Prinzipien des Commonsmanagements II

Auf den P2P Diskussionsseiten gibt es eine interessante Liste von Franco Papeschi & Tory Dunn zu der Frage, woran man ein nachhaltiges Projekt erkennen kann. Es erfasst m.E. zugleich die wichtigsten Prinzipien einer commons based economy, also der Gemeinschaftlichen Produktion von Gleich zu Gleich bzw. der ‘Gemeinen Peer-Produktion‘ jenseits von  Markt und Staat (Apropos,wie klingt der Begriff? Provokant?)

Hier die Übersetzung das Fragenkatalogs mit einigen Ergänzungen von mir. Die assoziierten Prinzipien, so wie ich sie sehe, habe ich in Klammern gesetzt.

  1. Hilft die Initiative/das Projekt den Menschen, ihre Zeit so gut wie möglich zu nutzen? (Zeiteffizienz besser vielleicht noch: Entschleunigung)
  2. Stärkt sie die Beziehungen zwischen den Menschen? (Beziehungsorientierung)
  3. Gibt es einen klar identifizierbaren sozialen Nutzen (oder, falls dieser nicht klar identifizierbar sein sollte, zeichnet sich diese Richtung ab)? (Gemeinwohlorientierung) Den Rest des Beitrags lesen »

Wem gehört die Welt? Zweite Auflage

Hab’ ich eigentlich schon berichtet, dass das Buch in zweiter Auflage erschienen ist? Ich freue mich auch immer, dass die Verkaufsplazierung bei Amazon im Bereich Gesellschaft/Politik/Staat so gut ist. Hier also das Cover der zweiten unveränderten Auflage mit einem kleinen roten Stempel drauf. Cover II

Joni Mitchell: they’ve paved paradise

„Big yellow taxi“ heißt der song, in dem Joni Mitchel Anfang der 70er über das Verschwinden der städtischen Gemeingüter singt. Und keiner merkt’s. Bzw. wir merken es erst, wenn sie weg sind:


So they have paved paradise
And put up a parking lot
With a pink hotel
A boutique
And a swimming night spot.
Don´t it always seem to go
That you don´t know what you got til it´s gone
They paved paradise
Put up a parking lot.
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Commoning! Was bitte?

Seit Wochen suchen wir nach einer Übersetzung dieses Satzes:

„There is no commons without commoning“. (Peter Linebaugh, siehe diesen Eintrag) Er bringt auf den Punkt, worum es bei den Gemeingütern (commons/Allmenden) geht: Um eine bestimmte Art und Weise des gemeinsamen Tuns. Um ein gemeinsames Verständnis davon, wie kollektiv verfügbare Ressourcen zu nutzen sind.

Heute dachte ich, vielleicht geht es so:

„Es gibt keine Gemeingüter ohne gemeinsames Wirken/Tun.“ oder „Gemeingüter entstehen aus gemeinsamem Wirken/Tun“

Wie klingt das? Bessere Vorschläge hocherwünscht.

Die Bedeutungen von „wirken“ gefallen mir, denn genau das ist es, worum es beim „commoning“ geht.

[1] tätig sein, nützlich sein, etwas schaffen, etwas vollbringen
[2] eine Wirkung entfalten …
[4] fachsprachlich: Textilien nach einem Wirkverfahren herstellen
[5] fachsprachlich: Gewebe mit eingearbeiteten Bildern oder Mustern herstellen

Commoning: das bedeutet, dass eine Nutzergemeinschaft, eine Gruppe von Menschen miteinander etwas macht. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Verfahrensweisen, aber stets lassen sich Muster (Prinzipien) ablesen – die Muster vitaler Gemeingüter. 

Monsanto: von Drehtüren und Werkzeugen die keine sind

Michael Grolm, der Thüringer Imker der für seine Überzeugungen ins Gefängnis geht, sagt Sätze die jeder versteht. Etwa:

Der ehemalige Monsanto-Chef spricht davon, dass die Gentechnik ein Werkzeug sei. Nicht gut und nicht schlecht. Eben ein Werkzeug. Aber ein Werkzeug ist so etwas wie ein Hammer oder eine Schere. Die kann ich benutzen, um etwas zu tun. Doch diese Technologie benutzt uns! Sie macht etwas mit uns, nicht wir mit ihr.

Gestern Abend habe ich für INKOTA an einer Diskussionsveranstaltung zum überMacht-Film-Festival teilgenommen. Ich komme spät. Öffne die Tür. Der Saal des KuBus ist voll. Man muss wissen: Den Rest des Beitrags lesen »

Commons sind Zeitgeist

Lesenswerter Artikel in der Jungle World von Alex Berger über Elinor Ostrom, den Nobelpreis,

„Der Wirtschaftsnobelpreis stellt, …, eine Art politische Manifestation des Zeitgeistes dar. … Daher kann die Ehrung Ostroms als symbolische Kehrtwendung zumindest eines Teils der globalen Elite in Sachen Verwaltung endlicher Ressourcen verstanden werden.“

Ich bin immer für derlei Interpretationen! Das hebt die Motivation!

