Anmerkungen zur Wachstumsdebatte: Jenseits des Green New Deal

Kann der Wachstumspfad nachhaltig sein, oder kann er nicht? Die Frage spaltet die Protagonisten der Wachstumsdebatte. Zumindest ist schwer nachvollziehbar, wie die anvisierte Steigerung des Bruttoinlandsprodukts, laut Lissabon-Vertrag drei Prozent im Jahr, mit der notwendigen CO2 Emissionssenkung, 90% bis 2050, zusammen gebracht werden soll.

Wachstums- und Emissionskurve verhalten sich anders zueinander als Armuts- und Reichtumskurve. Sie laufen einfach nicht voneinander weg. Selbst bei effizienterem Ressourceneinsatz wird eine ansteigende Wachstumskurve den Fall der Emissionskurve erheblich bremsen. Hier verläuft die Grenze des Green New Deal.

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Landgrabbing oder „braune Akkumulation“: der Wettlauf um die letzte beackerbare Erde

Braun ist die Farbe der Erde. Das gerät mitunter in Vergessenheit, denn wir haben nur noch selten unsere Hände im Dreck. 2006 waren in Deutschland noch 2% der Erwerbsbevölkerung in der Landwirtschaft tätig, viele davon nebenberuflich. Jeder von ihnen versorgte 127 Menschen mit Nahrungsmitteln. (M. Miegel, Exit, S. 188)

Schwarz ist die Farbe des Erdöls. Es treibt die Wirtschaft an. Der Einfluß unserer erdölbasierten und güterfixierten Wirtschaftsweise auf das Klima verspricht erhebliche Verwerfungen für immer mehr Menschen. Doch diese leben meist anderswo. Das  globale Ölfördermaximum naht (peak oil). Zunehmend sollen daher Autotanks mit Energie befüllt werden, die im Wortsinn aus der Erde wächst. Ebenso wird immer mehr Strom und verarbeitbares Material für die Güterproduktion aus biotischen Ressourcen gewonnen. Doch jede gute Idee kann kontraproduktiv werden, wenn sie verabsolutiert wird. Den Rest des Beitrags lesen »

‘faladji’ heißt ‘teilen’: Wüstenwassermanagement

Faladji sind lebensspendend. Das Wort kommt aus dem Persischen und bezeichnet ein antikes Bewässerungssystem. Im Oman wurde es vor circa 2500 Jahren eingeführt. Archäologische Funde weisen allerdings auch Bewässerungssysteme nach, die bis zu 4500 Jahre alt sind.

Für die Wassernutzung in Haushalten und Landwirtschaft sind die faladji oder quanats, die es auch in den arabischen Nachbarländern des Oman, im Iran und selbst in einigen europäischen Ländern gibt, unverzichtbar. Wie die acequias in Mexiko oder die johads in Indien folgen die Systeme einem einfachen Prinzip: An den Berghängen wird das Grundwasser angegraben und dann in Kanälen – die Topographie geschickt nutzend – zu den Siedlungen geleitet.

Anfänglich verläuft der normalerweise mit den einfachsten Mitteln geschaffene Kanal meist unterirdisch durch felsigen Boden, anschließend über mehrere Kilometer offen bis zu dem Feldern. Dort wird das Wasser nach festgelegten Regeln so verteilt, dass sich niemand benachteiligt fühlt. Den Rest des Beitrags lesen »

Jacques Derrida: Es gibt kein Eigentumsrecht auf Erbe

Ich übersetze gerade einen Text zum bemerkenswerten Fall des argentinischen Philosophen Horacio Potel aus dem Spanischen. Darin nutzt Potel ein Zitat von Jacques Derrida (in erweiterter Fassung hier gefunden):

Ich erbe etwas, das ich selbst weitergeben muss: Das mag schockieren, aber es gibt kein Eigentumsrecht auf das Erbe. Darin liegt das Paradox. Ich habe das Erbe immer nur zur Miete, in Verwahrung, ich bin sein Zeuge oder sein Inhaber, bei dem es Station macht … Ich kann mir kein Erbe restlos aneignen.“

Derrida kann sagenhaft kompliziert sein, aber das hier fand ich sagenhaft klar und einfach.

Gesundheitspolitik aus Commonsperspektive

Im Mabuse-Verlag ist soeben der Sammelband „Nachhaltige Gesundheitsförderung Gesundheit gemeinsam gestalten“ erschienen. Er wurde herausgegeben von Prof. Eberhard Göpel und der GesundheitsAkademie.

Die Beiträge dieses Buches skizzieren Leitkonzepte, auf denen aufgebaut werden kann, wenn nachhaltige Gesundheitsförderung zum Programm öffentlicher Gesundheitspolitik gemacht und in den Städten und Gemeinden umgesetzt wird. Das Buch ist als orientierende Einführung konzipiert und beschreibt Ansatzpunkte für eine sozial integrierende Kommunalentwicklung und eine solidarische Daseinsvorsorge der Bürgerinnen und Bürger auf Grundlage der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Den Artikel „Gemeingüter – Szenarien einer heilsamen Welt“ habe ich beigesteuert.

