Commons sind gelebte Praxis

Eine der 2400 (sic!) Veranstaltungen des Weltsozialforums war die Vorstellung des spanischsprachigen Commonssammelbandes. Mir ist ein Rätsel wie die Leute in dieser Schwüle 3-stündige Präsentationen und Diskussionen aushalten.

Ulrich Brand hat während der Buchvorstellung eine Einordnung der Commonsdebatte in die politisch-strategischen Optionen der Gegenwart, also des Post-Neoliberalismus, vorgenommen.

Die Politische Ökonomie der Commons sei die Politische Ökonomie des Widerstands und der Alternativen, denn in der Gemeingüterdiskussion geht es grundsätzlich um die Wiederherstellung nicht marktvermittelter Sozialbeziehungen.

Es gibt, so Brand, vier post-neoliberale Strategien: Den Rest des Beitrags lesen »

Freies Pflanzgut – Bohnen für alle!

Das Beste am Weltsozialforum sind die Leute, die man zwischen den Veranstaltungen trifft.

Ich kam gestern aus meiner Buchvorstellung und begegnete Wolfgang Hees. Der kennt sich nicht nur in Brasilien ziemlich gut aus, sondern auch in der Entwicklungspolitik und in der Landwirtschaft. Ich erzähle von den Commons und ziehe das Buch aus der Tasche. Allmende gibt es bekanntlich in Süddeutschland noch. Hees kommt aus Süddeutschland – die Diskussion ist ihm vertraut und ein aktuelles Beispiel hat er auch:

Unsere Bohne“, sagt Wolfgang Hees. Gemeint ist Böhnkes Speckbohne. … Den Rest des Beitrags lesen »

Zukunftsmarkt Meeresdüngung – Polarstern fährt weiter

Nein, es ist nicht normal, dass ein Ministerium das andere öffentlich kritisiert. Doch das öffentliche Bedauern des BMU über eine Entscheidung des BMBF hätte deutlicher kaum ausfallen können. Die Fahrt der Polarstern zum größten Eisendüngungsexperiment auf offener See wird NICHT gestoppt. LOHAFEX heißt die Operation, zu der ich bereits hier, hier, hier und hier gebloggt habe.

Eine ausführliche aktuelle Darstellung bei heise. Daraus geht hervor, dass das beauftragte Forschungsinstitut selbst (AWI) – nicht etwa eine unabhängige Instanz – mit seinen Gutachten das BMBF überzeugen konnte. Ich bin immer wieder verblüfft, wie Wissenschaftler sich hinter dem Argument der „Wissenschaftlichkeit“ der Debatte um Zweck und Missbrauchspotentials ihres Tuns entziehen.

Das BMU teilt dazu mit:

„Unsere Vorbehalte gegen LOHAFEX bestehen fort, solange nicht …abschließend geklärt ist, ob dieses Projekt mit den Beschlüssen der 9. Vertragsstaatenkonferenz zum Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (CBD) vereinbar ist. Aus Sicht des BMU ist dies nicht der Fall, da die Versuche nicht in Küstengewässern durchgeführt werden und auch eine unabhängige Kontrolle des Experimentes nicht sichergestellt ist. Außerdem wies die „Risikoanalyse“ aus Sicht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) noch Lücken auf, die abzuklären gewesen
wären.“ …

„International ist der Ansatz der Meeresdüngung höchst umstritten... So weisen sowohl der Interstaatliche Rat zum Klimawandel (IPCC) als auch der Wissenschaftliche Beirat für Globale Umweltveränderungen (WBGU), … in ihren Gutachten wiederholt darauf hin, dass die Risiken der Meeresdüngung im Hinblick auf die mittelbaren Folgen für die Meeresökosysteme schwer abzuschätzen sind und lehnen diese
daher ab.“

„Auch in indischen Medien wird das Projekt teilweise als Einstieg in einen lukrativen Milliardenmarkt gesehen. Für das BMU ist es ein fataler Ansatz, den Klimawandel durch ein Herumdoktern an unseren Meeresökosystemen aufhalten zu wollen. Dieses unwissenschaftliche Denken hat unmittelbar in die Klimakrise geführt und taugt nicht zu ihrer Lösung.“ (Herv. von mir)

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Diese Lohafex-Geschichte hat dem Commonsblog etliche neue LeserInnen und interessante Kommentare verschafft, u.a. folgenden Hinweis von NM,

„Kritische Öffentlichkeit: ist zwar prinzipiell wunderbar, nur wird es problematisch, wenn sie sich zu Themen äussern soll, bei denen man ohne PhD im relevanten Fachbereich schlicht nicht differenziert mitreden kann.

Mal abgesehen davon, dass sich die kritische Öffentlichkeit gar nicht äussern soll (das ist ja das Problem!), sondern sich ungefragt äußert, weil sie sich äußern will; ich verstehe da: Seid still, wenn Ihr keinen Doktortitel in Biologie habt! Hoffe, ich habe da was falsch verstanden, denn daraus spricht nicht gerade eine demokratische Grundüberzeugung. (Im IPCC, WBGU und sicher auch im BMU gibt’s übrigens Unmengen von PhDs in relevanten Fachbereichen.)

Ich sage trotzdem als Bürgerin ohne Doktorhut in Biologie und als commoner – denn auch mich geht die Integrität der Ökosysteme was an, auch ich ebe auf dieser Erde – dass ich die Zweifel des BMU angemessen finde. Und ich begrüße, dass ein Ministerium das andere öffentlich kritisiert.

