The Commons: Year One of the Global Commons Movement

As promissed I finally post my speech (full length) for the Burning Ice Un-Economic Summit. The text includes a table contrasting the logic of the market with the logic of the commons. Comments welcome! And this is the presentation. If you open it, you’ll get to know Nessi! Special thanks to Gina P.

The Commons: Marginalized but Rediscovered, Year One of the Global Commons Movement

by Silke Helfrich

I spend most of my time helping to build the Commons Movement, in fact quite a few of us do, as my colleagues from the Commons Strategies Group. Together, we explore the commons and Peer-to-Peer Production. We want to contribute to developing a coherent political narrative for the commons. Actually, I consider this notion as the most fertile mothersoil for the convergence of movements – being them rural or urban, digital or environmental, social or academic, from the North or from the South.

But, have YOU ever heard about the “Commons”? Let alone the “Commons Movement”? If not, don’t worry! It’s a good moment to catch up. We live in “Year one of the Global Commons Movement” (to quote Michel Bauwens). This movement can be compared to a little child who is about to discover its own identity, develop his own personality, and who still has to learn to say: “I am.” Or “We are.”

The commons is a kind of mysterious animal. It’s like Nessy. Nobody seems to know exactly what it is supposed to look like and what it does. But everybody talks about and we are sure that it exists and is meaningful.

So, what is a commons then?

“A commons is a shared interest or value”, says anthropologist Stephen Gudeman. It is a shared value of how to reproduce our livelihoods beyond market and state, and how to do it in such a way that nobody is left behind and collective resources are neither over- nor under-used. The commons is a social ethic.

Each commons consists of at least three generic building blocks:

  • First of all, there are the so called common pool resources: things we use together – the water, our genetic code, cultural techniques, the notes and the airwaves or the electromagnetic spectrum to transmit music and information, the time we dispose (Momo!) or the silence. In short: things we need and constantly use to be productive and creative. A common pool resource is not produced by anybody individually. It is just “given to us”
  • as part of our natural inheritance – think of water;
  • or as a collectively produced social or cultural good – think of software and language; –,
  • or as a donation by groups of individuals – think e.g. of Jonas Salk’s polio vaccine.

When Salk was asked in a talkshow: “Who owns the patent” He answered: “Nobody. Can anybody patent the sun?”

Well, there are who think that everything is patentable. The problem is… Den Rest des Beitrags lesen »

Ostrom: Streunende Banditen und das Unbehagen, als Dummkopf dazustehen

Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom erklärt während der Stockholm Whiteboard Seminars recht erfrischend, wie sinnvolles Ressourcenmanagement möglich ist und wie wir die „Tragik der Gemeingüter“ vom Spielplan absetzen können.

„Streunende Banditen“ (3.20′) sind solche, die Ressourcen plündern oder nichts für ihren Erhalt tun.

„…but there are many people who have a time and place, that is theirs. And it isn’t the government’s. It is theirs!

Und die gibt es – so haben Ostrom und Kollegen in jahrzehntelangen Studien festgestellt – rund um die Welt. Doch die allgegenwärtige Grundannahme scheint eine Andere. Nämlich jene, dass es immer dieser ‘großen Kerle’ bedarf, die den Staat vertreten, um der ‘Banditen’ Herr zu werden (ab 4.52′).

the presumption is, that it’s always gonna be THE State, the big guys with the guns who tell us what we should do.“

Der andere Weg, oder genauer gesagt. die anderen Wege, die wir auch und in erster Linie anerkennen müssen, beschreibt sie so:

„Common property rights, get people involved, argue about it, talk about it, discuss it, find ways of adjusting their rules, so that they are adaptable over time … to make their systems resilient, … and they grow trust over time…

Trust„. Vertrauen. Das ist eines ihrer Schlüsselworte. Denn wenn ich die Ressourcen nicht übernutzen soll, muss ich darauf vertrauen können, dass der Andere sie auch nicht übernutzt. Wenn ich mich „gut“ verhalte und Andere mich derweil über den Tisch ziehen, bin ich ein Dummkopf. Ein sucker.

