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	<title>Kommentare zu: Der große Tisch: ein &#8222;eminent politischer Gegenstand&#8220;</title>
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	<description>Fundsachen von der Allmendewiese</description>
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		<title>Von: Julio Lambing</title>
		<link>http://commonsblog.wordpress.com/2009/07/07/der-grose-tisch-ein-eminent-politischer-gegenstand/#comment-1956</link>
		<dc:creator>Julio Lambing</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jul 2009 15:18:05 +0000</pubDate>
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		<description>Die grünalternative Bewegung hatte an ihren Ursprüngen auch einen Gemeinschaftsbezug. Eine Vielzahl von Projekten startete in den 70er und 80er Jahren mit dem expliziten Gedanken, neue Formen menschlichen Zusammenlebens, _selbstgewählte Bindung_ in Kommunen und Gemeinschaftsbewegung aufzubauen. Er beinhaltete unter anderem eine sanftere Art des Aushandelns von Konflikten. 

Heute gibt es eine Vielfalt an alternativen Gemeinschaften, gerade im ländlichen Bereich. Auch wenn sie sozial etwas neues und selbstgewählte, intendierte Gemeinschaften sind, haben sie einen konservativen Kern: 

Die meisten haben durch Alte, Kinder, sozial Schwache, Nachbarschaft und lokale Gemeinde gelernt, dass es neben selbstgewählten Bindungen auch Netze wechselseitiger Abhängigkeit gibt, die gepflegt werden müssen, wenn menschliches Leben gedeihen soll. Sie haben also gelernt, dass Bindungen auch auf uns kommen können und von uns nicht immer ausgesucht werden können, wenn mensch in einer Gemeinschaft glücklich leben will. Der freilich aus einer ganz anderen Richtung herkommende angloamerikanische Kommunitarismus zog diese Lehre bereits vor 20 Jahren aus seiner Analyse des  kleinstädtischen Lebens.

Die in städtischen Milieus sozialisierte und in formalisierten politischen Prozessen abgehärtete grüne (Partei-/NGO-)elite verlor in den 90ern den Bezug zu diesem Milieu, seinen Inhalten und seinem Ethos. Viele von ihnen haben keine oder nur ausgesprochen geringe Erfahrung mit einem Leben jenseits von Kleinfamilie, sozialer Atomisierung und dem Mainstream-Lebensstil der Allgemeinheit. Gemeinschaft heisst dann schnell PolPot, rrrrVolksgemeinschaft, schwäbisch-bigotter Dorfterror. (Bei der deutschen Linken wird dann absurderweise ein marxistisches Aristoteliker und Gemeinschaftstheoretiker wie Alasdair McInytre zum nationalkonservativen Stahlhelm deklariert.) Oder die neuen Gemeinschaften sind weltfremde Aussteiger, Weicheier, die durch die komplexe moderne Welt überfordert sind und Heil und Wärme im Gruppenidyll suchen.

Die Gemeinschaften wiederum beklagen die Härte, Abgebrühtheit und den auf formale Prozedere und Regeln basierende Umgangsstil der grünen Politikprofis, der soweit weg ist von ihrem eigenem Ethos. Entsprechend wenig fühlt sich ein Teil des sogenannten kulturkreativen Milieus von den Grünen u.ä. noch repräsentiert. (Man bemüht sich wie andere enttäuschte Gruppen auch eigene Strukturen aufzubauen.) 

