Von Habewenigern und Habemehrs: Prinzipien der Gemeingüter

Der Commonshistoriker Peter Linebaugh, hat kürzlich auf dem counterpunch über die vergessenen Prinzipien der Gemeingüter geschrieben. Eine Idee ist angetreten, die Welt zu verändern. Und die Idee ist uralt. Das fand ich wichtig genug, um eine deutsche Fassung zu versuchen. Für Korrekturen bin ich dankbar. Die Fussnoten habe ich eingefügt. Los geht’s.

Einige Prinzipien der Commons (Gemeingüter) sind unsichtbar geworden oder gingen völlig verloren, doch wir können sie zurückgewinnen

von Peter Linebaugh

Menschliche Solidarität, so wie sie in der Losung „Alle für einen und einer für alle“ ihren Ausdruck findet, ist Grundlage des „commoning“, des gemeinsamen Tuns. In der kapitalistischen Gesellschaft, gilt dieser Grundsatz allerdings nur noch im Spiel der Kinder oder in militärischen Auseinandersetzungen. Zudem taucht er,… Den Rest des Beitrags lesen »

Vielfalt ist keine Ressource; Thesen zu Vielfalt und Gemeingütern

Gerade komme ich vom best-organisierten event ever zurück. Dem Sietar-Forum 2010. Dort trifft sich die interkulturelle Beratungsszene der Republik.

Doch auch die perfekte Organisation (für Herz und Verstand) änderte nichts daran, dass ich eine lange Weile dachte: ‘Wo bin ich hier?’ Tatsächlich erlebte ich life, was ich im Zuge der Vorbereitung in der Wikipedia gelesen hatte. Dass in der Wirtschaft Vielfalt und Diversity Management so diskutiert werden, dass am Ende folgende Idee steht: Vielfalt ist eine Ressource, die als Marketinginstrument dienen kann. (Siehe auch den Titel des Forums, der immerhin mit Fragezeichen versehen ist. Wegen dieses Fragezeichens wurde ich wohl eingeladen.)

Dass  Vielfalt ein business case ist, entnahm ich jedenfalls der anderen key-note von Hans Jablonski.

Ich will das gar nicht bewerten. Mir ist es nur sehr fremd. Aus meiner Sicht ist Vielfalt keine Ressource und schon gar keine Verwertungsoptimierungsressource. Für mich ist Vielfalt das Alpha und das Omega, ein Kernbegriff der Commonsdebatte.

Offen gestanden hatte ich zwei schlechte Nächte vor meinem Auftrtitt heute morgen. Ob ich eine Brücke würde schlagen können zu diesem Publikum, dass sich ständig damit beschäftigen muss, wie man Vielfalt in Unternehmen oder universitären curricula verankern kann?

Nun denn, es ist gelungen. Sogar ziemlich gut. Teilnehmende des Forums waren nicht nur Beraterinnen und Berater, sondern auch Leute aus Verwaltung und Unternehmen. Ich war insgesamt sehr überrascht über die große Ressonanz.
Ein selbständiger Prozessfotograph (sehr spannend!), der die Idee logisch fand, dass wir allmendesensitive Geschäftsmodelle dringend brauchen, sagte im Anschluß:

„Ich will doch nicht, dass Kunden zu mir zurück kommen, nur weil ich ein Foto von ihnen unter Verschluss habe. Ich will, dass sie zu mir kommen, weil ich eine Beziehung zu ihnen aufgebaut habe, die daraus rührt, dass sie meine Arbeit schätzen.“(aus dem Kopf zitiert nach M. Püttmann)

Er macht also seinen Job, lässt sich für seine Arbeitszeit bezahlen, aber schließt die Fotos nicht weg. Genauso mach es viele, die ihre Inhalte frei geben und dennoch Geld verdienen.

Auf der Seite des SIETAR-Forums kommt demnächst mehr zu Vortrag, Folien und Diskussion. Hier veröffentliche ich nur jene Gedanken, die ich mir zur Vorbereitung gemacht, aber dann nur rudimentär vorgetragen habe. In den Vortrag eingebaut hatte ich nur den provokanten Teil, schließlich müssen Vorträge lebendig sein :-) .

