15.Oktober: Weltgemeingütertag / World Commons Day

Based on the Manifesto Reclaim the Commons crafted in Belem during the WSF 2009, we suggest to organize a World Commons Day on October 15, 2010.

The idea was born in follow-up meetings to the Manifesto, which took place in France. Our discussions revealed the urgent need for more appropriation of both the commons concept and its strategic value, which will only be possible if we nurture collective reflection within social movements and organizations at different scales (from local initiatives focussed on a certain issue to global and interdisciplinary networks). 

The World Commons Day is thought to expand our insights on the commons. Everywhere. Den Rest des Beitrags lesen »

Wovon wir alle leben

… fragt die erste Ausgabe der neuen kulturkreativen Zeitschrift, die im Wortsinn die deutsche Publikationslandschaft bereichert. ‘Wovon wir alle Leben’ ist nicht nur Titel der Ausgabe sondern auch Titel meines Beitrags. Darin liegt eine Verbeugung vor der Empfindsamkeit eines Großen der Weltliteratur: Lew N. Tolstoi,

Du wirst drei Worte begreifen: du wirst begreifen, was in den Menschen ist und was den Menschen nicht gegeben ist und wovon die Menschen leben

(aus Wovon die Menschen leben; L.Tolstoj)

Christian Siefkes hat auf Keimform ausführlich über die erste OYA berichtet. Der Anspruch der Macher_innen ist kein geringerer als die „unerschöpfliche Kraft der Verbundenheit zwischen Menschen“ zu teilen, die nach Ansicht von Chefredakteurin Lara Mallien „das Kapital und der Reichtum der Zukunft sind„. “

Ich nahm auf der Reise nach Jena die Zeitschrift zur Hand wie Tage zuvor auf der Reise nach Hannover die Erzählung Tolstois. Ich schrieb Anmerkungen an den Rand und in meinen Kalender (Doppelseite mit Seminar, Buch- und Filmtipps). Im Heft steckt irgendwo ein Energiespender. Ich bereichert meine Zitatenschatzkiste, etwa wenn es im Gespräch von vier Mitgliedern langjährig bestehender Gemeinschaften ‘Vom Geben und Nehmen‘ heißt:

wir sind in puncto Wertschätzung alle unterernährt„.

Das Einüben einer Kultur der Wertschätzung und der Liebe („wovon die Menschen leben„) lässt sich nicht einfach verregeln. Doch gerade der Aspekt der Rechte und Regeln in der Debatte um Gemeingüter wird überbetont. Eine Akzentverschiebng scheint ist notwendig, denn es geht um“ eine Kultur des Umgangs mit Gemeingütern“. Den Rest des Beitrags lesen »

Gemeingüter-Dossier der hbs

Die Heinrich Böll Stiftung hat Ihre Gemeingüter-Publikationen und sich darum herum gruppierende links in einem Dossier zusammengefasst, welches laufend ergänzt werden wird. Endlich Platz, um die Interdisziplinären Salons „Zeit für Allmende“ am richtigen Ort zu dokumentieren.
Besonders freut mich die Schlagwort-Illustration zu unserem Report: „Gemeingüter – Wohlstand durch Teilen.“ Et voilà.

The Commons in 30 seconds

I was asked to rapidly write down „what comes to my mind“; a description of the commons in 30 seconds.

Here’s my try. And I open the „competition“ :-) Alternative proposals or suggestions to polish up this one are welcome

„The commons are realms/situations in which people share and reproduce what – in principle – is available to all. The commons are flourishing when people share in such a way, that resources don’t diminish and creativity unfolds. The commons is about the decisions we make on how to use land and water, knowledge and seeds, the biodiversity and the atmosphere to reproduce our livelyhoods. The commons work for people when people work in common.“

The commons are realms/situations in which people share and reproduce what - in principle - is available to all. The commons are florishing when people share in such a way, that resources don't diminish and creativity unfolds. The commons is about the decisions we make on how to use land and water, knowledge and seeds, the biodiversity and the atmosphere to reproduce our livelyhoods. The commons work for people when people work in common.