Dabei haben sie etwas, von dem eine Politik zum Schutz von Gemeingütern viel lernen kann: Jenseits von Regeln und Gesetzen einen Lebensstil, eine verläßlich Kultur zu entwickeln, der Gemeingüter pflegt und schützt. Denn Gemeingüter sind nur dann kein Niemandsland, wenn sie von einer realen menschlichen Gruppe gepflegt werden. Bei einer Vielzahl (nicht bei allen) wird das nur über lokale Gemeinschaften gehen, ob neu oder alt.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Die grünalternative Bewegung hatte an ihren Ursprüngen auch einen Gemeinschaftsbezug. Eine Vielzahl von Projekten startete in den 70er und 80er Jahren mit dem expliziten Gedanken, neue Formen menschlichen Zusammenlebens, _selbstgewählte Bindung_ in Kommunen und Gemeinschaftsbewegung aufzubauen. Er beinhaltete unter anderem eine sanftere Art des Aushandelns von Konflikten. </p>
<p>Heute gibt es eine Vielfalt an alternativen Gemeinschaften, gerade im ländlichen Bereich. Auch wenn sie sozial etwas neues und selbstgewählte, intendierte Gemeinschaften sind, haben sie einen konservativen Kern: </p>
<p>Die meisten haben durch Alte, Kinder, sozial Schwache, Nachbarschaft und lokale Gemeinde gelernt, dass es neben selbstgewählten Bindungen auch Netze wechselseitiger Abhängigkeit gibt, die gepflegt werden müssen, wenn menschliches Leben gedeihen soll. Sie haben also gelernt, dass Bindungen auch auf uns kommen können und von uns nicht immer ausgesucht werden können, wenn mensch in einer Gemeinschaft glücklich leben will. Der freilich aus einer ganz anderen Richtung herkommende angloamerikanische Kommunitarismus zog diese Lehre bereits vor 20 Jahren aus seiner Analyse des  kleinstädtischen Lebens.</p>
<p>Die in städtischen Milieus sozialisierte und in formalisierten politischen Prozessen abgehärtete grüne (Partei-/NGO-)elite verlor in den 90ern den Bezug zu diesem Milieu, seinen Inhalten und seinem Ethos. Viele von ihnen haben keine oder nur ausgesprochen geringe Erfahrung mit einem Leben jenseits von Kleinfamilie, sozialer Atomisierung und dem Mainstream-Lebensstil der Allgemeinheit. Gemeinschaft heisst dann schnell PolPot, rrrrVolksgemeinschaft, schwäbisch-bigotter Dorfterror. (Bei der deutschen Linken wird dann absurderweise ein marxistisches Aristoteliker und Gemeinschaftstheoretiker wie Alasdair McInytre zum nationalkonservativen Stahlhelm deklariert.) Oder die neuen Gemeinschaften sind weltfremde Aussteiger, Weicheier, die durch die komplexe moderne Welt überfordert sind und Heil und Wärme im Gruppenidyll suchen.</p>
<p>Die Gemeinschaften wiederum beklagen die Härte, Abgebrühtheit und den auf formale Prozedere und Regeln basierende Umgangsstil der grünen Politikprofis, der soweit weg ist von ihrem eigenem Ethos. Entsprechend wenig fühlt sich ein Teil des sogenannten kulturkreativen Milieus von den Grünen u.ä. noch repräsentiert. (Man bemüht sich wie andere enttäuschte Gruppen auch eigene Strukturen aufzubauen.) </p>