Thesen zu Vielfalt und Gemeingütern (commons) / SIETAR-Forum 2010; „Ressource Vielfalt“… Den Rest des Beitrags lesen »

Neu: OYA! Wovon wir alle leben

Zitat

Oya stellt sich als neue Kulturkreative Zeitschrift vor, die zeigen will,

„welcher Reichtum an Praxis und Leben für ein nachhaltiges und sinnerfülltes Leben weltweit und regional bereits vorhanden ist“

In Oya schreiben die Autor_innen für eine Gesellschaft „die das Leben in den Mittelpunkt stellt.

Die erste Ausgabe erscheint diese Woche. Ab dann im zweimonatigen Rhythmus als vierfarbiges Magazin von ca. 90 Seiten. Das erste Fokusthema, yeahh... „Wovon wir alle leben. Allmende, Gemeingüter, Commons“.

Aus der Ankündigung:

„Diese Logik der Gemeingüter hilft uns, eine wirklich nachhaltige Kultur denken und leben zu lernen. Die erste Ausgabe erkundet das weite Themenfeld zwischen der landwirtschaftlichen Allmende-Wirtschaft und der Wissensallmende im Internet und gibt Einblicke in die praktischer Lebenserfahrung im Umgang mit gemeinsam genutzten Eigentum in langjährig bestehenden Ökodörfern.“

Kohärenz scheint dort groß geschrieben. Einerseits ist die dahinter steckende Firma selbst als Genossenschaft organisiert (Satzung, Mitgliedsantrag und Geschäftsplan gibt’s hier), andererseits werden die Inhalte der Commonsausgabe frei lizensiert sind. Ein  Probeheft dieser ersten Ausgabe kann man hier bestellen.

Und abonnieren kann man Oya auch. Ein Magazin ist schließlich für’s Schmökern im Sessel gemacht.

PS. ist das Zitat nicht grandios?

Pfiffige Ideen für das Gemeingut Stadt

Mach aus jeder Stadt eine Commons-WerkStadt!

Eine Frage höre ich immer öfter: Was bedeutet die Idee der Gemeingüter für unser Zusammenleben in Städten? Kreativ sein, selber machen, Räume der Gemeinschaftlichkeit und der Öffentlichkeit erweitern, Stadtplaner und Architekten für die Commons begeistern (was nicht schwer ist, denn da gibt es jede Menge Diskussionen und Projekte, die ich nicht überblicke), einen langen Atem haben – Kommunalpolitik betreiben. Und vieles mehr! Fakt ist: Das Thema wird immer wichtiger. Seit 2008 lebt mehr als 50% der Weltbevölkerung in den Städten.

Auf Shareable hat Jeremy Adam Smith 12 charmante Ideen zusammen gestellt, um sichtbar zu zeigen: jede_r kann dazu beitragen, die Städte wieder mehr zu „unseren Orten“ werden zu lassen. Es dreht sich alles um „sozialere, nachhaltigere und belastbarere Städte“. Belastbar in dem Sinne, dass durch Vielfalt und Flexibilität Probleme und Spannungen abgefedert werden können. („making cities more sociable, resilient, and sustainable.“)

Mit einfachen Ideen geht es los. Komplexere Vorhaben, die mehr Kooperation brauchen, beenden die von mir gekürzte sehr us-amerikanische Ideensammlung. (Leider nur auf Englisch, lediglich die Überschriften sind übersetzt.) Den Rest des Beitrags lesen »

Allmende: die Metatheorie des Internets

Götz Hamann nimmt auf ZEIT online einen Beitrag zum gescholtenen Apple iPad zum Anlaß, daran zu erinnern, dass mit dem Internet „eine Allmende entstand„.

Das Faszinierende daran ist, wie „einfach“ mitten in der Moderne die Allmende neu erschaffen werden kann. Sonst klingt das Wort Almende ja immer nach glücklichen Kühen auf Schweizer Almwiesen.

Tim Berners Lee verzichtet auf die Kontrolle dessen was die „virtuelle community“ mit den Ergebnissen seiner Arbeit macht, wie sie mit der Seitenbeschreibungssprache html und dem Internetprotokoll http umgeht. Und das World Wide Web Consortium lässt nur patentfreie Standards für das Netz zu. Fertig! Letztlich dreht sich alles um ein paar einfache Entscheidungen zur berühmten Eigentumsfrage. Die sind im Netz im Sinne der Allgemeinheit gefallen. Und deshalb würde aus dem Netz ein wahres Füllhorn.

