Das hat der UN Menschenrechtsausschuss am 20.05.08 in seinen concluding observations zur Klage zivilgesellschaftlicher Organisationen gegen die indische Regierung konstatiert! Ein Durchbruch!
Gemeinsam mit Vandana Shiva, hatte die Gründerin der Aktion GEN-Klage, Christiane Lüst, beim Menschenrechtsausschuss einen Bericht über die Auswirkungen des Einsatzes genmanipulierten Saatguts in Indien eingereicht. 200.000 indische Bauern haben sich, weil sie keinen Ausweg aus der entstandenen Abhängigkeits- und Kostenspirale sehen, das Leben genommen.
Geklagt wurde auf sofortigen Stopp der Gentechniknutzung in Indien zum Schutz der Bauern, Konsumenten - und der Menschenrechte.
Wie im letzten Blogbeitrag festgestellt: Wer die commons gefährdet, gefährdet das Leben…. Der Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft, durchgesetzt und kontrolliert von transnationalen Konzernen, tut das. Da wird im Extremfall nicht nur das Saatgut selbst seiner essentiellsten Funktion, der Keimfähigkeit, beraubt (Stichwort Terminator Technologie), da wird -sofern es sich nicht um Selbstmord-Saatgut handelt, die in allen Kulturen fest verankerte Praxis, Saatgut zu bewahren, wieder auszusähen und durch traditionelle Methoden weiterzuentwickeln kriminalisiert. Und da werden Menschen, die oft der Entzifferung der englischsprachigen Aufschriften von geliefertem Saatgut und mitgelieferten Pestiziden nicht mächtig sind, mit allerlei Marketing und Halbinformationen in die Abhängigkeit getrieben.

Ich fand schon immer, dass die Debatte um “Grüne Gentechnik” vor allem im Süden weniger mit Argumenten, die Umwelt- und Gesundheitsschutz in den Mittelpunkt stellen, sondern vor allem mit Blick auf die Verschärfung dieser Abhängigkeiten geführt werden muss. Wenn sich arme BäuerInnen in den Sog und die Zwangsjacke von Monsanto & Co begeben, gehen ihre letzten Ressourcen zum Überleben schnell den Bach runter. Doch oft wird dieser Punkt gar nicht gemacht.
Genmanipuliertes Saatgut einsetzen heißt: Die Nabelschnur, die sie mit ihrem Land, ihrem traditionellen Wissen um das Saatgut und mit dem Saatgut selbst verbindet, zu durchtrennen. Das ist lebensfeindlich.
Erstmals wurde nun von einem UN Gremium die Nutzung der Gentechnik in der Landwirtschaft als Menschenrechtsverletzung gerügt und eine Regierung aufgefordert, den Zugang der Bauern zu traditionellem, wiederverwendbaren Saatgut zu schützen (also das Saatgut als common zu erhalten).
Aus dem Originaltext der Menschenrechtskomission:
29) Das Kommitee ist tief besorgt, dass die exteme Not, die die Farmer erleiden müssen, zu einer steigenden Häufigkeit von Farmer-Selbstmorden über die vergangene Dekade geführt hat. Das Kommitee ist besonders besorgt, dass die extreme Armut unter den Kleinbauern, verursacht durch den Mangel an Land, Zugang zu Krediten und adäquaten ländlichen Infrastrukturen, durch die Einführung von genetisch verändertem Saatgut durch multinationale Konzerne und die daraus resultierende Preiseskalation bei Saatgut, Dünger und Pestiziden, vor allem in der Baumwollindustrie, verschlimmert wurde.
69) Das Kommitee drängt die Regierung … alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen gegen die extreme Armut unter Kleinbauern und die landwirtischaftliche Produktion als eine wichtige Angelegenheit zu steigern … finanzielle und andere Hilfsformen für Familien von Suizid-Opfern zur Verfügung zu stellen … staatliche Unterstützung bereitzustellen, damit die Farmer vermehrungsfähiges Saatgut, dass sie wiederverwenden können, kaufen können mit dem Ziel, ihre Abhängigkeit von multinationalen Konzernen zu beseitigen. …
(Hervorhebung von mir)
Siehe auch: Aktion GEN-Klage, die -als bemerkenswerte Bürgerinitiative- Unterstützung verdient!
foto1: His royal majesty King Cotton by Big Grey Mare on flickr foto2: Demonstration against Monsanto in Hyderabad India by skasuga on flickr