<p>Dabei haben sie etwas, von dem eine Politik zum Schutz von Gemeingütern viel lernen kann: Jenseits von Regeln und Gesetzen einen Lebensstil, eine verläßlich Kultur zu entwickeln, der Gemeingüter pflegt und schützt. Denn Gemeingüter sind nur dann kein Niemandsland, wenn sie von einer realen menschlichen Gruppe gepflegt werden. Bei einer Vielzahl (nicht bei allen) wird das nur über lokale Gemeinschaften gehen, ob neu oder alt.</p>
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		<title>Von: Silke Helfrich</title>
		<link>http://commonsblog.wordpress.com/2009/07/07/der-grose-tisch-ein-eminent-politischer-gegenstand/#comment-1908</link>
		<dc:creator>Silke Helfrich</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jul 2009 08:24:09 +0000</pubDate>
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		<description>Bindung als normativer Begriff? Auf sowas komme ich gar nicht. In welchem Diskurs wird das so gebraucht? Ich falle ja immer aus allen Wolken, wenn solche Befürchtungen aktiviert werden, wenn ich Begriffe nutze, die ich völlig anders assoziiere. Bindungstheorie ist Psychoanalyse... sie lehrt uns, dass wir um Bindung nicht drumrum kommen, dass wir sie zum Leben brauchen, dass wir sie selbst herstellen und beeinflussen können.  
Vielleicht wird es klarer, wenn man das Verb benutzt: Nicht &quot;jemanden oder etwas binden&quot;, sondern &quot;sich binden&quot; - reflexiv. Ich bin das Subjekt.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Bindung als normativer Begriff? Auf sowas komme ich gar nicht. In welchem Diskurs wird das so gebraucht? Ich falle ja immer aus allen Wolken, wenn solche Befürchtungen aktiviert werden, wenn ich Begriffe nutze, die ich völlig anders assoziiere. Bindungstheorie ist Psychoanalyse&#8230; sie lehrt uns, dass wir um Bindung nicht drumrum kommen, dass wir sie zum Leben brauchen, dass wir sie selbst herstellen und beeinflussen können.<br />
Vielleicht wird es klarer, wenn man das Verb benutzt: Nicht &#8222;jemanden oder etwas binden&#8220;, sondern &#8222;sich binden&#8220; &#8211; reflexiv. Ich bin das Subjekt.</p>
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	<item>
		<title>Von: StefanMz</title>
		<link>http://commonsblog.wordpress.com/2009/07/07/der-grose-tisch-ein-eminent-politischer-gegenstand/#comment-1899</link>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 08:10:42 +0000</pubDate>
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		<description>Auch hier scheint es mir wieder sehr wichtig zu sein, zwischen normativem und analytischem Begriff zu unterscheiden. »Bindung« verstanden als Resultat des Commoning (der Praxis der Gemeinschaft) kann nicht in Frage gestellt oder kritisiert werden -- vorausgesetzt, die Analyse stimmt (was aber noch zu zeigen wäre). Was anderes ist es, wenn ich »Bindung« als Vorgabe setze, die eine Person oder eine Gemeinschaft normativ zu erbringen habe. Dann höre ich sofort »Bindung« als »Fesselung«.

