Kürzlich schrieb Jörg über die “innovativen Methoden” von LEGO, die eigene Produktentwicklung durch Mitarbeit der KundInnen zu verbilligen. Heute nun fand ich diesen Artikel in den Nachrichten: Flickr macht Nutzer zu Museumsassistenten. Die gleiche Idee unter anderem Vorzeichen! Und mit anderem Ergebnis: Die Bibliothek des US Kongresses hat jede Menge Archivfotos, mit deren Datierung und Beschreibung die Forscher überfordert sind. Also setzt sie -wie LEGO- auf die Mitarbeit der NutzerInnen, in diesem Fall auf die Flickr-Community. Die wissen vielleicht noch, wer wer ist oder was was war? Noch dazu gerät das Ganze zu einem grandiosen Erlebnis des Stöberns in historischen Fotoalben. (Klicken Sie sich auf den Flickrseiten mal durch.)
Für Flickr war die Kooperation mit der Senatsbibliothek offenbar Stein des Anstoßes, um ein größeres Gemeingutprojekt zu starten. Zitat:
“Sie haben Gelegenheit, an der Beschreibung der öffentlichen Fotosammlungen der Welt mitzuwirken.
…Bereits im Juni 2007 haben wir unsere erste Zusammenarbeit mit einer Regierungsinstitution begonnen, um es interessierten Personen zu ermöglichen, an der Beschreibung der Inhalte einer Fotosammlung in öffentlicher Hand mitzuarbeiten.
Dieses Pilotprojekt hat zwei Hauptziele: Zum einen möchten wir … zeigen, welche verborgenen Schätze in der riesigen Sammlung der Library of Congress schlummern. Zum anderen möchten wir … zeigen, wie Sie diese Sammlung mit ein oder zwei von Ihnen geschriebenen Tags bereichern können.”
Wenn das Ganze funktioniert, sollen weltweit andere Sammlungen eingebunden werden. Interessant ist auch der Lizenzhinweis:
“Flickr hat mit der Library of Congress eine Nutzungsrichtlinie für Bibliotheksmaterial ausgearbeitet, das als lizenzfrei und/oder keinen Nutzungsbeschränkungen unterliegend eingestuft wurde. Sie heißt Keine Urheberrechtsbeschränkungen bekannt.
“Wir wünschen uns, dass diese… neue Publikationsmethode … von weiteren kulturellen Institutionen übernommen wird, um die unzähligen Sammlungen, die weltweit in den Institutionen für kulturelles Erbe lagern, zu zeigen und wieder zu verbreiten.
Der Unterschied ist klar: gemeinfreies Material ist allen NutzerInnen zugänglich und kann von diesen -beschränkungsfrei- verwendet werden. Im Gegenzug erweitern die NutzerInnen den Materialpool. Die Allmende wächst. Das Material bleibt gemeinfrei und allen verfügbar. Der Nutzen (also das Mehr an Information zu den Bildern) kommt allen zu Gute. Ohne dass sie nochmal dafür zahlen müssten. Während LEGO schlicht privateigentumsrechtlich über Ideen verfügen will, die NutzerInnen einbringen. Den Aufpreis, den LEGO dann für das entstandene Produkt verlangt, wird die Firma praktisch von denselben Nutzern wieder einstreichen.
Zum Foto: auf http://www.flickr.com/photos/library_of_congress/sets/72157603671370361/ These vivid color photos from the Great Depression and World War II capture an era generally seen only in black-and-white. Photographers working for the United States Farm Security Administration (FSA) and later the Office of War Information (OWI) created the images between 1939 and 1944.
6. Februar 2008 um 15:20
[...] Die Bibliothek des US-Kongresses (Library of Congress LOC) hat rund eine Million Fotos und Drucke gesammelt, die bereits seit zehn Jahren online öffentlich zugänglich sind. Nun hat die LOC ein Pilotprojekt gestartet, um ausgewählte Fotos via Flickr öffentlich taggen zu lassen. Die Sammlung wird dadurch reicher und besser zugänglich. Crowdsourcing im besten Sinne, denn das Resultat bleibt freies Allgemeingut (Commons) — für alle Bilder gilt: »Keine Urheberrechtsbeschränkungen bekannt«. [via] [...]