And humans don’t like to be a sucker.“ (6.18′)

Brauchen wir also große Kerle, die uns davor bewahren, als Dummkopf dazustehen? Ostrom sagt auch hier: Die Leute finden ihre eigenen Wege und Regeln, die ihnen das ersparen. Was es gibt – jenseits von Markt und Staat – ist institutionelle Vielfalt. Und Ostroms Motto ist

„We must build up diversity to cope with the diversity of the world“.

Das Ganze in nur 8.27 Minuten, aber leider ausschließlich auf Englisch! Hier geht’s zum Video. Film ab.

Ach ja, und ehe ich’s vergesse: Der beliebteste Kommentar zum Video steht gleich am Anfang:

„She’s not a socialist – she’s advocating private property w/o govt control. she says „gov’t ownership“ and common ownership lead to over-fishing/ overuse“ kobe24 1 year ago 10

So versteht man wohl Ostrom, wenn man sich außer öffentlichem Eigentum und Privateigentum nichts anderes vorstellen kann. :-(

Burning Ice: Tragedy of the commons revisited

Am Wochenende habe ich in Brüssel auf dem Un-economic summit Burning Ice, On vital changes of economic perspectives einen Vortrag über Gemeingüter und das Jahr 1 der Commonsbewegung gehalten. Leider gab’s dort kaum Diskussion. Ein Beitrag jagte den nächsten… aber dafür habe ich die Community Land Trust kennen gelernt, so wie sie in belgischen Städten umgesetzt werden. Die werden wohl Platz im nächsten Buch finden:

Vortrag und Powerpoint folgen demnächst (macht sich immer gut, wenn vor der Veröffentlichung noch einmal ein Muttersprachler draufschaut.)  Als Vorschau aber gibt’s eine treffende Karikatur zur so genannten Tragik der Allmende, die ist offenbar mal auf FAO-Seiten gesichtet worden, aber so genau konnte ich das nicht mehr feststellen.

[via]

Ende mit Wachstum. Es geht um die Substanz

Im Tagesspiegel kommentiert Michael Müller, ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter und Sachverständiger der Enquete- Kommission Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität die Sache mit dem Wachstum. Daneben gibt es eine pointierte Illustration von Reiner Schwalme. Ich stelle fest, die SPD entdeckt zunehmend die Gemeingüter.

Müller macht einen bemerkenswerten Aufschlag, indem er die „Funktionslogik der Moderne“ in Frage stellt und die technokratischen Sachzwänge nicht als ökonomisches, sondern als kulturelles Problem beschreibt. Völlig zu Recht. Deshalb:

„Es geht nicht nur um die Form der Demokratie, nicht nur um die unzureichende Beteiligung der Bürger und eine Bastapolitik, sondern auch um die Substanz. Uns plagt nämlich nicht nur ein Altersrheuma, wir leiden auch an den Geburtsschmerzen im Übergang zu einer neuen Ordnung.“

Dann droht er mit dem Gespenst einer „neuen Barbarei“ (Horkheimer), der er sechs konkrete Gestaltungsvorschläge – wenngleich noch keine neue Funktionslogik – gegenüber stellt.

  • Effizienzrevolution und Umstieg in die Solar- und Kreislaufwirtschaft. Dabei werden die Grünen an Folgendes erinnert:

„Es wäre … eine Illusion, den Naturverbrauch allein durch ein grünes Wachstum stoppen zu können. An neuen Formen einer genügsamen Lebens- und Wirtschaftsqualität jenseits materieller Maßstäbe kommen wir nicht vorbei.“

  • ein weltweit Regime für die Nutzung der Brenn- und Rohstoffe und der Nahrungsgrundlagen, als gemeinsame Erbe der Menschheit

„deshalb müssen Eigentumsrechte eine Nachhaltigkeitsverpflichtung bekommen.“

  • gerechte Verteilung von Einkommen und Chancen und Gesetz für einen nachhaltigen Wettbewerb
  • angemessene Bereitstellung öffentlicher Güter durch den Staat. Und: „

„Die Gemeingüter dürfen nicht länger privatisiert und ausgezehrt werden. Stattdessen müssen die Steuerbasis verbreitert, hohe Einkommen und Vermögen stärker besteuert und fragwürdige Subventionen beendet werden.“