Wenn die Aussage »Bindung ist die innere Konsequenz der Freiheit« zu treffen soll, dann muss sie allerdings noch weiter begründet werden. Warum ist das so? »Neigung zur Anteilnahme« oder »Prädisposition« finde ich nicht überzeugend. So schleicht sich auch hier der Verdacht ein, das &lt;em&gt;solle&lt;/em&gt; so sein, ist es aber nicht notwendiger Weise.

Den Begriff »Beziehung« finde ich deswegen auch besser: Da ist von vornherein klar, dass der nicht normativ gemeint sein kann, denn »Beziehung« ist überall. So wäre es dann nötig, die Art der Beziehung zu benennen, etwa als »verläßliche Beziehung«, »dauerhaftes Beziehungsnetzwerk« etc.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Auch hier scheint es mir wieder sehr wichtig zu sein, zwischen normativem und analytischem Begriff zu unterscheiden. »Bindung« verstanden als Resultat des Commoning (der Praxis der Gemeinschaft) kann nicht in Frage gestellt oder kritisiert werden &#8212; vorausgesetzt, die Analyse stimmt (was aber noch zu zeigen wäre). Was anderes ist es, wenn ich »Bindung« als Vorgabe setze, die eine Person oder eine Gemeinschaft normativ zu erbringen habe. Dann höre ich sofort »Bindung« als »Fesselung«.</p>
<p>Wenn die Aussage »Bindung ist die innere Konsequenz der Freiheit« zu treffen soll, dann muss sie allerdings noch weiter begründet werden. Warum ist das so? »Neigung zur Anteilnahme« oder »Prädisposition« finde ich nicht überzeugend. So schleicht sich auch hier der Verdacht ein, das <em>solle</em> so sein, ist es aber nicht notwendiger Weise.</p>
<p>Den Begriff »Beziehung« finde ich deswegen auch besser: Da ist von vornherein klar, dass der nicht normativ gemeint sein kann, denn »Beziehung« ist überall. So wäre es dann nötig, die Art der Beziehung zu benennen, etwa als »verläßliche Beziehung«, »dauerhaftes Beziehungsnetzwerk« etc.</p>
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	<item>
		<title>Von: Silke Helfrich</title>
		<link>http://commonsblog.wordpress.com/2009/07/07/der-grose-tisch-ein-eminent-politischer-gegenstand/#comment-1898</link>
		<dc:creator>Silke Helfrich</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 06:59:28 +0000</pubDate>
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		<description>Die Konnotation &quot;gegen den Willen&quot; höre ich bei diesem Begriff gar nicht mit, worin liegt die? Es sei denn Du meinst damit diese Prädisposition der Menschen, sich zu binden (sozusagen als Überlebensstrategie) und dass jeder Mensch eine ganze Menge Verwerfungen und Kaputtmachendes erträgt, um Bindungen zu erhalten .., 
Bindung (ich hätte auch Beziehung sagen können,  dann wäre das Urteil aber ähnlich ausgefallen) ist doch nichts anderes als einer der Indikatoren für die Attraktivität einer Gemeinschaft.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Die Konnotation &#8222;gegen den Willen&#8220; höre ich bei diesem Begriff gar nicht mit, worin liegt die? Es sei denn Du meinst damit diese Prädisposition der Menschen, sich zu binden (sozusagen als Überlebensstrategie) und dass jeder Mensch eine ganze Menge Verwerfungen und Kaputtmachendes erträgt, um Bindungen zu erhalten ..,<br />
Bindung (ich hätte auch Beziehung sagen können,  dann wäre das Urteil aber ähnlich ausgefallen) ist doch nichts anderes als einer der Indikatoren für die Attraktivität einer Gemeinschaft.</p>
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		<title>Von: Franz Nahrada</title>
		<link>http://commonsblog.wordpress.com/2009/07/07/der-grose-tisch-ein-eminent-politischer-gegenstand/#comment-1897</link>
		<dc:creator>Franz Nahrada</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 05:37:08 +0000</pubDate>
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		<description>Es ist eine Gestaltungsaufgabe von Gesellschaft, beiden Seiten gerecht zu werden: der Gemeinschaft, die dem Individuum Strukturen gibt, in denen es sich entfalten kann (das Wort Bindung scheint mir tatsächlich sehr unglücklich gewählt weil es eben diese Konnotation &quot;gegen den Willen&quot; hat) und dem Individuum als autonomen - nein nicht Subjekt aber stets lebendigen Beurteilungs- und Korrekturfaktor. Wäre die Bindung zu stark, könnte Freiheit wiederum nicht existieren, denn diese existiert immer nur in der Alternative, und je stärker die Alternativen und auch die Gestaltungsmöglichkeiten sind, umso stärker muss die Attraktivität der Gemeinschaft sein, um bestehen zu können. Das halte ich für einen durchaus positiven circulus virtuosus, in den wir sozusagen &quot;hineingeraten müssen&quot;.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist eine Gestaltungsaufgabe von Gesellschaft, beiden Seiten gerecht zu werden: der Gemeinschaft, die dem Individuum Strukturen gibt, in denen es sich entfalten kann (das Wort Bindung scheint mir tatsächlich sehr unglücklich gewählt weil es eben diese Konnotation &#8222;gegen den Willen&#8220; hat) und dem Individuum als autonomen &#8211; nein nicht Subjekt aber stets lebendigen Beurteilungs- und Korrekturfaktor. Wäre die Bindung zu stark, könnte Freiheit wiederum nicht existieren, denn diese existiert immer nur in der Alternative, und je stärker die Alternativen und auch die Gestaltungsmöglichkeiten sind, umso stärker muss die Attraktivität der Gemeinschaft sein, um bestehen zu können. Das halte ich für einen durchaus positiven circulus virtuosus, in den wir sozusagen &#8222;hineingeraten müssen&#8220;.</p>
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