Commonic No. 2: ‘s Wutbürgerle spricht a Machtwörtle

27. März 2011: Ich gestehe, ich habe den halben Tag damit verbracht, mit Schere, Klebstoff und altem Zeitungspapier kreativ meine Anspannung zu übertünchen.

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Wenn Kommunalpolitikern die Commons nicht wurst-, käse-, schnapsegal sind*

… dann müssten sie mit folgenden Thesen etwas anfangen können. Ich werde sie morgen auf der Tagung „Wem gehört die Stadt“ in Bremen vorstellen. Die Schlagwörter „Transition Town“ und „Gemeingüter“ haben über 100 Teilnehmer_innen in die Hansestadt gelockt. Cool.

Die Kommune ist der zentrale politische Ort für eine innovative Politik, die “commoning” aktiv unterstützen kann, sofern es gelingt, den Blick für die Commons zu schärfen. Die Thesen könnten dafür als Minikompass dienen. Und zur Diskussion stehen sie natürlich auch.

Fünf Thesen zu Commons und Kommunalpolitik

1. “[D]ie Grundlage für eine umwelt-freundliche Stadt [liegt] nicht unbedingt in einem besonders umweltfreundlichen Städtebau oder neuartigen Technologien [...], sondern viel eher darin, dem allgemeinen Wohlstand eine Priorität gegenüber dem persönlichen Reichtum einzuräumen.” (Mike Davis, Soziologe und Historiker, 2008)

2. Die betriebswirtschaftliche Logik ist in allen kommunalen Belangen durch die Logik der Commons einzutauschen. Das wird die Lebensqualität verbessern und: es wird sich rechnen.

3. Voraussetzung für diesen Paradigmenwechsel sind

  • uneingeschränkter Informationszugang & totale Transparenz
  • Co-design auf allen Ebenen
  • Umverteilung

4. Nicht mehr staatliche Fürsorge und Kontrolle werden gebraucht, sondern die konsequente Förderung unzähliger Freiräume zum Experimentieren.

5. Gemeinsamer Besitz statt privates Eigentum! Nicht-eigentumsorientierte Modelle, die selbstorganisiert und selbstverwaltet werden, gehören auf die Prioritätenliste aller Kommunen. (Hier ein paar Beispiele zum Thema Wohnen.)

* Der Titel wurde von diesem Artikel inspiriert.

Riecht nach Land und löst Probleme in der Stadt

Geert De Pauw betritt die Bühne des großen  KBC Auditoriums in der belgischen Hauptstadt:

„Wir haben soeben etwas über Gemeingüter gehört. Ich erklär’ Euch jetzt mal, wie wir das in und um Brüssel anwenden, um unsere Wohnungsprobleme zu lösen“.

Das Eis brennt schon zum 4. Mal. Die KBC Bank (sic!) hat ihre Türen für den „Un-Economic Summit“ geöffnet, so der Untertitel des Burning Ice Festivals.  „Un-Economic“ deutet an, dass in unserem Wirtschaftssystem etwas gründlich anders werden muss, denn dieses Wirtschaftssystem hat in Brüssel unter anderem dafür gesorgt dass,

  • die Immobilienpreise sich im letzten Jahrzehnt verdoppelt haben
  • eine Antwort aus den etablierten politischen Strukturen ausblieb
  • die Nachfrage nach Sozialwohnungen stieg und weiter steigt
  • die einzige Alternative ist, auf immer engerem Raum zusammenzurücken oder Brüssel zu verlassen

Um all dem etwas entgegen zu setzen, stellt de Pauw die Idee des Community Land Trust vor. Der Link führt zu einem Text in niederländischer Sprache, deshalb hier eine kurze Zusammenfassung, die ich andernorts versprochen hatte.

Community Land Trust: Der Name riecht nach Land, dabeit geht es um ein Modell für die Lösung der Wohnungsprobleme in unseren Städten. De Pauw berichtet vom Projekt L’Espoir. Und das ist nur ein Beispiel . L’Espoir, das sind 14 Wohneinheiten, 14 Mal Hoffnung auf einem Fleck von und für Migranten-Familien mit geringen Einkommen. (Charta von L’Espoir in frz.) Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Kommune Bonnevie, CIRÉ (einer Koordination von Initiativen für Flüchtlinge und Ausländer) und dem Fonds du Logement, doch vor allem die künftigen Nutznießer waren von Anfang an Teil des Planungsprozesses und sie haben weitgehend selbst und ambitioniert gebaut. Ein schickes Passivhaus.