  • Arbeitszeitverkürzung und Arbeitszeitgestaltung
  • EU als Nachhaltigkeitsunion und Europa als Motor des sozialökologischen Umbaus

Nun, Gemeingüter kann man nicht nur durch Umverteilung schützen, sondern dadurch, dass man den Menschen die Möglichkeitkeit gibt (oder lässt), sie zu produzieren und zu pflegen. Und auch was „nachhaltiger Wettbewerb“ ist, erschließt sich nicht, wenn man dem Nachhaltigkeitsbegriff nachspürt. Aber ansonsten scheint es mir die richtige Richtung. Jetzt heißt es: Weiterdenken.

IASC – Konferenz: Institutionelle Monokulturen

“Our laws are based on institutional monocultures“,

sagte Shri Jairam Ramesh, der indische Minister für Umwelt und Wälder anlässlich der 13. Internationalen Commonskonferenz des Internationalen Verbandes zum Studium der Commons, IASC.

We need to allow for different ways.” India is “enormously diverse” both economically and ecologically, “yet we still insist on the primacy of the state.

Das habe ich den spannend zu lesenden Einträgen über die IASC Konferenz von Christopher D.Cook entnommen. Cook berichtet auf Shareable.

Ebenso lesenswert ist die Rede, die mein Kollege David Bollier in Hyderabad gehalten hat, denn – so geht auch aus dem Cookschen Bericht hervor – das scheint doch eine mitunter wenig auf politische Fragen bedachte Wissenschaftlermenge zu sein. Das macht Davids Beitrag wichtig. Hier geht’s zu: The Marginalization of the Commons and what to do about it.

By keeping the commons unnamed, it is easier to neutralize it as a competitive power base.“

Und hier geht’s zu den streams von der IASC, die ich gerade erst entdeckt habe.

Foto by US State Department, Public Domain.

Commons and Commons Sense?

Eine gute Frage und eine gute Antwort der indischen Stiftung für Nachhaltigkeit, FES.

Ihr dürft sie auch gern in den Kommentaren beantworten.

Veröffentlicht in Commons, Grundsatzfragen. Tags: , . 1 Kommentar »

Stuttgart 21 + Partizipation = Stuttgart 21 Plus

„Gemeinsam und partizipativ“ wollten die Menschen die Verhältnisse gestalten, so las ich kürzlich in einem Konzept zu Postwachstumsökonomie und Gemeingütern.

„Gemeinsam und partizipativ“ Geht das? Entspringen die Begriffe nicht unterschiedlichen Denkwelten?

Partizipation ist seit Jahrzehnten (entwicklungs-)politischer Modebegriff. In der Praxis bestimmt in der Regel jemand zu welcher konkreten Frage die Bürger_innen in welchem Zeitraum, mit welchen Mittel und in welcher Weise etwas sagen dürfen. In der Regel ist dieser jemand eine staatliche Institution. Partizipation heißt zumeist, dass Institutionen den Menschen die Möglichkeit einräumen, auf etwas Einfluß zu nehmen. Dieses Etwas findet bereits irgendwo statt. Es wurde schon von irgendwem – oft von oben oder von außen – vorgeschlagen und/oder durchgeführt.

Im Politsprech hört sich das so an: Partizipation heißt Teilhabe der Bürger_innen an den Verwaltungsentscheidungen„. Das ist treffend formuliert.

Die Bürger_innen dürfen, ja, sie sollen und müssen dabei sein, wenn Pläne von Experten entwickelt, umgesetzt und evaluiert werden. Sie dürfen etwa bis zu einem bestimmten Zeitpunkt Eingaben schreiben gegen Stuttgart 21, die dann „abgearbeitet“ werden (das Verb entnahm ich einem Interview mit Außenminister Westerwelle über S21, kann leider die Quelle nicht mehr ausfindig machen). Das Projekt wird hie und da aufgehübscht und dann realisiert. Man könnte es am Beispiel Stuttgart auf die Formel bringen: Stuttgart 21 + Partizipation = Stuttgart 21 Plus.

Nun hat der Protest der „Wutbürger“ das Nachdenken über die gängigen Verfahren der Politik neu angekurbelt.

