Saatgut ist Software

San Cristóbal de las Casas, 13. Juli 2009: Ich steige in den Pick-up ein, der mich zum Schnellbus nach Tuxtla Guttiérez bringt. „Wie so ein Tag vergeht“, sage ich. Mein Aufenthalt in San Cristóbal währte gerade einmal 20 Stunden. Meine Gastgeberin, die Chiapanekin Ana Valadez,  wallendes, tiefschwarzes Haar und kämpferische Ausstrahlung, antwortet:

„Tja, an nur einem einzigen Tag, kann man eine ganze Diskussion auf den Kopf stellen.“ Den Rest des Beitrags lesen »

Onlinepetition gegen Gewässerprivatisierung: JETZT!

Ich bin gerade in El Salvador. Hier kann man gut studieren, was passiert, wenn man sich weigert, etwas als Gemeingut wahrzunehmen. Beispiel: der Zugang zu Gewässern im Däumling Lateinamerikas. Wer zum Strand fährt, sieht statt des Meeres Mauern. Alles zugepflastert. Privateigentum. Kein Platz für die Allgemeinheit. Der Zugang zum Meer oder zum wundervollen Lago de Coatepeque kostet Geld (indem man sich in ein Hotel einmietet oder in einem Restaurant speist) oder wird auf die weniger attraktiven Orte verdrängt. (Mehr hier.) Ähnlich sieht es am Ilopango aus.
Auch in Deutschland steht die Privatisierung der Gewässer auf der Tagesordnung. Dagegen gibt es Widerstand, doch einer Internetpetition gegen das Voranschreiten derselben droht noch diese Woche das Scheitern.

„Vier Tage vor Ablauf der Unterschriftenfrist für den Aufruf an den Bundestag hätten sich erst gut 5.400 Unterstützer eingetragen,… Den Rest des Beitrags lesen »

Das Geheimnis der Commons

oder: Wissenschaftscommons: Jenseits von Open Access

Das Netz funktioniere für Pornos, den Kauf von Schuhen und Büchern, nicht aber für die Wissenschaft, sagt der us-amerikanische Jurist James Boyle.

In diesem Video beschreibt James Boyle Sciene Commons als einen Versuch, ein enormes Gemeingut an wissenschaftlichem Wissen zu schaffen. Und zwar durch ein semantisches Netz„, in dem der Computer Daten, Informationen und Fakten zusammen trägt, … Den Rest des Beitrags lesen »

Kommt ZEIT kommt Rat

Eine schöne Rezension von Wem gehört die Welt ist jetzt in der ZEIT erschienen.  Was mir an Christiane Grefes Ausführungen besonders gefällt sind die Gedanken zur Rolle der Parlamente, der Ruf nach selbstkritischen Einblicken in real existierende Commons und die Idee, dass CDU und SPD gleichermaßen über eine Revitalisierung ihrer Commons nachdenken könnten. Warum die Liberalen (vom bunten Spektrum der Linken ganz zu schweigen) hier allerdings außen vor bleiben sollten, bleibt mir vorläufig unklar.

Silke jedenfalls, die zur ZEIT mit einer unbegreiflichen Energie durch Mittelamerika geistert um die spanische Ausgabe vorzustellen, darf sich über die Resonanz zurecht freuen. Mit der politischen Wirksamkeit kommt der Gegenwind, da kann ein bisschen Rückenwind nicht schaden.

Luft: Verkauf Dich nicht

Ode an die Luft
von Pablo Neruda (1904-1973)

Auf einem
Wege wandernd,
traf ich die Luft,
ich grüßte sie und sprach zu ihr
voll Ehrerbietung:

ich weiß nicht, wer du bist, aber
um etwas bitt ich dich,
verkaufe dich nicht.
Das Wasser
hat sich verkauft,
und in den Rohren
in der Wüste
sah ich die Tropfen
versiegen

Nein, Luft,
verkaufe dich nicht,
auf daß sie dich nicht kanalisieren,
auf daß sie dich nicht in Leitungen zwängen,
auf daß sie dich nicht in Kisten packen
noch zusammenpressen,
auf daß sie dich nicht zu Tabletten verarbeiten
und in eine Flasche tun,
gib acht!
Ruf mich
zu Hilfe,
wenn du mich brauchst …

Komplett zu finden hier.

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Commons zwischen Kuhglocken und Alphörnern

Eigentlich sehe ich selten in die Ferne, aber gestern musste ich mir (ob dieser Fernsicht) die Augen reiben. Mitten in der Nacht im Fernsehsender Phoenix ein Bericht über Artenvielfalt, Dialekt- und Sprachenvielfalt und vieles mehr: Messners Alpen! Muss man gesehen haben. Das macht richtig Lust auf mehr. Nach Sepp Holzers Ausführungen zur Permakultur auf dem Krameterhof bin ich jedenfalls trotz der späten Sendezeit sofort raus und habe versucht im Mondschein ein Gemüsebeet anzulegen.