… über einige historische Details und die Kriminalisierung der „commoners“ im Kontext der Einhegung der Allmende:

„Auch von den Zwölf Artikeln der Aufständischen des Deutschen Bauernkriegs beschäftigten sich immerhin vier mit der Forderung nach Aufrechterhaltung bzw. Ausdehnung der Allmenden.“

„Allein für das Jahr 1850 verzeichnete die preußische Kriminalstatistik 265 000 Fälle von Holzdiebstahl. Aber … Den Rest des Beitrags lesen »

„Wissen als Privateigentum ist absurd“ – Junge Ideen in der BpB

Aber auch eine Renaissance der Gemeingüter, der Allmende ist möglich. Nötig wäre sie allemal. In den Bereichen der digitalisierten und weltweit vernetzten Kulturen und Wissenszirkulation zeichnen sich neue, faszinierende Möglichkeiten ab, Ressourcen intelligent und effizient zu teilen und zu verteilen. Das muss nicht ohne Gewinn und private Eigentumsanteile bleiben. Aber auch hier ist noch vieles offen: …

eröffnet Thorsten Schilling das aktuelle Jugendmagazin Fluter, herausgegeben von der Bundeszentrale für Politische Bildung (BpB) zum Schwerpunkt Eigentum. Gelungenes Heft mit eigentümlichen Zahlen.

Gleich zum Anfang gibt es ein Interview mit Prof. Ulrich Steinvorth, Ko-autor unseres Manifests;; Steinvorth meint: Wissen als Privateigentum ist absurd.

Bei den Fragen geht allerdings ein bisschen was durcheinander – die Allmende wird mit dem Gemeineigentum und sogar dem Gemeinwohl in einen Topf geworfen, was in der eigenwilligen Frage gipfelt:

„Dann hat also sowohl privates Eigentum als auch Gemeinwohl einen Nachteil?“

Wie bitte? Also das mit dem Gemeinwohl sollten die Autoren korrigieren, ansonsten versteht man trotz Begriffsverwirrung die Richtung.

Fluter: Wie lange gibt es denn Privateigentum schon? So lange wie es Menschen gibt?

Steinvorth: Nein, das kann man in der Philosophie sehr schön ablesen. Der Begriff des privaten Eigentums entsteht erst in der Antike, besonders deutlich wird das bei Cicero. Cicero ist sich sehr klar darüber, dass es Privateigentum geben soll, weil das der Gesellschaft insgesamt nutzt. Aber bestimmte Ressourcen wie Grund und Boden können kein Privateigentum sein. Und die Vorstellung, dass es ein natürliches Recht auf Eigentum gibt, wird sogar explizit bei Cicero verworfen. Bei ihm heißt es: Eigentum ist immer Eigentum einer Gesellschaft.“

„Geistiges Eigentum“? Einladung zur Commonsdbatte an den Deutschen KulturRAT“

Der Deutsche KulturRAT hatte 7 Mindestanforderungen an die Kulturpolitik der neuen Koalitionäre formuliert. In dieser Pressemitteilung wurden die Forderungen mit dem existierenden Vertrag abgeglichen. Ins Auge sticht eine merkwürdige Diskrepanz in Sachen „Geistiges Eigentum“. Zunächst die Forderung:

Geistiges Eigentum: Die Debatte zur Weiterentwicklung des Urheberrechts und Stärkung des Bewusstseins für das geistige Eigentum muss konsequent und offen fortgeführt werden.“ (alle Herv. S.H.)

Und was sagt der Vertrag? Den Rest des Beitrags lesen »

„Umwelt-Auftragsmörder“ oder Kein Strand für alle

Zur Rolle des Staates in der Gemeingüterdebatte wird noch viel zu diskutieren sein. Hier anders als anderswo. Oft wird der Staat als trustee der Gemeingüter herbeigewünscht. Das scheint nicht unlogisch: Wen anders – wenn nicht demokratische Institutionen – sollte man mit der Verwaltung von Dingen beauftragen, die nicht auf lokaler Ebene in den Griff zu kriegen  sind? Küstenstreifen zum Beispiel. Hier ist Staat als trustee mitten in  Europa noch einigermaßen vorstellbar, wenngleich es nicht immer vernünftig oder effizient erscheint, an den Staat zu delegieren … . Aber anderswo ist es anders.  In ihrer Oktoberausgabe hat die ILA einen Artikel veröffentlicht, der schlagartig klar macht, warum mir das Wort Rechts-Staat beim Gedanken an Mexiko immer genau in der Mitte im Hals stecken bleibt. Den Rest des Beitrags lesen »

Jack Wolfskin und die Tatzenposse: 1:0 für uns

Jack Wolfskin lenkt ein. Vernunft siegt über Markenrecht. Das Agieren der (Internet-)communities über den Konzern! Jetzt knirscheln vermutlich nicht nur Jack Wolfskins Anwälte.

Hier die aktuelle Meldung bei Heise.

„Der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin lenkt im Streit mit Kleinhändlern um angebliche Markenrechtsverstöße ein. Das Unternehmen will seine umstrittenen Abmahnungen zurücknehmen. ‘Die zum Teil heftige Kritik unserer Kunden … nehmen wir ernst und zum Anlass, unser Vorgehen kritisch zu hinterfragen’, erklärte Geschäftsführer Manfred Hell am Freitag. Heftige Reaktionen im Internet hätten zum Einlenken geführt. … Anwaltliche Hilfe soll in Zukunft erst ein letzter Schritt sein.“ (Herv. von mir)

Großartig.

Die Posse um die Tatze hatte eine Welle der Entrüstung ausgelöst, die sich per Blogs und Twitter sowie in den klassischen Medien rasend schnell verbreitete. Auch hier auf dem Commonsblog.