Wenn ‘Politik planbar’ sein soll,fordern etwa renommierte Autoren des Cicero, „müssen Partizipation und Information künftig Standard für solche Projekte von Politik und Wirtschaft werden.

Bislang dachte ich, das sei in Deutschland längst der Fall. In der Entwicklungspolitik jedenfalls gehören ‘Partizipation und Information’ zum Standard. Die Anstrengungen, dass das nicht nur auf dem Papier steht, verdienen große Anerkennung. Aber ich habe – nach Jahren entwicklungspolitischer Tätigkeit – verstanden, dass sich „partizipativ“ zu „gemeinsam“ verhält wie ‘der Blick auf’s Backrezept’ zum ‘Genießen des selbstgebackenen Kuchens“.

Denn das Problem ist grundsätzlicher: Bei Partizipation geht es darum, dass die Bürger beteiligt werden, nicht darum, dass sie sich beteiligen. Es geht darum, dass sie mit-sprechen über Dinge die Andere sprechen. Nicht darum, dass sie für sich sprechen oder ihre Belange miteinander besprechen. Es geht um’s mit-bestimmen, nicht um’s selbst-bestimmen.

Bei gemeinsamer Planung und Umsetzung wie in der Transition Town Bewegung und bei Gemeingütern/commons stehen deshalb andere Verfahren auf der Tagesordnung (was nicht heißt, dass es immer nur das eine oder das andere gibt.) Rob Hopkins, Gründer der Transition Town Bewegung, beschreibt hier aĺl das, was man für die Transformation des eigenen Umfelds braucht. Es ist ein Art Handbuch für das gemeinsame Handeln. Also kein Handbuch der Partizipation.

Da sagt nicht der Staat wo, wann und wie die Bürger_innen mitreden und mitmachen dürfen, sondern die Kooperationsschnittstellen zwischen Bürgern und Staat (und Markt) werden neu definiert. Es geht um Selbstbestimmung, die keiner Legitimation eines Verwaltungsverfahrens bedarf. Es geht um ein Recht, das Menschen nicht erst einfordern müssen. Sie haben es einfach.

Tatsächlich läuft demgegenüber der Partizipationsbegriff Gefahr, auf die Dimension eines notwendigen Planungsinstruments oder Planungsübels zurechtgestutzt zu werden. Er wird benutzt, um Prozesse zu legitimieren und annehmbarer zu machen. „Gemeinsam“ hingegen hat eine andere Konnotation (in der Schwelgerisches nichts zu suchen hat);

er drückt Selbststeuerung, Emanzipation, Freiwilligkeit und Solidarität im Sinne von Nicht-Hierarchie„,

schrieb mir auf meine Überlegung hin ein Kollege. Und so ist es: ‘parti-cipere’ ist etwas anderes als ‘eman-cipere‘. Das Etymologische Lexikon von Köbler gibt Auskunft:

Emanzipation: V., >befreien, selbständig machen<, 16. Jh. lat. emancipare, V.,>entlassen, für selbständig erklären<, zu lat. e, ex, Präp.: >aus<, lat. mancipare, >ergreifen, zu eigen geben<, zu lat. manus, F., >Hand<, lat. capere, V., >fangen, ergreifen<.

Zu Deutsch und im Aufforderungsmodus: Hände weg! Es ist unser Leben.

Foto: Sonntagskuchen by kochtopf, Lizenz: CC, by sa

Zitat des Tages: Das schröckliche Eliteinternet

“For every academic who complains about the elitist internet, there are thousands of activists on the ground who are simply using it as a weapon for social change.“
Michel Bauwens, P2P Foundation

Wem gehört das Selbermachen?

Was ich eigentlich heute machen wollte, habe ich vergessen. Ich nahm die neue Oya zur Hand und schwups – da war es wieder. Das kurzweilige Oya-Fieber. Es hatte mich schon bei vorangegangenen Nummern gepackt. Ich muss unbedingt heute Abend noch meine Begeisterung über die Ausgabe Selbermachen! öffentlich kundtun. Es geht also um’s DIY: das Do It Yourself. Besser noch: DIO: Do It Ourselves.