Die Allmende, so ZEIT online, „wurde zur Meta-Theorie des Internets. Das Funktionsprinzip ist einfach: Den Rest des Beitrags lesen »

Gemeingüter. Wohlstand durch Teilen

Der neue Gemeingüterreport ist fertig. Bald! Er wird am Montag, den 22. Februar 2010 um 19.30 Uhr in der Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8 (Berlin-Mitte) der Öffentlichkeit vorgestellt.  Ein paar Stichworte:

  • Wem gehört der Himmel, wem die Stille, wem das Land?
  • Wem die Ideen, wem das Wissen? Und was passiert gerade in Sachen Urheberrecht?
  • Wie sieht eine Produktionsweise aus, in der Kreativität und Kooperation gedeihen?

Es geht um Reklame und Waldkaffee, um das Copyleft und Fischereipolitik, um Aidsmedikamente und um die Frage, wie wir wieder die Kontrolle über die Energieproduktion gewinnen können.

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FAZ: Was ist die Alternative zur Allmende?

Superfrage. Ich fand sie in der FAZ! Es ist Jahr der Biodiversität. Die FAZ widmet sich dem Thema der Gemeingüter in einem langen Beitrag von Jörg Albrecht. Albrecht beginnt mit einer Rechnung des inzwischen verstorbenen Biokybernetikers Frederic Vester. Dieser stellte fest, dass ein Blaukehlchen schon vor Jahrzehnten 301,38 Deutsche Mark „wert“ war. Mit 10 Pfennig schlagen in Vesters Rechnung die Leistungen des Blaukehlchens als
Ohrenschmaus und Augenweide“ zu Buche. Diese Eröffnung steht in interessantem Kontrast zum Schluss des Beitrags.

Albrechts zentrale Fragen sind: „Was ist Biodiversität?“ (beantwortet er detailliert und mit durchaus einprägsamen Vergleichen) „Was haben wir davon? Und was kostet uns das?“ Warum er das Ringen von Umweltschützern gegen große Infrastrukturprojekte, wegen eben dieser Fragen, als „Sperenzchen“ und „Umweltmarotte“ abtut, ist mir schleierhaft, aber es ist ein sehr gutes Zeichen, dass die FAZ jetzt „wo die Ressourcen knapp werden “ (genauer: „knapp gemacht wurden“) dem Thema so umfassende Aufmerksamkeit widmet.  So gut, wie das Fazit des Autors. Den Rest des Beitrags lesen »

US Militärstützpunkte in Kolumbien und der Streit um Gemeingüter

So überschreibt der Analyst der Wochenzeitung Brecha (Montevideo), Raúl Zibechi den von Anja Kanbach aus dem Spanischen übersetzten Beitrag im Quetzal. Der Originalbeitrag stammt vom August 2009.

„Das bevorstehende Abkommen zwischen den USA und Kolumbien über die Nutzung von sieben Militärstützpunkten durch das US-Südkommando ist einer der Anlässe für die heftigen Diskussionen, die derzeit in Südamerika über Gemeingüter geführt werden.“

Man erfährt Interessantes. Etwa dass,… Den Rest des Beitrags lesen »

Buen Vivir: Gemeingüter für ein Gutes Leben

Klimaretter und taz bringen Beiträge von Gerhard Dilger zur Debatte um das Gute Leben und die Gemeingüter auf dem 10. Weltsozialforum in Porto Alegre. Das WSF ist als Regionalforum am Freitag mit 35. 000 Teilnehmern zu Ende gegangen.

Dilger konstatiert zu recht, dass die politisch-programmatische Botschaft insgesamt diffus blieb. Doch warum sollten ausgerechnet die sozialen Bewegungen schon mit Klarheit punkten können, während allerorten konzeptionelle Ratlosigkeit herrscht?

„Dabei wird seit dem Weltsozialforum 2009 in Belém mit dem „Guten Leben“ und dem Komplex „Gemeingüter“ in Umrissen ein mögliche Plattform sichtbar, auf der sich die unterschiedlichsten Diskurse zusammenführen ließen… Den Rest des Beitrags lesen »

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