhe angeln kann. Die Gemeingüter verscherbeln! Damit den Staatsbankrott finanzieren und anschliessend die Gemeingüter zum dreifachen Preis von den Commons-Spekulanten zurückkaufen. Commons-Spekulanten? Ein neuer Berufszweig! An dieser Stelle würde ich mir ein bißchen Commoner-Kreativität wünschen und Vorschläge, wie Griechenlands Probleme sinnvoller gelöst werden können.

Commonic No. 3: Wenn man das Land den Menschen statt dem Markt überlässt

Heute schnappe ich mit das Hightech-Bike, das mein Sohn mir leihweise überlassen hat: Mach bloss nix kaputt, Alter!, hat er gesagt.

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Karriere? Wir sind doch keine Gartenzwergarmee

Mit der ZEIT geht’s bergab. Zumindest könnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man die mit Literaturzitaten unterfütterten Tipps des Karriereexperten Martin Wehrle in ZEIT Online liest. Ob Ernest Hemmingway mit seinem Satz „Man braucht zwei Jahre, um sprechen zu lernen, und fünfzig, um schweigen zu lernen“ wirklich den oberschlauen Mitarbeiter proklamierte? Den smarten Fuchs, der klug in den Firmentratsch hineinhorcht, nichts ausplaudert, sich durch Schweigsamkeit ‘Vertrauenswürdigkeit’ verschafft, um dann im entscheidenden Moment zuzuschlagen und aus einer wirklich vertraulichen Information eigenen Karrierevorteil zu ergattern? Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass Hemmingway von diesem Absahner-Typus sonderlich fasziniert war. Der hat ja nun so gar nichts von einem Stierkämpfer oder einem mutigen Soldaten.

So richtig der Hut hoch geht mir aber erst beim freien Ludwig Erhard Zitat „Mit Talentreichtum fertig zu werden ist auch ein Problem“. Der Platitüdenreichtum, den Wehrle hier präsentiert ist schmerzhaft. Der Mensch solle sich und seine Talente endlich besser dem Luftwiderstand im Karrierewindkanal anpassen. Lieber sollte man ein paar großartige Talente verkümmern lassen und sich gezielt kleiner machen als man ist, als unangenehmen Sand ins Argusauge der Personaler zu streuen und dadurch wohlmöglich knirschende Geräusche im Erfolgsgetriebe zu verursachen. Denn, so Wehrle in ZEIT Online, wer vor lauter Talenten nicht gleich weiss was er will, dessen

Lebenslauf kann der Gehspur eines Betrunkenen gleichen: Er torkelt von einem Feld ins andere, bis man ihn nicht mehr als Begabten, nur noch als Schwankenden wahrnimmt„.

Das Personaler-Urteil wird fürchterlich!

Aus welcher staubigen Mottenkiste kramt Wehrle diesen Quark hervor? Der Mensch beginnt gerade die Wirtschaft an seine Talente anzupassen, statt … Den Rest des Beitrags lesen »

Gerechtigkeitswald verkaufen ohne zu privatisieren?

Dass die alte Idee der Allmende in modernen Rechtsstreitigkeiten Orientierung bietet, zeigen derzeit die Heuthener Bürger im thüringischen Eichsfeld in einem Konflikt um ihren Gemeindewald. Zur Diskussion steht der Verkauf ihres Gerechtigkeitswaldes. Wie die TLZ berichtet, hatte es darum jahrelange Auseinandersetzungen gegeben. Hauptstreitpunkt war die Frage, ob die Wald-( Kauf-)interessengemeinschaft auch den Boden von der Gemeinde erwerben sollte. Dagegen gab es viel Widerstand und wohl heftige emotionale Debatten.

Nun steht dieser Verkauf kurz bevor. Zwei Drittel der Heuthener haben der Transaktion zugestimmt und nach der Erstellung eines Bodenwertgutachtens scheint der Weg frei.

