Eco-Patent Commons?

Was es alles gibt!
Der World Business Council for Sustainable Development, ein loser Zusammenschluß von ca 200 internationalen Unternehmen mit Sitz in Genf hat eine Ecology Patent Commons Initiative gestartet. Ein Blick auf die Mitgliederliste des WBCSD macht misstrauisch: Was verstehen adidas-Salomon, BASF, Bayer, Continental AG, DaimlerChrysler oder Degussa -um nur ein paar deutsche Riesen zu nennen- unter Commons?
Worum geht es hier? Wie die Initiatoren der Science Commons immer wieder betonen, liegt ein Schlüssel, um den aktuellen (auch ökologischen) Herausforderungen zu begegnen darin, „wissenschaftliche Forschungsergebnisse leichter auffind- sowie nutzbar zu machen und einfacher zu teilen“. (Vgl. der aktuelle Beitrag auf dem SC-blog: Could the key to feeding the world be locked up in a company fridge somewhere? Patentierte Technologien breiter, schneller und einfacher nutzen zu können entspricht im Prinzip diesem Credo. Doch wie funktioniert das hier? Wer entscheidet darüber wer was wie nutzen darf?

Eco-Patent Commons setzt da an, wo es den Mitgliedern des WBCSD nicht weh tut: Denn -so die Selbstdarstellung- es gibt Patente, die sozusagen die Kronjuwelen eines Unternehmens sind. Die bleiben weiter unter Verschluss. Dann gibt es solche, die nicht zum Kerngeschäft gehören und von deren (relativer) Freigabe die Profite einer Firma nicht abhängen. Um die geht es. Sie werden von den Firmen der WBCSD anderen am Projekt beteiligten Firmen zur Verfügung gestellt. Als mögliche fehlende Puzzleteil für deren Forschungsprozesse.

Die Gründer des Projekts geben zum Start 30 Patente in den gemeinsamen Pool. Die Information wird auf einer projekteigenen Website veröffentlicht. Wer auch nur ein weiteres Patent beisteuert, und damit online geht, gehört automatisch dazu. Zum Vergleich: IBM (Gründungsmitglied) hat allein im vergangenen Jahr 3125 US-Patente erhalten, und „spendet“ jetzt maximal eine Handvoll davon (z.B. zur Wiederverwendung von Schutzverpackungsmaterial für empfindliche Elektronikbauteile). Nokia steuert sein Patent einer Methode zum Handy-Recycling bei. Ob in Anerkennung der Tatsache, dass die Patentierung von Methoden ohnehin fragwürdig ist, wage ich zu bezweifeln. Offenbar haben sie damit kein Geld verdienen können.

Es gibt auch Patentinhaber, die sich v.a. deshalb an der Initiative beteiligen, weil sie sich einen Nutzen von der Veröffentlichung der Informationen anderer beteiligter Firmen versprechen. Welche Patente also in den Pool gestellt werden, ist freie Entscheidung des Unternehmens. Einzige Bedingung: Sie müssen -direkt oder indirekt- der Umwelt dienen.

Barrierefreien Zugang zu diesen Patentinformationen haben aber nur andere Patentinhaber, die sich für eine Beteiligung an den Eco Patent Commons entschieden haben: Nicht die Öffentlichkeit. Die Initiatoren nennen das: „defensive termination“: defensive Begrenzung.

„The Commons will be open to all – with global participation by businesses in diverse industry sectors. It will be fed with … patent pledges by companies that become members of the Commons. Through the Commons, the patents will be made available for free use by all, subject to defensive termination.

„In contrast to dedicating patents to the public, the Commons allows the pledger to terminate as to those who assert patents against the pledger. With respect to defensive termination, one pledger may assert patents, outside the field of the Commons, against another pledger without losing rights inside the Commons field.“

Diese Konstruktion der “Freien Nutzung bei defenisver Begrenzung” („free use subject to defensive termination“) ist etwas, was wir aus natürlichen Ressourcensystemen kennen. Nur die Mitglieder einer bestimmten Gemeinschaft haben freien Zugang (verbunden mit konkreten Nutzungsregelungen) zu einer bestimmten Ressource (einer Weide oder einem Wassermanagementsystem). Ähnlich wie Clubgüter (z.B. ein Sportclub): Man zahlt einmal Eintritt, gehört dazu und darf dann alles nutzen, während der Rest außen vor bleibt. Das schützt vor Übernutzung. Macht aber bei nichtrivalisierenden Ressourcen keinen Sinn.

Anders gesagt: Im Zusammenhang mit Wissen und Ideen, bedeutet die Idee eher : Free use nur für jene, deren Nase mir passt und die meine Bedingungen erfüllen. Es geht offenbar nicht wirklich um das Teilen, schnellere Innovation und den Nutzen für die Menschheit und den Planet (der in der Selbstdarstellung sehr wohl angesprochen wird, sondern; Zitat:

„The Eco-Patent Commons will provide global recognition for the businesses whose leadership is contributing to the acceleration of sustainable development.”

