Copyright: Die Welt am Scheideweg

Ein sehr präzises Statement von Christian Engström, dem EP-Abgeordneten der Schwedischen Piraten in der Financial Times. In Sachen kultureller Wandel hat die Zeitung offenbar die Nase vor. Kann mir jemand erklären, wie das zu erklären ist?

“Was wir für unser gemeinsames kulturelles Erbe halten ist überhaupt nicht unser…. Technologien eröffnen uns neue Möglichkeiten und das Copyright schießt sie wieder ab.” …”Wenn man will, dass Leute aufhören das zu tun (zu teilen), dann muss man das Recht auf private Kommunikation beseitigen. Einen anderen Weg gibt es nicht. … Die Welt steht an einem Scheideweg.”

“Das Internet und neue Informationstechnologien sind so mächtig, dass sich – egal was wir tun – die Gesellschaft  verändern wird….

Die Technologie kann genutzt werden, um einen großen Big Brother in die Welt zu setzen – schlimmer als in unseren Alpträumen, wo Regierungen und Unternehmen jedes Detail unseres Lebens beobachten können. In der früheren DDR hat die Regierung dafür Tausende Angestellte gebraucht, die mit Schreibmaschinen, Bleistiften und Indexkarten ausgerüstet waren. Heute kann ein Computer das gleiche tun, nur eine Millionen Mal schneller – per Knopfdruck. Es gibt viele Politiker, die diesen Knopf drücken wolen.”

“Die gleiche Technologie kann aber auch für eine Gesellschaft genutzt werden, die Spontanietät, Zusammenarbeit und Diversität ins Zentrum stellt. In der die Bürger nicht länger passive Konsumenten sind, die mit Information und Kultur aus Medien gefüttert werden, die wie eine Einbahnstraße funktionieren…”. (Herv. S.H.)

Update: Und hier noch eine Reaktion von Richard Stallman auf das zentrale Argument von Engström: (mail vom 08. Juli an die a2k Liste)

“Dass es der totalen Überwachung bedarf, um die Leute am Teilen zu hindern ist ein gutes und starkes Argument, aber es sollte nicht unser Hauptargument sein.

Selbst wenn es möglich wäre, die Leute am Teilen zu hindern, ohne sie zu überwachen, durch eine Art DRM, wäre es immer noch falsch, das zu tun. Nicht wegen der sekundären Folgen, sondern weil das Ziel falsch ist. Teilen ist gut!”


6 Gedanken zu “Copyright: Die Welt am Scheideweg

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  2. Scheideweg ist in Ordnung, wenn Du ‘crossroads’ übersetzen willst. (Ich bin ja immer ganz froh, wenn wir auch noch Worte aus dem 19. Jhd verwenden dürfen :-)
    ‘digital choice’ finde ich im englischen ohne Kontext ziemlich unverständlich. Es klingt wie “mit dem Finger wählen”. Aber was?

  3. In Sachen kultureller Wandel hat die Zeitung offenbar die Nase vor. Kann mir jemand erklären, wie das zu erklären ist?

    Es ist ein Finanzblatt. Wirtschaftsakteure und Anleger lesen es, um über Entwicklungen im Markt informiert zu sein. Es ist vermutlich auch den anderen Zeitungen bekannt, dass sich die Situation im Bereich “geitiges Eigentum” dramatisch ändern wird bzw. sich schon geändert hat. Nur die Leser der Financial Times sind erstens cleverer und zweitens wären sie vermutlich sauer auf die FT, wenn sie vollkommen in die Irre geführt werden, wie es andere Zeitungen mit ihren Lesern machen.

    Davon abgesehen ist es aber so, dass eine “Einschränkung” des Copyrights bzw. des Urheberrechts nicht per se dem Finanzmarkt schaden muss. Je nachdem was für Änderungen umgesetzt werden, könnte es Großkonzernen in diesem Bereich sogar nützen. Teilweise wird (auch in der Piratenpartei) eine Verkürzung von Copyrights auf 15 Jahre gefordert. Dieser Wert ist nicht (wie es z.B. in Deutschland üblich ist) an der Lebensspanne des Urhebers orientiert sondern an der von irgendeinem Harvard-Heini ausgerechneten optimalen finanziellen Verwertbarkeit des Werkes. Das wäre meines Erachtens nach sehr sehr schlimm, denn ein “kleiner” Urheber dürfte es extrem schwer haben, innerhalb 15 Jahren ein Werk zu vermarkten, besonders wenn er es gar nicht zum Vermarkten erstellt hat sondern aus Schaffensdrang, aus Liebe oder sonstwelchen nicht gewinnorientierten Gründen. Ein Großkonzern hätte aber sehr wohl die Möglichkeit, innerhalb 15 Jahren aus einer Produktion Gewinn zu schlagen. ZUSÄTZLICH könnten die Großkonzerne dann die Werke der Künstler vermarkten, die das innerhalb der 15 Jahre nicht geschafft haben.

    Daher plädiere ich dafür, entweder nur die PRIVATE Vervielfältigung zu legalisieren und die kommerzielle Vermarktung von Nutzungsrechten auf maximal die Lebensspanne des Urhebers PLUS 15 Jahre zu verringern. Oder aber Nutzungsrechte ganz abzuschaffen. Mehr dazu hier: http://www.musikdieb.de/?p=521

    Ich schätze, die FT ist sich dieser Thematik bewusst. Wenn erst einmal bei der Bevölkerung angekommen ist, dass “geistiges Eigentum” eine der Ursachen für viele Fehlentwicklungen geht, dann wird diese Diskussion in die zweite Runde gehen und dann wird die FT wie ich vermute für diese 15-Jahres-Regelung Stellung beziehen. Noch ziehen Stallmann, Engström und die FT am selben Strang. Wenn die Diskussion in’s Detail geht, werden sich die Fronten vermutlich klären.

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