„Wissen als Privateigentum ist absurd“ – Junge Ideen in der BpB

Aber auch eine Renaissance der Gemeingüter, der Allmende ist möglich. Nötig wäre sie allemal. In den Bereichen der digitalisierten und weltweit vernetzten Kulturen und Wissenszirkulation zeichnen sich neue, faszinierende Möglichkeiten ab, Ressourcen intelligent und effizient zu teilen und zu verteilen. Das muss nicht ohne Gewinn und private Eigentumsanteile bleiben. Aber auch hier ist noch vieles offen: …

eröffnet Thorsten Schilling das aktuelle Jugendmagazin Fluter, herausgegeben von der Bundeszentrale für Politische Bildung (BpB) zum Schwerpunkt Eigentum. Gelungenes Heft mit eigentümlichen Zahlen.

Gleich zum Anfang gibt es ein Interview mit Prof. Ulrich Steinvorth, Ko-autor unseres Manifests;; Steinvorth meint: Wissen als Privateigentum ist absurd.

Bei den Fragen geht allerdings ein bisschen was durcheinander – die Allmende wird mit dem Gemeineigentum und sogar dem Gemeinwohl in einen Topf geworfen, was in der eigenwilligen Frage gipfelt:

„Dann hat also sowohl privates Eigentum als auch Gemeinwohl einen Nachteil?“

Wie bitte? Also das mit dem Gemeinwohl sollten die Autoren korrigieren, ansonsten versteht man trotz Begriffsverwirrung die Richtung.

Fluter: Wie lange gibt es denn Privateigentum schon? So lange wie es Menschen gibt?

Steinvorth: Nein, das kann man in der Philosophie sehr schön ablesen. Der Begriff des privaten Eigentums entsteht erst in der Antike, besonders deutlich wird das bei Cicero. Cicero ist sich sehr klar darüber, dass es Privateigentum geben soll, weil das der Gesellschaft insgesamt nutzt. Aber bestimmte Ressourcen wie Grund und Boden können kein Privateigentum sein. Und die Vorstellung, dass es ein natürliches Recht auf Eigentum gibt, wird sogar explizit bei Cicero verworfen. Bei ihm heißt es: Eigentum ist immer Eigentum einer Gesellschaft.“

„Geistiges Eigentum“? Einladung zur Commonsdbatte an den Deutschen KulturRAT“

Der Deutsche KulturRAT hatte 7 Mindestanforderungen an die Kulturpolitik der neuen Koalitionäre formuliert. In dieser Pressemitteilung wurden die Forderungen mit dem existierenden Vertrag abgeglichen. Ins Auge sticht eine merkwürdige Diskrepanz in Sachen „Geistiges Eigentum“. Zunächst die Forderung:

Geistiges Eigentum: Die Debatte zur Weiterentwicklung des Urheberrechts und Stärkung des Bewusstseins für das geistige Eigentum muss konsequent und offen fortgeführt werden.“ (alle Herv. S.H.)

Und was sagt der Vertrag? Den Rest des Beitrags lesen »

„Umwelt-Auftragsmörder“ oder Kein Strand für alle

Zur Rolle des Staates in der Gemeingüterdebatte wird noch viel zu diskutieren sein. Hier anders als anderswo. Oft wird der Staat als trustee der Gemeingüter herbeigewünscht. Das scheint nicht unlogisch: Wen anders – wenn nicht demokratische Institutionen – sollte man mit der Verwaltung von Dingen beauftragen, die nicht auf lokaler Ebene in den Griff zu kriegen  sind? Küstenstreifen zum Beispiel. Hier ist Staat als trustee mitten in  Europa noch einigermaßen vorstellbar, wenngleich es nicht immer vernünftig oder effizient erscheint, an den Staat zu delegieren … . Aber anderswo ist es anders.  In ihrer Oktoberausgabe hat die ILA einen Artikel veröffentlicht, der schlagartig klar macht, warum mir das Wort Rechts-Staat beim Gedanken an Mexiko immer genau in der Mitte im Hals stecken bleibt. Den Rest des Beitrags lesen »

Jack Wolfskin und die Tatzenposse: 1:0 für uns

Jack Wolfskin lenkt ein. Vernunft siegt über Markenrecht. Das Agieren der (Internet-)communities über den Konzern! Jetzt knirscheln vermutlich nicht nur Jack Wolfskins Anwälte.

Hier die aktuelle Meldung bei Heise.

„Der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin lenkt im Streit mit Kleinhändlern um angebliche Markenrechtsverstöße ein. Das Unternehmen will seine umstrittenen Abmahnungen zurücknehmen. ‘Die zum Teil heftige Kritik unserer Kunden … nehmen wir ernst und zum Anlass, unser Vorgehen kritisch zu hinterfragen’, erklärte Geschäftsführer Manfred Hell am Freitag. Heftige Reaktionen im Internet hätten zum Einlenken geführt. … Anwaltliche Hilfe soll in Zukunft erst ein letzter Schritt sein.“ (Herv. von mir)

Großartig.

Die Posse um die Tatze hatte eine Welle der Entrüstung ausgelöst, die sich per Blogs und Twitter sowie in den klassischen Medien rasend schnell verbreitete. Auch hier auf dem Commonsblog.