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Das eigentliche Ding ist, ein Gegenüber zu sein

Vor einigen Tagen hatte ich Gelegenheit, Otto Scharmer vom MIT und Presencing Institute zu hören (siehe dieser blogpost). Ein paar Kernpunkte aus Scharmers Werkstatt finden sich hier: Die Sieben Akupunktur Punkte zu einem Kapitalismus 3.0.

Wie wir zurück zu den Grundfragen kommen, bewegt Otto Scharmer seit Beginn der 90er, als er an seiner Dissertation zur „Reflexiven Modernisierung des Kapitalismus“ arbeitete. Seine Fragen sind heute:

  • Wie kommt man gesellschaftlich in Lernzusammenhänge?
  • Was hilft den „Veränderungsmachern“ wirklich?
  • Woher kriegen wir „helfendes Wissen“ und wie können wir „Wissen um helfendes Wissen“ auf die Grundfragen anwenden?

In der Geschichte gäbe es „Momente, in denen sich tektonische Platten verschieben“. So wie derzeit. Vier neue geopolitische Konstellationen führt Scharmer als Indiz an:

  • dass Nachhaltigkeit überall Gestaltungsprinzip wird und das Umweltthema in nur einer Generation auf die Agenda der Konservativen gelang
  • der Fall der Mauer
  • das Ende der Apartheid in Südafrika und
  • Obamas Wahl in den USA

Die prägende Erfahrung all dieser Ereignisse sei: „klein anfangen – das Unmögliche beharrlich verfolgen – irgendwann geschieht ein Umbruch„. Derzeit geht, so ist Scharmer überzeugt, eine tiefgreifende Transformation in Wirtschaft und Gesellschaft von statten, hin zum „eigentlichen Ding“, zur „next economy“, die noch begriffslos ist. Von Scharmer (und Barnes) wird leidenschaftslos der Begriff „Kapitalismus 3.0“ benutzt (obgleich ‘das eigentliche Ding’ alles andere als ein technisches Problem ist, das man durch upgraden aus der Welt schaffen könnte.) Wir sind privilegiert, findet der Wirtschaftswissehnschaftler, denn wir können „das eigentliche Ding“ mitgestalten. Jede/r auf der eigenen Baustelle.

Die gegenwärtige Krise ist multidimensional (siehe Abbildung/ Sieben Akkupunkturpunkte S.6), doch

„Die Wurzeln der Krise hängen vor allem mit der Art und Weise zusammen, wie wir Ökonomie denken und wie sich das Ökonomische zu Natur und Gesellschaft verhält.“

Daher ist die Krise letztlich zivilisatorisch-spirituell. Es ist eine Krise des Geistes. Wir können die Welt so denken wie bisher, wir können sie aber auch denkend neu erfinden.  Die daraus resultierende Aufgabe ist so rasch formuliert wie gigantisch.

„Wir müssen neu definieren, wer wir sind und was die Zukunft und die Gesellschaft ist, die wir neu auf den Weg bringen wollen.“

Scharmer strukturiert die Entwicklungsphasen des Kapitalismus wie folgt:

Kapitalismus 1.0: Free Market Capitalism/Shareholder Capitalism: Wachstum, Privatisierung, Kommodifizierung, Markt, (und das Warten auf den) trickle-down Effekt

Kapitalismus 2.0: Stakeholder Capitalism: Wachstum, Verteilung, Sozialstaat, Gewerkschaften, NGOs, Stakeholder-Verhandlungen, lobby-basierte Regulierung

Hier werden abstrakte Interessen gesellschaftlich definiert (und von verschiedenen Lobbies beeinflußt). Das setzt Umverteilungsmechanismen in Gang, lässt aber die Grundprobleme unangetastet. Scharmer weist zu Recht darauf hin, dass der Kapitalismus 2.0 auf sozialer Ebene in einigen OECD-Ländern leidlich funktioniert hat, im Rest der Welt hingegen nicht. Zudem ist er „disfunktional im Hinblick auf die globalen Externalitäten„. Ein Teilnehmer der Runde drückte es so aus:

