Homo oeconomicus ist out! Homo reciprocans ist in!

„Kooperation statt Konkurrenz“ ist dieses Streitgespräch überschrieben. Es diskutieren die beiden Österreicher Christian Felber (der eine „moderne Allmende“ vorschlägt) und Christian Ortner (der äußerst wirtschaftsliberale Positionen vertritt). Erschienen im Falter/ 35/2009 vom 26.8.2009 S.14)

Liest sich spannend. Felber argumentiert gegen den homo oeconomicus, also gegen das Menschenbild vom einseitigen Nutzenmaximierer.

„Felber: …Die stärkste Waffe des Kapitalismus ist sein großteils erfolgreich implantiertes Menschenbild. Dass die meisten Menschen nämlich glauben, sie seien von Natur aus vorwiegend egoistisch und konkurrenzorientiert.
Falter: Wie sähe Ihr „neuer Mensch“ aus?
Felber: Er stellt das Gemeinwohl vor das eigene Wohl, kooperiert strukturell und achtet auf das Gelingen sozialer Beziehungen… Den Rest des Beitrags lesen »

„Gates hat seinen ‘Wald’ eingezäunt“

Letzte Woche hielt ich an der Fachhochschule in Nordhausen auf Einladung der studentischen GoFair Initiative der FH und der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen einen Vortrag über Gemeingüter. Habe das Buch „Wem gehört die Welt?“ vorgestellt, viel geredet, viele Geschichten erzählt und viele Fragen beantwortet. Hat sehr viel Spaß gemacht.

Daraufhin erschien dieser gelungene Artikel von Christian Darr in der Neuen Nordhäuser Zeitung. Ein Auszug:

„Warum kennen sehr viele den Namen Bill Gates und den von Tim Berners-Lee nur sehr wenige? Letzterer erkannte die Möglichkeiten seiner Entwicklung und das sie den Menschen am meisten hilft wenn sie allen frei zugänglich sein würde. Der zuerst genannte Herr zählt heute zu den reichsten Menschen auf dem Planeten. Wie hat er das gemacht? Hat der andere etwas falsch gemacht? Gates hat seinen „Wald“ eingezäunt. Dann haben Menschen wie er die Kunde verbreitet das ihr Vermarktungsmodell das einzig mögliche wäre.“

Die Woche zuvor war in ich an der TU Ilmenau. Gut besuchte Veranstaltung. Zwei Stunden Aufmersamkeit, Skepsis hie und da aber insgesamt offene Ohren und eine von Sympathie getragene Debatte. Wir müssten mit der Gemeingüterdiskussion durch die Unis tingeln und sie mit dem „abgleichen“, was die Studenten und Studentinnen bewegt.

Zwischen Eiszeitkunst und Weihnachtsmarkt

Auf der Suche nach erzählbaren Beispielen für die Commons habe ich mich heute gemeinsam mit meinem Sohn in die Stuttgarter Innenstadt begeben. Wir besuchten dort zunächst die Venus vom Hohlen Fels, einer vom Tübinger Archäologen Nicholas J. Conard am Hohlen Fels auf der Schwäbischen Alb entdeckten Schnitzerei aus Mammutelfenbein, die mit fast 40.000 Jahren als älteste Frauendarstellung der Menschheitsgeschichte gilt. Conard hat die Entdeckung in der britischen Wissenschaftszeitschrift Nature veröffentlicht, den man hier für 32 Dollar als pdf-File beziehen kann. Wir lösten zwei Ticket für 10 und 8 Euro und suchten die wenige Zentimeter große Figur, um die eigentlich ein ähnlicher Hype entstehen müsste, wie um die Mona Lisa im Louvre (der Eintrittpreis in den Louvre ist mit 9 Euro übrigens 10 % billiger als der ins Stuttgarter Kunstgebäude), und finden sie unauffällig in einem kleinen Glaskästchen … einsam und relativ unbeachtet. Es gibt noch ein paar andere Sensationen in der Ausstellung, wie das älteste Musikinstrument der Welt, einer kleinen Knochenflöte (auch für 32 Dollar zu haben), einem unfassbar schönen Pferd (wie gehabt, Nature: 32 Dollar), einem Vogel, einem Löwen und vieles mehr. Den Rest des Beitrags lesen »

„Der Kampf um die Commons“ im Freitag

Kämpferischer Artikel von Stefan Vogel zur  globalisierungskritischen Bewegung und den Commons. „Der Kampf um die Commons“, gestern im FREITAG.