Es gibt noch zwei Sendetermine, wenn ich das richtig verstehe: Do, 23.07.09, 01.45 Uhr und Mi, 29.07.09, 01.30 Uhr.

Unterwegs…

Ab morgen unterwegs, Buchvorstellungen in San Cristóbal de las Casas, México D.F. und San Salvador, wo der neue Umweltminister sich die Ehre gibt, unseren spanischsprachigen Sammelband zu Gemeingütern zu kommentieren.

Hoffe, ich komme dazu, das ein oder andere zu bloggen.

Wenn nicht, dann wird es hier bis Anfang August etwas ruhiger.

Gemeingüterliste eingerichtet

Es gibt von nun an eine offene e-mail Liste zum Thema Gemeingüter, in die sich jede/r eintragen kann. Es werden vorwiegend deutsch- und englischsprachige Infos gepostet. Hier der Link. Schreibt Euch ein, sagt’s weiter und tragt dazu bei, dass möglichst informative Sachen auf der Liste verbreitet werden.

http://lists.wissensallmende.de/mailman/listinfo/gemeingueter

Auch die wichtigen Commonsevents werden in Zukunft dort bekannt gegeben. Bei Fragen: mail an den Commonsblog.

Copyright: Die Welt am Scheideweg

Ein sehr präzises Statement von Christian Engström, dem EP-Abgeordneten der Schwedischen Piraten in der Financial Times. In Sachen kultureller Wandel hat die Zeitung offenbar die Nase vor. Kann mir jemand erklären, wie das zu erklären ist?

„Was wir für unser gemeinsames kulturelles Erbe halten ist überhaupt nicht unser…. Technologien eröffnen uns neue Möglichkeiten und das Copyright schießt sie wieder ab.“ …“Wenn man will, dass Leute aufhören das zu tun (zu teilen), dann muss man das Recht auf private Kommunikation beseitigen. Einen anderen Weg gibt es nicht. … Die Welt steht an einem Scheideweg.“ Den Rest des Beitrags lesen »

Streiten für Gemeingüter: Jetzt!

AllmendesalonEs ist ein Manifest entstanden. Die Autorinnen und Autoren wollen einen  Begriff stark machen und „den Gemeingütern eine Stimme geben“. Ob dies gelingt, wird die öffentliche Reaktion auf dieses Papier zeigen: Gemeingueter stärken. Jetzt!

Ein Vierseiter, der den Einsatz für Umwelt und Freie Software, für lebendige Stadteile und kulturelle Vielfalt zusammen denkt, als neue gesellschaftliche Bewegung.

Es geht um die großen Gerechtigkeitsfragen unserer Zeit. Niemand darf den Gemeingütern mehr entnehmen, als er an sie zurück gibt. Das gilt für Marktteilnehmer wie für den Staat. Wer die Gemeingüter füllt, anstatt nur aus ihnen zu schöpfen, verdient Prestige und gesellschaftliche Anerkennung. Das Handeln der Wirtschaft, des Staates und des einzelnen Menschen den Gemeingütern zu verpflichten, muss zur Grundlage wirtschaftlichen, politischen und persönlichen Erfolgs werden.“

Das Dokument ist Ergebnis eines in dieser Form in Deutschland einzigartigen, interdisziplinären Dialogs zu Gemeingütern. Es entstand im  Politischen Salon „Zeit für Allmende“ 2008/2009. Die großen Themen:

  • Wie die Krise das Netz unserer Gemeingüter sichtbar macht
  • Was Gemeingüter ausmacht und warum sie wesentlich sind
  • Es gibt etwas Neues. Eine gesellschaftliche Bewegung
  • Weder Niemandsland noch schrankenloses Eigentum
  • Für eine Gesellschaft, in der Gemeingüter gedeihen

Streiten Sie mit uns oder werden Sie zum Mitstreiter, für eine Gesellschaft, in der…

„Sich der Gemeingüter besinnen heißt: unsere Lebensbedingungen bewusst zu machen und auf allen Ebenen zu erforschen, wieviel Produktivität und Reichtum wir aus den Gemeingütern schöpfen. Es erfordert ein grundständiges Nachdenken über die Verfasstheit der Gesellschaft. Es heißt, in Freiheit und selbstbestimmt unseren gemeinschaftlichen Reichtum nutzen, teilen und mehren.“

Verlinken, Kommentieren und Kritisieren, Weiterverbreiten und Weiterentwickeln des Textes ist ausdrücklich erwünscht. Dringlicher aber ist eine Praxis, in der Gemeingüter nicht schwinden, sondern in aller Vielfalt immer wieder neu entstehen. Make commons work for people.

foto: Copyright, Heinrich-Böll-Stiftung
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