1 Mrd. Menschen hungern, dass ist die wahre Errungenschaft des Kapitalismus 2.0 und noch mehr Menschen leiden daran zu fett zu sein. Wir müssen zunächst für uns selbst klären, was Wohlstand bedeutet:“

Der Kapitalismus 2.0. stecke in der Krise. Das könne man nirgends deutlicher erkennen als in Washington, wo die Wallstreet eine hocheffektive Lobbyarbeit mache, um die Regulierung des Bankensektors zu unterbinden. (Mir scheint das eher ein Indikator dafür, dass sich das System bester Gesundheit erfreut.)

Kapitalismus 3.0: Intentionsgetriebene ökosystemische Ökonomie / Intentional Ecosystem Economy über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg: cross-sector innovation, Systemtransformation, die alle Aspekte und Bereiche umfassen („sytem transformation at the scale of the whole“)

Den Unterschied zwischen Phase II und III beschreibt Scharmer als Unterschied zwischen abstrakten Interessen und einer realen Orientierung an den Lebensverhältnissen vor Ort. Ökonomie neu denken heisst: weg von Ego-System awareness hin zu Eco-System awareness. Das ist die Schwelle. Doch wovon hängt ab, ob wir sie überschreiten?

Scharmer geht lediglich auf einen der Hebel ein, die er in den Sieben Akkupunkturpunkten beschreibt: die Veränderung der Führungskultur. Das ist durchaus konsequent, denn in den Führungsetagen sitzen „Status-quo-“ oder „Veränderungsmacher“, dennoch ist die „innere Welt“ der Führungskräfte ein weitgehend blinder Fleck. Wer weiss schon wie sie aussieht und wie sie in Schwingung zu bringen ist? Scharmes Ziel ist daher,  traditionelle Leadership um systemische Fragen zu erweitern. Sein Beispiel ist die Namibian Health Leadership Initiative, die mit den Führungskräften des Gesundheitsministeriums  von Namibia sowie anderen Schlüsselakteure im Gesundheitswesen arbeitet, um die Qualität der angebotenen Leistungen für die Bevölkerung spürbar zu verbessern.

Und hier kommt seine U-Theorie ins Spiel, das Motto: Open mind, open heart, open will


  1. Co-initiating, die jeweiligen Interessen entdecken, die gemeinsamen Interessen filtern, innehalten, „den anderen zuhören sowie dem, was das Leben Dir sagt“,  Geschichten erzählen, die Fähigkeiten des Zuhörens vertiefen, sich in die Lage der stakeholder hineinversetzen und diese unterschiedlichen Lagen systemisch abbilden, dadurch den eigenen Erfahrungskörper erweitern
  2. Co-sensing: beobachten, beobachten, beobachten: mit vielen Menschen an vielen Orten reden – um das System als Ganzes zu erfassen, auf Handlungsmöglichkeiten achten. Die entscheidende Frage ist: Wie fühlt sich das System aus der Perspektive des anderen an?
  3. Co-inspiring, sich mit der Quelle von Inspiration und Willen verbinden, einen Raum der Stille schaffen, um an „das eigene Ding“ zu kommen und zu erkennen,  wie man selbst dazu beiträgt, das System immer wieder hervor zu bringen. Das Entscheidende ist: den Punkt des Handelns in mir entdecken und nicht im Klageführen über das was ist. Solch ein Paradigmenwechsel geschieht beispielsweise in der Gesundheitsdebatte von der Pathogenese zur Salutogenese.
  4. Co-creating: Prototypen schaffen, dh. kleine Initiativen und Projekte als „Landebahn für die Zukunft“, deren Erfahrung wird in die Führungsebene gespeist, feed-back!
  5. Co-evolving: Das Neue in die Ökosystemische Betrachtung einbeziehen, aus der Perspektive des Ganzen handeln

Hier ein Überblick zur U-Theory.