Das Heft kommt alles andere als angestaubt daher (falls es hier Leser_innen gibt für die „Selbermachen“ angestaubt klingt.) Und es ist lehrreich. Oder kennen Sie etwa den Unterschied zwischen kreativen Aktivisten und Kreaktivisten? Ich erfahre auch praktisch allerhand Neues. Etwa, dass man das Rad manchmal neu erfinden muss – zum Beispiel als Bambusfahrrad, das inzwischen munter durch Berlin radelt. Oder dass gut gedämmte Strohhäuser nicht gleich umfallen, wenn der Wolf kommt. Es gibt sogar einen Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V.. Ich höre von Garnbombern und Stadtsstrickern. (siehe Foto).

Verblüffend ist die Technik, mit Bindfäden Flaschen zu zersägen um aus Abfällen mit Einfällen Neues zu produzieren. Essentiell hingegen der kurze Bericht über engagierte Frauen, die anderen Menschen helfen, den letzten Abschied in die Hand zu nehmen, statt ihn den Bestattungsinstituten zu überlassen.

Ich bin hell entsetzt über die Wende in Lüchow. Die Dorfschule dort war mehr als das, was man sich unter dem Begriff vorstellt. Sie hatte sich zum Modellprojekt gemausert, es bis in den Focus und sonstwohin geschafft und vor allem gezeigt, wie die Menschen selbst ihre Lebensqualität und Infrastrukturen enorm beeinflussen können. Jetzt hat das Bildungsministerium in Meck-Pomm der Schule die Betriebserlaubnis entzogen. Oder anders gesagt: es soll ein Projekt beendet werden,

das allen Anforderungen an Dörfer entspricht, die Experten und Politiker immer wieder formuliert haben“ (Oya Nr. 6, S. 68)

Ich muss an die acht Gelingensbedingungen für Gemeingüter von Elinor Ostrom denken. Eine davon lautet, dass der Staat den Organisationsformen und Lösungen vor Ort ein Minimum an Anerkennung entgegen bringen muss. Statt commoning zu zermalmen!

Ich denke seit der Lektüre von Johannes Heimraths ‘Gedanken für eine wärmere Welt’ nun auch darüber nach, ob vielleicht die Basttasche das Ur aller Übel ist und lerne mit der Subsistenzforschern Veronika Bennholdt-Thomsen warum nicht nur wir Frauen, sondern alle ‘hausfrauisiert‘ worden sind und was es mit dem upcyceln auf sich hat. Ich begleite Chefredakteurin Lara Mallien in die Open-Design-City Berlin und staune über Projekte, in denen Programmierer anfangen zu stricken und gleichzeitig Fab-Labs vormachen und vordenken:

Wir brauchen keine neue Einheitsgrößen Ökonomie, sondern co-kreative Räume, Ökosysteme, in denen wir uns ausprobieren. Jede Gemeinschaft kann die für sie passenden Strukturen entwickeln. Wir wissen nicht, welche Mischung aus Marke-Eigenbau-Produktion, Handwerk und industrieller Produktion genau die richtige ist. Wir können das nur ausprobieren, von unten entstehen lassen. Freilich geht das langsam, noch  nicht viele Leute haben solche Gedanken bereits auf ihrem Radar.“, sagt der Erfinder Jay Cousins vom Betahaus.

Apropos co-kreative Räume. Die Oya stellt einen Sack voller solcher Räume vor und damit eine ganze Reihe Dilletanten, die sich mit Goethe und Einstein in bester Gesellschaft befinden. Hier ist etwas Kenntnis der Wortherkunft gefragt: Ein Dilettant (> ital. dilettare und lat. delectare) ist (oder war ursprünglich) einer, der sich der Sache, die er tut erfreut. Er übt sie um ihrer selbst Willen aus, aus Interesse oder zum Vergnügen.