Informativ und optimistisch, ohne Anflüge von Euphorie. Leider keine Bezüge zur Gemeingüterdiskussion in Deutschland und etwas „privatisierungsfixiert“. Ich hatte gerade am Donnerstag in München so eine Diskussion, in der es schließlich statt um die Commons, um das tausendfach wiederholte Für und Wider der Privatisierung ging. Natürlich ist das nach wie vor ein wichtiges Thema.

Aber Privatisierung ist eben nur eine Durchsetzungstrategie der Einhegung der Commons, wenngleich eine machtvolle. Ich halte es für mindestens ebenso wichtig, genau zu schauen, wie nationale und internationale Forschungspolitik betrieben und welche Stellschrauben zur Einhegung der Gemeingüter da bewegt werden. Zudem sollten wir unsere Energie darauf richten zu beschreiben, welches Potential in den Commons steckt.

Hier Auszüge aus dem Freitag und Neues vom Weltsozialforum. Hervorhebungen von mir:

„Unser aller Selbstbetrug, so Saramago…, bestehe darin, diese Gefährdung der Demokratie nicht sehen zu wollen. … Allzu oft versandet der Wunsch nach Mitsprache… Den Rest des Beitrags lesen »

Kurt Stübers „BioLib“

Kurt Stüber vom MPI für Züchtungsforschung in Köln hat haufenweise alte wissenschaftliche Bücher eingescannt, zum Beispiel solche von Charles Darwin, Ernst Haeckel, Gregor Mendel, Alexander von Humboldt und Jean-Baptiste de Lamarck. Seine virtuelle BioLib ist ein wunderbares Beispiel, wie ein kulturelles Gemeingut öffentlich verfügbar gemacht werden kann. Man kann nur hoffen, dass Stübers Aktivitäten öffentlich gefördert und weiter ausgeweitet werden. Eine wunderbare Ressource! Viele der Bücher sind hier auch als pdf Files zugänglich. Schade, dass die Seite durch den Satz „© Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., Munich. All rights reserved.“ geziert wird, was ja nun wahrlich nicht erforderlich wäre – oder was will die MPG hier schützen?

Für mich ist diese schöne Internetseite ein Grund mehr, die Petition von Lars Fischer Wissenschaft und Forschung – Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen zu unterstützen.

Wasser ist Gemeingut: 10 Prinzipien

Die alternative Nobelpreisträgerin Maude Barlow hat in Our Water Commons: Toward a freshwater narrative 10 Grundsätze zum Management von Wasser als Gemeingut formuliert. (s.u.) Das Papier ist noch nicht ganz rund, aber seither ist die Debatte weitergegangen. Barlows Stimme wird in der weltweiten Wasserbewegung gehört. Auch sie macht sich zunehmend für die Commons stark:

1) Wasser als Gemeingut  konzipieren und benennen
2) die Erzählung einer Erd-Demokratie stärken
3) Erhalt der Wasserressourcen durch Wasserschutzmaßnahmen und Gesetzgebung
4) Wassereinzugsgebiete als Gemeingut betrachten
5) Lokale Gemeinschaft Kontrolle über die lokalen Wasserressorucen geben
6) Wassersouveränität für die Gemeinschaften und für die Nationen
7) Wassersgerechtigkeit statt Wasserbarmherzigkeit Den Rest des Beitrags lesen »

Indische Johads: Wasser als Gemeingut

Demnächst werde ich in München zum Thema Wasser als Gemeingut diskutieren. Guter Anlaß, um das Thema Wasser auf dem Blog prominenter zu platzieren.