Die Polarstern fährt aber trotzdem weiter!

Nachtrag vom 29. Januar: Hier der Link zur Mitteilung der ETC Group. Sie machen heute Nachmittag eine Veranstaltung auf dem WSF. Da wird das Thema sicher intensive diskutiert. Vielleicht schaffe ich es, davon zu berichten.

foto on flickr by Bertelsmann Stiftung

Gemeingüter auf dem WSF

Ich halte gerade die Programmzeitung des Weltsozialforums 2009 in der Hand. Bis ich mich da durchgefunden habe, ist das WSF vorbei! Und die Gelegenheit den Amazonas zu sehen gleich mit.

Berichtenswert für den Commonsblog sind u.a. die Ziele… Den Rest des Beitrags lesen »

Pupunha und Açaí – Biodiversität zum Frühstück

Bei mir gab’s heute zum Frühstück pupunha. Die Frucht der Pfirsichpalme. Ich kann jetzt gut verstehen, warum die Paraenses sie lieben. Man muss pupunhas lange kochen, dann am Stielansatz „köpfen“ und vom spitzen Ende her abziehen. Der Kern ist relativ groß, Fruchtfleisch eher wenig. Trotzdem schmeckt man sofort, wie nahrhaft das Ganze ist – stärkehaltig. Pupunhas werden zum Kaffee genossen, pur oder in Honig getaucht. Hmmm…

Dem folgte açaí auf dem Speiseplan, die Frucht der Kohlpalme. … Den Rest des Beitrags lesen »

Allmend auf Switzerdütsch: Zelgen

Das Historische Lexikon der Schweiz definiert die Allmende dreisprachig. Deutsch, Italienisch und Französisch (wann folgt Rätoromanisch?) Die Schweizer benutzen bekanntlich viele putzige Wörter – schon deshalb macht es Spaß, im Lexikon zu blättern. Dabei findet man u.a. die klassische (historische) Allmende gut beschrieben:

„Als A.en bezeichnet werden Weiden -, Wald – und Ödlandflächen, die von den dazu berechtigten Bewohnern eines Siedlungsverbands — eines oder mehrerer Dörfer, Weiler oder Hofgruppen — zur kollektiven wirtschaftl. Nutzung ausgeschieden waren.“

Als idealtypisches Modells dient die verzelgte dörfliche Wirtschaft. Den Rest des Beitrags lesen »

Unternehmens-Commons

Entrepreneur Commons ist eine Initiative von Marc Dangeard (das Wort hat er sich allerdings erstmal mit einem Trademark schützen lassen!) Es geht um eine schnellere und bessere Finanzierung von Start-ups.

Dangeard stellt sich das so vor:

Normaler gibt 3 Arten von Sponsoren:… Den Rest des Beitrags lesen »

Commons durchsetzen, Marktwirtschaft zähmen – Jetzt!

Die Zeit ist reif, findet Jay Walljasper. Reif für einen Perspektivwechsel. Die Zeit nach den Wahlen in den USA und nach den diversen Bankrotterklärungen, die die Schwachstellen der staatsbekrükten real existierenden Marktwirtschaft nun auch in den Zentren offenlegen.

Wir könnten von der Rechten lernen, die seit den 60er unbeirrbar ihre marktfundamentalistische Ideologie durchsetzte, weil sie  Eins vestanden habe: „Modern politics is a battle of ideas“.

Die Zeit ist reif, denn… Den Rest des Beitrags lesen »

Wie Geister Gemeingüter schützen

Kennen Sie den? Das ist ein Curupira, ein kleiner brasilianischer Waldgeist. Ich fliege ja morgen in die Amazonasregion. In Belém, der Hauptstadt des Bundesstaates Pará, findet das Weltsozialforum statt. Mit ein paar Ko-autoren werde ich dort mein Buch vorstellen. Gute Gelegenheit um nachzusehen, ob der Curupira im Amazonas wirklich einer der wichtigsten Hüter der Gemeingüter ist.

Die Sache ist nämlich die: Geister sind effizienter als Regeln. Überall gibt es alle möglichen Vorschriften für die Bewirtschaftung von Gemeinressourcen. Sie sind formell (in Gesetzestexten fixiert) oder informell (mündlich weitergegeben). Den Rest des Beitrags lesen »

The Commons – schnell erklärt

Laura Hanna & Gavin Browning von The Nation haben ein Commonsvideo gemacht! In 3,46 min versuchen sie zu erklären, was Commons sind und worum es geht. …. um den Weg in eine etwas andere Gesellschaft. Aus der Ankündigung:

„In our imperfect world, only the lucky few have access to wealth and cultural riches. There is a better way: it’s called The Commons.

Die Quellen für das Video:

Unjust Deserts: How the Rich Are Taking Our Common Inheritance and Why We Should Take it Back by Gar Alperovitz and Lew Daly

Blue Covenant: The Global Water Crisis and the Coming Battle for the Right to Water, by Maude Barlow

Viral Spiral: How the Commoners Built a Digital Republic of Their Own, by David Bollier

The Magna Carta Manifesto: Liberties and Commons for All, by Peter Linebaugh

Anschauen, kommentieren, weiterleiten!

Das Video findet sich natürlich ach auf dem CommonsDeutschland Kanal von youtube.


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