Ein Millionenversprechen für die Menschheit

Heute habe ich die letzten Stunden der  2. ARENA DER NACHHALTIGKEIT mitbekommen. Eine bemerkenswerte Veranstaltung für ökologisch orientierte Mittelständler und Familienunternehmen an einem bemerkenswerten thüringischen Veranstaltungsort, dem Bio-Seehotel Zeulenroda. Rund um das Hotel sieht die Welt aus wie verwelkte Landschaften eben aussehen. Landschaften, in denen nur Bäume und Blumen blühen, nicht aber das Leben, nicht die sozialen Räume, nicht die Commons.

Interessant der Vortrag von Prof. Peter Kruse von next practice. Nur die Themen funktionieren (medial und viral), die auf Resonanz treffen. Commons ist solche ein Thema. Es erzeugt Schwingungen, denn alle sind vielfach mit allen möglichen Commons verbunden. Deswegen gibt es auch immer „Andockpunkte” und Begeisterung.

Die Abschlussrede hält Fritjof Finkbeiner (Gründungsstifter der Stiftung Weltvertrag und Mitglied des Club of Rome). Finkbeiner hat die deutsche Global Marshall Plan Initiative gegründet und 2008 eine Coalition for the Global Commons initiiert. Im September 2009 wird das erste World Commons Forum in Salzburg stattfinden. Es soll Vertreter von Zivilgesellschaft, Unternehmen, Kommunikationsexperten und vor allem Kinder und Jugendliche zusammen zu bringen.

„Wir brauchen den öffentlichen Diskurs über Nachhaltigkeit, denn die Bürger müssen noch einmal entscheiden in welcher Zukunft sie leben möchten.”, sagt Finkbeiner.

Wir brauchen den öffentlichen Diskurs über ALLE Gemeingüter, um genau dasselbe zu tun.
Finkbeiner ist ein Weltbürger und deswegen glaubt er an die Möglichkeit, „kollektive Intelligenz zu einem globalen Bewusstein zu bündeln”, immerhin gäbe es eine gemeinsame Wertebasis aller großen Religionen dieser Welt:  Die Erhaltung der Schöpfung und die Würde des Menschen!
Dem folgt ein Negativbeispiel auf dem Fuss: Mehrere Länder haben inzwischen am Nordpol ihre Fahnen in den Meeresgrund  gerammt und keiner schreit auf: „Der Nordpol ist unser! Hände weg!” Wo sind sie, die Weltbürger? (siehe auch hier)

Sympathisch ist der Akzent auf dem Thema „Kommunikation” (liegt es daran, dass jetzt  das Buch unter die Leute gebracht werden soll?)

Es komme auf das „framing” an. Darauf, das Richtige richtig zu kommunizieren. So ist es ein Unterschied, ob ich death tax sage oder Erbschaftssteuer. Ob ich mich als NGO begreife und damit die Idee des Mitregieren aufgebe oder nicht.
Dann gibt er ab an seinen Sohn. Felix Finkbeiner, 11 Jahre alt. Felix beginnt seine Rede so:

„Wir Kinder wollen uns bedanken, dass Ihr Euch 3 Tage lang mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt habt. Denn Ihr lebt vielleicht noch 40 Jahre, wir noch 80. Ihr kriegt noch rechtzeitig die Kurve, aber wir müssen das jetzige Handeln oder Nichthandeln ausbaden.”

Und dann hält er einen eindrucksvollen Vortrag über Klimawandel  – ein 11 Jähriger vor lauter UnternehmerInnen und Professoren! Klare Botschaft, klare Sprache, rhetorisch geschickt.

Wangari Maathai hätte in ihrem Leben dafür gesorgt, dass 30 Millionen Bäume gepflanzt wurden. Da habe er sich gedacht: Wenn die das kann, dann können wir 1 Millionen Bäume Pflanzen. Ein Millionenversprechen für die Menschheit

Das Beste: Felix Finkbeiner argumentiert politisch:

„Wir Schüler pflanzen nicht Bäume, weil wir später mal Förster werden wollen, sondern wir tun das, um uns zu beteiligen. Ich rede auch nicht über’s Bäumepflanzen, sondern ich rede über Klimagerechtigkeit.” „Ich habe da auch schon mit Al Gore und Sigmar Gabriel drüber geredet, und einen Vortrag im EU-Parlament in Brüssel gehalten.”

Das Publikum hält inne.
Dann erklärt uns Felix die Vision 2050 des World Business Council for Sustainable Development. Er habe die Kernelemente so verstanden:
1. das Limbodancing – man geht unter einer bestimmten Grenze durch (Die Grenze ist der cap.)
2. hire the bar –  das ist sowas wie Kompensation (z.B. Bäumepflanzen für mehr Emissionsrechte)
3. leap-frogging, dh. in den Ländern des Südens nicht vom Fahrrad zum Auto sondern direkt ins Solarzeitalter

Was mich an all dem überzeugt, sind zwei Punkte: Einerseits die Kommunikationsstrategie – wertebasiert, praxisorientiert, viele Ich-Botschaften, greifbar und ergreifend. Andererseits, dass diese Kommunikationstrategie vom Interesse und den Ideen der wichtigsten Akteure in dieser ganzen Debatte ausgeht, den Kindern. Den commoners von morgen.

Wenn es stimmt, wie Kruse sagt, dass sich in den ersten 18 Lebensjahren die Werte gewissermaßen ins limbische System einschreiben und es danach nur noch zwei Möglichkeiten gibt, den Zustand des limbischen Systems zu ändern – (die Krise oder der Zustand der Verliebtheit – “beides nah beieinander”), dann folgt daraus, dass das Thema Commons/ Gemeingüter in die Schulen gehört. Ähnlich wie „Globales Lernen” oder „Medienkunde”. Dann müssen wir die zentralen Werte der Commons – Respekt vor dem Leben, Nachhaltigkeit, Gegenseitigkeit, Freiheit, Solidarität, Fairness  – vor allem mit den Kindern diskutieren.

Wir müssen Orte, Materialien und eine Sprache finden, die an jenen Commons ansetzen, die die Kinder aus ihrem Alltag kennen, und um die sie sich Sorgen machen.
„Was können wir tun, um Euch zu unterstützen?”, fragt am Ende eine Unternehmerin: „Einfach ein Loch graben, Baum rein und dann wieder zu!”, antwortet Felix.  Es gibt stehende Ovationen!

About these ads

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s