Commoning! Was bitte?

Seit Wochen suchen wir nach einer Übersetzung dieses Satzes:

„There is no commons without commoning“. (Peter Linebaugh, siehe diesen Eintrag) Er bringt auf den Punkt, worum es bei den Gemeingütern (commons/Allmenden) geht: Um eine bestimmte Art und Weise des gemeinsamen Tuns. Um ein gemeinsames Verständnis davon, wie kollektiv verfügbare Ressourcen zu nutzen sind.

Heute dachte ich, vielleicht geht es so:

„Es gibt keine Gemeingüter ohne gemeinsames Wirken/Tun.“ oder „Gemeingüter entstehen aus gemeinsamem Wirken/Tun“

Wie klingt das? Bessere Vorschläge hocherwünscht.

Die Bedeutungen von „wirken“ gefallen mir, denn genau das ist es, worum es beim „commoning“ geht.

[1] tätig sein, nützlich sein, etwas schaffen, etwas vollbringen
[2] eine Wirkung entfalten …
[4] fachsprachlich: Textilien nach einem Wirkverfahren herstellen
[5] fachsprachlich: Gewebe mit eingearbeiteten Bildern oder Mustern herstellen

Commoning: das bedeutet, dass eine Nutzergemeinschaft, eine Gruppe von Menschen miteinander etwas macht. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Verfahrensweisen, aber stets lassen sich Muster (Prinzipien) ablesen – die Muster vitaler Gemeingüter. 

9 Antworten zu „Commoning! Was bitte?“

  1. StefanMz Sagt:

    Eh, das ist ja doof, alle Listenformatauszeichnungen sind rausgeflogen. Also nochmal:

    Wie immer bei den Commons ist das Problem mehrdimensional. Die Antwort auf die Frage nach der Übersetzung lautet also: Es kommt auf den Kontext an. Es gibt drei mögliche Kontexte: Güter, Ressourcen und Gemeinschaft. Für den Güterkontext hast du Vorschläge gemacht. Mir fiele noch ein (wahlweise mit „es gibt“ davor):
    - Keine Gemeingüter ohne soziales Handeln
    - Keine Gemeingüter ohne gemeinsames Handeln
    - Keine Gemeingüter ohne gemeinschaftliche Aktivität
    - Keine Gemeingüter ohne eine aktive Gemeinschaft

    Im Ressourcenkontext geht das im wesentlichen genauso, nur dass „Güter“ durch „Ressourcen“ ersetzt sind. Im Gemeinschaftskontext liest sich das etwas anders, denn da hat „Commons“ die Bedeutung des „Gemeinsamen“:
    - Kein Gemeinsames ohne eine aktive Gemeinschaft
    - Kein Gemeinsames ohne soziales Handeln
    - usw. wie oben

    P.S. Unter „diesen Eintrag“ liegt nur die Blog-URL, vermutlich sollte das noch woanders hinzeigen?

  2. Silke Helfrich Sagt:

    Hi, link korrigiert. Danke!
    Ich denke, es muss immer ein „Prozess“ sein, nie ein Subjekt. Also „soziales Handeln“ / „gemeinschaftliches Handeln“ geht, aber „aktive Gemeinschaft“ geht nicht.

  3. Matthias Fersterer Sagt:

    Ich versuche selbst seit längerem eine deutsche Übersetzung für Peter Linebaughs schöne Wendung zu finden. Da ich dabei gerne die ungewöhnliche Verwendung des Substantivs „commons“ als Verb „to common“ beibehalten möchte, bin ich bei „(das) Gemeinschaften“ gelandet – also eine substantivierte Form der Verb-Neuschöpfung „gemeinschaften“ (ich gemeinschafte, du gemeinschaftest, er/sie/es gemeinschaften usw.). Eine entsprechende Übersetzung könnte also lauten:

    „Es gibt keine Gemeingüter ohne Gemeinschaften.“

    Oder (wenn man beide Bedeutungsebenen hervorheben möchte):

    „Es gibt keine Gemeingüter ohne gemeinschaftende Gemeinschaften.“

    Klar, die Bedeutung erschließt sich nicht augenblicklich, aber das Verb „to common“ war für mich ursprünglich auch etwas gewöhnungsbedürftig.