Oder wie David Kappos, IBM – Patentrechtsexperte und -berater, formuliert: Die drei wesentlichen Vorteile dieses „Commons“ Systems sind: “Effizienz, Umfang und Sichtbarkeit”

Die Initiatoren sagen, die Initiative sei inspiriert von der Open Source Community, die bewiesen habe, dass das Teilen von Wissen eine fruchtbare Basis für Zusammenarbeit und Innovation liefere (100 Punkte für die Kandidaten!) Das ist der Fall. Vorausgesetzt, dass man es mit dem Teilen Ernst meint. Die Initiatoren sagen auch, die Welt hat was davon. Was genau, wird nicht klar: Freien Zugang jedenfalls hat sie nicht: Stattdessen – möglicherweise und sehr indirekt:

„…the improvement of the environmental aspects of their (the business) operations.“

Ich will mein Urteil mal so zusammenfassen: Schaden tut’s nicht. Besser halbseidenes Eco-Patent-Sharing als gar kein Sharing. Nur sehe ich den Commonsbegriff in solchen Initiativen nicht gut aufgehoben. Der birgt ein emanzipativeres und demokratischeres Potential.

Foto on flickr by adulau: patents are only for the old machine!

4 Antworten zu “Eco-Patent Commons?”

  1. Jörg Haas Sagt:

    Hm, ich verstehe das mit der “defensive termination” nicht so richtig – da reicht mein Englisch vielleicht nicht aus. Aber wir müssen eines sehen: Wissen ist an sich nicht rivalisierend – wenn ich ein Wissen besitze kannst Du es auch haben.
    Aber in einem Unternehmen, das mit anderen konkurriert, kann ein Wissensvorsprung eben auch einen Wettbewerbsvorsprung bedeuten. Oder ein Wissen an Wert verlieren, wenn es von allen besessen wird.
    Was hat das mit “defensive termination” zu tun? Wenn ich das nur halbwegs richtig verstehe, will man damit dem Problem der “Trittbrettfahrer” beikommen. Also Unternehmen die nur von den Eco-Patent Commons nehmen, aber nichts geben.
    Das ist m.E. legitim. Ganz ähnlich funktionieren File-Sharing Netzwerke, die Zugang zum runterladen auch nur anbieten wenn man selbst was zur Verfügung stellt.

    Ich will hiermit nicht diese in der Tat ziemlich halbherzige Initiative schönreden. Aber das Prinzip, Trittbrettfahrer auszuschliessen finde ich im Grunde ein legitimes Verfahren des Commons-Managements.

  2. Silke Helfrich Sagt:

    Jörg, das Konkurrenzproblem ist doch schon dadurch gelöst, dass die Firmen entscheiden, welches Patent überhaupt in den Pool kommt. Die Aufforderung, sich zu beteiligen (siehe zitierte homepage) macht das ziemlich deutlich: Ich will’s mal flapsig sagen: Misten Sie Ihr dickes, altes Patentportfolio aus und geben sie uns, was sie übrig haben.
    Trittbrettfahrer kannst Du auch sein, indem Du als Inhaber von 4000 Patenten ein einziges – für Dich wertloses – reingibst, um von der dadurch zugänglichen Information direkt zu profitieren. Das ist aber nicht der Punkt, um den es da geht. Sondern eher: “commons” ist irgendwie das neue Zauberwort, eine Erfolgsgarantie, schick und erhöht die Sichtbarkeit. Also starten IBM und BASF und was weiß ich wer noch solche Projekte. Für die politische Durchsetzbarkeit des Begriffs ist es aber alles andere als irrelevant wer ihn in welcher Weise benutzt. Das besorgt mich.
    Das Prinzip der Reziprozität, auf das Du abhebst, ist freilich wichtig, auch bei Wissen, Kultur und Ideen. Dagegen gibt es auch nichts zu sagen.

  3. Jörg Haas Sagt:

    Ja, sicher, man ist immer noch ein Trittbrettfahrer wenn man sein wertlosestes Patent reingibt nur um von anderen zu profitieren. Aber immerhin muss man überhaupt was reingeben und nicht nichts. Und das finde ich an und für sich ein legitimes Ansinnen.

    Dass die Initiative natürlich auch einen “Greenwashing” Effekt hat ist unübersehbar. Da hast Du völlig recht. Aber darauf habe ich mich ja in meinem Kommentar gar nicht bezogen.

  4. Patentinfos » Re: SCHAFFT PATENTE AB - Aufbäumen gegen Software-Patente in Euro… Sagt:

    [...] Ist ja eigentlich nicht der Zweck, sondern der Firma, die das Patent > entwickelt hat, einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, so dass sie > es schaffen [...]


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