Interessant fand ich das per Video vorgeführte Beispiel des namibischen Gesundheitsministers, der in 2 Monaten komplett Diskurs und Auftreten wechselte. Der Kippunkt war, als für die Einzelnen plötzlich sichtbar wurde, dass sie selbst für den Minister sichtbar sind. Ich musste an Clint Eastwoods sportliches Politdrama Invictus denken. Eindrucksvoll setzt der Film ins Bild, wie es Nelson Mandela dem Einzelnen als Gegenüber begegnet, durch Blickkontakt, fokussierte Aufmerksamkeit und Namensnennung. Der frischgewählte Präsident lernt auf dem Weg zur südafrikanischen Rugbymannschaft die Namen aller Spieler auswendig, derweil fliegen ihm die Staatsgeschäfte um die Ohren. Die Mannschaft bestand Anfang der 90er mit einer Ausnahme aus weißen Spielern. Rugby (die Weißen hielten zur ‘National’mannschaft, die Schwarzen applaudierten bei Länderspielen für die Gegenseite) war Ausdruck der zutiefst gespaltenen Nation. Mandela steigt also aus dem Helikopter, schüttelt jedem die Hand und nennt ihn beim Vornamen. Ich fühlte mich an meine einzige Begegnung mit Fidel Castro erinnert. Es ist ein Sprechen auf Augenhöhe. Für einen kurzen Moment. Es scheint das Geheimnis charismatischer Menschen zu sein, Menschen in fast jedweder Situation das Gefühl zu geben, tatsächlich gemeint zu sein.

Der Ansatz von Scharmer ist wichtig, aber auf „die Führungsebene“ können wir uns nicht verlassen. Weniger noch auf charismatische Führer, die in jedwede Richtung verführen können. Wie also kann sich co-sensing nicht nur in die Führungsstrukturen sondern in der Gestaltung all unserer Sozialbeziehungen mehr Raum verschaffen?

Wie kann die U-theory im derzeit in Hamburg tobenden „Klassenkampf“ (3-sat) eingesetzt werden. Die Trennlinie verläuft hier nicht zwischen Verwaltung/ Führungsebene und Bürgern, sondern zwischen Bürgern und Bürgern! Wie könnte mir je nachvollziebar werden, dass privilegierte Hamburger Eltern, die gegen gemeinsames Lernen Sturm laufen solche Sätze ins Fernsehmikro sagen:

„weil wir dafür sind, dass Kinder früher separiert werden“, „weil wir absolut davon überzeugt sind, dass schlechte oder mittlere Schüler nicht davon profitieren, wenn sie mit guten zusammen sind“, „dass ein Arbeiterkind mit dem Kind eines Vorstandsvorsitzenden nachmittags spielt“

… scheint diesen Eltern tatsächlich Angst zu machen! (unbedingt reinschauen, erschreckende Positionen z.B. min. 3,52) Es ist der Kampf jener, die „eigentlich“ nichts zu befürchten haben und doch fürchten, gegen die „Anderen“, die ihnen so fremd sind und gegen eine Politik, die Gemeinsames voranbringen will. Wie fühlt sich das System aus der Perspektive dieser Eltern an? Und wie kann man ihnen die Erfahrung verschaffe, dass sich das System aus der Perspektive der weniger Privilegierten ganz anders anfühlt?

U-theory nach Hamburg! Es gibt viel zu tun.

Der systemische Hebel ist die Veränderung der Beziehung zwischen den Lernenden und den Helfern, Patienten und Ärzten usw. … Es geht darum, das feed-back Loch schließen. Daraus wachsen ganz neue Institutionen, die „ressortübergreifend“ arbeiten.„, glaubt Scharmer.