Seiten später schmunzele ich mit Ulrich Holbein, der über eine Zeit berichtet, in der er „schwach wurde wie ein Grashälmchen“ (hihi). Zwar träumt Holbein nach wie vor von einem Leben als Graskönig, stattdessen wurde er „halt nur Schriftsteller„. Ich danke es ihm! Und ich leide ein bisschen mit Dieter Halbach (heute Mitgestalter des Ökodorfs Siebenlinden), der vom Scheitern der Toscana-Selbstversorger-Aussteigerszene der 70er und 80er berichtet, um zu Hause der „grauen Rechtwinkeligkeit“ (Henky Hentschel) zu entgehen. Was kam war Mühsaal auf dem Zahnfleisch … und zerbrechende Beziehungen.

Halbach sorgt dafür, dass mir ein Groschen fällt. Nicht nur, weil er so einfache Dinge auf den Punkt bringt wie: Begeisterung reicht nicht zum Selbermachen, sondern weil er erklärt, dass man Selbstorganisation und Selbstversorgung nie als isolierten Hof denken darf. Darin läge vielmehr eine der Ursachen des Scheiterns der Toskana-Szene. Die allermeisten Selbstversorger-Höfe haben nach relativ wenigen Jahren aufgegeben. Halbach schreibt:

Es regierte das kleine Ich, nicht das große, verbundene Selbst. Das war – trotz weniger bleibender Freundschaften und Kooperationsversuche – die Struktur. Ironie der Geschichte: Genau diese Isolation war das Ziel der ursprünglichen Siedlungsstruktur. Damit sich die armen Pächter nicht gemeinsam gegen den Großgrundbesitz erheben konnten, wurde sie entgegen italienischer Lebensart getrennt auf den Höfen gehalten. Noch bis in die 70er Jahre mussten sie bei der Mezzadria (Halbpacht) die Hälfte ihrer Produkte den städtischen Besitzern abliefern.“

Und ich freue mich – wie immer bei Oya – über die Dauerpräsenz des Gemeingutthemas, das sich seit der ersten Nummer wie ein Faden durch die Zeitschrift zieht. Bennholdt Thomsen etwa schreibt vom urbanen Gärtnern. (Die Prinzessinengärtner inmitten Berlins sind wirklich eine Inspiration – können wir sowas nicht auf dem Jenaer Eichplatz machen, der ja gewissermaßen auch noch brach liegt. Parkplatzbrach.)

Urbanes Gärtnern zielt nicht in erster Linie gegen etwas, sondern es geschieht für etwas: Für einen grünen, nährenden öffentlichen Raum, der für alle da ist, für eine neue Allmende: <Es ist Deine Stadt, grab sie um!>“

Freilich gibt’s ein paar Dinge, die ‘sind schlicht nichts für mich’. Aber das tut meinem Fazit über die Ausgabe keinen Abbruch. Eher im Gegenteil. Es gibt Einblick in mir fremde Welten, die mit Sicherheit was für Andere Leser_innen sind.  Zudem ist das Heft gelungen illustriert.

Mein Fazit also: Selber Lesen macht Spaß! Ich werde gleich mal meine Genossenschaftsanteile bei der Oya-Medien e.G erhöhen. Denn die Zeitschrift ist ein Geschenk, das ich auch in Zukunft nicht missen möchte.

Hier geht’s zum Abo (mit einer Miniabooption) und hier zur online-Ausgabe.

Foto: Knitta on Delancey: Lizenz Creative Commons BY Noah Sussmann,

There is no such thing as an „open access commons“

update: January 10

The International Commons Conference hold in Berlin in the fall of 2010 triggered a complex debate on the commoning-list (the archive is publicly accessible).

One of the issues discussed is if, say, Free Software or the Wikipedia could be called „open access commons„; if they could be conceptualized as „unstructured commons“ with no need of clear management rules concerning access. Some considered this being the case and that the lack of access rules is not a problem, basically because software code or information (like the information stored in Wikipedia) cannot be over-used. And that’s right. Code and information – if copied – will not be taken away.

Hence, the term „open access commons“ leads to confusion and misunderstandings, since it can easily be construed as an open-access common pool resource as described by Garrett Hardin who coined the famous metaphor of the Tragedy of the Commons („Imagine a pasture open to all…“). This metaphor is deeeeeply rooted in (neo-)classical political economics and in people’s minds. Despite it’s numerous analytical errors.

The point here is, IMHO: … Den Rest des Beitrags lesen »

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