    Zudem schwingt beim „Gemeinschaften“ mit, dass es sich um einen Prozess handelt, zu dem stets konkrete Gruppen von Menschen, also Gemeinschaften gehören.

  4. Silke Helfrich Sagt:

    Hallo Matthias,
    mir gefällt das, freilich irritiert die Großschreibung – das erschwert die Erfassung des Sinns ungemein.
    Ich denke, man muss mit Begriffen spielen – sie ausprobieren, ihre Resonanz testen. Das sollten wir tun. So viel wie möglich über Commons, Allmende, Gemeingüter schreiben und sehen, was greift.

    Viele Grüße
    Silke

  5. hhirschel Sagt:

    Versuche mich auch mal (Vergemeinschaftung ist schließlich keine Leidenschaft des Kopfes sondern Kopf der Leidenschaft) :-)

    Es gibt kein Gemeingut außer wenn mans gemein tut.

    Klingt nicht schlecht, aber wegen „männlichen“ Konnotation des „man“ und weil „gemein“ ja nun leider mit „gemein“ in Verbindung gebracht wird, würde das mehr Garritt Hardins Sicht stützen :-)

    Lässt sich das retten?

    Es gibt kein Gemeinschaftsgut, außer wenn mensch es gemeinsam tut?

    Oder vielleicht:

    Es gibt kein Gemeingut, außer wenn mensch es vereint tut?

    Nunja, aber nun fällt auf: „vereintes Tun“ ist nicht der Punkt. Auch Sklaven können vereint arbeiten. Es kommt auf das Mittun beim Entscheiden, Planen, Reflektieren, Kontrollieren an.

    Nagut, schade, vielleicht klappt es ein ein anderes Mal.

    Gruß hh

  6. hhirschel Sagt:

    Es lässt mir keine Ruhe.

    „Nur wer sich zusammen tut schafft (und genießt!) ein Gemeinschaftsgut?“

    Schon besser, oder? Naja,… vielleicht in eine solche Richtung.

    Gruß hh

  7. J. Bauer Sagt:

    „Gemeingüter entstehen nur, indem man sie gemeinsam lebt“. Ein Boulespiel zu erfinden ist eine Sache, einen Satz Boulekugeln und ein Schweinchen zu kaufen, eine andere. Ein Commons wird daraus erst, wenn eine Gruppe von Menschen um diese Ressource herum eine gemeinsame Aktivität zelebriert … .

  8. hhirschel Sagt:

    Eine Gruppe von Menschen kann allerdings auch um privateigentümlich zur Verfügung gestellte Sportgeräte herum gemeinsame Aktivitäten zelebrieren.

    Spielregeln werden – in der Regel – zu Gemeingut. Die benutzten Geräte sind es – in der Regel – nur auf Zeit d.h. in der Zeit des gemeinsamen Spiels. Dass die Trennung von „privat“ und gemein“ nicht ganz so einfach ist, sieht man beim Boxen. Obwohl die private Aneignung des Gewinns hier ganz brutal im Vordergrund steht, gibt es doch auch gemeinsamen Gewinn, Momente der Übereinkunft. Meines Erachtens wird etwas zum Gemeingut, insoweit in Hinsicht auf die Entwicklung und Nutzung von Produktivkräften eine Notwendigkeit zur Übereinkunft auf Augenhöhe besteht und, ja, gelebt wird – vielleicht auch gelebt werden muss.

    Gruß hh

    • Jakob B. Sagt:

      Deshalb ist die Frage zum Besitz der Ressourcen ja auch nicht identisch mit der Frage nach den Gemeingütern. Ein Wald kann (und ist es in der Regel) ja in Privatbesitz sein und trotzdem eine frei verfügbare Ressource als Naherholungsgebiet (ohne Eintrittskarten) zur Verfügung bleiben. Oder um bei den Boulekugeln zu bleiben: Meine gehören mir, aber allein zu spielen macht wenig Spaß.


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