Die Themen:

  • Vitale Gemeingüter: Grundlage nachhaltiger und selbstbestimmter Gesundheitsförderung
  • Logik der Gemeingüter statt Logik der Verwertung
  • Gemeingüter brauchen Kümmerer
  • Gemeingüter brauchen stärkende Strukturen
  • Gemeingüter sind heilsame Settings
  • Was allen zusteht: Zugang, Nutzung und Kontrolle gesundheitswichtiger Ressourcen
  • Das Prinzip: Teilen statt herrschen [Das Problem: „vernachlässigte Krankheiten“]
  • Das Prinzip: Was öffentlich finanziert ist, muss öffentlich zugänglich bleiben [Alternative Lizenzen für medizinische Forschungsergebnisse]
  • Das Prinzip: Ressourcen zusammenbringen und gemeinsam nutzen [Telepathologie rettet Leben]
  • Das Prinzip: Horizontal statt Vertikal oder Kooperation statt Konkurrenz
  • Das Prinzip Selbstbestimmung: wer betroffen ist, soll mitentscheiden
  • Das Prinzip: Commoning – Gemeinsames Tun

Ich zitiere hier mal die Schlußpassage:

Die entscheidende Frage in jedweder Situation, in jedwedem Projekt und jedweder gesetzlichen Maßnahme ist demnach: Wie gelingt Gemeinsames Tun? Wie entstehen Beteiligung und Selbstorganisation der Menschen für die Gestaltung gesundheitsfördernder Lebens- und Arbeitsbedingungen? Wie sehen Strukturen aus, die Sozialbeziehungen stärken, Zeitreichtum ermöglichen, Vielfalt wachsen lassen, Kooperation honorieren und die Fülle der Gemeinressourcen immer wieder reproduzieren, so dass alle aus ihnen schöpfen können?

Wie das Konzept der Salutogenese zu einer Inspirationsquelle der Gesundheitswissenschaften wurde, indem es die Perspektive auf den Menschen in seiner Lebenswelt verschiebt – weg von den Defiziten, hin zu den Potentialen für Selbststärkung und Selbstheilung -, wirft auch das Konzept der Gemeingüter ein neues Licht auf alte Fragen. Es macht sichtbar, wie und unter welchen Bedingungen Menschen so kooperieren, dass sie ihr Potential entfalten, Lebensqualität und Autonomie gewinnen indem sie anderen gleiches zugestehen. Eine heile Kultur ist eine Kultur der Verbundenheit. Und Verbundenheit ist ‘die Natur allen Seins’ (Vandana Shiva).“

Hier der gesamte Text (dessen Nutzungsrechte ich mir vorbehalten habe, obwohl man das dem gedruckten Buch leider nicht entnehmen kann). Zum Buchkauf geht’s da lang.

Vitale Gemeingüter: Grundlage nachhaltiger und selbstbestimmter Gesundheitsförderung

Sie verlassen jetzt den Tauschwertsektor

Für die aktuelle ILA habe ich eine kleine Buchbesprechung gemacht. Es geht um „Geld oder Leben, Was uns wirklich reich macht“ von Veronika Bennholdt-Thomsen, das zweite Bändchen der Reihe „quergedacht“ vom oekom Verlag.  Hier die Inhalte der gesamten Ausgabe, dieses Mal dem Schwerpunkt Müll gewidmet und hier der Text:

Sie verlassen jetzt den Tauschwertsektor

Wie entziehen wir uns dem machtvollen Takt des Geldes? Wie schwingen wir uns in den Rhythmus des Lebens? Indem wir mehr und mehr Nahrhaftes und Gebrauchswertes selbst produzieren. Indem wir handwerken und geben ohne aufzurechnen. Indem wir radikal entkommerzialisieren, schreibt die Subsistenzforscherin und Soziologin Veronika Bennholdt-Thomsen. Sie entfaltet den Facettenreichtum des Subsistenzbegriffs Den Rest des Beitrags lesen »

H.O.M.E: Hände weg von Mutter Erde – Internationales Bündnis gegen Geoengeneering

Die Erde ist kein Labor!

Geo-Engeneering, die Manipulation der bio-geo-chemischen Prozesse, gehört in die Schlagzeilen und auf die Agenda der sozialen Bewegungen.

Es geht um künstliche Wolkenaufhellung (cloud-whitening), die Eisendüngung von Ozeanen (jüngst gescheitert), die absichtsvolle Verschmutzung der Atmosphäre durch Schwefel, Weltraumspiegel oder die so genannte CO2 Sequestrierung.

Eine neue, von einigen Prominenten unterstützte Allianz Hands off Mother Earth, kurz H.O.M.E., hat nun eine globale Kampagne gestartet. Den Rest des Beitrags lesen »

Commons: auf dem Weg in eine moderne Gesellschaft in Freiheit und Gemeinschaftlichkeit

Die letzten beiden Wochen vergingen  wie im Flug. Genauer gesagt: Sie vergingen in der Eisenbahn. Von Jena nach Bad Hersfeld nach Hiddinghausen zum Seminar über Kritische Psychologie (viel gelernt, ist einen extra-Post wert), über Erfurt zurück nach Jena. Dann Paris, wo ich zum ersten Mal für Commons Strategies geredet habe (eine kleine Gruppe von Commons-Internationalisten) nach Berlin und Werneuchen zu INKOTA (das Netzwerk wird sich in Kürze auch der Commonsdebatte widmen) und schließlich über Frankfurt wieder heim. Von der letzten Station will ich berichten und beim Blick in ein paar „große“ Fässer etwas ins Unreine schreiben. Für Korrektur und Schärfung bin ich dankbar, damit ich den Holzweg verfehle… Den Rest des Beitrags lesen »

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