Wenn wir die Hierarchisierung rauslassen, wird ein Commonsdiskurs daraus. Der systemische Hebel ist die Veränderung der Beziehung zwischen den Menschen, unter anderem durch Transparenz, Zuhören und Gemeinsames Lernen.Die Beziehungsqualität bestimmt die Ergebnisqualität.“ (Scharmer)

Sicher müssen bürokratische Apparate verstärkt an die Bedürfnisse in den communities rückgekoppelt, wir können die bestehenden Institutionen nicht einsargen, sie werden uns noch lange begleiten. Aber der machtvollere Schlüssel zum „eigentlichen Ding“ liegt darin, die Schranken in den Köpfen dieser Hamburger Eltern (die hier stellvertretend stehen) zu knacken. Das konsequent zu Ende zu denken fällt mir gar nicht leicht. Ich müsste mir vorstellen, dass solch Klassendünkel irgend eine nachvollziehbare Erklärung findet und dass es eine reale Chance gibt, dieses Denken zu verändern.

Aber so müssig wird sie wohl sein, die große Transformation. Der Schlüssel liegt darin, in jedem Projekt, jedem Prozess, jedem Lebens-, Lern- und Arbeitsraum eine Situation auf Augenhöhe zu erzeugen und die Interessen und Handlungen des Einzelnen in ihrer Wirkungen auf die jeweils Anderen sichtbar zu machen. So dass sie für den Einzelnen als Teil des Systems neu erfahrbar werden, neu bewertet und- vielleicht – verändert werden können.

Theorien haben die Welt nur verschieden umflogen, es kommt darauf an zu landen.“ (Sloterdijk)

weitere Blogposts zum Bildungskampf in Hamburg:

Zitat des Tages

„Wikipedia-Artikel sind Texte, die atmen, wachsen und innerlich grollen. Sie haben sicherlich nicht immer in der Realität, aber der Möglichkeit und dem Anspruch nach, den gleichen Willen zu Wahrhaftigkeit und Aktualität wie Journalismus.“

von Thierry Chervell (Perlentaucher), der im Ententeich seine Phantasien über die Zukunft des Schreibens ausbreitet. Sehr empfehlenswert!

Her mit den alten Bräuchen. Weg mit dem Winter!

Sieben Uhr, der Wecker schrillt und ich wage einen Blick aus dem Fenster. Dicke Schneeflocken mit grau drumrum. Ich zieh mir die Decke übern Kopf!

Weiß noch jemand, wie man den Winter austreibt? Nee? Da haben wir den Salat! Kein Wunder, dass er nicht weichen will.

Aber ein paar Tage sind noch Zeit, um dem Winter Beine zu machen – vielleicht hilft es, die  Erinnerung an alte Bräuche, die kulturelle Allmende, zu beleben. Bräuche haben eine strukturierende Wirkung im Chaos und eine belebende im Grau. Sie verbinden uns – mit unserer Geschichte und mit den Rhythmen der Natur. Also: Her mit den alten Bräuchen. Fort mit dem Winter!

Ein paar Beispiele

„Hutzel raus, de Doud is daus“ sangen die Teilnehmer in früheren Jahren am Sonntag Lätarevia

Ein Brauch aus der Lausitz:

Die Frauen banden eine mächtige Strohpuppe zusammen, bekleideten sie mit einem Sterbehemd und hüllten sie in einen Brautschleier. In die linke Hand gaben sie ihr eine Sense und in die rechte einen Besen. Die Strohpuppe stellte den Winter dar.

Unter Rufen, Kreischen und Johlen trug man sie aus dem Dorf heraus“

oder

In anderen Gegenden hängte man das Sterbehemd des Winters in einen einsamen Feldbaum und rief dazu: „Der Winter ist tot! Es lebe der Frühling! Die Prozedur endete schließlich lustig und fröhlich.

vía

In Nürnberg gibt’s das Mittfasten:

Eine alte Nürnberger Tradition ist das „Winteraustreiben“ zu Laetare, dem „Mittfasten“. Am mittleren Sonntag zwischen Aschermittwoch und Ostern, also genau zur Hälfte der Fastenzeit machte früher die Bevölkerung eine Pause beim Fasten: An diesem Sonntag im Frühjahr wurde von Alters her musiziert, getanzt und vor allem gegessen.“

vía

An den Küsten Nordfriesland lodern die Biikefeuer, um Wotan zu besänftigen und den Winter fortzujagen. In Eisenach ist Sommergewinn.