Mit 25% der Gesamtkosten hat sich der Staat beteiligt. Diese 25% kommen den Nutzern vollständig zu Gute. Allerdings gibt es eine Bedingung:

Wenn ein Eigentümer an den Meistbietenden verkauft, Den Rest des Beitrags lesen »

Wenn Wissenschaftler sich selbst um Regeln kümmern …

Heute bekam ich folgende Email, die mir als gutes Beispiel für gelebte Commons erscheinen. Ressource, die mehr wird wenn man sie teilt: Das Wissenschaftliche Richtigverhalten!

Sehr geehrte Damen und Herren,

die „Initiative Transparente Wissenschaft“ setzt sich ab heute im Netz unter der Adresse http://de.antiplagaustria.wikia.com/ für mehr Transparenz bei der Aufarbeitung von Anschuldigungen und konkreten Fällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens in Österreich ein. Österreich war diesbezüglich zu lange ein Land der Bunkerer und Schweigenden.

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Es gibt absolut nichts und das mitten im Überfluss

Commonsfreie Zone

Seltsam, dass ich erst nach Mexiko fliegen muss, um zu begreifen was der Verlust von Commons tatsächlich bedeuten mag. Nicht ganz freiwillig sitze ich im Radisson Perisur fest, dessen wichtigste Attraktion die gegenüber liegende Shopping Mall Perisur zu sein scheint. Ein Ort des Grauens. Zwischen dem Hotel und der Shopping Mall wälzt sich Tag und Nacht vielspuriger Verkehr, der die Vorstellung von Ruhe so realistisch wie ein Kamel hinter dem Duschvorhang erscheinen lässt. Wer im Lärm lebt ist arm

Über diese Todezone reckt sich ein seltsam rot lackierter Gittertunnel, durch den die Gäste bequem zu Kunden werden können ohne unterwegs der Versuchung zu erliegen, durch einen Sprung in die Tiefe dieser Erfahrung zu entgehen. Auf der anderen Seite angelangt muss man Obacht geben, um nicht von Parkplatzrasern über den Haufen gefahren oder von den grimmig dreinschauenden Wachleuten über den Haufen geschossen zu werden. Ich verstehe das schon, …

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Gemeingüter auf dem WSF: Easy to copy!

Was Transition Town Movement und Freie Software Bewegung gemeinsam haben

Wir befinden uns auf dem größten Universitätsgelände Westafrikas, der Universität Cheikh Anta Diop. Es ist trockenzeitstaubig, inmitten des Staubs wimmeln Menschen. Wir schauen ihnen auf die Brust, um herauszufinden wer hier studiert und wer zum Weltsozialforum gehört. Immerhin sind etwa 90.000 Teilnehmer_innen gemeldet. Doch nur ein ernüchternd kleiner Teil trägt das WSF-Bänden um den Hals, denn, so stellt sich heraus, der Unibetrieb läuft wider Erwarten weiter.

Die Organisation des 10. Weltsozialforums Anfang Februar 2011 trägt daher abenteuerliche Züge. Alle Veranstalter stehen Kopf. Wir rechnen zur Präsentation der französischen Fassung des Gemeingüterreports Biens Communs Prospérité par le Partage (Gemeingüter Wohlstand durch Teilen) mit einer Handvoll Leute. Und selbst das erscheint optimistisch, denn der im letzten Moment zugewiesene Raum befindet sich gar nicht auf dem Universitätsgelände; sondern in der FESTAF. Was das bedeutet, wissen auch die Taxifahrer nicht. Die Mitteilung erreicht das hbs-Team am Tag vor der Veranstaltung. So bleibt nur noch, die Information per Hand auf die längst gedruckten Flyer zu kleben. Schön geduldig. Als wir am 07.02.2011 zunächst die FESTAF und dann “unseren” Raum ausfindig machen, ist dieser von Studenten belegt. Ich schlage ganz ernsthaft vor, mit dem Professor zu reden; vielleicht könnten wir … Den Rest des Beitrags lesen »

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