Im trockenen Norden von Indien ist schon seit Jahren eine Tendenz zur Wiederbelebung lokaler Wasserinitiativen beobachtbar, so der Council of Canadians in Local Control of our Water Commons.

Monsunregen einerseits, Dürre andererseits. Wie das zu händeln ist, zeigt die NGO Tarun Bharat Sangh (TBS) im ariden Rajasthan. Die Leute in den Dörfern bauen mit Unterstützung von TBS Johads. Das sind … Den Rest des Beitrags lesen »

Wem gehört der Schnee? Zum Unterschied zwischen Öffentlichen Gütern und Gemeingütern

„Fundsachen der Allmendewiese“: Manchmal macht das Blog seinem ursprünglichen Untertitel alle Ehre. Heute gefunden: „Die Entwicklung des Schnees von ‘res communis’ zum Staatsgut“ von Professor Fernández de Buján. Der spanische Rechtshistoriker hielt diesen Vortrag zum 1.  Skirechtsforum im italienischen Bormio (Dez. 05). Es ist ein Ausflug ins römische Recht, um dort Ansatzpunkte für ein einheitliches Skirecht zu suchen. Wem also gehört der Schnee? Und wie dachten die alten Römer über Gemeingüter im Unterschied zu öffentlichen Gütern?

Güter waren ursprünglich zweigeteilt, … Den Rest des Beitrags lesen »

Pro Zukunft

Das ist der Titel einer Zeitschrift, in deren jüngster Ausgabe es eine lange Rezension von „Wem gehört die Welt“ gibt. Leider kann ich den Beitrag nicht verlinken, da er nicht online ist. Aber er steht in der richtigen Zeitschrift! Die Quartalszeitschrift analysiert „Bücher zu aktuellen Zukunftsthemen.“

Besonders freut mich, dass die gewählte Übersetzung (Gemeingüter) doch gut aufzugehen scheint. Diese Erfahrung habe ich in letzter Zeit öfter gemacht. Manchmal, so scheint mir, kommt es nur darauf an, mit welcher Konsequenz und Bestimmtheit man manche Dinge sagt.
Zu Recht kritisiert der Rezensent das klassische „alle Rechte vorbehalten“ der Printausgabe. Aber immerhin haben wir ja CC für die Onlineausgabe geschafft. Und überhaupt: ES GIBT EINE KOMPLETTE ONLINEAUSGABE. Das ist derzeit noch alles andere als selbstverständlich.
Am Ende der Rezension steht: „Sich auf die dargebotene Menufolge einzulassen, ist gleichermaßen anregend wie dauerhaft erquickend … :-) :-)

Creative Commons für Abgeordnete

„In Deutschland gibt es inzwischen mehrere namhafte Beispiele einer praktischen Anwendung von CC-Lizenzen: So sind die Inhalte bei Wikipedia und Netzwelt.de mit CC-Lizenzen ausgestattet. Das Bundesarchiv stellt der Öffentlichkeit mehr als 100.000 Bilder unter einer freien CC-Lizenz zur Verfügung. Auch Fernsehsendungen wie „Elektrischer Reporter“ (ZDF) sowie „Extra 3“ und „Zapp“ (NDR) sind im Internet unter einer CC-Lizenz zu finden….“

Das erfahren die deutschen Bundestagsabgeordneten und alle jene, die es sonst noch wissen wollen, im letzten Absatz dieses Zweiseiters: Titel: Aktueller Begriff: CREATIVE COMMONS. Der Wissenschaftlichen Dienst fasst gut verständlich zusammen, worum es bei den alternativen Lizenzen geht. O-Ton: Es sei eine Idee,

die Nutzern eine höhere Transparenz und Urhebern eine bessere Ausschöpfung ihrer Rechte verspricht.“ BINGO!

Hoffen wir mal, dass es in spätestens 2 Jahren einen Zweiseiter gibt mit dem Titel: „Aktueller Begriff: Gemeingüter“. (via)

Foto: Jakob B.
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