“ Hexenmeister Michael Koch aus Wandersleben empfiehlt in seiner Handschrift aus dem 17. Jahrhundert, man möge doch den Dreck des Winters ins Feuer werfen, dreimal mit freiem Oberkörper darüber springen und dabei in die Hände klatschen. Dann würde es schon wärmer werden.“

erfahre ich gestern in der TA. Und in Jena, so heißt es dort, sei urkundlich belegt,

dass im Jahre 1699 … Leute auf einem Berg sitzend gesungen hatten: ‘So treiben wir den Tod hinaus in unseres Nachbarn Hirtenhaus„.

Welcher Berg war das? Ich lauf morgen gleich hin!

Foto Biikebrennen, by Lizenz CC, BY 

„Hutzel raus, de Doud is daus“ sangen die Teilnehmer in früheren Jahren am Sonntag Lätare

Hettingen. Zeitgleich, mit dem kalendarischen Frühlingsanfang, fällt in diesem Jahr die Winteraustreibung, die der Heimatverein Hettingen am morgigen Sonntag durchführt. Neben der Pflege und Erhaltung der vielen Bildstöcke und Flurdenkmale in der Gemeinde hat sich der Hettinger Heimatverein auch um die Pflege des Brauchtums verschrieben. So findet nun seit Gründung des Heimatvereines und unter dessen Regie bis heute das „Todaustragen“ statt.

Allgemeine Erklärung der Gemeingüter der Erde und der Menschheit

Ein Entwurf von Miguel d’Escoto Brockmann und Leonardo Boff. Zum Kontext.

Die Erklärung ist bereits auf unzähligen spanischen Seiten verlinkt und wird Ende April in Bolivien anlässlich des Gipfels der Völker zum Klimawandel und den Rechten der Mutter Erde (eine Reaktion auf das Scheitern von Kopenhagen) diskutiert.

Es kursieren verschiedene Versionen, ich verwende diese. Im Folgenden einige wenige ins Deutsche übersetzte Auszüge, so gut als möglich die Redeweise der beiden spirituellen Instanzen übertragend. (Die ist mir manchmal ziemlich fremd.) Verbesserungsvorschläge für die Übersetzung sind wie immer erwünscht.

Ab hier ist alles zitiert, Kommentare von mir stehen in Klammern.

„Artikel 1

Das höchste, universelle Gemeinschaftsgut, die Existenzbedingung für alle sonstigen Güter, ist die Erde selbst. Denn sie ist unsere Grosse Mutter, die geliebt, geachtet, gepflegt und verehrt werden muss, so wie unsere eigenen Mütter.

I. Das Gemeinwohl der Erde und der Menschheit verlangt es, das wir die Erde als etwas Lebendes, als Subjekt von Würde verstehen. Sie kann nicht von einem Einzelnen angeeignet und nicht… Den Rest des Beitrags lesen »

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Präsentation SIETAR-Forum: Gemeingüter – gelebte Vielfalt

Hier die Präsentation zu meiner Keynote auf dem SIETAR-Forum, Dokumentation auf den Sietar Seiten folgt.

Mehr: Vielfalt ist keine Ressource

Ehem. Präsident der UN Vollversammlung fordert Internationalen Gerichtshof für Gemeingüter

“Die Neuerfindung der Vereinten Nationen ist unverzichtbar,” schreiben Miguel d’Escoto Brockmann, 2008/2009 Präsident der UNO Vollversammlung und der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff. Die beiden haben sich offenbar auch mit dem Gemeingütervirus infiziert. Sie haben eine Universelle Erklärung zum Gemeingut der Erde und der Menscheit verfasst! Zwei gewichtige Stimmen aus dem Süden!

Boff und d’Escoto erklären das Scheitern der UNO. Hier eine kurze Zusammenfassung ihrer Kritik (Teil 1 des verlinkten Textes):

  • Institutionen sind nicht anhand der Dinge zu messen, die sie getan haben, sondern an ihrem Seinsgrund. Die entscheidende Frage ist: haben sie das Ziel erreicht, für das sie angetreten sind?
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