Invasion des Schwachsinns

Ist es zu fassen? Anstatt endlich über sinnvolle Alternativen zu diesem Rechtsmißbrauch zu diskutieren, der die Interessen künstlicher Kulturverknapper zugunsten saftiger Gebühren und gegen die Interessen der Menschen UND Musiker schützt, prescht Frankreich vor und stellt ein neues Ministerium zur Abwehr von Raubkopierern auf die Beine??? Ich glaube, ich bin im falschen Film. (Tageschaumeldung )

Jack Wolfskin macht sich lächerlich

Es sieht so aus, dass Jack Wolfskin, obwohl erst 1981 gegründet, die Rechte an Katzenpfoten hat. Wer hätte das gedacht?! Das muss ich gleich den Alten Ägyptern, Walt Disney und dem Pinken Panther erzählen“, so ein Betroffener der jüngsten Abmahnwelle von Jack Wolfskin.

Dem wäre nichts hinzufügen, würde sich Wolfskin nicht ausgerechnet bei Walt Disney in der Nähe Gleichgesinnter befinden.

Das Denken solcher Firmenstrategen kommt mir vor wie aus einer anderen Galaxie. Und gleichzeitig scheint es mir genau unsere Chance – das „alte Denken“ macht sich mit diesem Gebahren einfach lächerlich.

Hier die ganze story mit ständigen updates, bei Netzpolitik eine kurze Zusammenfassung und hier erfahren wir warum…

die taz bestimmte Merchandising-Produkte aus Outdoor-Bereich nicht mit der taz-Tazze bedrucken oder besticken darf – auch dann nicht, wenn neben der Tatze der Schriftzug „die tageszeitung“ eine eindeutige Zuordnung erlaubt„,

Spiegel online hat recherchiert und macht klar, warum wohl so manche Hobbybastlerin demnächst auf Pferdefußmotive umsteigt, denn: Den Rest des Beitrags lesen »

„Reputation ist die Währung der Gemeingüter“ – WDR 5: Redezeit

von Tango, Fischen und Software und davon, wie wir unsere eigene Welt bauen: Eine halbe Stunde Redezeit in der WDR Redezeit: „Neugier genügt“ – mit Thomas Koch. Hier der link zum podcast.

Ich hab’ doch da tatsächlich gesagt, dass Wasser und Land die „zentralen produktiven Ressourcen von früher sind“… sind sie natürlich auch noch heute. :-)

Ach so, ja: ich bin keine Ökonomin.

Die ‘Emma’ begeistert sich für Gemeingüter

… konkreter: die größte deutsche feministische Zeitschrift begeistert sich (im Wortsinn) für Elinor Ostrom und zwar noch bevor sie den Nobelpreis gewonnen hat. Deswegen erfahren auch die Leserinnen der EMMA, dortselbst, was es mit den Gemeingütern auf sich hat.

„Die Politologin ist hoch renommiert – für etwas, was simpel scheint: Nämlich, dass die Menschen selber am besten wissen, was gut für sie ist. So oft wie sie lacht wohl kaum ein Wissenschaftler auf dieser Welt. Nicht die leiseste Spur von Müdigkeit ist der 76-jährigen Politologin anzumerken…“

Interessant übrigens, was in diesem Porträt über den Berufseinstieg von Ostrom zu lesen steht. vía.

Überhaupt: Das Thema macht Karriere in Fachzeitschriften wie … Den Rest des Beitrags lesen »

World Culture Forum: In Dresden nix Neues

In Dresden hat vom 08. bis 10. Oktober das 2. World Culture Forum stattgefunden. Herausgekommen ist dieses_Manifest. Es wurde in Rekordzeit verabschiedet. Wenn ich bedenke, wie lange wir für „unser Gemeingüter Manifest gebraucht haben…

Seis drum, warum steht das hier? Die Auseinandersetzung um Gemeingüter betrifft in mehrfacher Hinsicht die kulturelle Sphäre. Sie muss in der Gesellschaft diskutiert und entschieden werden. Dort, wo wir im Zusammenleben um die Frage ringen, was geht und was nicht. Sie muss in die Alltagskultur zurück fließen und diese prägen.

Die andere Variante wäre, alles zu verregeln, für jedes Problem Institutionen zu haben und Institutionen, die die Institutionen kontrollieren und Institutionen, die … Den Rest des Beitrags lesen »

Wirtschaftsnobelpreis für Ostrom: von den Commons zum Mond

Ich war im Funkloch. Ausgerechnet als Anfang der Woche der Wirtschaftsnobelpreis an Elinor Ostrom vergeben wurde. Kurz vor meinem  virtuellen Abtauchen noch diese Pressemitteilung und jetzt lese ich den Nachrichten hinterher.

Stefan Meretz hat auf Keimform eine vergnüglich kritische Presseschau gemacht: Ich kann – da die Begriffsverwirrung auch die Presse plagt (Allmendressourcen, Gemeingüter, Gemeineigentum, Commons oder was?)  – diesen Artikel beitragen.

Zur Ergänzung der Presseschau hier der Versuch der NZZ, Ostrom doch noch der klassischen liberalen Schule zuzuordnen. Urteil: Nicht überzeugend.

Der Spiegel online findet, die diesjährige Preisvergabe sei ein Zeichen für

eine weitere Entideologisierung des Nobelpreises und den zunehmenden Sieg von praxisrelevanter Forschung über die abstrakte Theorie.“

Stimmt! Nichts ist so unideologisch wie die Commonsdebatte. Und die Financial Times Deutschland resümiert: Den Rest des Beitrags lesen »

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