Der Allmendeidee entspräche freilich eher das Modell … Den Rest des Beitrags lesen »

Veranstaltung: Ist eine andere Welt möglich? Weltsozialforum und Commons

Das Weltsozialforum gilt als größte politische Veranstaltung weltweit. Wenn auch hierzulande die öffentliche Aufmerksamkeit für den Weltsozialforumsprozess abnimmt, fand auch dieses Jahr die zentrale Veranstaltung mit ungebremsten Zulauf, vom 6.-11. Februar 2011 in Dakar, Senegal statt. Doch was ist das Weltsozialforum und worauf zielt es ab? 
Eine zentrale Debatte in Dakar, angesichts der vielfältigen globalen Krisen, war die Idee der Gemeingüter. Auf den ersten Blick haben Wasser und Wissen, Erbgut und Atmosphäre nichts gemeinsam. Was sie aber eint, ist, dass sie zum Nötigsten für ein menschliches Leben gehören. Doch sie gehen der Gesellschaft immer mehr verloren, weil sie privatisiert und der allgemeinen Verfügung entzogen, missbraucht oder unbezahlbar werden. Ist ein neuer Blick auf unsere gemeinsamen Besitztümer erforderlich?
Hiermit wollen wir Sie herzlich zu einer Veranstaltung über das Weltsozialforum und die Debatte um Gemeingüter, am 10. Mai 2011, in Jena einladen.

Heinrich-Boell-Stiftung Thüringen, Jenaer internationaler Studierendenkreis und das Institut für Bildung und Kultur

Veranstaltungshinweis: Ist eine andere Welt möglich? Das Weltsozialforum, die Debatte um Gemeingüter und Jena
Datum: 10. Mai 2011
Ort: „Großer Saal“ im „Haus auf der Mauer“, Internationales Kulturzentrum  der Universität Jena, Johannisplatz 26  (2 min. vom Campus im Stadtzentrum)

19.00 -20.00 Uhr -Film: Der Kampf um eine andere Welt. Das Weltsozialforum in Dakar (45 min. Dokumentation; von Kontext.tv)
20.00 – 22.00 Uhr  – Vortrag & Diskussion: mit  Silke Helfrich (freie Publizistin; Commonsblog; Commons Strategies Group) & Benjamin Bunk (FSU Jena; FreundInnen der brasilianischen Landlosenbewegung MST ,e.V)

Ankündigung:
„Ich mag euch nicht, und ich finde nicht gut was ihr macht. Aber Senegal ist ein liberales Land und deshalb dulde ich euch hier.“ Soviel zum Willkommensgruß des senegalesischen Präsidenten am Rande des 10. Weltsozialforums, vom 6.-11. Februar 2011 in Dakar. Aber das Anliegen des Weltsozialforums … Den Rest des Beitrags lesen »

Kulturwertmark oder Wie kriegt man den ganzen Käse?

Wovon sollen Künstler und Kreative im Kopierzeitalter künftig leben? Manchmal frage ich mich, ob diese Frage ironisch gemeint ist. Ich meine, wovon sollen sie denn jetzt leben?

„Wir wissen verhältnismäßig genau, was freiberufliche Künstlerinnen und Künstler verdienen. [...] im Durchschnitt [...] im Jahr ungefähr knapp 13.000 Euro.“[via]

Yep, so isses. Und manche haben Kinder und zahlen Miete. Äußerungen wie jene von Martin M. Krüger vom Deutschen Musikrat, es dürfe

„keine Kompromisse geben: Kreativität als grundlegender Rohstoff der Gesellschaft muss in adäquater, das heißt keinesfalls neuen Beschränkungen unterworfener Vergütung geistigen Eigentums ihr Äquivalent finden“ [via],

kann ich nur als Ironie interpretieren, um sie nicht als Hohn empfinden zu müssen. Er will damit tatsächlich das Gegenwärtige verteidigen… weil sich etwas Neues am Horizont abzeichnet. Das Neue hat einen schwerstfälligen Namen. Doch eben weil ich auf die Frage, wovon die Künstler und Kreativen jetzt leben sollen, keine sinnvolle Antwort weiß (Tantiemen sind es eher selten), nehme ich den neuen Vorschlag des Chaos Computer Clubs (CCC) ernst. Der CCC ist die größte Europäische Hackervereinigung, und will

„der festgefahrenen Diskussion um die zukünftige Gestaltung einer gerechten Bezahlung für Kreative neues Leben einhauchen.“

Beatmungsvehikel soll die Kulturwertmark werden, eine Art Micropayment-System. Sie Wertmark soll es dem Einzelnen unkompliziert ermöglichen, … Den Rest des Beitrags lesen »

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